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LPA/Tiberio Sorvillo
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Infrastruktur

Keine Weitsicht

In einer gemeinsamen Pressemitteilung kritisieren Heimat- und Umweltverbände den „Spatenstich von Percha“ und fordern einen Ausbau der Pustertaler Bahnlinie.
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Nach langen Jahren der Planung und der Suche nach Geldmitteln für das Umfahrungsprojekt in Percha erfolgte am vergangenen Donnerstag (19. Jänner) der Spatenstich. An der Baustelleneröffnung haben neben Landeshauptmann Arno Kompatscher, Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider, Umweltlandesrat Giuliano Vettorato auch der Bürgermeister von Percha Martin Schneider und die Vertreter der Planer und Bauunternehmen teilgenommen. Ursprünglich hätte sogar Matteo Salvini, Ministerpräsident und Minister für Infrastruktur und Mobilität, daran teilnehmen sollen. Aus Termingründen wurde daraus allerdings „nur“ eine Videozuschaltung. „Offensichtlich eine große Sache, doch weitsichtige Zukunftsprojekte sind solch große Straßenbauten heutzutage nicht mehr“, kritisieren der Heimatpflegeverband Südtirol, die Plattform Pro Pustertal und der Dachverband für Natur- und Umweltschutz in ihrer Aussendung und weisen darauf hin, dass ein Ausbau der Straße immer auch mehr Verkehr erzeuge.
 
 
Das ist keine zukunftsweisende Verkehrspolitik!
 
 
Natürlich sei der Wunsch der Anrainer und der betroffenen Dörfer nach Verminderung des Durchzugverkehrs und des Lärms verständlich und nachvollziehbar und Umfahrungen deshalb manchmal notwendig. Doch jede neue Umfahrung und jeder Abbau von Hindernissen ziehe unweigerlich neuen Verkehr an. Die Folge sei, dass der Stau auf das nächste Nadelöhr verlagert wird und es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Verkehrskollaps wieder eintritt. „Man nimmt also für eine kurzfristige Entlastung an einer Stelle eine zunehmende Gesamtbelastung in Kauf“, so Christine Baumgartner, Sprecherin der Plattform Pro Pustertal, welche kritisiert, dass nicht das eigentliche Problem angegangen wird, sondern nur die Symptome behandelt werden. „Das ist keine zukunftsweisende Verkehrspolitik!“
 
 

Ausbau der Bahnlinie gefordert

 
„Dabei gibt es“, so Albert Willeit, Bezirksobmann des Heimatpflegeverbandes Pustertal, „seit einem Jahr immer wieder ausführliche Gespräche mit dem zuständigen Straßenbauamt und dem Landesrat, welche unsere Kritik und Vorschläge durchaus ernst nehmen und teils in die Planungen aufnehmen“. Das gebe entgegen der Aussagen von Verkehrsminister Salvini, der in der Videoschalte anlässlich des Spatenstichs gegen die wichtigen Tiroler Fahrverbote wetterte und sich hinter die Auto- und Transportlobby stellte, Hoffnung.
 
 
Flirt Zug im Pustertal
Flirt-Zug im Pustertal: Heimatpflegeverband Südtirol, die Plattform Pro Pustertal und der Dachverband für Natur- und Umweltschutz fordern einen Ausbau der Pusterer Bahnstrecke. (Foto: Provinz Bozen)
 
 
Der Klimaplan Südtirol 2040 sehe vor, dass bis 2040 der motorisierte Individualverkehr auf Südtirols Straßen um 40 Prozent reduziert wird. „Damit würden nicht nur die Klimaziele im Bereich Verkehr erreicht, sondern auch die Lebensqualität der vielen, vielen verkehrsgeplagten Anrainer von Durchzugsstraßen enorm gesteigert,“ meint Josef Oberhofer, Vorsitzender des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz. Die Voraussetzung zur Erreichung dieser Ziele sei allerdings der massive Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel. Für das Pustertal hieße das: Die Bahnlinie muss so schnell wie möglich massiv ausgebaut werden und die bis 2026 zur Verfügung stehenden Olympiagelder sollten dafür verwendet werden.
 
 
Die Bahnlinie muss so schnell wie möglich massiv ausgebaut werden und die bis 2026 zur Verfügung stehenden Olympiagelder sollten dafür verwendet werden.
 
 
„Seit über 40 Jahren stehen wir Umweltverbände großen Straßenausbauten im Pustertal äußerst kritisch gegenüber und kämpfen mehr denn je gegen weitere unzeitgemäße und landschaftszerstörerische Straßenprojekte. Wir müssen endlich alles daransetzen, den hausgemachten und den touristischen Verkehr massiv zu reduzieren. Dafür muss aber endlich der Öffentliche Personennahverkehr gegenüber dem Auto priorisiert werden. Deshalb hoffen wir, dass der nächste große Spatenstich im Pustertal anlässlich des Ausbaus der Bahnlinie stattfindet,“ sind sich die Umweltverbände einig.
 
 
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Kommentare

Bild des Benutzers Josef Fulterer
Josef Fulterer 22.01.2023, 15:25

Bisher haben die meisten Umfahrungen der Dörfer und Städte, diese mit Betonklotz-Konstruktionen, mit Steinplatten verpappten öden Hangsicherungs-Mauern und Tunell-Röhren erdrückt / vergwaltigt.

Bild des Benutzers Albert Mairhofer
Albert Mairhofer 23.01.2023, 10:02

"Es muss also dringend etwas Neues kommen. Elektrische Automobile sind nicht die Lösung. Wir brauchen technisch und konzeptionell revolutionäre Metros für mittelgroße Städte und ihr Umland. Keine Straßenbahn (zu altbacken), keine Underground (zu teuer), sondern eine Wiederentdeckung und Neuerfindung der Schwebebahn in der +1 Ebene. Lassen Sie uns »Uberground« denken!"
Dieser Gedanke gilt auch für das Pustertal:
Bei der Umfahrung in Percha hat man die PV-Überdachung (mit möglicher Einhausung) der Straße und die Einführung des Einschienen-Hängebahn-Systems zur Elektrifizierung des Verkehrs noch nicht beachtet, sonst hätte man die Straße nicht in den Berg verlegt und unnötig um etwa 700-800 m verlängert.
Zur Pusterer Bahnlinie:
Die heutige Eisenbahn ist sehr schwer (174 t ist auf den Pustertaler Garnituren zu lesen das sind 14 Reisebusse). Daher ist der Bau aber auch der Betrieb sehr aufwändig und mit hohen Kosten verbunden. Dementsprechend hoch sind Materialverschleiß, Antriebsenergie und die Bremsverluste besonders auch wegen der kurvenreichen Strecke.
Diese Einschienen-Hänge-Bahn - EHB - ähnelt einer Seilbahn mit Kabinen mit dem Unterschied, dass diese an einer aufgehängten Schiene hängend fahren und daher mit höherer Geschwindigkeit die Kurven nehmen und „flink wie der Vinschgerwind“ über jedes Hindernis hinweg, quasi in Vogelperspektive, durch das Tal schweben. Die EHB kann in kurzen Abständen fahren und daher erübrigt sich sogar ein Fahrplan.

Die bestehende Bahninfrastruktur lässt neben der zweispurigen Hängebahn noch weitere sehr innovative Nutzungen zu, die sich gegenseitig ergänzen.

1. So dient die Überdachung, neben der Anbringung von Photovoltaikelementen zur Stromerzeugung, auch zur Aufhängung der Laufschienen für die 2 Fahrspuren der EHB und zur Unterbringung von Strom- und Datenleitungen, die wiederum als tragende Elemente des Photovoltaikdaches und der genannten Schienen eingesetzt werden können. Der Antriebstrom für die EHB und die Daten für die Automatisierung werden aus diesen Leitungen entnommen.

2. Der Bahngrund kann dann zu Geh- und Fahrradwegen verwendet werden. So wird die durch den Gleiskörper verursachte Zerschneidung des Umfeldes aufgehoben, Getrenntes wieder verbunden. Bahnkreuzungen, Unter- und Überführungen fallen weg, denn die EHB fährt darüber hinweg. Bahnhöfe mit den sanitären Einrichtungen kommen immer mehr Nutzern zugute. Die EHB-Kabinen werden im Stehen zu Boden gelassen. Die langen Bahndämme und sonst noch freiwerdendes Bahnareal können für Parkplätze für EHB-Benutzer verwendet oder anderen sehr nützlichen Verwendungen zugeführt werden. Die Wohnqualität und der Wert der Liegenschaften neben der so umgewidmeten Infrastruktur wird enorm angehoben. Zusammengefasst: Eigene Stromproduktion auf der PV-Überdachung, darunter geschützt 2 EHB-Spuren, Strom- und Datenleitungen und ein Geh- und Fahrradweg.

Bild des Benutzers Dietmar Nußbaumer
Dietmar Nußbaumer 23.01.2023, 20:12

Beim Spatenstich nützt ein Protest auch nicht mehr viel.

Bild des Benutzers m s
m s 23.01.2023, 20:35

Der Pressemitteilung kann man nur beipflichten. Keine Weitsicht! Das viele Geld wird verpulvert für idiotische (tut mir leid!) Projekte wie Standseilbahn Schenna, Jenesiener Seilbahn (mit einer Mittelstation für Afing. Lol), Hörtenbergtunnel, Gossensasser Umfahrung (sic!) und andere Straßenbauprojekte anno dazumal. Wenigstens die Riggertalschleife ist etwas sinnvolles und hoffentlich bleibt es beim Voehaben der Begradigung der Meraner Zuglinie.

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