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Justiz

Rechtsgültige Verurteilung

Das Kassationsgericht hat die Verurteilung von Katia Tenti und Antonio Dalle Nogare bestätigt. Die ehemalige Ressortdirektorin will jetzt 50.000 Euro von Salto.bz.
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Neun Monate stehen eigentlich für eine besondere Phase im Leben einer Frau.
Diese Zeitspanne dürfte bei Katia Tenti derzeit keine Glückgefühle auslösen.
Denn innerhalb von neun Monaten hat sich die letzte Hoffnung der ehemaligen Ressortdirektorin auf eine Verjährung möglicher Straftaten zerschlagen.
Am Mittwoch ging am römischen Kassationsgericht der Instanzenweg eines langen Strafprozesses zu Ende. Das oberste Gericht hat dabei die Verurteilung der ehemalige Landesbeamtin Katia Tenti zu zwei Jahren und jene des Bozner Bauunternehmer Antonio Dalle Nogare zu zwei Jahren und drei Monaten bestätigt.
Das Urteil ist damit rechtskräftig.
 

Neun Jahre

 
Der „Fall Tenti“ wird Ende 2012 durch Eingabe des damaligen Bozner M5S-Gemeinderates Alberto Fillippi bei der Bozner Staatsanwaltschaft losgetreten. Im Mittelpunkt stehen dabei die damalige Ressortdirektorin und rechte Hand von Wohnbau-Landesrat Christian Tommasini, Katia Tenti und der Bozner Bauunternehmer Antonio Dalle Nogare. Die beiden waren zur damaligen Zeit ein Paar.
Der Staatsanwaltschaft und den Ermittlern gelingt es durch modernste Abhörtechnik nachzuweisen, dass Tenti Inisiderinformationen und Dokumente weitergeben hat, die Dalle Nogares Unternehmen bei einer 25-Millionen Ausschreibung des Wohnbauinstitutes zum Bau von 100 Mittelstandswohnungen in Bozen zum Sieg verhelfen sollte. Nach mehreren Anzeigen und den ersten Ermittlungsergebnissen wird die Ausschreibung vom Wobi annulliert.
Im Prozess gegen Katia Tenti und Antonio Dalle Nogare kommt es dann zu einem langen und harten Schlagabtausch zwischen Oberstaatsanwalt Giancarlo Bramante und dem Verteidigerpool um Carlo Bertacchi. Am Ende setzt sich die Anklage in fast allen Punkten durch.
 
Tenti Prozess
Tenti-Prozess vor dem Bozner Landesgericht: Harter Schlagabtausch zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung.
 
 
Am 13. Juni 2019 verurteilt das Richterkollegium, Carlo Busato, Stefan Tappeiner und Ivan Perathoner Katiusca Tenti und Antonio Dalle Nogare wegen Offenbarung und Nutzung von Amtsgeheimnissen oder Beihilfe dazu (Art. 326/3) und wegen Beeinflussung der Wahlfreiheit in einem Auswahlverfahren (Art. 353 bis Strafgesetzbuch) zu zwei Jahre (Tenti) und zu 2 Jahre und drei Monate Haft (Dalle Nogare).
Es dauert fast ein Jahr bis Richter Carlo Busato im Frühjahr 2020 die Urteilsbegründung hinterlegte. Und auch im Berufungsverfahren kommt es zu mehreren Verzögerungen.
Der Prozess soll eigentlich bereits im Herbst 2020 am Oberlandesgericht starten. Doch zum Prozess-Auftakt erklärt sich mit Manfred Klammer, einer der drei Richter für befangen. Mit einer durchaus kuriosen Begründung: Seine Kinder seien mit den Kindern der Angeklagten bekannt.
So geht die Berufungsverhandlung erst Ende Februar dieses Jahres über die Bühne. Der Richtersenat, Silvia Monaco als Vorsitzende, Oswald Leitner und Claudia Montagnoli bestätigen am Ende das Urteil aus der ersten Instanz.
 
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Kassationsgerichtshof: Verurteilung ist jetzt rechtskräftig.
 
Damit bleibt nur mehr der Gang vor das Kassationsgericht. Katia Tenti hat dafür auch ihren Anwalt gewechselt. Sie wird in Rom vom Bozner Strafverteidiger Marco Mayr vertreten.
Weil für die Verjährung eine 10 Jahresfrist gilt, kann sich das Duo Tenti/Dalle Nogare berechtigte Hoffnungen machen, dass das Urteil möglicherweise vor der Behandlung durch das Kassationsgericht verjährt.
Das römische Höchstgericht hat jetzt aber den Fall in Rekordzeit behandelt. Genau neun Monate nach der Bestätigung des Berufungsgerichtes, kam am Donnerstag auch der Urteilsspruch in letzter Instanz heraus. Das Kassationsgericht bestätigte dabei die Verurteilung beider Angeklagten voll. Das Urteil wird damit rechtskräftig.
 

Tentis Zivilklagen

 
Katia Tenti scheint aber eine eigene Auffassung von Gerechtigkeit zu haben.
So will die ehemalige Landesbeamtin und Autorin mehrerer Krimis jetzt anscheinend eine Reihe von Zivilklagen anstrengen.
Vor zwei Wochen wurde dem Autor dieser Zeilen und Salto.bz die Einladung zu einem Mediationsverfahren vor der Anwaltskammer zugestellt. Es ist der erste Schritt zur Einreichung einer Zivilklage. Vertreten wird Katia Tenti dabei vom traditionellen Anwalt des Alto Adige, Giancarlo Massari.
 
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Katia Tenti: Nach Verurteilung Zivilverfahren einleiten.
 
Beanstandet werden acht Salto-Artikel aus den Jahren 2017 bis 2020. Darunter die Prozess-Berichterstattung als auch Aussagen aus einem abgehörten und im Gerichtssaal vorgespielten Telefongespräch zwischen Katia Tenti und dem damaligen ICC-Richter Cuno Tarfusser. Ebenso zwei Artikel über ein Mittagessen in der Pizzeria Zio Alfonso. Als Streitwert hat ihr Anwalt im Mediationsverfahren 50.000 Euro angegeben.
Das aber scheint nicht die einzige Zivilklage zu sein, die die verurteilte ehemalige Landesbeamtin jetzt anstrengen will.  Nach Informationen von Salto.bz hat sie ähnliche Schritte auch gegen jenen Mann eingeleitet, der die Ermittlungen durch eine Eingabe ins Rolle gebracht hat: Alberto Filippi. Hier geht es um 40.000 Euro.
Hochmut kommt nicht immer vor dem Fall. Bei manchen schient er auch danach noch nicht zu Ende zu gehen.
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Kommentare

Bild des Benutzers Dominikus Andergassen
Dominikus Andergassen 25.11.2021, 07:40

Nach meinem Dafürhalten sollten sowohl Salto als auch Alberto Filippi (alias Spartaco economico zu "Tandems Zeiten") eine Klage wegen Belästigung in Erwähnung ziehen.

Bild des Benutzers alfred frei
alfred frei 25.11.2021, 10:45

Hat die Autorin mehrer Krimi nicht die literarische Freiheit die "Angeklagten" einer gerechten (Geld)Strafe zuzuführen ?

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Martin Mayr 25.11.2021, 15:03

„Hochmut kommt nicht immer vor dem Fall. Bei manchen schient er auch danach noch nicht zu Ende zu gehen.“

Genial Herr Franceschini. Muss ich mir merken.

△rtim ୍℘୍stロ 25.11.2021, 18:01

Es gibt noch Zeichen und Wunder. Mal eine gute Nachricht. Recht wurde doch noch gesprochen. Zeit, dass die öffentliche Verwaltung und der Rechnungshof von den nun rechtskräftig Verurteilten all ihre Schadensersatzansprüche einfordert.

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