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Wolf

Der Bauernkrieg

Der Südtiroler Bauerbund organisiert die Generalmobilmachung gegen den Wolf. Man will damit vor allem die Landesregierung und Arnold Schuler unter Druck setzen.
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Früher marschierten die Bauern mit Mistgabeln auf. Heute ist das Ganze etwas moderner.
Die Generalmobilmachung erfolgt im Jahr 2019 über Whatsapp.
Der Südtiroler Bauernbund (SBB) verschickte diese Woche über den Messenger-Dienst an die eigenen Funktionäre und Mitglieder einen Aufruf.
Der Text:
 
„Betrifft: Demo für ein wolffreies Südtirol in Bozen am 05.06.19 
Treffpunkt: Vives Bozen 10.00 Uhr mit Traktoren bzw. Viehhänger (bitte plakatiert).
Abfahrt Bezirk .........um ...........Uhr Weitere Treffpunkte .........
Insges. Traktoren / Autos mit Hänger ...... (bitte bis morgen mitteilen).
Personen ohne Traktor / Hänger bitte mit Bus oder Zug kommen.“
 
Wie ernst es der größten bäuerlichen Standesorganisation ist, machen die Schlusssätze deutlich.

„Bitte beisammen bleiben, ruhig und besonnen verhalten - nicht provozieren lassen!!!
Die nächste Demo ist in Sterzing am 08.06.19 geplant“.
 
Dass die Nachricht ankommt, zeigt die Reaktion aus den Bezirken. So etwa verschickte ein Wipptaler SBB-Funktionär am Dienstag an seine Mitglieder einen Zusatz:
 
„Treffpunkt wipptal 05.06.19 in mauls hotel staffler um 7.30 uhr. Bitte mitteilen wer olles kimp bis morgen mittog.“
„Bitte beisammen bleiben, ruhig und besonnen verhalten - nicht provozieren lassen!!!
Schon jetzt ist klar: Der Zuspruch zur Protestveranstaltung am kommenden Mittwoch wird aus dem ganzen Land groß sein. Die Bauern werden in Massen in die Landeshauptstadt kommen.
Und damit hebt der Bauernbund den Protest gegen den Wolf auf eine ganz neue Ebene.
 

Der Überraschungsangriff

 
Die Aktion wurde bisher bewusst vor der Öffentlichkeit verschwiegen.
Der Bauernbund kündigte in den vergangenen Tagen per Pressemitteilung an, dass man am 8. Juni in Sterzing gegen den Wolf auf die Straße gehen wird. „Wir werden ein klares Zeichen setzen, dass der Wolf und die traditionelle Almwirtschaft nicht vereinbar sind“, wird Leo Tiefenthaler in der Ankündigung zitiert. Der SBB-Obmann unterstreicht dabei die Entschlossenheit seiner Organisation: „So schnell werden die Bäuerinnen und Bauern das Feld nicht dem Wolf überlassen.
 
Leo Tiefenthaler
Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler: Protest ins Palais Widmann tragen (Foto SBB)
 
Kein Wort findet sich in der Presseaussendung zu der weit größeren Protestveranstaltung drei Tage vorher in der Landeshauptstadt. Es ist ein bewusster Schachzug. Man will damit die Politik und die Öffentlichkeit in einer Art Überraschungsangriff kalt erwischen.
Zwischen den Bergfeuern gegen den Wolf am 10. Mai und dem Sterzinger Bauernmarsch am 8. Juni, sollen am 5. Juni hunderte Traktoren und Bauern auf dem Silvius Magnago Platz auffahren und lautstark den Abschuss der Wölfe in Südtirol fordern.
 

Angriff auf Schuler

 
Die Bauernbund-Aktion ist dabei ein klarer Angriff auf die Südtiroler Politik. Es ist kein Geheimnis, dass der Bauerbund Arnold Schuler als Landesrat mehr erduldet als schätzt. Das Verhältnis ist seit Jahren getrübt. Der Hauptgrund: Schuler tanzt nicht nach der Pfeife des mächtigen Bauerbundes.
Seit längerem versuchen Leo Tiefenthaler & Co die SVP und vor allem den zuständigen Landesrat Arnold Schuler zu einer härteren Gangart in Sachen Großraubtieren zu bewegen. Juridische und politische Hindernisse will man kurzerhand einfach aus dem Weg räumen. Jeden rechtlichen Einwand der zuständigen Landesbeamten wischt man mit einer Art übergeordneten Notstands-Argument einfach vom Tisch.
Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet der Bauernbund-Angestellte und SVP-Abgeordnete Manfred Vallazza zusammen mit dem Sarner Bauer und Landtagsabgeordneten Franz Locher einen Gesetzantrag im Landtag einbringen wollte, der genau das umsetzen will, was der Bauernbund fordert. Doch Landeshauptmann Arno Kompatscher und Landesrat Arnold Schuler stoppten in der SVP-Fraktion den Alleingang der Bauernbundlobbyisten.
Luigi Spagnolli, Direktor des Amtes für Jagd und Fischerei, und damit für mögliche „Entnahmen“ von Großraubtieren zuständigen, ist dem Bauernbund sowieso ein Dorn im Auge. Man traut dem langjährigen Bozner Bürgermeister nicht zu, dass er die Ängste und Sorgen der Südtiroler Bauern wirklich versteht.
Jetzt will der SBB auf der Straße Druck machen. Der Bauernbund hat sich dafür nicht nur in den Reihen der SVP längst Verbündete gesucht. In den vergangenen Wochen tingelte auch die Südtiroler Lega durchs Land, um bei Info-Veranstaltungen die Forderung nach Abschuss der Wölfe zu unterstreichen.
Demnach sollen die Traktoren und Bauern, die kommende Woche durch Bozen rollen und marschieren, ein Zeichen an die Bevölkerung sein.
Aber noch mehr eine klare Botschaft an das Palais Widmann.

 
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