Wirtschaft | Interview mit Robert Thurner

"Da kann dich keiner entlassen"

Robert Thurner führt den Afingsbruckhof. Als gelernter Handwerker hat er sich der Landwirtschaft zugewandt und verkauft nun seine Produkte direkt an die Kunden.
Hinweis: Dies ist ein Partner-Artikel und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.

Seit wann verkaufen Sie Ihre Produkte direkt an die Kunden?

Wir betreiben das jetzt seit ca. neun Jahren. Es ging damals um die Frage: Wie lässt sich am besten die Familie versorgen? Da haben meine Frau und ich bald beschlossen, die Arbeit am Hof zu übernehmen und direkt an die Kunden zu verkaufen.

Waren Sie vorher auch schon Landwirt?
Ich persönlich bin zwar Besitzer des Hofes und bin dort aufgewachsen, bin aber kein gelernter Landwirt. Zuerst war ich 20 Jahre lang als Handwerker tätig, als Angestellter wie auch selbstständig. Aber nach 20 Jahren hat in meinem Kopf ein Umdenken stattgefunden: Ich habe mich gefragt „Wo bin ich heute?“ und „Will ich da bleiben?“ Da haben meine Frau und ich es riskiert und sind die Umstellung angegangen. Ein mitentscheidender Faktor war auch die Krise, die Handwerksfirmen haben angefangen, ihre Angestellten zu entlassen, man wurde zur Nummer, hatte keine Sicherheit mehr – das ist als selbständiger Bauer auf dem eigenen Hof anders, da kann dich keiner entlassen. Und wenn einmal sogar das Konzept, hochqualitative Produkte zu verkaufen, auch nicht mehr funktionieren sollte, dann stirbt die ganze Wirtschaft ab.

Welche Produkte verkaufen Sie?
Wir haben angefangen mit Fruchtaufstrichen, Fruchtsirupen, nebenbei mit frischem Obst, und seit ca. drei Jahren verkaufen, veredeln und verarbeiten wir auch Gemüse. Im Sortiment haben wir auch unseren eigenen Honig.  

Wie findet man als Direktverkäufer seine Kunden, wenn man gerade erst anfängt?
Man muss ein rüstiger Mensch sein, denn auf die Bauernmärkte zu gehen ist auf jeden Fall die beste Alternative. Man muss allerdings auch Glück haben, um dort überhaupt einen Platz zu bekommen. Angefangen haben wir auf dem Bauernmarkt in Sarnthein, und nach drei Jahren Ansuchen haben wir schlussendlich auch auf dem Mazzini-Platz in Bozen einen Tisch gekriegt.

Gibt es auch Kunden, die direkt zu Ihrem Hof kommen, um einzukaufen?
Die Mehrzahl der Kunden haben wir auf dem Bauernmarkt, aber ein kleinerer Teil, der aus Stammkunden besteht, kommt auch auf dem Bauernhof vorbei und kauft dort ein.

Handelt es sich dabei um hiesige Leute oder sind auch Kunden von auswärts dabei?
Da ist alles gemischt. Viele Städter aus dem restlichen Italien sind dabei, aus Mailand oder Rom. In den letzten Jahren verlegte sich der Trend dann nach Deutschland. Vor allem die Städter, die schätzen unsere Produkte sehr.

Als Bauer verdient man dann auch mehr, wenn man direkt an die Kunden verkauft.
Man hat schon einen Mehrwert. Wenn man sich geschickt anstellt und rechnerisch gut veranlagt ist, dann kann man daran schon etwas verdienen. Man wird halt nicht reich, aber man kann davon leben und sich seinen Lebensstandard halten. Urlaub ist aber auch nicht drin, das geht nicht. Das ist dann höchstens ein bisschen Urlaub auf dem Bauernhof.

Als Direktverkäufer ist man vielfach auf wiederkehrende Kunden angewiesen, richtig?
Ja, hauptsächlich über den Bauernmarkt kommen wir an wiederkehrende Kunden. Sie kennen das Produkt, sie schätzen das Produkt, und die Qualität muss passen. Sonst würden sie es nicht mehr kaufen.

Das Konzept des Direktvertriebs an die Kunden erinnert irgendwo auch an den Agrotourismus. Machen Sie am Afingsbruckhof auch in diese Richtung etwas?
Agrotourismus ist schon in Planung für die Zukunft. Man darf nicht alle Karten auf einmal austeilen, sage ich immer. Seit einiger Zeit habe ich etwas im Sinn, wie ich das dann umsetzen will. Es wird auf jeden Fall anders sein als das, was es schon gibt in dem Bereich – denn davon gibt es einfach schon zu vieles. Ich muss heutzutage den Kunden nicht wegen der Urlaubszeit an meinen Hof kriegen, sondern weil der Landwirt ein genialer Typ ist und der Hof so interessant ist. In den nächsten fünf bis zehn Jahren will ich das dann auch realisieren.

 

Über den Bauernbund „Roter Hahn“ ist der Afingsbruckhof auch an der Messe Bozen auf der Ausstellung Agridirect vom 27. bis 29. Februar vertreten.