Kultur | Kommentar

Lanas Gastfreundschaft

Der Bürgermeister von Lana Harald Stauder will in den Landtag. Mit einer jüngsten Aussage bewegt er sich aber sehr weit nach rechts. Ein Schaden für Partei und Gemeinde?
Kloster Lanegg
Foto: © Oswald Stimpfl

Lana ist die größte Apfelgemeinde des Landes. In Niederlana gibt es ein neu hergerichtetes Obstbaumuseum und mit dem Turm der Heilig Kreuzkirche verfügt man sogar über eine apfelrunde Kuppel. Was aber, wenn die jüngsten Aussagen des ersten Bürgers der Gemeinde eher Birne sind? Laut einer Meldung von Rai Südtirol hätte der Lananer Bürgermeister und SVP-Landtagskandidat Harald Stauder das für Algund geplante (und mittlerweile verbannte) Burschenschaften-Treffen in „seiner Gemeinde“ stattfinden lassen, wäre der von Stauder für gut befundene Saal in Lana zum genannten Tagungszeitpunkt der Burschenschaften-Versammlung nicht bereits besetzt. „Aus ideologischen Gründen hätte man das Treffen jedenfalls nicht absagen dürfen“, sagte Stauder außerdem zu Rai Südtirol. Warum bringt sich der SVP-Landtagskandidat gerade jetzt, nach der Algunder Absage, in diese Geschichte ein, mit überraschend freundlichem Willkommensheil und besserwisserischem Fingerzeig Richtung Algund? 
 

Was beherbergte Lana doch für berühmte Gäste. Von Herta Müller bis Erich Fried, von Wassily Kandinsky bis Gabriele Münter...


Regelmäßig wird Harald Stauder seit Monaten von der Athesia-Plattform Stol.it hofiert, welche die Eigenproduktion des selbsternannten "Kaffeesatzlesers" ungefiltert übernimmt, sie unauffällig neben andere Artikel reiht, als wären die Stauder`schen Überlegungen gar journalistische Produkte. Sie sind es nicht. Sie sind – auch wenn sie im Kleid eines journalistischen Kommentars daherkommen mögen – Gratis-PR für den obskuren Athesia-Schützling, der mit Ebner`scher Schützenhilfe in den Landtag drängelt. In seiner Video-Reihe Auf einen Espresso setzt sich Stauder regelmäßig wie aus dem Ei gepellt vor die Kamera, fabuliert – sprachlich sauber und mit gekünstelter Mimik und Gestik – über Patriotismus, Mehrsprachigkeit oder Vorschriften. Vor ihm steht ein brauner Espresso, hinter ihm lauern braune Holzscheite. Alles scheint auf Farbe gebracht. Welche Richtung Harald Stauder mit seiner äußerst braunen Tuchfühlung nun aber vorgibt ist für viele Kulturschaffende der Großgemeinde ein Schlag in die Magengrube. 
 

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Will um jeden Preis in den Landtag: Der Bürgermeister von Lana Harald Stauder schaffte es mit seiner Espresso-Videoschalte sogar gratis auf "stol.it" / Bildquelle: Harald Stauder


Dabei hatte die löbliche Absage Algunds bereits einen sauren Beigeschmack gehabt, da man eigentlich nicht vor rechtem Gedankengut Angst gehabt habe, sondern am Ende vor allem vor möglichen Gegendemonstrationen, nachdem „Gruppen aus dem süddeutschen Raum Großdemos in ganz Südtirol angedroht“ hätten. Natürlich ging und geht es in dieser Geschichte auch um finanzielle Schäden im Tourismus, nachdem nun in Algund „500 Übernachtungen sowie der Konsum in Bars und Restaurants“ ausfallen. Und obendrein steht noch die Befürchtung im Raum „dass die Burschenschafter wegen bereits angefallener Kosten Geld fordern könnten.“ 
Ab wann fängt Geld eigentlich an zu stinken? Antworten gibt beispielsweise die Piefke-Saga von Felix Mitterer, die derzeit in Thomas Hochkoflers Inszenierung bei den Freilichtspielen Lana zu sehen ist. Alle Vorstellungen und Zusatzvorstellungen der bekannten Satire auf den Tourismus sind ausverkauft und belegen durch den hohen Zuspruch, dass sich Lana doch eigentlich schon längst vom braunen Dreck befreit hat und dass sich Lana mit den Kulturanbietern Literatur Lana, dem Festival Lana Live, oder mit Lana meets Jazz (um nur einige zu nennen) auf internationalem Parkett einen ausgesprochen guten und weltoffenen Ruf erarbeiten konnte. 
Sicher, Lana war in der Vergangenheit auch immer wieder braunes Pflaster für junge und alte Nazis gewesen. In den 1990ern, als erneut eine braune Welle über Lana einzubrechen drohte, war Lana aber auch jener Ort, in welchem das deutsche Punk-Kabarett Heiter bis Wolkig den Song 10 kleine Nazischweine am Sportplatz performte. In einem jüngeren Videoclip der Truppe, die damals für politischen Gegenwind in der Apfelgemeinde sorgte, gibt es sogar eine leichte Ähnlichkeit eines Protagonisten mit Bürgermeister Harald Stauder. Klar, das Video zum Song ist Zufall und böse Satire, worüber gerne gelacht werden darf. Wäre die ganze Sache nicht zum Weinen. 
 

Prophetische Gäste: Das Punk-Kabarett Heiter bis Wolkig war in den 1990ern in Lana. Ihr Song "Pegidamann" erschien 2015. Die Geige spielt "Klaus der Geiger" / Quelle Heiter bis Wolkig 


 

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Dietmar Nußbaumer Mo., 10.07.2023 - 22:11

Die Kirche von Niederlana ist gotisch und ohne Zwiefl. Die Heiligkreuzkirche gehört m.W. zu Mitterlana. Schade um die Zeit, diesen Artikel gelesen und diesen Kommentar geschrieben zu haben.

Mo., 10.07.2023 - 22:11 Permalink
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Dietmar Nußbaumer Di., 11.07.2023 - 13:42

Der Inhalt ist billige Polemik. Die Saltoblase hat ein Problem mit Meinungsfreiheit. Schlimm genug, dass sich Politiker vor einer Medienmeinungsdiktatur beugen. Im Übrigen sind leider zu viele Saltoartikel genauso billig wie jene von Dolomiten, TZ und ff. Zum Glück gibt es ein paar seltene Ausnahmen. Dieser Artikel gehört nicht dazu.

Di., 11.07.2023 - 13:42 Permalink
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Bernd Schuster Di., 11.07.2023 - 17:18

Ich schlage vor, dass jetzt, wo die Burschenschaft juridisch gegen Algund vorgeht, der Herr Felix von Wohlgemut, als linker und grüner, Algund vor Gericht GRATIS als Rechtsanwalt vertretet. Die Algunder Entscheidung ist ja in seinem Sinne getroffen worden.

Di., 11.07.2023 - 17:18 Permalink
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Manfred Klotz Mi., 12.07.2023 - 07:18

Antwort auf von Bernd Schuster

Das einzige was der Veranstalter einklagen kann, ist die doppelte Kaution. Das wird die Gemeinde schon verkraften. Weiterreichende Schadensersatzforderungen sind eher schwer zu begründen. Hotelbuchungen gehören nicht dazu, weil die Absage der Veranstaltung den potentiellen Gast ja nicht daran hindert, sich dennoch in Algund aufzuhalten.

Mi., 12.07.2023 - 07:18 Permalink
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Carl Defranceschi Mi., 12.07.2023 - 11:40

Meinungsfreiheit...! Gerade vor Wahlen wünsch ich mir diese.
Nach den Wahlen hören wir weniger. Harald Stauder gefällt.
Etwas Geduld liebe Besserwisser.

Mi., 12.07.2023 - 11:40 Permalink