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Medizinerausbildung

Medical School wirft Fragen auf

Der drohende Ärztemangel und der Wegfall der EU-Quote lässt die Politiker kreativ werden. Wie sinnvoll ist eine Medical School mit Südtiroler Beteiligung?
Community-Beitrag von Oliver H. (gesperrt)22.07.2016
Bild des Benutzers Oliver H. (gesperrt)
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Nachdem das Projekt einer Medical School Bozen versenkt wurde, soll nun eine Medical School in Hall errichtet werden. Begründung für das Südtiroler Engagement bei diesem Projekt ist der drohende Ärztemangel.

Doch das Projekt wirft einige Fragen auf:

1. Kann eine kleine Medical School den Ausbildungsstandard einer echten Universität gewährleisten?
Vorklinische Fächer wie Physik, Chemie, Genetik, Biologie etc. müssten wohl teuer zugekauft werden und eine anatomische Ausbildung nach dem Standard den die bestehenden österreichischen Universitäten bieten, wird kaum realisierbar sein. Die Rektorin der medizinischen Universität Innsbruck Prof. Helga Fritsch lehnt eine Zusammenarbeit mit der geplanten Medical School in Hall ab.

2. Wollen wir in Südtirol wirklich von Ärzten behandelt werden, die nur in Südtirol arbeiten, weil sie andernfalls einen sechsstelligen Eurobetrag Strafe an das Land entrichten müssten und womöglich nur in Hall studieren, weil sie sich nicht gegen die Medizinstudenten an den staatlichen Universitäten durchsetzen konnten?

3. Wieso will Südtirol – wie Kompatscher sagt – nicht nur Plätze einkaufen, sondern auch „eine aktive Rolle spielen“? Hat Südtirol in der Ärzteausbildung etwa so große Erfahrung? In Anbetracht dessen, dass das Land die Facharztausbildung von Ärzten im Ausland subventioniert, scheint dem nicht so zu sein. Oder geht es in Wirklichkeit darum, für einige Südtiroler einen netten Posten in dieser Medical School zu sichern?

4. könnte man die 10.000€ pro Student pro Semester, welche Südtirol  für „seine“ Studenten beisteuern möchte an anderer Stelle sinnvoller verwenden?
In Graz und Innsbruck gibt es anerkannte medizinische Universitäten, welche in einigen Bereichen zu den besten Zentren der Welt zählen. Auch beim Sanitätsbetrieb gibt es viele Baustellen. Man könnte dieses Geld investieren, um Arbeitsstellen in Südtirol attraktiver zu machen, z.B. Kinderbetreuungsangebote oder für den Aufbau neuer Kompetenzen.

Zusammengefasst stellt sich die Frage, ob eine Medical School der richtige Weg ist, um den künftigen Herausforderungen der Sanität zu begegnen. Das Südtiroler Engagement bei diesem Projekt zeigt auch, was die Landesregierung von den Südtiroler Maturanten hält, wenn man ihnen nicht zutraut, sich im europäischen Wettbewerb gegen Gleichaltrige durchzusetzen.
 

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Folgende Stellungnahme vonseiten der Medizinischen Universität Innsbruck erreicht die Redaktion am Morgen des 25. Juli: "Sehr geehrte Redaktion, Sie schreiben in Ihrem Online-Artikel vom 22.07.2016 [an diesem Punkt möchten wir festhalten, dass dieser Beitrag nicht aus der Redaktion, sondern aus der salto-Blogger-Community stammt, Anm. d. Red.], dass Rektorin Helga Fritsch die Zusammenarbeit mit der Medical School ablehnt („Die Rektorin der medizinischen Universität Innsbruck Prof. Helga Fritsch lehnt eine Zusammenarbeit mit der geplanten Medical School in Hall ab.“). Das ist nicht richtig. Der Med Uni Innsbruck lehnt die Medical School nicht grundlegend ab, sondern Rektorin Fritsch betont, dass für eine Beteiligung die Voraussetzungen geklärt werden müssen. Derzeit wird in Arbeitsgruppen, an denen die Medizinische Universität beteiligt ist, das gemacht. Rektorin Fritsch hat allerdings klargestellt, dass eine medizinische Ärzteausbildung forschungsgeleitet und auf hohem Niveau sein müsse – es also mit der Med Uni keinen „Dr. med. light“ gebe. Ich bitte Sie in Ihrem Artikel dies zu berücksichtigen. Mit freundlichen Grüßen, David Bullock (SC Communication, Medizinische Universität Innsbruck)"
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