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Luftverschmutzung

2019: Diesel-Nachfrage sinkt weiter

Der Abwärtstrend bei den Diesel-Pkw Neuregistrierungen hat sich auch 2019 europaweit fortgesetzt. In Italien wurden 2019 um 22% weniger Diesel-PKWs gekauft als 2018.
Community-Beitrag von Monika Psenner20.01.2020
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Während Pkw-Neuregistrierungen 2019 in der EU einen leichten Anstieg von 1,2% verzeichnen konnten, ist der Marktanteil von Diesel-Pkws um mehr als 10% gesunken und beträgt nur mehr  32%.  Eine positive Bilanz konnten vor allem die Benziner, Hybrid- und Elektro-Autos aufweisen. In allen großen EU-Länder gab es starke Absatzeinbußen bei den Diesel-Neuzulassungen. Italien und Spanien  verzeichneten Einbußen von über 20% , auch in Großbritannien und Frankreich gab es zweistellige Rückgänge, nur in Deutschland blieb der Anteil mit 32% (Vorjahr: 32,3%) stabil. Anfang 2019 gab es sogar Zuwächse und manche sprachen von einer Renaissance des Diesels. Branchenexperte Professor Dudenhöffer von der Universität Duisburg/Essen meint dazu „Der Dieselanteil wird sich wieder stabilisieren, aber nicht mehr das Niveau vor dem Diesel-Betrugsskandal erreichen“.

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Warum verlieren Diesel-Pkws immer mehr an Beliebtheit?

Der Dieselskandal 2015, bei dem der VW-Konzern und einige andere Autohersteller die schädlichen Stickoxid-Emissionen ihrer Diesel-Modelle manipuliert und geschönt haben, hat das Vertrauen der Kunden massiv beeinträchtigt. Weder Nachrüstungen zur Abgasreinigung, für bereits gekaufte Diesel Pkws, noch satte Rabatte der Autohersteller konnten den Image-Schaden wiedergutmachen.

Dieselfahrverbote für Diesel-Pkws in immer mehr europäischen Städten, deren Emissionen nicht den neuesten Emissionsvorschriften entsprechen, halten viele Konsumenten davon ab einen Diesel-Pkw zu kaufen.

Die Erhöhung von Steuern auf Diesel in einigen Länder sowie höhere Preise für Dieselautos veranlassen Kunden dazu weniger Diesel-Autos zu kaufen

Länder wie Norwegen, Norwegen, Großbritannien, Irland die Niederlande und Frankreich planen mittelfristig auf den Einsatz von Verbrennungsmotoren zu verzichten und auf Elektroautos umzusteigen.

Die zunehmende Beliebtheit von Elektro- und Hybridautos wirkt sich auch negativ auf den Absatz von Diesel-Pkws aus.

Strengere Abgasnormen der EU und sinkende Preise für Diesel-Gebrauchtwagen haben zusätzlich dazu beigetragen, dass immer mehr Konsumenten davor zurückschrecken, einen Diesel PKW zu kaufen.

Reaktionen der Autohersteller auf die sinkende Nachfrage

Als Antwort auf die sinkende Nachfrage haben Autoproduzenten ihr Angebots-Portfolio entsprechend angepasst. Besonders bei Kleinwagen verzichten viele Hersteller auf Diesel, weil die Autos aufgrund der komplizierten Abgasreinigung zu teuer würden (z.B. Suzuki, Toyota, Subaru, Audi, Fiat, Honda, Hyundai, Kia, Mitsubishi, Nissan, Skoda, Subaru, Nissan, VW). Auch einige Mitteklasse Autos werden nicht mehr mit Dieselmotor angeboten. Volvo und Porsche werden in Zukunft keine Autos mit Dieselmotoren mehr entwickeln, auch Renault plant das Angebot von Selbstzündern zu verringern.

Das Budget, das für die Entwicklung für Diesel vorgesehen war, wird von vielen Autobauern in die Entwicklung von Elektro-Autos und Hybriden investiert.

Italien: Diesel-Marktanteil sinkt auf 40% im Jahr 2019

In Italien begann der Abwärtstrend bei den Dieselkäufen erst 2018, also mit Verzögerung verglichen mit den anderen großen EU-Ländern. Betrug der Anteil von Diesel Pkws bei den Neuzulassungen 2017 noch 56,7 %, waren es 2018 nur mehr 51,5 % und 2019 sackte der Anteil auf nur mehr 40% ab.    

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Zum ersten Mal seit fast zwei Jahrzehnten war der Anteil von Benzinern höher als der von Diesel-Pkws. Dieselben Ursachen wie in anderen EU-Ländern halten auch immer mehr Italiener davon ab, einen Diesel-Pkw zu kaufen. Verschärfend kommt dazu, dass es infolge von Feinstaubalarm und Dauer-Smog in vielen italienischen Städten (Rom, Turin, Mailand, Bologna, Florenz) immer öfter zu Diesel-Fahrverboten kommt.

Wie die obige Graphik zeigt, spielen in Italien auch mit Gas betriebene Autos eine nicht unbedeutende Rolle. Immerhin machten mit Autogas/LPG (Italienisch GPL)** betriebene Pkws im Jahre 2019 7,1% bei den Neuzulassungen aus, während der Anteil von mit Erdgas/CNG (italienisch: metano)** betriebenen Autos 2% betrug. Der Anteil von Hybrid-Pkws ist in den vergangenen Jahren stetig angestiegen und konnte 2019 einen Anteil von 6% verzeichnen, reine Elektroautos machten nur 0,5% aus.

Aufstieg und Fall des Diesels in Europa

Der Diesel begann seinen Siegeszug in Europa in den 1990er Jahren. Dank Direkteinspritzung und Turboaufladung wurden Dieselautos dynamischer und sportlicher. Vor allem wegen der steuerlichen Begünstigung gegenüber Benzinern wurden Dieselautos immer beliebter. Diesel-Pkws wurden von den Herstellern auch als klimafreundlich präsentiert, da sie im Vergleich zu Benzinern weniger CO2-Emissionen verursachen. Über die gesundheitsschädlichen Schadstoffemission wurde, außer in Fachkreisen, wenig gesprochen oder medial berichtet, bis zum Dieselskandal.

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In manchen europäischen Ländern lag der Marktanteil an Diesel-Neuzulassungen in den Spitzenjahren bei über 70%.  Außerhalb Europas spielen Dieselautos eine geringe Rolle. So betrug der Anteil an Diesel-Neuzulassungen in den USA nie mehr als 3%. Hauptgrund dafür ist, dass Dieseltreibstoff in den außereuropäischen Märkten steuerlich nicht begünstigt ist.

Wie sieht die Zukunft des Diesels aus?

Für 2020 haben zahlreiche Städte in Europa verschärfte Regelungen und Fahrverbote für Diesel-Pkws, die nicht den entsprechenden Umweltstandards entsprechen, angekündigt. Vor allem im Kleinwagensektor bieten Autohersteller weniger Diesel-Pkws an. Verschärfte Abgasnormen der EU machen Druck auf die Hersteller mehr Autos mit alternativen Antriebsformen zu verkaufen. Der Wiederverkaufswert von Diesel-Pkws ist schlecht. Aus all diesen Gründen werden Konsumenten sehr genau überlegen, ob sie sich einen Diesel-Pkw anschaffen. Laut einer Studie der Beraterfirma EY wird sich der Anteil an Diesel-Pkws in Ländern wie Deutschland stabilisieren, während vor allem in den südeuropäischen Ländern, in denen Klein- und Kompakt-Pkws eine größere Rolle spielen, der Abwärtstrend weiter anhalten wird. Wenn die EU ihre Klima- und Umweltpolitik konsequent durchzieht, hat der Diesel mittel- und längerfristig keine guten Chancen.

** Gas als Kraftstoff für Autos kommt in zwei Formen vor: Autogas oder LPG -Liquified Petroleum Gas (italienisch: Gpl) und Erdgas oder CNG-Compressed Natural Gas (italienisch: metano).

Autogas - LPG besteht aus einem Gemisch von Propan und Butan und ist ein Produkt aus der Raffinerie. Es ist bei einem Druck von fünf bis zehn Bar flüssig und kann in relativ kleinen Tanks gespeichert werden.

Erdgas - CNG wird unter sehr hohem Druck (rund 200 Bar) gasförmig gespeichert, größere Tanks sind notwendig. Die meisten LPG- und CNG-Fahrzeuge haben zwei Tanks an Bord, einen fürs Gas und zusätzlich einen Benzintank.

Gasantrieb für Autos ist nicht neu, aber es konnte sich nie richtig durchsetzen, obwohl es im Verbrauch günstiger und weniger umweltschädlich als Benzin und Diesel ist. Seit einiger Zeit bieten Hersteller wieder mehr Autos mit Gasantrieb an.

Italien hat in den 1970er Jahren als Folge der hohen Benzin- und Dieselpreise nach dem ersten Ölpreis-Schock 1973/74 Gasantriebe stark gefördert und ist  in der EU nach Polen die Nummer zwei bei Autos mit Gasantrieb.

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Kommentare

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Georg Lechner 20.01.2020, 16:50

Die Verbrennungskraftmaschinen, die zum Antrieb von Fahrzeugen verwendet werden, werden mit Kohlenwasserstoffen (gasförmig oder flüssig) betrieben, die bei der Verbrennung Kohlendioxid und Wasser sowie gewisse Anteile teilverbrannter Substanzen (Ruß sowie verschiedene, teils atemwegreizende Verbindungen) bilden. Je höher die Verbrennungstemperatur, desto besser der Wirkungsgrad (daher treibstoffsparender), aber desto mehr Stickoxide werden gebildet, in erster Reaktion haupstsächlich des Monoxid, das dann aber zum Dioxid weiterreagiert und sich wegen des höheren spezifischen Gewichts (ähnlich Kohlendioxid) bodennahe anreichert. Dieses bildet mit Wasser (in den Atemwegen reichlich vorhanden) Salpetersäure und salpetrige Säure, was die Atemwegsreizung erklärt.
Je kürzer die Kohlenstoffkette, desto mehr Wasser im Verhältnis zum Kohlendioxid wird bei der Verbrennung gebildet (beim Methan, dem Hauptbestandteil von Erdgas, 2 Teile Wasser zu 1 Teil Kohlendioxid, beim Diesel liegt das Verhältnis schon fast bei 1:1), desto weniger Rußbildung erfolgt, aber desto mehr Druck braucht es für die Verflüssigung und damit platzsparenden Transport (was auch ein gewisses Sicherheitsproblem bei Unfällen darstellt, weil damit auch der Flammpunkt tiefer liegt - das ist die Temperatur, wo schon eine beliebige Zündquelle ein Gemisch mit Luft in Brand setzt).

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Peter Gasser 20.01.2020, 18:57

Aber Bozen-Meran-Leifers haben jetzt für die nächsten 15 Jahre entgegen allem Schönreden vom Podium herab und in die Kameras hinein über 60 DIESELbusse gekauft.

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