Gesellschaft | Wassersport

Ein Trend für alle, aber nicht immer

Stand Up Paddling erfreut sich großer Beliebtheit. Der passionierte und erfahrene SUP-Sportler Heini Chiusole erklärt, worauf es auf dem Wasser zu achten gilt.
Stand Up Paddling
Foto: Alex Guillaume on Unsplash

“Urlauberin ertrinkt in See”. “Vermisster 41-Jähriger tot aus See geborgen”. “22-Jähriger geht unter und stirbt”. Die tragischen Nachrichten aus Deutschland und Österreich häufen sich in jüngster Zeit – und haben eines gemeinsam: Die tödlich Verunglückten waren mit einem Stand-Up-Paddle-Board unterwegs. Wie auch der 19-Jährige, der Ende Juni nach tagelanger Suche nur noch tot aus dem Montiggler See geborgen werden konnte. Ein weiterer Zwischenfall ereignete sich am Montag (25. Juli) Abend im Kalterer See. Eine junge Frau mit einem SUP-Board war im See von einem Gewitter überrascht worden und schaffte es nicht mehr eigenständig ans Ufer. “Die Frau konnte von den Feuerwehrleuten rasch und unverletzt mit dem Rettungsboot in Sicherheit gebracht werden”, teilt der Landesfeuerwehrverband mit. 

Wasser, ein Board und ein Paddel: Mehr braucht es nicht, um das immer beliebter werdende Paddeln im Stehen zu praktizieren. “Stand Up Paddling ist der einfachste Weg, im Bereich Wassersport mit wenig Material und Basiskenntnissen etwas zu unternehmen.” So erklärt sich Heini Chiusole das steigende Interesse an der Trendsportart. Chiusole ist Mitglied im Kanu-Kajak-SUP-Verein des SSV Bozen und hegt eine große Leidenschaft für das Stand Up Paddling. Selbst hat er es in einer Kite- und SUP-Schule in Jesolo erlernt, “vor etwa zehn Jahren”. Auch eine Ausbildung zum SUP-Instructor hat der 47-Jährige absolviert, in Österreich. Zum Beruf hat er sich seine Passion nie gemacht. Dennoch weiß er bestens, dass das Stehpaddeln auf Seen oder Flüssen Gefahren bergen kann – und erklärt, worauf es zu achten gilt.

 

“Eigentlich”, meint Heini Chiusole, “kann sich jeder auf ein Board stellen und lospaddeln”. Grundvoraussetzungen aber seien, “Schwimmen und ein wenig Gleichgewicht zu beherrschen”. Nichtschwimmer begeben sich also fahrlässig in Gefahr, wenn sie sich auf SUP-Boards stellen. Solche gibt es auch in Südtirol an so manchem Gewässer auszuleihen – etwa am Kalterer See, an der Etsch, am Reschensee – oder in allen Preisklassen und Varianten zu kaufen. “Wer sich ein Board kaufen will, sollte sich vorab im Klaren sein, was er damit machen will, denn für jede Facette dieses Sports gibt es ein geeignetes Board”, erklärt Chiusole. Er empfiehlt, sich in einem Fachgeschäft beraten zu lassen. Beim Stand Up Paddling selbst gelte es, eine Reihe von Dingen zu beachten: “Wie bei jedem Outdoorsport sollte man auf das Wetter achten – bei einem Gewitter geht man auch nicht schwimmen oder in den Bergen wandern.” In Südtirol ist SUP “auf den meisten Badeseen, einigen Stauseen und einigen Flüssen” erlaubt, zählt Chiusole auf. “Vorab sollte man sich aber immer informieren, ob es Verbote gibt und den Spot erkunden.” Ein kleiner See mit Badetemperaturen berge keine großen Gefahren, umso mehr davon lauern in größeren Binnengewässern und am Meer: Wind, Strömungen, Schiffsverkehr. “Dort empfehle ich immer eine Schwimmhilfe und eine Leash, um das Board am Körper zu fixieren”, erklärt Chiusole. Ein Leash ist eine Leine, mit der das SUP-Brett am Fußknöchel, unter dem Knie oder mittels Hüftgurt am Körper befestigt wird und verhindert, dass es wegtreibt, sollte man ins Wasser fallen. “In Fließgewässern gibt es wieder andere Gefahren”, fährt der SUP-Experte fort. “Wenn sich die Leash an einem Hindernis verheddert, droht Ertrinkungsgefahr – falls man auf Flüssen mit Leash fährt, ist es lebenswichtig, es über einen Quick Release, einen Notfallauslöser, vom Körper trennen zu können.”

Bei kalten Außen- und Wassertemperaturen sei es außerdem wichtig, die richtige Bekleidung zum Paddeln zu tragen, “zum Beispiel mit Neopren”, meint Chiusole. Ansonsten droht ein Kälteschock. Gefährlich kann SUP auch bei Strömungen, starkem, ablandigem Wind im Ufer- oder Küstenbereich oder hohem Wellengang werden – und “wenn die körperliche Verfassung es nicht erlaubt”, zeigt Chiusole auf. Bei Erschöpfung, ohne Sonnenschutz oder unter Alkohol- bzw. Drogeneinfluss sei absolut davon abzuraten, aufs Wasser zu gehen.

 

Wer all dies bedenkt und sich und seine Fähigkeiten einzuschätzen weiß – und vielleicht auch ein paar Unterrichtsstunden nimmt –, ist für das Stand Up Paddling gut gerüstet. “Mich begeistern mehrere Dinge an dem Sport”, verrät Heini Chiusole. “Die Möglichkeit, sich auf dem Wasser selbstständig fortzubewegen und dabei die Gegend stehend auf dem Wasser zu erkunden; die Tatsache, dass SUP ein Ganzkörpertraining ist und auch der mentale Aspekt, während des Paddelns einfach mal abzuschalten.” Er sei bisher an vielen schönen Orten gepaddelt, sagt der Wassersport-Begeisterte. “Der schönste für mich aber war der Fluss Soča in Slowenien.”

 

Dass auch in Südtirol, wo SUP 2014 Einzug gehalten hat, immer mehr Unfälle passieren, kann Christian Auer auf Nachfrage von salto.bz nicht bestätigten. Auer ist Hauptbrandinspektor und seit Ende April Pressesprecher bei der Berufsfeuerwehr Bozen, die gemeinsam mit der Südtiroler Wasserrettung und den Freiwilligen Feuerwehren zu Wasserrettungseinsätzen ausrückt. “Wir müssen vielmehr wegen Leuten ausrücken, die in Bächen und Flüssen baden gehen und dabei die Gefahren unterschätzen als wegen Stand Up Paddlern”, so Auer.