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EkoTex

“Wir gehen nicht mehr einkaufen”

Alexandra Obexer von Skonsumo braucht keine Supermärkte. Neben der Öko-Textilien-Messe organisiert der Verein auch solidarische Einkaufsgruppen.
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Salto.bz: Alexandra Obexer, was wird die Menschen auf der EkoTex dieses Jahr erwarten? 
Alexandra Obexer: Das Event wird vom Verein Skonsumo in Zusammenarbeit mit den solidarischen Einkaufsgruppen, genannt GAS, organisiert. Es wird einen kleinen textilen Markt geben, sowie verschiedene Vorträge und Workshops. Wir als GAS-Gruppen veranstalten auch einen kleinen Kinder-Flohmarkt. Am Vormittag wird Otto von Aufschneider über natürliche Fasern referieren, Alicia Twain wird einen Workshop zum Stricken halten. Dann wird es noch einen Workshop zur Herstellung von Handtaschen mit Fahrradschläuchen geben und eine Fahrradwerkstatt. Die Hauptaufgabe des Marktes ist jedoch der Verkauf von fairer und sauberer Kleidung. Das bedeutet: Einmal in der Auswahl der Materialien, die ökologischer und ethischer Natur sind oder recycelt. Denn auch Verschwendung und das Wegwerfen verschmutzt die Umwelt. Und auch fair hergestellte Kleidung und Stoffe, das bedeutet in Bezug auf Arbeitsverhältnisse der involvierten Mitarbeiter, was nicht selbstverständlich ist.

Immer mehr große Ketten werben ja mittlerweile auch mit ökologischer und fairer Kleidung…
Was ich bei den großen Ketten gesehen habe, ist lediglich die Wiederverwertung, aber dass sie ökologische Materialien verwenden, habe ich nicht gesehen. Vielleicht bei der Baumwolle, aber ob die wirklich ethisch und ökologisch hergestellt wird, bezweifele ich. Bei der Menge an Stoff, die diese großen Ketten wie zum Beispiel H&M verbrauchen, kann man nicht mehr von Ethik oder Solidarität sprechen. Das Beste was der Konsument in diesem Fall machen kann, ist weniger kaufen und mehr verwenden und nicht verschwenden.

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Alexandra Obexer
Alexandra Obexer, Gründungsmitglied des solidarischen Vereins Skonsumo und Leiterin der GAS-Gruppe Gastone

Was hat der Konsument für Vorteile durch Öko-Textilien?
Er weiß, was er trägt und woher es kommt. Es ist nicht unbedingt ein günstigerer Preis, aber man muss auch hinterfragen, was günstig bedeutet. Günstig kann zwar für mich bedeuten, dass ich ein Kleidungsstück gekauft habe, was mich wenig gekostet hat, aber für die Umwelt, meine Gesundheit und den Menschen, der das Produkt herstellt, hat es vielleicht erhebliche „Kosten“ bedeutet. Außerdem ist die synthetische Kleidung nicht gesund im Gegensatz zu den Naturfasern Hanf, Leinen oder Baumwolle. Beim Waschen und Tragen der künstlichen Kleidung gelangen immer kleinste Teilchen in die Umgebung, die dann dort bleiben. Auch die Farben haben Auswirkungen auf die Gesundheit und Umwelt.

Wichtig sind alternative Materialien...
Ja, es wird auf der Messe zum Beispiel auch eine Ausstellung von Schuhen aus alternativen Materialien geben. Eines davon ist zum Beispiel Hanf. Wir waren mal große Produzenten von Hanf und ich hoffe, dass wir es bald wieder sein werden. Das ist gerade wieder groß im Kommen. Ecopassion wird auch auf der Messe vertreten sein, die sind Vorreiter, was die Einführung von Hanf angeht.

Zurück zu Ihrem Verein. Was genau sind die GAS?
GAS bedeutet "Gruppi di Acquisto Solidale" (solidarische Einkaufsgruppen) und kommt aus Italien, dort sind die Gruppen stärker verbreitet. Es schließen sich mehre Familien oder einzelne Personen zu einer Gruppe zusammen. Diese organisiert Einkäufe, indem sie den üblichen Handelsmarkt ausschaltet und sich direkt an den Produzent oder Hersteller wendet. Dadurch kann man ein besseres Verhältnis mit dem Produzenten herstellen und hinterfragen: Wie, Was, Wo. Ebenso erzielt man auch einen faireren Preis für den Hersteller, der dadurch nicht ausgebeutet wird. Auch der Käufer hat den Vorteil nicht die ganze Handelskette finanzieren zu müssen. Zudem ist es Aufgabe der Gruppen Informationen zu verbreiten und aufzuklären.

Wie wird das genauer organisiert?
Die Gruppen organisieren sich selbst, von 10 Familien bis zu einem Maximum von 50 bis 60 Familien. Die Tendenz sind aber eher kleinere Gruppen, da es sonst zu kompliziert wird. Vernetzt wird das Ganze in Südtirol über INTERGAS. Dort treffen sich die Vertreter aus den verschiedenen GAS und organisieren die südtirolweiten Einkäufe, aber auch Events wie die EkoTex. Es kostet nichts und ist unverbindlich, es beruht auf freiwilliger Basis. Mittlerweile kann ich aus persönlicher Erfahrung sprechen, dass wir mit GAS den Kreis geschlossen haben. Wir gehen nicht mehr normal einkaufen, sondern beziehen alle Produkte über das GAS. Das bedeutet, dass es verpflichtend regional und saisonal ist. Ich habe über die Einkaufsgruppen auch gelernt vieles selber zu produzieren, wie zum Beispiel Brot, Waschmittel, Kosmetik. Oder wie man strickt und näht, dass gehört auch alles dazu.

Die Öko-Textilien Messe EcoTex findet am 19. Mai von 14-19 Uhr in Meran (Mehrzweckraum der Pfarrei Maria Himmelfahrt, Carduccistraße 40) und am 20. Mai von 9-19 Uhr in Bozen (Kapuzinergarten, Kapuzinergasse/Eisackstraße) statt.

 

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