Hofburg Porzellanaufsatz
Hofburg Brixen
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Es ist angerichtet

Im Rahmen der Artikelserie "Wohl bekomm‘s!" – in Zusammenarbeit mit dem Museumsverband Südtirol – setzen wir uns heute an die festliche Tafel des Brixner Fürstbischofs.
Von
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Elisabeth Stampfer22.06.2019
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Am 14. Juli 1765 wurde im Kaisertrakt der Brixner Hofburg die Tafel für einen ganz besonderen Gast eingedeckt. Keine geringere als Kaiserin Maria Theresia stattete gemeinsam mit ihrem Gemahl Franz Stephan und einigen ihrer Söhne und Töchter beim Brixner Fürstbischof Graf Leopold Spaur einen Besuch ab. Für den feierlichen Empfang der kaiserlichen Familie scheute der Fürstbischof weder Kosten noch Mühen. Bereits Monate zuvor hat er bei der K.K. Wiener Porzellanmanufaktur ein Porzellanservice bestellt: Teller, Schalen, Terrinen, Deckelkannen und Tafelaufsätze. Das Service ist bis heute in der Hofburg und als Teil der Dauerausstellung im Diözesanmuseum zu sehen. In der Sonderschau „Zu Tisch beim Fürstbischof“ im Rahmen des Kooperationsprojektes „Wohl bekomm’s!“ des Museumsverbandes Südtirol wird die Geschichte dieses über 200 Einzelteile zählenden Services erzählt. Und davon, was am Hofe des Brixner Fürstbischofes im. 18. Jahrhundert auf den Tisch kam.

 

Hofburg Brixen Du Paquier
Teckelterrine, Du Paquier. 1718 erließ Kaiser Karl VI. ein Spezialprivileg, das Claudius Innocentius du Paquier eine Monopolstellung einbrachte: Er hatte die alleinigen Rechte, Porzellan innerhalb der österreichischen Kronländer zu erzeugen. (Foto: Hofburg Brixen)

 

Die Erfindung des Porzellans im Jahre 1708 in Dresden lieferte einen wegweisenden Impuls für die Tischdekoration an den europäischen Höfen. Wurden die Festtafeln bis dahin mit vergänglichen und essbaren Kunstwerken aus Zuckerwerk, Karamell oder Marzipan geschmückt, so wichen diese nun minuziös und aufwendig gestalteten Figuren aus Porzellan. Auch der Brixner Fürstbischof Spaur bestellte 1765 als Tafelschmuck für den kaiserlichen Besuch 40 Figuren: Jagdszenen und Einzelfiguren im heiter beschwingten Rokoko-Stil. Nicht nur Porzellan, auch ein eigenes Silberbesteck und Silbergefäße ließ Spaur für den Besuch der Kaiserin anfertigen. Der Großteil davon wurde jedoch in den Tiroler Freiheitskämpfen eingeschmolzen.

 

Hofburg Brixen Porzellanfigur
Jagdszene. Die in Porzellan gefertigte Kleinplastik entwickelte sich in maria-theresianischer Zeit zu einer autonomen Kunstgattung und fand bald an den Höfen in ganz Europas reißenden Absatz. (Foto: Hofburg Brixen)

 

Was der Kaiserin bei ihrem Besuch serviert wurde, ist leider nicht bekannt. Quittungen aber geben Einblick in den Hausrat des Fürstbischofs im 18. Jahrhundert. Hier finden sich das Luxusgetränk „Heiße Schokolade“ ebenso wie Tee und Kaffee und erfrischende Limonaden. Im Weinkeller wurden Champagner, italienischer Likör (Rosolio), Burgunder, Tokajer, Rheinwein und Monte Pulciano gelagert. Das Bier ließ man sich von den Nachbarn aus Bayern liefern. Regional geprägt war der Speiseplan des Fürstbischofs: Das Wild kam aus dem Gadertal, das Federwild aus Velthurns. Auch Kalb- und Kitzfleisch, Hühner und Tauben landeten auf dem fürstlichen Teller.
Welche Leibspeise sich Fürstbischof Spaur mit diesen Zutaten zubereiten ließ? Wir wissen es nicht. Das Leibgericht von Kaiserin Maria Theresia ist belegt. Sie liebte es Barock. Besonders schätzte die bekennende Genießerin die nach ihr benannte „Bouillon Maria Theresia“ und die „Gewickelten Krebsgermnudeln“. In diesem Sinne: „Wohl bekomm’s!“


Die Ausstellung „Zu Tisch beim Fürstbischof“ bleibt vom 20. Juni bis zum 31. Oktober in der Hofburg Brixen zu sehen.

 

Salto in Zusammenarbeit mit: Museumsverband Südtirol

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