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Verordnung

Malser Gemeinderat verabschiedet Pestizidverbot

Seit Dienstag Abend ist klar, wie die Gemeinde Mals den Einsatz von Pestiziden einschränken will. Der Gemeinderat verabschiedete die neue Pestizid-Verordnung.
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Schritt für Schritt – das ist die Strategie des Malser Bürgermeisters Ulrich Veith bei der Umsetzung des Ziels einer pestizidfreien Gemeinde. Was anderes blieb ihm auch nicht übrig, als er im Winter 2015 gleich zwei Mal beim Anlauf scheiterte, das Ergebnis der Volksabstimmung mit einer Änderung der Gemeindesatzung umzusetzen. Mehr als ein Jahr ist seither vergangen, in dem in Mals nicht nur eine neue Gemeindeverwaltung gewählt wurde, sondern vor allem intensiv daran gearbeitet wurde, einen rechtlichen Rahmen für das umstrittene Verbot zu finden.

Bereits im vergangenen Juli hatte der neu gewählte Gemeinderat mit einer Änderung der Gemeindesatzung das erste Hindernis für das Verbot aus dem Weg geräumt.  Am Dienstag Abend wurde dann schließlich mit einer neuen Pestizid-Verordnung der nächste große Schritt gesetzt. Diese sieht kein komplettes Verbot chemisch-synthetischer Spritzmittel vor; untersagt sind vielmehr die giftigsten Pestizidklassen. „Ich weiß, dass dieser Beschluss auf den ersten Blick nicht das ist, was die Bürgerinnen und Bürger von Mals im Herbst 2014 in der Volksabstimmung beschlossen haben“, erklärt  Bürgermeister Ulrich Veith in einer ersten Stellungnahme. Dies gelte aber nur auf den ersten Blick. Denn mit zwei zusätzlichen Bestimmungen geht man in der Verordnung noch weiter. Primär mit einer Verschärfung der Abstandsregelung für alle noch erlaubten Pestizide: Für diese muss künftig beim Ausbringen ein Mindestabstand von 50 Metern zu den angrenzenden Flächen eingehalten werden. „Hält man sich die Parzellengröße in Mals vor Augen, kommt das einem Verbot der Mittel gleich“, meint Veith.

Mit einer weiteren Bestimmung wird in der Verordnung aber auch die Tür für ein tatsächliches komplettes Verbot aller chemisch-synthetischen Mittel geöffnet: Zu diesem müsse dann gegriffen werden, wenn nun vorgeschriebene regelmäßige Messungen der Spritzmittelrückstände unerwünschte Ergebnisse bringen sollten. „So stellen wir sicher, dass die Regelung hält, was sie verspricht und unsere Bürgerinnen und Bürger keiner gesundheitlichen Gefahr ausgesetzt sind“, sagt der Malser Bürgermeister. Ausdrücklich zugelassen sind in der Verordnung biologische Pflanzenschutzmittel. Zusätzlich verpflichtet sich die Gemeinde darin auch die biologische Landwirtschaft zu fördern – unter anderem mit der Umstellung der gemeindeeigenen Großküchen in Kindergarten- und Schulmensa auf Bioprodukte und der Eröffnung neuer finanzieller Förderschienen.

Nun wird spannend, wie die breite Kritikerfront des Pestizidverbots reagieren wird. Ulrich Veith gibt sich diesbezüglich gelassen: „Die Regelung ist gerichtsfest“, sagt er. Die Gemeinde habe sich bei der Ausarbeitung der Verordnung an der Trentiner Gemeinde  Malosco orientiert, deren Regelung bereits das Placet des Staatsrates in Rom erhalten habe. Deshalb rechnet der Malser Bürgermeister auch damit, dass die nun verabschiedete Regelung ohne Verzögerung in Kraft treten kann. 

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Kommentare

Bild des Benutzers Peter Lustig
Wow, in Mals müsste man wohnen. Hoffentlich ziehen da andere Gemeinden mit. Eine der nächsten Gemeinden könnte wohl Meran sein und könnte sich damit erste pestizidfreie Stadt (Italiens? Europas?) nennen. Auch ein toller Rekord.
Bild des Benutzers Klemens Kössler
Herr Lustig Wenn dann in Meran aber wieder die brutale und gefürchtete Tigermücke welche die Einwohner in Meran in Gefahr bringt wieder kommt? Dann bleibt nur noch die Fliegenklatsche. Wenn Sie dann die Touristen mit den wahnsinnig gefährlichen Mittel "Authan" erwischen bleibt nur noch der sofortige Arrest für die Kurstadtgönner.
Bild des Benutzers Martin B.
Treffende Replik; genau gleich wie bei Biopoduktion, die Konsumenten können die Produktion ändern anstatt den Produzenten schlechtzureden und dann anders (billig) zu konsumieren. Noch toller jene Obst-Spritzschimpfer die dann im Garten schnell zu den wirksamen Mittelchen greifen.
Bild des Benutzers Alfonse Zanardi
Ich finde es nicht gut wenn eine Gemeinde mit allerlei Tricks versucht Regelungen durchzusetzen für die sie nicht zuständig und zu denen sie nicht berechtigt ist. Die Botschaft an Bürger ist: "Auch als Gemeinde kann man versuchen das Recht zu beugen". Das ist ein falsches Signal. Ich meine das bewusst unabhängig vom Inhalt.
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