Advertisement
Advertisement
Klimaschutz

Südtirol ein „Klimaland“?

So manches passt in Südtirol noch nicht recht zu einem "Klimaland". Das ist der Ausgangspunkt für einen neuen Sammelband über „regionale Wege zu konsequentem Klimaschutz.
Community-Beitrag von Thomas Benedikter29.04.2022
Bild des Benutzers Thomas Benedikter
Advertisement

Dabei ist Südtirol beim Klimaschutz und bei den Nachhaltigkeitsstrategien nicht schlecht aufgestellt. Relativ geringe CO2-Emissionen, relativ hoher Anteil erneuerbarer Energien. Was der LH mit der Landes-Nachhaltigkeitsstrategie und dem Klimaplan 2050 anstrebt, ist anspruchsvoll und ehrgeizig. 2030, also in 8 Jahren sollen wir in Südtirol bei einer CO2-Emission von 3 Tonnen pro Kopf liegen. Bis 2030 soll die sog. Dauer-Leistung pro Kopf im Jahr in Südtirol bei 2200 Watt liegen. Heute sind es mehr als 3000 Watt: ein richtig großer Schritt an Energieeinsparung in Wirtschaft und Gesellschaft in nur 8 Jahren.

Somit stimmt zwar die Richtung, doch werden diese Pläne und Konzepte ausreichen, um Südtirol schon 2040 Klimaneutralität zu bescheren? Werden die angekündigten Maßnahmen der Landesverwaltung auch umgesetzt und wird auf der anderen Seite auf klimaschädliche Projekte verzichtet? Können Mobilität und Gebäudeheizung so rasch umgerüstet werden? Müssen nicht auch die energie- und emissionsintensiven Wirtschaftsbranchen weit klarer auf einen Sparkurs einschwenken? Noch sieht es nicht danach aus. In Südtirol kann man viel mehr den Eindruck gewinnen, dass die Politik nach dem Motto handelt, das Hans Heiss sehr treffend auf den Punkt gebracht hat: „Do geaht schun no a bissl.“

Das alles hinterfragt eine neue Publikation von POLITiS, die ausgehend von der Notwendigkeit der raschen Energiewende Analysen und Überlegungen bringt, wie man auf dem Weg zu einem klimaneutralen Südtirol weiter kommen würde. Mehr als 20 Fachleute befassen sich in 16 Einzelbeiträgen mit einzelnen Politikfeldern. Zuerst werfen Thomas Streifeneder und Miriam Weiß (EURAC) im Abschnitt „Was tun für Südtirols Klimaneutralität“ einen Blick auf den Gesamtkontext und die Schlüsselsektoren. Dann geht Hans Heiss auf die Grenzen des Tourismus ein. Kris Krois überlegt, wie die ökosoziale Transformation Hand in Hand mit demokratischer Beteiligung zu gehen hat. Norbert Lantschner hat ein profundes Wissen zum klimafreundlichen Wohnen. Ganz bedeutend für den Klimaschutz ist das Nahrungsmittelversorgungssystem, das Prof. Christian Fischer beleuchtet. Prof. Stefan Zerbe weist auf die Bedeutung der Moore und Feuchtgebiete für den Klimaschutz hin. Zwei Beiträge befassen sich mit der Südtiroler Energiepolitik und Energiewende, nämlich der Energieexperte Peter Erlacher und der Klimaclub Südtirol. Stefan Perini thematisiert den Klimaschutz als zutiefst soziale Frage, Elisabeth Präauer vom Terra Institute geht der Frage nach, wie wir als Einzelne näher zur 2000-Watt-Gesellschaft rücken können, und die Biologin Kathrin Kofler erläutert die Bedeutung des Schutzes der Artenvielfalt. Peter Kasal entwickelt Vorstellungen zu einer Raumordnung mit weniger Flächenfraß, genauso Lobis und Kleewein zu einer klimafreundlichen Mobilität im umfassenden Sinn. Johannes Engl und Johanna Donà, die auch Mitherausgeber sind, erläutern, was Gemeinwohl an sich und speziell für den Klimaschutz bedeutet. Einen heiter-philosophischen Abschluss bringt der Physiker und Neurowissenschaftler David Hofmann, der auch die Scientists for Future koordiniert.

Alle Essays zielen darauf ab, das breit gefächerte Thema konkret auf die Landespolitik herunter zu brechen, also auf das in Südtirol Machbare und Notwendige in Sachen Klimaschutz. Die Essays sind, obwohl immer fundiert und gehaltvoll, für eine ganz allgemeine Leserschaft geschrieben. Wie Susanne Elsen in ihrer Einführung schreibt: „Der vorliegende Band liefert einen qualifizierten Beitrag zur öffentlichen Debatte um den Klimaschutz in Südtirol. In demokratischen Gesellschaften sollten wissenschaftliche Erkenntnisse die Grundlage dafür sein. Die betroffenen Menschen sollten durch verständlich aufbereitetes Wissen mitreden können, weil der Klimaschutz tatsächlich alle angeht.“

Thomas Benedikter (Hg.), Klimaland Südtirol? Regionale Wege zu konsequentem Klimaschutz, arcaedizioni Lavis, 2022, Euro 15,00, 184 Seiten, ISBN 978-88-88203-88-1. Im Buchhandel in Südtirol.

Advertisement
Advertisement
Advertisement
Advertisement
Advertisement