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Migration

Wenn Peripherie zum Zentrum wird

Die Allianz zur Entwicklung des SÜD ALPEN RAUMs hat Handlungsanreize erarbeitet, um dem Brain-Drain im Pustertal, in Osttirol und in Oberkärnten entgegenzuwirken.
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Valentina Gianera19.07.2021
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Seit Jahren bangen Südtiroler Unternehmerinnen und Unternehmer um den Fachkräftemangel im Land. Gut ausgebildete junge Menschen verlassen die Provinz, viele kehren nach dem Studium nicht nach Südtirol zurück. Zudem schrecken hohe Wohnungspreise und die oft schwierige gesellschaftliche Integration Fachkräfte aus dem Ausland ab und verhindern, dass Neuankömmlinge in Südtirol Fuß fassen.

Nun setzt das Regional Management Pustertal einen ersten Schritt, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken: Im Rahmen der Allianz zur Entwicklung des SÜD ALPEN RAUMs wurde ein Handlungsleitfaden ausgearbeitet, um Fachkräfte im Pustertal, Ostirol und Oberkärnten zum “Kommen und Bleiben” anzuregen. Finanziert wird das ganze unter anderem vom Interreg Fund der EU, der die länderübergreifende Zusammenarbeit lokaler Verwaltungsebenen fördert.

Projektsteuerungsgruppe des SÜD ALPEN RAUMs
Projektsteuerungsgruppe des SÜD ALPEN RAUMs. (Foto; Regional Management LAG Pustertal)

 

Das Pustertal und die österreichischen Regionen Osttirol und Oberkärnten haben sich 2019 zur Allianz zur Entwicklung des SÜD ALPEN RAUMs zusammengeschlossen. Der Grund: die eng verknüpfte Geschichte der Regionen, die regen Pendlerbewegungen zwischen den einzelnen Gebieten und die Tatsache, dass sowohl das Pustertal als auch Osttirol und Oberkärnten in den jeweiligen Ländern als peripher gelten. Abseits der Achse Innsbruck-Bozen-Trient versucht das Pustertal so einen eigenen europäischen Raum zur Umsetzung innovativer Projekte zu schaffen. “Es ist überraschend, wie viele verschiedene Projekte über die Förderschiene der länderübergreifenden Zusammenarbeit umgesetzt werden können”, erklärt Elisa Golser, Mitarbeiterin des Regional Managements Pustertal und Projektleiterin der Arbeitsgruppe Kommen & Bleiben.

Gemeinsam mit den privaten Forschungseinrichtungen apollis (Bozen) und RegionalSynergie (Innsbruck) hat die Arbeitsgruppe ein Handlungsleitfaden für Gemeinden, Vereine und andere lokale Akteure ausgearbeitet, um den Brain-Drain entgegenzuwirken. Dabei konzentrierte man sich auf vier zentrale Handlungsfelder, die in mehreren Workshops mithilfe von relevanten Akteuren aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und dem sozialen und kulturellen Bereich ausgearbeitet wurden: Wohnen, Arbeit, Vernetzung und Kommunikation sowie Anerkennungs- und Willkommenskultur.

Vor allem die Anerkennungs- und Willkommenskultur liegt dem Regional Management Pustertal am Herzen: “Weil eine Anerkennungs- und Willkommenskultur verwaltungstechnisch nicht einfach umgesetzt werden kann, wird sie oft vernachlässigt”, erklärt Golser. Hier müssen Orte und Begegnungsmöglichkeiten geschaffen werden, die den Neuankömmlingen dabei helfen, Kultur, Sprache, aber auch die Natur kennen und schätzen zu lernen. “Die Workshops haben gezeigt, dass die schönste Wohnung und die beste Arbeit nichts nützen, wenn sich die Personen nicht in der Region einleben können.”

 

Die schönste Wohnung und die beste Arbeit nützen nichts, wenn sich die Personen nicht in der Region einleben können.

 

Der länderübergreifende Austausch hat auch bereits Früchte getragen: Im Rahmen der Workshops hat sich das Corinthian Welcome Center vorgestellt. Dieses ist Teil des osttirolerischen Standortsmarketings und hilft Neuankömmlingen bei Arbeits- und Wohnungssuche, aber auch bei der Suche von Kinderbetreuungsstätten, Schulanmeldungen oder Sprachkursen. “Das Modell ist beim Bezirksvertreter des Unternehmerverbandes im Pustertal, Anton Schenk, auf großes Interesse gestoßen", so Golser erfreut. "Im Herbst wird sich entscheiden, ob – in Zusammenarbeit mit hiesigen Unternehmen – etwas Ähnliches auch im Pustertal umgesetzt werden kann."

Mit dem Abschluss des Projekts “Kommen & Bleiben” und der Ausarbeitung des Handlungsleitfadens will man nun zur konkreten Umsetzung der ausgetauschten und ausgearbeiteten Ideen übergehen: “Der Handlungsleitfaden soll nicht in unseren Schubladen landen”, betont Golser. “Wir wollen Bürgermeister, Vereine und andere lokale Akteure zur Umsetzung inspirieren. Die Ideen müssen unter die Menschen kommen.” Auch ein Folgeprojekt im Herbst, das die konkrete Umsetzung einiger Ideen anstrebt, ist bereits geplant. Auch hier will man wieder länderübergreifend arbeiten: “Verwaltungstechnisch sehen die Lösungen in den einzelnen Regionen etwas anders aus, aber der Ansatz ist derselbe.Der Austausch ist unglaublich wertvoll. Man tauscht Informationen aus, rückt näher zusammen und zieht sich gegenseitig mit”.

 

 

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