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Verkehrslösung oder Verkehrsproblem?

Die neue Verkehrslösung Bozen ist ab 1. August 2023 gültig. Doch nicht alle freuen sich.
Foto: Stan
Die neue Verkehrslösung für Bozen soll den Stau bald der Vergangenheit angehören lassen. Angesichts mehrerer Schienenersatzverkehre und vieler Urlauber in der Ferragosto Woche, werden mit der neuen Verkehrslösung Bozen die Stadtzufahrten gesperrt, sobald 90% der Parkplätze in der Innenstadt belegt sind. Dann wird der Verkehr für Fahrzeuge ab der Mayer-Nusser-Straße, den Eissackbrücken und ab der Rittner Seilbahn, gesperrt sein.
Die betroffenen Autos müssen entweder in das Parkhaus Mitte ausweichen oder auf dem Parkplatz des ehemaligen Bahnhofsgeländes in der Schlachthofstraße parken. Der Parkplatz auf dem ehemaligen Bahnhofgelände steht dabei kostenlos zur Verfügung und bietet circa 350 Parkplätze für Autos, so Stadtrat für Mobilität Stefano Fattor. Sollte auch dieser Parkplatz voll sein, werden zusätzlich die beiden Zufahrtsbrücken über den Eisack, die Kampillerbrücke und die Virglbrücke, für den Verkehr gesperrt.
Eine Ausnahme von den Verkehrssperren gilt für alle Einwohner des Zentrums sowie für Lieferanten und Handwerker. Pendler sollten in der Regel nicht betroffen sein, da sich die Parkplätze in Bozen üblicherweise erst am späten Vormittag füllen, wenn die meisten Pendler bereits an ihrem Arbeitsplatz sind. Die Polizei wird die Einhaltung der Sperren überwachen.
 
Die Gemeinde Karneid zeigt wenig Freude über das neue Verkehrskonzept, da sie bereits häufig zugeparkt wurde. Albin Kofler, Bürgermeister der Gemeinde Karneid, versteht zwar das Verkehrsproblem in Bozen, ist jedoch der Meinung, dass eine andere Verkehrslösung gefunden werden muss. Im Interview mit Salto.bz beschreibt Kofler, dass bereits jetzt in Kardaun und Blumau die Dörfer regelmäßig zugeparkt werden. Stadtrat Fattor hält jedoch daran fest, dass der Verkehr in Bozen nicht zum Erliegen kommen darf. Ein Beispiel hierfür sind die Busse, die über den Bahnhof fahren und regelmäßige Verspätungen von 7-8 Minuten aufweisen, an Regentagen sogar noch länger. Der Grund, warum die Stadt Bozen diese Maßnahmen bereits am 1. August umsetzen will, liegt am Ausfall der Brennerbahnlinie und des Schienenersatzverkehrs zwischen den Bahnhöfen Bozen und Trient. Ab dem 7. August werden zusätzlich 30 Busse pro Tag in Bozen unterwegs sein, um den Schienenersatzverkehr zu gewährleisten.
Kofler sieht dieses Vorhaben jedoch als sehr problematisch. Er äußerte sich zu Salto.bz nicht nur als Bürgermeister der Gemeinde Karneid, sondern auch als Bezirkspräsident zu diesem Thema. Kofler verweist darauf, dass die Gemeinde Karneid bereits seit mehreren Jahren, auf eigenen Kosten, versucht gemeinsam mit den Landesämtern eine Lösung zu finden.
Es ist ja positiv, dass Bozen eine Verkehrslösung sucht, nur nicht auf unsere Kosten!
Beispielsweise wollte man die Rentscherstraße bei der Kreuzung Ritten sperren. Dies hätte ein massives Verkehrsaufkommen in der Innsbruckerstraße und auf den kardauner Straßen zur Folge gehabt, so Kofler. Dies konnte, laut Kofler zum Glück verhindert werden.
 
Albin Kofler.png
Albin Kofler: "Nicht auf unsere Kosten"  (Foto: Gemeinde Karneid)
 
 
„Was mich stört ist, dass immer viel geredet wird aber nie angepackt wird. Und das kann nicht sein. Wir haben selbst auf eigene Kosten, ein Konzept mit mehreren Vorschlägen entwickelt. Des Weiteren haben wir um Bozen herum Berechnungen durchgeführt und uns eine riesengroße Arbeit angetan.“ Im Anschluss erläutert Kofler zudem, dass Projekte wie der Hörtenbergtunnel „nie und nimmer funktionieren werden.“ Kofler ist der Ansicht, dass man ihr Konzept nehmen oder zumindest berücksichtigen gesollt hätte.
Wir Blumauer und Kardauner werden nicht gefragt und uns wird das Recht auf Lebensqualität genommen, da wir nun im Staub ersticken müssen.
Die Gemeinde habe eine Menge Geld ausgegeben und das Mindeste wäre eine der fünf unterschiedlichen Lösungen zu berücksichtigen. Die Forschungen haben zwar viel Geld gekostet, sollten aber zumindest eine Lösung liefern können.
Salto.bz hat im Zuge dessen auch Stefano Fattor befragt. Fattor meint, dass dieses Konzept vorerst im Monat August getestet wird. Ob es dann beibehalten wird, wird sich zeigen. Aufgrund des Schienenersatzverkehrs der Brennerbahnlinie und zwischen den Bahnhöfen Bozen und Trient musste man schnell handeln. Man war gezwungen, diese Art von Verkehrslösung zu entwickeln da Bozen, bis keine anderen Alternativen bietet. Diese Verkehrslösung sei das Resultat aus der Anwesenheit von vier Parkhäusern und mangelnden Alternativen.
 
Im Folgenden meint Fattor, dass es ein großes Problem ist, dass es diese Parkhäuser überhaupt gibt. „In den 80er und 90er Jahren wurden diese Lizenzen ausgegeben und jetzt haben wir mit einem Verkehrsproblem zu kämpfen, welches unabhängig des Schienenersatzverkehrs, die Straßen von Bozen überlastet.“
Außerdem schlagen die Richtlinien der Provinz vor, dass in historischen Zentren keine Parkplätze sein sollten, jedoch hat Bozen mit vier Parkhäuser über 1.000 Parkplätze, was es sehr attraktiv macht mit dem Auto nach Bozen zu fahren. Laut Fattor freut dies natürlich die Händler, aber aus Sicht der Mobilität ist dies nicht für den Verkehr geeignet.
Auf die Frage, wer die Verkehrslösung umsetzt und kontrolliert, antwortete Fattor, dass jedes Parkhaus ein Zählsystem in Echtzeit besitzt. Dieses System meldet die Anzahl der Autos im Parkhaus der Gemeinde. Zusätzlich dazu wurde ein Algorithmus entwickelt, der die Anzahl der verfügbaren Plätze ausrechnet und die Ergebnisse in Echtzeit kommuniziert. Wenn die Obergrenze von 90% erreicht ist, werden die Zufahrten geschlossen. Fattor verweist darauf, dass die Zufahrten natürlich nur für einen gewissen Zeitraum geschlossen werden, da bei zu langer Schließung, die Landesstraßen blockiert werden. Die Idee dahinter ist, den Verkehr von der Stadt umzuleiten, nicht sie zu blockieren. Generell wird die Vorgehensweise sehr dynamisch sein. Die Sperren können eine halbe Stunde oder wenige Stunden dauern. Es bleibt abzuwarten, wie das Verkehrsaufkommen sein wird.
 
Stefano Fattor
Stefano Fattor: "Das Ziel ist nicht die Stadt zu blockieren"  (Foto: Stefano Fattor)
 
Auf die Frage, wer von dieser Regelung ausgenommen sei, antwortete Fattor, dass folgende Personengruppen von den Regelungen ausgenommen seien:
Menschen mit einem Fahrzeug, welches einen Behindertenschein aufweist, Einsatzfahrzeuge, Busse und andere öffentliche Verkehrsmittel. Zudem sind die Anwohner von Rentsch und jene des Zentrums, welche den „bollino verde“ und den „bollino verde a righe“ aufweisen können, auch ausgenommen sind Handwerker und Lieferanten.
Fattor merkt zudem an, dass die Verkehrssperren nicht den ganzen Tag dauern würden. Die Verkehrssperren dauern bis sich das Verkehrslevel beruhigt hat. Personen, welche in Bozen, aber nicht im Zentrum wohnen müssen einen Umweg machen. Wer beispielsweise in Gries wohnt, muss er eine andere Route nehmen, um nachhause zu kommen.
 
 
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Josef Fulterer Fr., 28.07.2023 - 05:36

Die Freunden des privaten GASPEDALS, müssen noch weitaus schlimmere Einschränkungen hin-nehmein "wenn sich die Natur im Fieber an den nur sehr teuer plappernden Politikern noch mehr r ä c h t!"

Fr., 28.07.2023 - 05:36 Permalink
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Filippo Paltrinieri Fr., 28.07.2023 - 10:25

Da una rapa non si cava sangue. Tradotto: a Bolzano la rete stradale sta implodendo. A prescindere da ogni piano che si andrà a fare. Il problema è infrastrutturale, non (solo) gestionale!

Fr., 28.07.2023 - 10:25 Permalink