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Transparenz Politik

MdEPs: Wo ist unser Geld geblieben?

Alle Mitglieder des Europäischen Parlaments (MdEP) erhalten monatlich einen “Zuschlag” von 4.342 €. Aber niemand überprüft, wofür das Geld wirklich ausgegeben wird.
Community-Beitrag von Bernhard Oberrauch21.10.2017
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An alle Abgeordneten des Europäischen Parlaments

(aus: https://act.wemove.eu/campaigns/mep-geld?utm_source=civimail-9066&utm_medium=email&utm_campaign=20171020_DE )

Appell

Sie sind die durch uns gewählten Vertreterinnen und Vertreter. Sie werden vollständig mit unseren Steuergeldern finanziert. Wir können erwarten, dass Sie alle Ihre Ausgaben vollständig transparent machen und Rechenschaft ablegen. Wir fordern Sie auf, eine ständige parlamentarische Finanzkontrolle einzuführen, Ihre Ausgaben transparent zu machen sowie alle Prüfberichte zu veröffentlichen.

Warum das wichtig ist

Alle Mitglieder des Europäischen Parlaments (MdEP) erhalten monatlich einen “Zuschlag” von 4.342 €, der direkt auf ein Bankkonto ihrer Wahl überwiesen wird.[1] Mit dem Geld sollen sie ein Regionalbüro und ihre Telefonrechnungen bezahlen. Aber niemand überprüft, wofür das Geld wirklich ausgegeben wird.

Eine Untersuchung hat ergeben, dass jeder dritte Abgeordnete überhaupt kein regionales Büro hat, darunter sind auch acht deutsche Abgeordnete..[2] Und wir Steuerzahler/innen schicken ihnen trotzdem brav jeden Monat mehr als 4.000 € - ohne dass sich die Abgeordneten je Fragen stellen müssen.

Es waren kritische Journalist/innen, die die Untersuchung eingeleitet haben. Sie haben das Europäische Parlament (EP) wegen mangelnder Transparenz [3] verklagt. Der Parlamentspräsident, Antonio Tajani, hat sich inzwischen verpflichtet, bis Ende diesen Jahres konkrete Reformvorschläge vorzulegen.[4] Aber bisher gibt es dafür noch nicht einmal einen Entwurf.

Die Abgeordneten müssen keine Quittungen oder Belege vorlegen. Es gibt keine finanziellen Kontrollen, keine Rechnungsprüfungen. Nichts. Es ist vermutlich die einzige Budgetlinie der EU, die keiner Kontrolle unterliegt.

Eine dauerhafte und sinnvolle Lösung liegt dabei nah: Nächste Woche trifft sich das Präsidium des Europaparlaments [5] und die Abgeordneten könnten zusätzliche Finanzkontrollen in die Wege leiten, mit denen endlich alle Ausgaben für uns transparent werden. Wenn sie jetzt endlich die Initiative ergreifen, dann könnten wir bis zum neuen Jahr eine angemessene Kontrolle dieser Ausgaben bewirken.

Natürlich wissen etliche Abgeordnete, wie riskant dieses schwarze Loch für öffentlichen Mittel ist. Etliche haben Nachweise beigebracht, auch wenn sie nie danach gefragt wurden.[6]

Fast alle anderen Ausgaben der Europäischen Union werden bereits angemessen erfasst, verfolgt und veröffentlicht. Es ist an der Zeit, dass auch die europäischen Parlamentarier/innen sich an diese Standards halten.
Referenzen

[1] https://transparency.eu/bluebells/

[2] http://www.ir-d.dk/2017/05/citizens-pay-for-eu-ghost-offices/

[3] https://assets.documentcloud.org/documents/2516693/the-meps-project-press-release.pdf

[4] http://www.europarl.europa.eu/news/en/press-room/20170613IPR77316/working-group-on-revision-of-expenses-under-the-general-expenditure-allowance

[5] Sitzung des Präsidiums des Europäischen Parlaments, Straßburg 23/10/2017. http://www.europarl.europa.eu/plenary/en/meetings-search.html?localisation=ALL&body=OD&subBody=BURO&term=LONG_TERM

[6] Veröffentlichte Berichte beinhalten Vertreter des Vereinigten Königreichs, zum Beispiel Abgeordnete der Konservativen und Labour-Partei und Abgeordnete anderer nationaler Parteien wie Benedek Jávor and Roberta Metsola.

In Partnerschaft mit:

transparency international EU

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Kommentare

Bild des Benutzers Martin Daniel
Martin Daniel 21.10.2017, 09:24

Diese Initiative mag manchen als die übliche Neidaktion erscheinen, ist aber wichtig, um die Glaubwürdigkeit der europäischen Institutionen und das Vertrauen der Bürger in die EU und die Politik wieder herzustellen. Das ARD-Magazin „Report Mainz“ berichtete zum Thema mit einem Besuch bei Manfred Weber der CSU, Fraktionschef der EVP im EU-Parlament, der im eigenen Privathaus das Büro angemietet haben und dafür die monatliche steuerfreie Kostenpauschale von 4342 Euro einstreichen soll. Für die Reporter unauffindbar, ergab sich das Bild des klassischen Exponenten der politischen Elite, die zuallererst an sich selbst denkt, ein Bild das Feld für den Aufstieg von Trumps & Le Pens bereitet.
Zum Nachlesen: http://www.stern.de/politik/deutschland/wie-eu-parlamentarier-ihre-buero...

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