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Konsumverhalten

Schwarz vor Shoppen

Schnäppchenjäger kommen heute voll auf ihre Kosten. Doch am “Black Friday” fehlen die kritischen Stimmen nicht. Zahlt er sich wirklich aus?
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Woher der Name stammt, ist nicht endgültig geklärt. Eine Erklärung, warum der “Black Friday” so heißt, ist, dass die Händler an diesem Tag vom Geldzählen schwarze Hände haben. Gesichert ist hingegen, dass dieser Tag in den USA zum umsatzstärksten des gesamten Jahres anvanciert ist. Am Freitag nach Thanksgiving locken Geschäftsleute und Konzerne mit Schnäppchen, massiven Rabatten und verlängerten Öffnungszeiten. Zugleich beginnt mit dem “Black Friday” die Jagd auf die Weihnachtseinkäufe. Rund 50 Milliarden Dollar geben die US-Amerikaner an diesem Tag für Einkäufe in den Läden und online aus. Längst ist die “Black-Friday”-Welle nach Europa übergeschwappt. 94 Prozent der Italiener geben an, den “Black Friday” zu kennen, 68 Prozent werden an diesem Tag gezielt Einkäufe tätigen – vor allem, um das Weihnachtsshopping vorzuziehen.

Angebote im zweistelligen Prozentbereich werden auch in Südtirol die Kunden zum Geldausgeben verleiten. Während das Europäische Verbraucherzentrum in Bozen Tipps gibt, wie sich Kunden vor schwarzen Schafen am “Schwarzen Freitag” schützen können, wachsen auch hierzulande die kritischen Stimmen. Der “Black Friday” steht symbolhaft für den Konsumwahn und die Verschwendungskultur der Industriegesellschaften. In Zeiten von Fridays for Future, immer sichtbar werdender Umweltverschmutzung und Klimakrise steigt die Sensibilität. Bereits 1992 wurde von Kanada ausgehend der “Buy Nothing Day” ins Leben gerufen, der am selben Tag wie der “Black Friday” stattfindet. Als Gegen- bzw. Protestaktion sollen 24 Stunden Konzumverzicht zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten und die weltweiten Auswirkungen anregen.

“Am heutigen ‘Black Friday’, der in Europa, den USA und Australien als Tag des Konsums gehyped wird, sollten wir auch in Südtirol die Frage aufwerfen, was mit unserem fast noch neuen Handy oder der aussortierten Jeans passiert, wenn wir sie mit einem neuen Stück ersetzen”, stimmt Verena Gschnell, Leiterin des Bereichs Bewusster Konsum bei der oew zu. “Denn wohin ein übermäßiger Konsum führt, ist klar: nach Agbogbloshie in Ghana zum Beispiel, der größten und giftigsten Elektromüllhalde der Welt, oder nach Ruanda, wo der Import von Gebrauchtkleidung fast gänzlich den lokalen Kleidermarkt zerstört hat, oder nach Malaysia, von wo der Plastikmüll der EU inzwischen wieder zurückgeschickt wird.”

Agbobloshie
Aus den Augen, aus dem Sinn? 2013 war der Südtiroler Fotograf Georg Hofer in Ghana und hielt die größte Elektromüllhalde der Welt, Agbobloshie, in Bildern fest (Foto: Georg Hofer)

 

Der “Kauf-Nix-Tag” findet mittlerweile in über 60 Ländern weltweit statt. In Österreich und Italien beteiligen sich unter anderem auch Weltläden, die entweder ihre Regale leer räumen oder die Kassa geschlossen halten und die Kunden dazu auffordern, nichts zu kaufen. In den bald 16 Südtiroler Weltläden – am Samstag eröffnet in Kastelruth der Weltladen Schlern – wird es keine ähnliche Aktion geben, sagt Brigitte Gritsch, Koordinatorin der Südtiroler Weltläden. Doch die Weltläden an sich stünden bereits für ein alternatives, solidarisches, “weniger auf Massenkonsum ausgerichtetes” Wirtschaftsmodell, so Gritsch.

Den nachhaltigen Konsum ins Rampenlicht rücken – “dazu bieten die aus den USA importierten ‘Konsumfeiertage’ wie der ‘Black Friday’ einen guten Anlass”, findet Walther Andreaus, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Südtirol lobende Worte für den “Kauf-Nix-Tag”. Doch während es an nur einem Tag im Jahr möglich sei, “sich dem Konsum zu entziehen und so auch ein klares Zeichen zu setzen”, sei das Ganze an den restlichen 364 Tagen schon schwieriger, so Andreaus. Strategien, wie nachhaltiger Konsum das ganze Jahr über gelingen kann, liefert unter anderem die “Kauf-Nix-Pyramide” der Deutschen Umweltstiftung.

Kauf-Nix-Pyramide
Neu kaufen nur im Extremfall: die Anti-Verbraucher-Pyramide der Deutschen Umweltstiftung

 

Auch Südtirols Grüne rufen zu einem bewussten Konsum das ganze Jahr über auf: “Dinge können getauscht oder repariert werden. Wer kaufen möchte, kann dies ab und an auch zweiter Hand tun. Und wenn wir ein Produkt in der Hand halten oder im digitalen Warenkorb verstauen, könnten wir es uns zur Gewohnheit machen kurz durchzuatmen und uns zu fragen: Brauche ich das wirklich?

Wer nach noch einem Grund sucht, sich dem “Black-Friday”-Sog zu entziehen, der wird bei Stiftung Wartenstest fündig. “Sind die Sonderangebote wirklich so günstig?”, hat man sich dort gefragt – mit dem Ergebnis: Die suggerierten einmaligen Angebote am “Black Friday” sind gar nicht die Schnäppchen, als die sie angepriesen werden. Wer wirklich sparen will, für den hat Stiftung Warentest erfolgreichere Strategien und Tipps parat, als sich an Rabatt-Tagen von blinkenden Prozent-Zeichen blenden zu lassen.

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