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Pflanzenschutz

Pestizidfreies Bozen

Bozen ist als erste Südtiroler Gemeinde dem Europäischen Netzwerk der pestizidfreien Städte beigetreten. Und eckt damit weit weniger an als Mals.
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In Mals sorgt das Ansinnen seit Jahren für Aufregung. Bozen dagegen kann sich seit Freitag offiziell und anstandslos als pestizidfreie Stadt bezeichnen. Oder konkreter: als erstes Südtiroler Mitglied im  Europäischen Netzwerk pestizidfreier Städte, das von der Brüsseler NGO PAN-Europa (Pesticide Action Network) ins Lebens gerufen wurde. Mit dem erklärten Ziel, eine kritische Masse von engagierten Gemeinden zu vereinen, die auf die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verzichten wollen und sich gleichzeitig in einer europäischen Plattform wiederfinden,  innerhalb der sie ihre Erfahrungen, Vorgehensweisen und Erkenntnisse zur wechselseitigen Unterstützung austauschen können.

Ein lobenswerter Schritt in der europaweiten Aktionswoche gegen Pestizide, der allerdings vorerst keine allzu großen Auswirkungen auf die Gesundheit der BürgerInnen  haben wird. Immerhin verzichtet man in der Landeshauptstadt bereits seit mehreren Jahren auf allen öffentlichen Flächen auf den Einsatz von Glyphosat. Und ist auch bei anderen Pflanzenschutzmitteln durch den Nationalen Aktionsplan derart eingeschränkt, dass selbst im biologischen Landbau verwendete Mittel nicht mehr legal eingesetzt werden konnten oder mit teils nicht erfüllbaren Sperrungen verbunden werden, wie die Chefin der Bozner Stadtgärtnerei Ulrike Buratti vor zwei Jahren auf salto.bz erklärte.

Dennoch ist der Beitritt weit mehr als ein symbolischer Akt unterstrich am Freitag Umwelt-Stadträtin Maria Laura Lorenzini. „Die Stadtgemeinde Bozen ist dem Netzwerk pestizidfreier Städte beigetreten, weil sie es für notwendig gefunden hat, jede mögliche Maßnahme zur Anwendung zu bringen, die zur Gesundheit der Menschen beiträgt, indem die Anwendung von Pestiziden auf das geringst mögliche Ausmaß beschränkt wird.“ Mit der Unterzeichnung des Beitrittsprotokolls zum Europäischen Netzwerk pestizidfreier Städte verpflichten sich Gemeinden, einen Aktionsplan zu erstellen, durch den Schritt für Schritt alle Pestizide von den gemeindeeigenen öffentlichen Flächen verbannt werden. Bindend vorgesehen sind auch Informationskampagnen,  mit denen BürgerInnen für die Wichtigkeit nachhaltiger Alternativen sensibilisiert und über die Gefahren informiert werden, die aus der Berührung mit Pestiziden entstehen können.  Laut PAN-Italia-Vetreter Koen Hertoge sieht das Protokoll aber auch Maßnahmen vor, die über die öffentlichen Fläche hinausgehen. „Es steht auch drinnen, dass der Einsatz von Pestiziden auf landwirtschaftlichen Flächen zu reduzieren ist, wenn sie zum Beispiel an Privatgärten grenzen“, sagt er.

Für Hertoge ein möglicher Grund, warum sich zum Beispiel eine Gemeinde wie Meran, die die Reduzierung von Pestiziden sogar in ihrem Regierungsprogramm stehen hat, bisher nicht entschließen konnte, dem Netzwerk beizutreten. „Doch wir hoffen sehr, dass nun auch andere Städte und Gemeinden dem mutigen Beispiel von Bozen folgen werden.“  Unterhalb von Salurn sind der Initiative bereits mehr als ein Dutzend Gemeinden beigetreten, darunter Varese, Belluno oder  Ragusa. Und was ist mit den Malsern? Dort tritt in einer Woche die vor zwei Jahren verabschiedete Pestizid-Verordnung  in Kraft, die um ein großes Stück weiter geht als die pestizidfreien Gemeinden im PAN-Netzwerk. Umso spannender wird nun, ob sie immer noch dasselbe Reizpotential hat wie in der Vergangenheit. 

 

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Kommentare

Bild des Benutzers Martin B.

"von engagierten Gemeinden zu vereinen, die auf die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verzichten wollen": derweil ich (vermutlich) Stadtgärtner mehrmals in der Bozner Industriezone am Straßenrand und Bürgersteig sprießende Unkräuter besprühen seh. Wasser wird das wohl nicht sein und wie die das in Zukunft mechanisch oder sogar händisch bewerkstelligen wollen hat StadtgärtnereiIn Ulrike Buratti usw. nicht erklärt.

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