Umwelt | Artenvielfalt

Bienenwachs – ein reines Naturprodukt?

Warum das nicht immer der Fall ist und Tipps aus der Bioland Imkerei
Hinweis: Dies ist ein Partner-Artikel und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.
Ein einwandfreies Wachs bildet somit die Grundlage für die Gesundheit des Bienenvolkes und die Qualität des Honigs.
Foto: Bioland Südtirol
  • Bienenwachs ist ein kostbares Produkt von großer Bedeutung für Imkerinnen und Imker. Es dient als Brutstätte für die Bienenlarven, als Zwischenlager für Honig und Pollen sowie als Sitzplatz der Bienen. Ein einwandfreies Wachs bildet somit die Grundlage für die Gesundheit des Bienenvolkes und die Qualität des Honigs. Es ist ein einzigartiges Material, aus über 300 Bestandteilen, dessen synthetische Reproduktion nicht möglich ist. 


    Trotz seiner Natürlichkeit ist jedoch Vorsicht geboten: Aufgrund seines hohen Gehalts an Fettsäuren besteht nämlich die Gefahr, dass es bei Kontakt mit fettlöslichen Substanzen diese aufnimmt und speichert. Laut dem Bayerischen Bienengesundheitsdienst wiesen im Jahr 2018 etwa 30 Prozent der analysierten Wachsproben Rückstände solcher fettlöslichen Mittel auf. Diese Substanzen stammen aus Varroa-Bekämpfungsmitteln, Bienenabwehrmitteln, Holzschutzmitteln, Wachsmottenbekämpfungsmitteln und Pflanzenschutzmitteln. Hinzu kommen weitere Substanzen, die durch den vermehrt internationalen Wachsmarkt in unser Bienenwachs gelangen. Einmal im Wachs vorhanden, lassen sich diese Wirkstoffe nur schwer entfernen und können von dort aus in den Futtersaft der Bienenlarven und in den Honig gelangen.

    Natürliches Bienenwachs ist ein einzigartiges Material, aus über 300 Bestandteilen. 


    Glücklicherweise zeigen aktuelle Studien aus der Schweiz und Bayern, dass die Rückstandsmengen einiger dieser Wirkstoffe, hier vor allem aus den Varroa-Bekämpfungsmitteln, im Vergleich zu früheren Jahren rückläufig sind. Dies ist darauf zurückzuführen, dass immer mehr Imkerinnen und Imker organische Säuren zur Bekämpfung der Varroa-Milbe einsetzen und sich diese nicht im Wachs anreichern. Dennoch sollte der Kauf von Bienenwachs mit Umsicht getätigt werden. Auch die Bezeichnung "reines Bienenwachs" auf den Verpackungen bezieht sich in der Regel nicht auf die darin enthaltenen Wirkstoffe, sondern auf Fremdwachse wie Paraffin und Stearin.


    Empfehlungen für möglichst rückstandsarmes Bienenwachs

    Zur Bekämpfung der Varroa-Milbe sollten ausschließlich organische Säuren eingesetzt werden. Diese Substanzen hinterlassen, bei korrekter Anwendung, keinerlei Rückstände in Wachs und Honig. Zusätzlich ermöglichen biotechnische und biophysikalische Methoden, wie das Drohnenbrutschneiden und die thermische Behandlung, eine schadstofffreie Varroa-Bekämpfung. Bei der Wahl der Beuten sind natürliche Materialien, wie Holz zu bevorzugen. Dieses sollte zudem frei von Anstrichstoffen sein, mit Ausnahme von Pflanzenölen. Die Reinigung und Desinfektion der Beuten sollte mechanisch mittels Drahtbürsten und thermisch mittels Heißwasser oder Flammen erfolgen.

    Die synthetische Reproduktion von natürlichem Bienenwachs ist nicht möglich.


    Zur Beruhigung der Bienen sollte ausschließlich und möglichst sparsam Rauch aus natürlichem Brennmaterial verwendet werden. Und schließlich sollte beim Erwerb von Bienenwachs ausschließlich auf geprüftes Bio-Wachs zurückgegriffen werden. Im besten Fall aber verarbeitet die Imkerin oder der Imker das eigene Wachs. Dabei gilt der offene Wachskreislauf als bewährte Praxis: Nur Entdeckelungswachs und Wachs aus Naturwaben werden zu Mittelwänden verarbeitet. Wachs von alten, bereits bebrüteten Waben findet keine Verwendung mehr in der Mittelwandproduktion.
    Durch den konsequenten Verzicht auf chemisch-synthetische Substanzen und ein sorgfältiges Wachsmanagement, kann das Bienenwachs bestmöglich frei von Schadstoffen gehalten werden, was wiederum eine hohe Qualität des produzierten Honigs gewährleistet. Diese Arbeitsweise entspricht den Richtlinien von Bioland.

     

    Margarethe Sabbadini, Beraterin Imkerei, Bioland Südtirol