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Bomben & Geheimnisse

Die Attentate von Ebensee

Vor 55 Jahren erschüttern Bombenanschläge italienischer Neofaschisten das Salzkammergut: Neue Dokumente ermöglichen erstmals eine genaue Rekonstruktion.
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Ausgerechnet das beschauliche Ebensee wird am 23. September 1963 Schauplatz der bis dahin schwersten Terroranschläge in der Geschichte der 2. Republik. Kurz nach 6 Uhr zerreißt die erste von insgesamt zwei Explosionen an diesem Tag das Löwendenkmal zwischen Traunkirchen und Ebensee. 102 Jahre lang hatte es an den Bau der Uferstraße am Traunsee erinnert. Nun liegt der stolze Löwe in Trümmern. Die Wucht der Detonation schleudert Sandsteinbrocken bis zu 30 Meter weit auf die Fahrbahn. 
 
Glücklich geht auch der zweite Akt des Dramas aus: Um 7.05 Uhr fällt beim Einfahren einer Gondel der Feuerkogel-Seilbahn plötzlich ein am Dach deponierter Sprengkörper samt Zündschnur und Weckeruhr zu Boden. Gefahr geht keine davon aus. Die Bombe ist defekt. Doch nun wird es ein drittes Mal ernst: Um 7.35 Uhr schlagen Arbeiter in der Saline Ebensee Alarm. Am Solebehälter Nr. 5 sind zwei Sprengladungen angebracht, dazwischengeschaltet ist ein tickender Wecker.
 
Die örtliche Gendarmerie holt Verstärkung. Aus Linz kommt ein Team von der Erhebungsabteilung unter der Führung von Rittmeister Albrecht Schröder, Vater des heutigen Albertina-Direktor Klaus-Albrecht Schröder. Man macht sich an das Entschärfen. Ein Gendarm hat bereits ein Zündkabel durchgeschnitten. Doch das reicht nicht - innerhalb der Höllenmaschine befindet sich noch ein versteckter Zugzünder. Als Rayonsinspektor Kurt Gruber um 10.20 Uhr die Ladung entfernen will und die abgeschnittene Zündschnur in die Hand nimmt, schießt eine Stichflamme empor, gefolgt von einer kilometerweit hörbaren Detonation. Der 42-jährige Gruber ist auf der Stelle tot, seine Kollegen Johann Winkler und Rittmeister Schröder erleiden schwere Verletzungen. Neun weitere Personen werden leicht verletzt, während sich 520.000 Liter Solelösung aus dem aufgerissenen Behälter ergießen.
 
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Zerstörtes Löwendenkmal: Brocken auf der Fahrbahn.

Zweifellos waren „Profis“ am Werk. Der Sachverständige des Innenministeriums stellt später in seinem Gutachten fest, dass eine „rein militärische Zündvorrichtung“ verwendet worden war, „die in der zivilen Sprengtechnik keinen Niederschlag findet“. Die Attentäter haben nicht nur militärischen Sprengstoff TNT, sondern auch „für militärische Zwecke speziell hergestellte Sprengladungen“ verwendet - klassische Sabotage also, für die man eine entsprechende Ausbildung braucht.
 

Falsche Fährten

 
Als Innenminister Franz Olah (SPÖ) einen Tag nach den Anschlägen im Ministerrat Bericht erstattet, herrscht Nervosität: „Es ist überall erhöhte Bereitschaft angeordnet: Kraftfahrzeuge, Wasserwerke, Brücken. Ich glaube, dass man die Maßnahmen einige Zeit aufrechterhalten soll. Es könnte sein, dass sie (die Attentäter, Anm.) damit rechnen, sie seien schon fort und wiederholen das.“ Handelsminister Fritz Bock (ÖVP) sorgt sich um die Europabrücke bei Innsbruck: „Diese sei zwar so massiv, dass nichts geschehen kann, aber Arbeiter könnten durch eine Bombenexplosion verletzt werden.“ Vizekanzler Bruno Pittermann (SPÖ) spricht sich dafür aus, „dass man nicht schon eine Beschuldigung in der Richtung auf eine bestimmte Herkunft der Täter konkretisieren sollte“. Darauf entgegnet Olah: „Das weiß man aber, dass es voraussichtlich nicht Österreicher waren.“
 
Von Anfang an weist die Spur Richtung Italien. Als Bomben-Zeitzünder waren „Vegalia“-Küchenwecker verwendet worden, italienische Fabrikate. Schon vor den Anschlägen aufgefallen waren außerdem vier junge „südländische“ Männer, die in einem graugrünen Fiat 1100 unterwegs waren. Zudem finden sich verstreute Abzeichen und Ausweise der Studentenverbindung „Giovane Italia“, die der neofaschistischen Partei Movimento Sociale Italiano (MSI) nahesteht. Mit einem Stempel hat jemand „Hände weg von den Carabinieri!“ aufgedruckt. 
 
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Am Tatort gefundete Ausweise: „I carabinieri non si tocano“

Das ist eine Warnung, die im Zusammenhang mit dem Südtirol-Konflikt zu verstehen ist. Seit Bestehen des Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) ist Österreich dessen bevorzugtes Hinterland. Von hier aus werden Waffen und Sprengstoff eingeschmuggelt. Und immer dann, wenn die BAS-Leute Anschläge gegen die Sicherheitskräfte oder Infrastruktur durchgeführt haben, ziehen sie sich über die Grenze zurück. Die österreichischen Behörden wiederum lassen dies lange geschehen - viel zu lange aus der Sicht Roms und vor allem der italienischen Rechten. 
 
Darüber hinaus passen die Beweisstücke aus Ebensee zu anderen, bis dahin ungeklärten Anschlägen: Fast zwei Jahre zuvor, am 1. Oktober 1961, war das Andreas-Hofer-Denkmal am Berg Isel gesprengt worden. Auch hier fanden sich die gleichen Studentenausweise und ein Federkern. Dieser wiederum gehört zu einem „Vegalia“-Wecker. Am 18. August 1962 wurde beides - die Ausweise und der Wecker - an einem weiteren Tatort sichergestellt: Sie befanden sich in einem Sprengstoffpaket, das auf dem Sockel des Denkmals für die Rote Armee am Wiener Schwarzenbergplatz abgelegt worden war. In diesem Fall war es gelungen, die Bombe rechtzeitig zu entschärfen.
 
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Wiener Hotel am Augarten: Täter übernachteten hier.

Ins Visier der Ermittler geraten aber zunächst einheimische Unterstützer des BAS. Die falsche Fährte legen Spitzel der italienischen Geheimdienste, die zur rechten Szene in Österreich gehören. Am 25. März 1964 treffen sich fünf von ihnen im Innsbrucker Gasthaus „Zum wilden Mann“. Einer erklärt, dass man im Wiener Innenministerium wisse, „dass nicht Italiener, sondern BAS-Leute am Werk gewesen seien“. Man müsse nun die „fehlenden Beweise“ übergeben, „um selbst aus der Sache herausgehalten zu werden.“ Konkret sammelte man Hinweise, die für eine Täterschaft des Innsbrucker Kaufmanns Kurt Welser, einer der wichtigsten Unterstützer des BAS, sprachen. Welser wird tatsächlich wenige Wochen später verhaftet. Allerdings kann er mit einiger Mühe ein Alibi vorlegen. 
 

„Für etwas Großes und Schönes kämpfen“

 
Die Wende im Fall kommt dann überraschend. Ende 1964 führt die Polizei in Mailand eine Hausdurchsuchung bei dem 27-jährigen Giorgio Massara durch. Er gehört der „Giovane Italia“ an, war aber politisch noch nicht aufgefallen. Sichergestellt werden unter anderem eine „größere Anzahl“ eben jener Mitgliedsausweise, die an den Tatorten in Österreich gefunden worden waren. „Darüber hinaus wurden Tagebuchaufzeichnungen, Situationspläne und Lichtbilder beschlagnahmt, die schwerwiegende Indizien für eine Täterschaft Massaras ergaben“, heißt es in einem Bericht des österreichischen Innenministeriums. Aufgrund des Geständnisses von Massara folgen weitere Festnahmen: Sergio Poltronieri, Luciano Rolando und Maurizio Perito werden als Mittäter bei den Ebenseer Anschlägen ermittelt. Dasselbe Trio und ein weiterer Mitstreiter namens Franco Panizza haben auch die Bombe auf dem Denkmal Wiener Schwarzenbergplatz gelegt. Rolando räumt außergerichtlich Mitwirkung an der Sprengung des Andreas-Hofer-Denkmals ein.
 
Anhand der Aussage Massaras lassen sich die Vorgeschichte und die Abläufe rekonstruieren. In einem Verhör am 5. Februar 1965 gibt er an, dass er während seiner Dienstzeit bei der Fremdenlegion von 1957 bis 1960 von einem österreichischen Kameraden hörte, „dass das Gebiet von Ebensee eine der wichtigsten Industriezonen Österreichs sei“. Er will daraufhin diese Anlagen so treffen, „dass die Schäden die österr. Terroristen von weiteren Anschlägen in Italien abgehalten hätten“. 
 
Am Abend des 20. September 1963 brechen die vier Attentäter von Verona aus auf. Sie fahren eben jenen Fiat 1100, der später Aufmerksamkeit erregte. Das Sprengmaterial ist zusammen mit der Zündvorrichtung im Benzintank des Wagens versteckt, weshalb sie einen Reservetank verwenden, der alle 20 bis 25 km aufgefüllt werden muss. Am Vormittag des 21. September 1963 langen sie in Tarvis an. Zwei reisen mit einem Linienbus nach Klagenfurt, während die anderen zwei mit dem Auto die Grenze überqueren. Erst spätabends erreichen sie Ebensee und übernachten in einem Waldstück außerhalb des Orts. Tags darauf, am 22. September 1963, bereitet Massara die Sprengladungen vor. Vorher unternimmt er einen Rundgang durch die Stadt und kundschaftet die Ziele aus. Um 21 Uhr ist es soweit: Massara und seine Kameraden verlassen den Wald, um die Bomben zu platzieren. 
 
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Löwendenkmal heute: Sprengladung in Schuhschachtel.

Über den weiteren Gang der Ereignisse verfasst Massara folgende Darstellung, deren Wahrheitsgehalt freilich durch Schutzbehauptungen und patriotischen Überschwang getrübt ist: 
 
„Ca. 22 Uhr: Auf der Straße nach Linz näheren sich drei Personen einem Denkmal, das auf der rechten Seite der Straße auf einer kleinen Erhebung liegt. Das Denkmal stellt einen Löwen dar. Einer der Männer begibt sich mit Hilfe der anderen zwei mit einer Schuhschachtel auf das Monument und legt die Schachtel unter den Bauch des Löwen. Sie enthält ca. 2 kg Dynamit und die Zündvorrichtung samt Uhrwerk, das auf 5 Uhr früh eingestellt ist. Die erste Operation ist ungefähr um 22.30 Uhr beendet. Am Stadtrand von Ebensee: Die drei Personen begeben sich zur Seilbahn, die Ebensee mit dem Feuerkogel verbindet; klettern auf die Seilbahnstation und während einer Wache hält, steigen die anderen zwei auf das Dach der Kabine. Sie arbeiten schnell und genau, da sie zwei Ladungen auf dem Tragseil der Seilbahn anbringen müssen. Da das Dach der Kabine von Fett bedeckt ist, geraten sie mehrmals in Gefahr, in die Tiefe zu stürzen. Innerhalb weniger Minuten ist die Arbeit beendet. Eine der drei Personen zieht Mitgliedskarten und Abzeichen aus der Tasche, die sie ringsherum ausstreut. Sie entfernen sich, ohne den geringsten Lärm zu machen. Die zweite Operation ist beendet.
Ca. 23.15 Uhr: Industriezone von Ebensee. Drei Männer wandern auf dem rechten Ufer eines Kanals entlang, treffen auf einen vierten, der mit verhaltenen Gesten auf einen Gitterzaun hinweist, der eine Saline abgrenzt; inmitten eines großen Platzes thronen 8 große Silos. Einer der Männer geht zum Gitterzaun und auf dem Boden liegend schneidet er das Gitter mit einer Zange auf. Während die anderen ringsherum lauschen, wird die Bresche immer breiter und ist schließlich genügend groß. Während einer als Wache heraußen bleibt, kriechen die anderen im schützenden Schatten des Gebäudes hinein; zwei von ihnen begeben sich zum hell erleuchteten Platz; sie scheinen hier zu Hause zu sein, so natürlich und entschlossen gehen sie direkt auf die Silos zu. Einer der Männer, der ganz in schwarz gekleidet ist, hat eine riesige Tasche eines Handlungsreisenden bei sich. Sobald sie im Schatten der Silos sind, blicken sie herum, um den besten Platz für die Anbindung der Vernichtungsmaschinen zu finden. Dieser wird gefunden; vier Sprengladungen mit ziemlich großer Wirkung werden angebracht, mit Uhrwerk versehen und untereinander mit Zündschnüren verbunden. Eine Ladung gegen eine Tür, einen andere gegen die Rohre, die anderen am Sockel der Silos. Die gewohnte schwarz gekleidete Figur streut ringsherum Mitgliedskarten und Abzeichen. Nach Beendigung der Arbeit gehen sie zum Gitterzaun, steigen heraus und entfernen sich ruhig, ohne ein Wort zu wechseln. Sie wissen von vornherein, dass sie viel riskieren, aber sie machen es ganz in natürlicher Weise. Sie kämpfen für etwas Großes und Schönes, ihr Vaterland. Die dritte Operation wurde zu Ende gebracht.“ 
 
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Talstation der Feuerkogelbahn: Glück im Unglück.

Massara räumt ein, dass es Opfer gegeben habe: „Das tut mir leid, es ist ohne mein Wollen geschehen. Wir haben die Uhr auf 5 Uhr früh eingestellt, weil zu dieser Stunde wenig wahrscheinlich war, dass jemand ‚draufgeht‘. Unabhängig davon glauben wir, dass Inspektor Gruber, wenn er so heißt, selbst daran schuld ist, da ein Experte wissen muss, dass eine kleine gelbe Schnur eine Zündschnur ist und ein Durchschneiden dieser Schnur nicht bedeutet, dass die Verbindung durchbrochen ist. Wir haben nach dem uns zustehenden Recht gehandelt. Aug um Aug, etc.“
 

Wer zog im Hintergrund die Fäden?

 
1969 werden die Attentäter schließlich zu geringen Haftstrafen verurteilt (insgesamt 18 Jahre und 10 Monate). Zu diesem Zeitpunkt sind bereits alle bis auf Panizza flüchtig. Denn man hat sie lange vor Prozessbeginn ohne Anklage auf freien Fuß gesetzt, worauf sich Massara, Poltronieri, Rolando und Perito ins Ausland absetzen. In zweiter Instanz werden die Strafen im Durchschnitt auf die Hälfte herabgesetzt. Das Verfahren gegen Massara wird eingestellt, weil er in der Zwischenzeit verstorben ist. 1972 werden die Urteile von einem Senat des Obersten Gerichtshofs in Rom bestätigt. 
 
Keine Rolle spielte dagegen die Frage nach möglichen Hintermännern. Tatsächlich dürfte die neofaschistische MSI eine tragende Rolle gespielt haben: Rolando und Poltronieri (letzterer selbst ein erfolgloser MSI-Kandidat bei Regionalwahlen) sollen „die politisch agierenden der Attentäter-Gruppe“ und die „Drahtzieher beider Expeditionen nach Österreich“ gewesen sein, meldet ein österreichischer Prozessbeobachter an das Wiener Außenministerium. Mehrere MSI-Parlamentarier leisten Alibi-Aussagen, wodurch Rolando und Poltronieri eine Anklage wegen Ebensee erspart bleibt.
 
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Sprengladungen und Zünder: Von den Tätern auf der Autobahn weggeworfen.

Bemerkenswerterweise hat ausgerechnet der BAS schon am 8. Oktober 1963 Hinweise in einem Kommuniqué veröffentlicht, die sich im Nachhinein großteils bestätigten. Demnach soll Andrea Mitolo, langjähriger MSI-Abgeordneter im Regionalrat Trentino-Südtirol, am Abend des 10. September 1963 in seiner Bozner Wohnung Besuch gehabt haben. Ein gewisser Mauro P., „von Beruf Mineur“, sei vorbeigekommen, während andere Personen im Auto auf ihn warteten. P. habe „ungefähr eine Stunde“ lang die Ergebnisse einer Erkundungsmission im Salzkammergut geschildert. Knapp vierzehn Tage später sei dann dort die Anschlagsserie umgesetzt worden. Laut den Informationen des BAS soll P. ebenfalls beteiligt gewesen sein: „Bei einem kurzen Aufenthalt in einem Waldrevier in der Nähe von Ebensee wurden die Sprengladungen vorbereitet.“
 
Nach den Attentaten seien die Neofaschisten über die bayrische Grenze nach München geflüchtet. Die Rückfahrt sei über die Schweiz gemacht worden. Das BAS-Kommuniqué verweist abschließend auf die Studentenorganisation Giovane Italia, „die sich bereits durch Sprengungen an kommunistischen Zentren in Italien hervorgetan hat. Hier ist das Mordkommando zu suchen“. Mitolo, so der BAS, habe „leichtes Spiel, denn die italienischen Behörden decken ihn“. 
 

„Mit Gegenmaßnahmen ist zu rechnen“

 
Ohne das Placet der Geheimdienste wäre der MSI wohl kaum zu so offensiven Aktionen geschritten. Vielmehr darf von einer stillschweigenden Übereinkunft ausgegangen werden. Verschiedene neofaschistische Gruppen im Umfeld des MSI arbeiteten seit Ende der 1960er und in den 1970er Jahren mit den Nachrichtendiensten zusammen. Mitunter wurden sogar blutige Anschläge begangen, um sie dann der extremen Linken anzulasten. Das war die sogenannte „Strategie der Spannung“, die verhindern sollte, dass die starke kommunistische Partei bei den Wahlen an die Macht kommt.
 
Diese geheime Allianz war während des Südtirol-Konflikts am Werk. Auch hier griff man auf die neofaschistischen Handlanger zurück. Erst 1991 wurde bekannt, dass die Sicherheitskräfte nach tödlichen Attentaten des BAS an Gegenschläge dachten. 1966 erteilte Admiral Eugenio Henke, Chef des militärischen Geheimdienst SID, einem Untergebenen den Befehl, entsprechende Pläne auszuarbeiten. Dieser übergab einen Umschlag, in dem 30 Ziele für Vergeltungsattentate in Österreich aufgelistet waren.
 
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Denkmal für Kurt Gruber (Detail): Opfer der Strategie der Spannung?

Auch im Rahmen der TV-Dokumentation „Bombenjahre“ (2005) sagte der ehemalige Südtirol-Fachmann des italienischen Innenministeriums, Silvano Russomanno, vieldeutig, dass bei den Nachrichtendiensten die Meinung vorherrschte, der Südtirolterror würde „in Österreich“ enden. Die Ebenseer Anschläge sollten wohl deutlich machen, dass auch das Hinterland einen Preis zu bezahlen hatten, wenn der BAS weiter ungestört agieren würde. Die österreichischen Behörden begannen schließlich mehr und mehr gegen die „Freiheitskämpfer“ und ihre Unterstützernetzwerke vorzugehen. Doch noch 1967 erhielt man „inoffizielle Informationen“, „dass mit Attentaten und Sprengstoffanschlägen auch in Österreich, sozusagen Gegenmaßnahmen, zu rechnen sei“, wie sich der damalige Außenminister Lujo Toncic-Sorinj (ÖVP) erinnerte. 
 
In jenem Jahr 1967 hatte sich das letzte Attentat des Südtirol-Konflikts ereignet. Zwei Jahre später konnte der Konflikt dann auf diplomatischem Weg beigelegt werden. Aber viele Fragen – gerade im Zusammenhang mit den Attentaten in Österreich – sind nach wie vor offen. Die Wahrheitsfindung geht weiter.
 
Zum Autor: Thomas Riegler ist Historiker und Affiliate Researcher am Austrian Center for Intelligence, Propaganda and Security Studies (ACIPSS).
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Kommentare

Bild des Benutzers Martin B.

Gute Aufklärung. Davon wusste ich nichts.

Bild des Benutzers Basso Meno (gesperrt)

Übertragen auf heute bedeutet das wohl, dass Italien im Geheimen schon als "Gegenmaßnahme"plant, Österreichern italienische Pässe anzubieten.

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