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Gastkommentar

Herausforderung Coronavirus-Krise

Was die letzten Tage und Wochen gezeigt haben. Und: Wir werden diese Krise überstehen! Ob wir daraus lernen, liegt an uns.
Von
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Florian Trojer20.03.2020
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Mit dem Coronavirus steht die Menschheit vor einer der schwersten Herausforderungen seit dem Zweiten Weltkrieg. Auf der ganzen Welt erkranken tausende Menschen an dem heimtückischen Virus und allzu viele sterben daran. Darüber hinaus sind wir – die wir das Glück haben, in Freiheit und Frieden aufgewachsen zu sein – in unserem Freiraum auf bisher unbekannte Weise eingeschränkt. Auch die langfristigen Folgen für die Wirtschaft sind bisher nicht abzusehen. 

 

Überwältigende Solidarität

 

Und doch, bei all den Hiobsbotschaften in den letzten Tagen hat sich eine sehr positive Erkenntnis offenbart: Die Solidarität unter den Menschen ist – bis auf wenige Ausnahmen – überwältigend. Auch wenn uns einzelne Nachrichten aus den sozialen Netzwerken, Boulevardmedien und von populistischen Politikern etwas anderes erzählen möchten, ein Blick aus dem Fenster und in ernstzunehmende Informationsquellen zeigt es deutlich: Die Menschen haben sich der gemeinsamen Aufgabe, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, gestellt. Praktisch alle haben ihre sozialen Kontakte auf ein absolutes, notwendiges Minimum reduziert, auch wenn das mit einer massiven Einschränkung unseres täglichen Lebens einhergeht. 

Ein großes Dankeschön an alle, die unser tägliches Leben am Laufen halten Dazu kommen die schier übermenschlichen Anstrengungen, die vor allem das Sanitätspersonal und die Rettungskräfte, aber auch das Personal in den Geschäften und Lieferketten, die die notwendige Versorgung der Gesellschaft aufrechterhalten, und noch viele andere, leisten. Ihnen allen sei an dieser Stelle ein großer Dank ausgesprochen. 

 

Maximale Transparenz ist der Schlüssel zur Lösung von Krisen und Problemen

 

Noch etwas haben die letzten Tage und Wochen gezeigt: Überall dort, wo Politik und Bevölkerung an einem Strang ziehen, übernehmen die Menschen Verantwortung und leisten ihren Beitrag zur Lösung der Krise. Sogar ein autoritär geführter Staat wie China musste nach anfänglicher Verschleierungstaktik immer stärker auf Transparenz setzen, um die Bürger dazu zu bringen, die Regeln zur Eindämmung des Virus einzuhalten. Ein Negativbeispiel stellt in diesem Zusammenhang die Verheimlichungspolitik der Regierung im Iran dar. Das Land steht vor einer unbeschreiblichen humanitären Katastrophe, die Menschen wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen und der Staat versucht, sein Versagen mit Verschwörungstheorien zu erklären. Umgekehrt hat es zum Beispiel der Stadtstaat Singapur – der normalerweise nicht für basisdemokratische Vorgehensweise bekannt ist – geschafft, die Menschen von Anfang an, an den Entwicklungen und Maßnahmen Teil haben zu lassen. Dadurch konnte die Ausbreitung des Virus eingedämmt und die Einschränkungen im täglichen Leben minimiert werden. Und auch hierzulande hat man nach anfänglichem Zögern mit einer sehr niedrigen Anzahl von Coronavirus-Tests und der Nichtbekanntgabe der betroffenen Gemeinden rechtzeitig auf klare und transparente Information gesetzt. Das Vertrauen und damit auch der Sinn für Selbstverantwortung bei den Bürgern steigen dadurch enorm. 

 

Positive Auswirkungen auf Umwelt und Klimaschutz

 

Um soziale Kontakte zu vermeiden, haben wir das tägliche Leben in den letzten Tagen und Wochen auf ein Minimum zurückgefahren; das ist für uns alle unangenehm. Doch vor allem für Menschen, die prekär arbeiten, sei es in der Gastronomie, der Kultur oder einem anderen Bereich, und für Klein-, Mittel- und Familienbetriebe kann das verheerende Folgen haben. Hier ist es notwendig, dass Politik und Gesellschaft auch nach der Krise Solidarität zeigen. Doch das Herunterfahren des öffentlichen Lebens hat auch positive Nebeneffekte. So haben die Maßnahmen gegen das Coronavirus wahrscheinlich mehr zum Klimaschutz beigetragen als die Klimaschutz-Konzepte der verschiedenen Staaten in den letzten Jahren. Leere Straßen und geringer CO2-Ausstoß zeugen davon. Die Experten sagen, dass das nur ein kurzfristiger Effekt sein wird. Nach der Krise werden die Emissionen mindestens wieder dasselbe Wachstum erreichen wie vorher. Die Frage ist: Muss das so sein? Können wir uns angesichts der augenblicklichen Krise nicht auch fragen, ob das Wirtschaftssystem der Gewinnmaximierung wirklich das Beste für unsere Gesellschaft ist? Muss wirklich jeder Bereich wieder auf ein Maximum hochgefahren werden, um ein gutes Leben für uns alle zu ermöglichen? Wäre es zum Beispiel möglich, dass wir auch nach der Krise auf unnötige Fahrten mit dem Auto oder dem Flugzeug verzichten oder auf Bus, Bahn und Fahrrad umsteigen? 

 

Solidarität und Verantwortung

 

Das Grundrezept für eine freie und lebenswerte Gesellschaft Was können wir aus dieser Krise lernen? Vielleicht sind die Lösungen für die Corona-Krise auch die Lösungen für viele andere Probleme unserer Gesellschaft. Vielleicht kann man mit Solidarität, Verantwortung, Transparenz und dem richtigen Maß auch gegen den Klimawandel vorgehen. Vielleicht können wir alle damit auch für andere bedrohte Bereiche wie zum Beispiel unsere einzigartige Kultur- und Naturlandschaft verstärkt Verantwortung übernehmen. Und vielleicht haben wir individuell erkannt, worauf es im Leben ankommt. Eines ist sicher: Wir werden diese Krise überstehen! Ob wir daraus lernen, liegt an uns.

 

Florian Trojer ist in der Geschäftsführung des Heimatpflegeverbandes Südtirol tätig.

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Kommentare

Bild des Benutzers Eduard Gruber
Eduard Gruber 20.03.2020, 20:14

Jeder sollte sich über das "danach" Gedanken machen . Die Krise wird ein Ende haben, aber nichts wird mehr so sein wie vorher. Eine Chance eines Neuanfangs für unsere Erde.

Bild des Benutzers Erwin Demichiel
Erwin Demichiel 23.03.2020, 15:15

Ja genau: Selbstverantwortung der Bürger, Teilhabe der Bürger für alle und in allen wichtigen Bereichen des Lebens - das sind die Stichworte in diesem schönen Beitrag. Aber bitte, bitte vertrauen wir nicht darauf, dass die politische/ökonomische Megamaschine, die unser Leben bisher bestimmt, „nach“ dieser Krise von alleine in eine andere, bessere Richtung läuft. Was war nach der großen Finanzkrise 2008? Gar nichts, große Sprüche, weiter wie bisher, „es gibt keine Alternative“. Es wird von uns Bürgern Anstrengung, Mut und Ausdauer nötig sein, um auf Alternativen zu bestehen und zu zeigen, dass sie es sehr wohl gibt und dass jetzt der Zeitpunkt jetzt gekommen ist.
Eines sollen wir uns nicht mehr einreden lassen: dass alles nur von uns, von unserem individuellen (Kauf)verhalten abhängt – weil der Markt und die Politik sich dann automatisch danach richten. Darin liegt absolut ein Teil der Wahrheit, aber sie wurde bisher dazu missbraucht, um die ökonomischen und politischen Machtstrukturen nicht anzutasten.
Auch warten die autoritären Kräfte in Gesellschaft und Politik nur darauf, um auf der Welle der Krise und der Angst ihren Einfluss auszuweiten. Orban in Ungarn macht es uns gerade vor. Für diese praktische Demonstration müsste man ihm geradezu dankbar sein. Wenn die Sehnsucht nach Neuem, die zur Zeit bei sehr vielen Menschen spürbar ist, in die Realität einziehen soll, dann ist es nur mit mehr Demokratie und nicht mit weniger Demokratie möglich.

Bild des Benutzers Michael Bockhorni
Michael Bockhorni 27.03.2020, 07:52

das heißt Zusammenhalten und anpacken auch nach der Krise. Wie wir alle sehen, sind die Systemerhalter "die Kleinen". Ob es also nachher anders oder wie gewohnt weitergeht hängt (auch) von uns ab. Egal ob als Konsumenten und/oder als politisch aktiver Bürger_innen.

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