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Südtirolfoto: Othmar Seehauser

Gewerkschaft

Sicherheit über alles

Die Provinz Bozen könnte mehr für die Vorbeugung von Unfällen am Arbeitsplatz tun, meint der SGBCisl. Die Gelder dafür seien da, nur der Wille fehle.
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Rund 17.000 Arbeitsunfälle gibt es jedes Jahr in Südtirol. Diese Zahl stammt aus dem Arbeitsunfallinstitut INAIL. Der Großteil der Unfälle geht glimpflich aus, doch einige enden tödlich. 2012 wurden elf Todesfälle am Arbeitsplatz gezählt, 2013 waren es vier. 2014 stieg die Zahl auf 13 an, im vergangenen Jahr waren es insgesamt 15. Und allein in der ersten Hälfte des laufenden Monats haben sich bereits zwei tödliche Arbeitsunfälle ereignet.

Auch wenn die Zahl der Arbeitsunfälle laut Auskunft von Arbeitslandesrätin Martha Stocker seit den 1970er Jahren kontinuierlich abnehme – für die Gewerkschaften ist jede am Arbeitsplatz verletzte oder gar getötete Person eine zu viel. “Im Gegensatz zu Südtirol gibt es im Trentino jedes Jahr nur etwa halb so viele Arbeitsunfälle”, zeigt SGBCisl-Sekretär Michele Buonerba auf – und gleichzeitig mit dem Finger Richtung Provinz: “Während man sich in Trient engagiert um die Vorbeugung von Unfällen bemüht und eine Reihe von Strukturen geschaffen hat, die Unternehmen in dieser Hinsicht beraten, hat Bozen gar nichts gemacht”, so der Vorwurf. Diesen lässt man beim Land so nicht gelten. Am 12. Februar präsentierte Landesrätin Stocker gemeinsam mit dem Direktor der Landesabteilung Arbeit Helmuth Sinn und Amtsdirektor Sieghart Flader die Bilanz der Tätigkeiten des Arbeitsinspektorats im vergangenen Jahr: immerhin 550 eingegangene Anzeigen, 1.972 Inspektionen – drei Viertel davon im Bereich Sicherheit und technischer Arbeitsschutz –, 2.100 verfasste Protokolle, 95 Unfalluntersuchungen. Für die Kontrollen zuständig sind insgesamt 31 Arbeitsinspektoren. Zu wenig, meint Gewerkschafter Buonerba: “Im Trentino sind es 66.”

Im Laufe des vergangenen Jahres wurden vom Arbeitsinspektorat 3.700 Strafen ausgestellt, die in Summe 1,5 Millionen Euro einbrachten. 684 Sanktionen und 625.958 Euro stammen aus dem Bereich des technischen Arbeitsschutzes. An dieser Stelle hakt die SGBCisl erneut ein: “Der Einheitstext zum Arbeitsschutz sieht vor, dass diese Geldmittel vor Ort in die Unfallvorbeugung investiert werden müssen”, schreiben Buonerba und sein Vize Dieter Mayr in einer Aussendung. Allerdings fehle der Wille der Landesregierung, dies auch zu tun. “Leider sind diese Geldmittel – über vier Millionen Euro seit 2009 – in andere Haushaltskapitale geflossen”, bedauern die beiden Gewerkschafter. Sie kündigen an, die Einberufung des Koordinierungskomitees in Sachen Arbeitssicherheit – jenem Gremium, dem die Gelder aus dem Sanktionstopf zustehen würden – zu beantragen, “um zu fordern, dass diese Geldmittel endlich in die Vorbeugung investiert werden”.

Gleichzeitig ziehen die Gewerkschafter die Landesregierung in die Pflicht: “Die zuständigen Landesräte haben uns gegenüber im Laufe der Jahre immer betont, dass Vorbeugen besser sei als Heilen.” Und doch seien es Jahr für Jahr rund 400 Personen, die bleibende Schäden aufgrund von Arbeitsunfällen davontragen würden – mit den damit verbundenen sozialen Folgekosten. “Wenn wir bedenken, dass sich die Folgekosten auf die öffentlichen Haushalte beziehungsweise auch auf das öffentliche Gesundheitswesen niederschlagen, lässt sich erahnen, welche Kosten auf der Öffentlichkeit lasten, wenn nicht genügend in Arbeitsschutz investiert wird”, mahnen die SGBCisl-Sekretäre. Sie fordern eine Stärkung der Vorbeugungstätigkeit, die unter anderem bereits im Omnibus-Gesetzentwurf enthalten ist, der demnächst in den Landtag kommt. “Wir hoffen, dass die Landesregierung diese Möglichkeit nutzt, und dass es gelingt, die Anzahl der Arbeitsunfälle in Südtirol zu verringern”, schließen Buonerba und Mayr.

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