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Autonomie

Autonomiekonvent ohne uns

Wie viel haben wir geredet, über unseren Autonomiekonvent, und wie das Land, die Gesellschaft und die Politik reif für alternative, moderne Partizipationsmodelle wären.
Kolumne von
Bild des Benutzers Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher30.03.2015
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Jetzt haben wir uns durch kollektive Abwesenheit blamiert. Unsere partizipative Unreife an den Tag gelegt und unser Desinteresse an Entwicklung von Autonomiemodellen.

Am vergangenen Freitag, also am 28. März 2015 hatte die Autonomiebewegung Autonomia di Valtellina e Valchiavenna zu einem runden Tisch in Sondrio zum Thema „Verso l’autonomia“ eingeladen. „Il primo convegno“, wie es die Presse formulierte. Selbstverständlich ist ein convegno noch kein convento, aber dennoch ist es mehr als nur ein kräftiges Lebenszeichen von unten, nachdem sich parteipolitische Versprechungen zum Thema als leere Worthülsen erwiesen hatten und der Glaube in die politische Klasse in Sachen Autonomie schon längst verloren gegangen ist.

Die Autonomiebewegung ist kein kleiner, unwichtiger Haufen von Träumern, sondern arbeitet dem erklärten Ziel der Autonomie konkret entgegen„Il modello trentino-tirolese è un modello che noi guardiamo come punto di riferimento”.

Immerhin wurde die Veranstaltung aktiv vom lokalen Handwerkerverband und von der CISL unterstützt„tanto dalla parte dei lavoratori quanto da quella degli imprenditori“. Tatkräftige Unterstützung gab es auch aus anderen, autonomie-technisch fortgeschritteneren Regionen: Aus dem Aosta war es Luciano Craveri von der Union Valdotaine Progressiste (UVP) die Reise wert. Aus dem Trentino kamen Lorenzo Baratter vom PATT “e basta riserve indiane” und Nicola Fioretti, Präsident vom OSAR (l’osservatorio di Studi autonomistici regionali ed europei).

Nür Südtirol glänzte durch schulterzeigende Abwesenheit und medialer Nichtachtung. Ein Fernbleiben, das in Sondrio sichtlich mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen wurde.

Da im Lob mehr Zudringlichkeit als im Tadel liegt, kann man aus dem Facebook-Eintrag des Präsidenten der Autonomiebewegung, Andrea Mostachetti, in seiner Südtirol-freundlichen Formulierung eine Botschaft herauslesen:

Un grazie speciale agli amici autonomisti del Trentino Alto Adige/Sud Tirol Nicola Fioretti e Lorenzo Baratter per essere stati in Valtellina e Valchiavenna a raccontarci l'Autonomia e a supportare il desiderio di autogoverno della nostra Valle.

…gefolgt von einer implizierten Aufforderung, die wir hierzulande nicht ignorieren können:

L'evento di ieri vuole essere la prima di una serie di iniziative che faremo sul territorio e che ha come obiettivo quello di favorire la partecipazione popolare e lo sviluppo di un dibattito sui temi di interesse locale. La sfida dell'Autonomia è una sfida di partecipazione. E l'Autonomia è il nostro futuro.

Könnte man doch glatt glauben, dass im Zuge der Regionalisierung des Stilfserjochparks das verantwortungsvolle Interesse an Zusammenarbeit bei jeglicher Interpretation selbstverständlich wäre.  Man kann sich natürlich auch fragen,  warum im Interreg Projekt Terra Raetica das Veltlin auch bei jüngeren Aktivitäten nicht eingebunden wird (oder sich nicht einbindet). So wundert die Frage nicht, die am Freitag aus dem Publikum gestellt wurde: Ob es denn die Schuld Roms oder die Schuld der lokalen, politischen Klasse wäre, dass es mit der Autonomie nicht so richtig weitergeht. Worauf sich der im Publikum anwesende Vorsitzende der Comunità Montana erhob und selbstkritisch zum kollektiven Sich-selbst-an-die-Nase-fassen aufforderte.

Eine Frage, die auch wir öfters stellen sollten. Jedenfalls war es bestimmt nicht Rom, welches uns die Fahrt nach Sondrio verboten hätte, oder das sich dem Ziel «Creiamo subito un’alleanza alpina» widersetzen könnte.

Video auf teleunica.tv.

 

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tvsvizzera.it

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Kommentare

Bild des Benutzers Martin B.
Martin B. 30.03.2015, 13:37
Und dann sich (ich meine Südtirol) über mangelnden Rückhalt bzw. Attacken der Nachbarn bezüglich Autonomie mokieren... Wirklich schade.
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