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Politik | Neue Landesregierung

Klimaschutz und Koalitionsabkommen

Wenn die kommende Mitterechts-Regierung in Sachen Klimaschutz Kontinuität wahren will, muss sie den Klimaplan umsetzen. Auf die nächste Landesregierung warten eine Fülle von Maßnahmen und Entscheidungen, wenn bis 2040 Klimaneutralität erreicht werden soll.
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Beitrag der Community und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.
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Foto: Vereinte Nationen
  • An der Wahlurne hatte der Klimaschutz für die Südtiroler Wählerschaft keine große Dringlichkeit. Andere Themen haben sich mächtig ins Bewusstsein des Stimmvolks gedrängt. Auch für die jungen Wähler, die die Folgen der Erderhitzung weit stärker spüren werden, scheint der Klimaschutz nachrangig gewesen zu sein. Denn all jene Parteien, die in ihrem Wahlprogramm die anspruchsvollsten Aussagen zum Klimaschutz führten, haben an Sitzen verloren oder nichts dazugewonnen. Wieviel dagegen der italienischen Rechten am Klimaschutz liegt, lässt sich an der gesamtstaatlichen Politik beobachten. Dabei bremst die Lega in Rom wirksamen Klimaschutz deutlicher aus als die FdI, während in Südtirol ex-LR Vettorato (Lega) mit federführend beim Klimaplan war. Die Lega hat ihn abgesegnet.  Konsequenz von SVP und Lega in dieser Hinsicht wird man auch daran messen können, ob die Anwendung des Klimaplans Teil des Koalitionsabkommens wird. Zudem wird der für Juni 2024 zu erwartende nationale Klimaschutzplan die Pflicht zur CO2-Emissionsreduktion allen Regionen und autonomen Provinzen vorschreiben. Wenn bis 2040 Klimaneutralität erreicht werden soll, warten auf die nächste Landesregierung eine Fülle von Maßnahmen und Entscheidungen. Hier drei Beispiele.

    1. Die Heizungswende: in Südtirol gibt es einen hohen Altbaubestand ohne ausreichende Wärmedämmung, fossil beheizt. Nachdem der Superbonus nicht mehr im bisherigen Umfang weitergeführt werden kann, kommt es in Südtirol wie in ganz Italien darauf an, dass die Wohnungseigentümer selbst mehr investieren, möglichst mit Unterstützung des Landes. Laut Klimaplan soll der Verbrauch von Öl und Gas für Heizzwecke bis 2030 um 60% reduziert werden, bis 2037 um 85%. Doch von einer Förderung des Heizungsaustauschs für alle Arten von Wohnungsbesitzern (auch Gebäude mit weniger als 5 Wohneinheiten) ist im Klimaplan 2040 keine Rede. Genauso wenig von einem „Energiebonus“, wie ihn das Bundesland Tirol an alle Wohnungsbesitzer auszahlt, die ihre fossil betriebene Heizung austauschen. Ein entsprechender Fördertopf muss bald Gestalt annehmen, damit die Heizungswende planbar und finanzierbar wird.
    2. Südtirols Unternehmen beziehen jährlich mehrere hundert Millionen Euro an Beiträgen vom Land, der Löwenanteil geht dabei an die Landwirtschaft. Die konkreten Subventionszwecke sind breit gestreut, doch finden sich viele Beispiele, wo Landesbeiträge CO2-Emissionen eher fördern als einschränken. Die Verbesserung der betrieblichen CO2-Bilanz wird fast nie zur Auflage gemacht. Wenn z.B. die bauliche Expansion von Landwirtschafts- und Gastgewerbebetrieben gefördert wird, steigen die CO2-Emissionen. Der erste Schritt zum Abbau klimaschädlicher Subventionen wäre volle Transparenz, der zweite die transversale Einführung von Klimaschutzkriterien bei der Beitragsvergabe, der dritte Schritt die gezielte Umschichtung von Landesmitteln zu Wirtschaftstätigkeiten mit geringen CO2-Emissionen. Dem Klimaplan und seinen Zielen widersprechende Subventionspraxis müsste ein Ende haben.
    3. Laut Klimaplan 2040 soll der Anteil der armutsgefährdeten Bevölkerung schon bis 2030 um 5 Prozentpunkte von fast 18% (2019) auf 13% (2030) gesenkt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten 22.000 relativ arme Haushalte durchschnittlich 3.500 Euro im Jahr mehr einnehmen, müssten Sozialleistungen verschiedener Art, vom Wohngeld über die finanzielle Sozialhilfe bis hin zu den Mindestrenten aufgestockt werden. Sehr wirksam wäre ein gesetzlicher Mindestlohn mit eigenem Zuschlag für das Hochpreisland Südtirol, für welchen das Land aber keine Zuständigkeit hat. Gegenfinanzieren könnte das Land höhere Sozialausgaben über die steuerliche Belastung von hohen Einkommen und Vermögen. Auch dafür hat das Land nur sehr begrenzte Zuständigkeiten, kann allenfalls die GIS erhöhen. Soziale Klimagerechtigkeit geht nur mit mehr Umverteilung: die wohlhabenden Haushalte belasten das Klima nachweislich stärker, die Geringverdiener werden unter ständig steigenden Energiekosten mehr zu leiden haben. Ein Ausgleich ist geboten.

    Ein sehr wirksamer Hebel zur Dekarbonisierung wäre eine CO2-Steuer, die in Europa von 10 Mitgliedsländern, noch nicht aber von Italien eingehoben wird. Während Österreich 2023 erst einen Satz von 35 Euro pro Tonne CO2 anwendet, liegt der CO2-Preis in der Schweiz schon bei 87 Euro pro Tonne CO2. Würde das Land Südtirol den Schweizer Satz übernehmen, könnte es jährlich 174 Millionen Euro einnehmen, dadurch die CO2-Emissionen senken und gleichzeitig einen „Heizungswendefonds“ speisen, der an Geringverdiener zinslose Kredite für den Heizungsaustausch ausschütten würde. Wiederum fehlt hier die Zuständigkeit, doch kann ein „Landesklimaschutz-Rotationsfonds“ auch aus anderen Quellen gespeist werden, wie z.B. aus einem Teil der PENSPLAN-Anlagen oder eben aus dem Landeshaushalt.

    Dringend geboten auch die Einführung einer „Klimaverträglichkeitsprüfung“ für alle größeren Bauvorhaben und Erschließungsprojekte sowohl privater wie öffentlicher Träger. Wenn die neue Landesregierung Ernst macht mit dem Klimaplan, dürfen keine Projekte mehr zugelassen werden, die bei einer umfassenden CO22-Bilanz durchfallen, erhoben von einer unabhängigen Prüfstelle des Landes. Beispiel: 11 Millionen für eine Seilbahn, die quer durch den gerodeten Wald parallel zu einer Straße Touristen nach oben liftet, wie im Fall der Seilbahn Tiers-Frommer Alm geschehen, sind nicht nur hinausgeworfenes Steuergeld, sondern auch 11 Mio. weniger für echten Klimaschutz.

     

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Salto User
nobody Sa., 09.12.2023 - 20:12

Bin schon gespannt, wer da zum Handkuss kommt. Dieses Wochenende wird ja von Glühkindlpilgern geflutet. Ganz nachhaltig.

Sa., 09.12.2023 - 20:12 Permalink
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Franz Pattis Sa., 09.12.2023 - 23:55

„Wenn die neue Landesregierung Ernst macht mit dem Klimaplan, dürfen keine Projekte mehr zugelassen werden, die bei einer umfassenden CO22-Bilanz durchfallen“ mahnt Herr Benedikter in seinem obigen Beitrag!
Stimme ihm voll zu und hätte gleichzeitig ein passendes Beispiel wo man dies fordern könnte: die geplante Rodung des Brixner Auwaldes für ein 3D-BETON Drucker Industriegebäude der Firma Progress. Es handelt sich dabei nämlich um einen sehr wertvollen CO2 Speicher. Sollte dieser Wald zerstört werden steigen nämlich große Mengen von Kohlendioxid ungehindert in die Atmosphäre auf und tragen somit zur Klimaerwärmung bei!
Details zu diesem Vorhaben;
https://instagram.com/save.the.auwald.brixen?igshid=YmMyMTA2M2Y=
https://www.facebook.com/profile.php?id=100069151023316

Sa., 09.12.2023 - 23:55 Permalink
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Franz Pattis So., 10.12.2023 - 10:28

Antwort auf von Am Pere

Klar! Bis das Projekt weg ist vom Fenster wird „gekämpft“….. Bin in Pension und hab auch viel viel Zeit dafür!
Apropo Herr/Frau? „Am Pere“ wenn Sie Rückgrat haben könnten Sie auch unter ihrem richtigen Namen kommentieren anstatt sich hinter einem „Pseudo Namen“ zu verstecken….

So., 10.12.2023 - 10:28 Permalink
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Am Pere So., 10.12.2023 - 10:59

Antwort auf von Franz Pattis

Man merkts in allen Facetten, dass Sie nicht wissen wie den Tag rumbringen. Sie machen sich zwar extrem lächerlich mit Ihrer Dauerwiederholung, aber in Anbetracht der Chancen, die Sie haben, dürfte das sogar Ihr kleinstes Problem sein.
Lustigerweise kommt das Anonym-Thema immer, wenn den Leuten die Argumente ausgehen. Da Ihnen die Vielfalt an Themen fehlt, wünsche ich Ihnen alles Beste dabei, dass jeder weiß wer der Querkopf ist, der unter jedem Artikel mit copy paste denselben Beitrag bringt.

So., 10.12.2023 - 10:59 Permalink
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Franz Pattis So., 10.12.2023 - 11:00

Antwort auf von Franz Pattis

Noch was Herr „Am Pere“…..
Es „kämpfen“ viele Menschen an meiner Seite für den Erhalt des Brixner Auwaldes! Ich bin halt derjenige welcher sich am meisten exponiert. Und es hat sich auch bisher volle gelohnt weil wir alle gemeinsam das erste Progress-Projekt von 2019 imittlerweile versenkt haben. Und auch das neue Bauprojekt, welches Ende Juli vorgestellt wurde, werden wir zu Fall bringen! Notfalls auch vor dem Verwaltungsgericht TAR in Bozen…..

So., 10.12.2023 - 11:00 Permalink
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Thomas Benedikter So., 10.12.2023 - 11:05

An das "Ceterum-censeo Carthaginem esse delendam" von Cato erinnere ich mich noch gut aus Schulzeiten vor 50 Jahren.....Neuzeitliche Fassung: ceterum censeo clima esse protegendam.....Der Klimaschutz ist tatsächlich ein neuer übergreifender Imperativ geworden, der bezogen auf unser Land mehr Aufmerksamkeit verdient, aber auch viel Vertiefung verlangt.
Na ja, Am Pere, ich hätte noch viele andere Themen, doch in dieser Phase zur Abwechslung mal fokussiert. Doch schreiben Sie doch öfters!

So., 10.12.2023 - 11:05 Permalink
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Am Pere Mo., 11.12.2023 - 17:42

Antwort auf von Thomas Benedikter

Herzlichen Dank für die Einladung, welcher ich gerne nachkomme. Ich möchte jedoch vorab betone, dass ich wahrscheinlich in 8 von 10 Fällen eine andere Meinung als die Ihre vertrete, jedoch gewiss bin mit Ihnen eine vernünftige Diskussionskultur aufrecht zu erhalten.
Zu 1) Südtirol hat mit die höchste Dichte von Fernheizwerken in ganz Italien. Gerade weil damit die wohnungseigene Heizungsanlage wegfällt (Wartung usw.) macht diese Möglichkeit absolut Sinn. Auch die Beschaffung der Biomasse erfolgt mehrheitlich in der sog. "filiera corta", d.h. man hat kurze Lieferwege. Wenngleich man aus anderen Gründen zur Fernwärme ein differenziertes Verhältnis haben darf, scheint sie im Alpenraum als gute und vernünftige Lösung. Auch wurde etliche kleine Fernheizwerke von der staatlichen Regulierung befreit, dies bedeutet einen enormen bürokratischen Vorteil.
Zu 2) Grundsätzlich ist Ihr Ansatz richtig, die landwirtschaftlichen Betriebe in Südtirol sind jedoch im Verhältnis zur globalen CO2-Produktion extrem klein. Wir leben jedoch in Südtirol und der Bauer wird geschützt wie ein Kleinod, sodass Ihr Ansinn - welches wie gesagt den richtigen Ansatz verfolgt - realpolitisch wahrscheinlich nie durchgesetzt werden wird.
Zu 3) ein heikles Thema, da einerseits die Bezuschussung für den Konsum von elektrischer Energie ein Umkehrverhalten der gewünschten Einsparung bewirkt. In anderen Worten, wird das Konsumverhalten aufgrund irgendwelcher ökonomischen Parameter unterstützt, haben wir den Effekt, den wir eigentlich nicht haben wollen. Denn ein wesentlicher Teil der Energiewende besteht darin das knappe Gut Energie weniger zu konsumieren als gehabt. Praktisch gesprochen, muss nicht immer die Waschmaschine den Dienst tun, es könnte auch von Hand gewascht werden.
Andererseits, sollte dieser nahezu moralische Ansatz nicht verfolgt werden, hätte Südtirol sehr wohl die Möglichkeit sozial schwächeren Familien oder auch Betrieben unter die Arme zu greifen. Eine Möglichkeit wäre der Strombonus, der lediglich als Wahlinstrument verwendet wird, eine andere Möglichkeit geben die zahlreichen Genossenschaften in Südtirol nahezu vor. Dort wird der lokal produzierte Strom zu vergünstigten Preisen an die lokale Bevölkerung weitergegeben.
Ein Modell mit durchaus Zukunftscharakter, fußen doch die Energiegemeinschaften auf genau diesem Ansatz. Der gute "Luis" hat zwar mit Pauken und Trompeten den Strom "heimgeholt", dabei aber vergessen, dass dieser durch die Alperia, welche mit Werbung und sonstigem Blödsinn durch die Gegend prahlt, nicht an den Bürger weitergegeben wird. Dies ist ein großes Thema und bislang hatte keine Landesregierung den Mumm diesem Treiben ein Ende zu setzen. Hoffentlich bleibt der Diskurs darüber aufrecht, sodass sich zugunsten der Südtiroler Bevölkerung in diesem Bereich endlich mal was bewegt.

Mo., 11.12.2023 - 17:42 Permalink
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Stefan S So., 10.12.2023 - 13:06

Alles Punkte in diesem Artikel welche erstrebenswert und durchaus logisch erscheinen. Wenn man sich parallel dazu die politische Großwetterkarte betrachtet muss es einem aber fast schon Angst und Banne werden. Ob in den Niederlande, Frankreich oder jetzt zuletzt in Südtirol. In der EU hat der Rechtskonservative Block zusammen mit den Rechtspopulisten und der Agrar und Carbonlobby den sog. Green Deal kräftig aufgeweicht und es ist zu befürchten das die bereit gestellten Subventionen weiter in die üblichen Kanäle abfließen und in Dubai dürfen wir gerade beobachten wie der Bock zu Gärtner gemacht wird. Es braucht wohl noch einige Klimakatastrophen und mehr Schmerzen bis wir realisieren das die Erden den Menschen nicht braucht.

So., 10.12.2023 - 13:06 Permalink
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Erich Daniel Mo., 11.12.2023 - 09:56

Daran, dass bei den Wahlen die Tagesthemen Wolf, Ausländer, Gewalt, Sicherheit stärker wahrgenommen wurden als die langfristige und viel "nachhaltigere" Klimaproblematik, liegt eindeutig an der verantwortungslosen Stimmungsmache des "Tagblatts".

Mo., 11.12.2023 - 09:56 Permalink
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Stefan S Di., 12.12.2023 - 15:33

Sehr aufschlussreicher Artikel zum Thema. Wenn es mal wieder um die Ausreden geht...
https://www.tagesschau.de/faktenfinder/kontext/klimawandel-desinformati…
Insbesondere dieser Punkt
"Weltweit hat laut CAAD 2023 eine "alarmierende Mobilisierung zu Gewalt gegen diejenigen stattgefunden, die mit dem Klimaschutz in Verbindung gebracht werden - von gewählten Vertretern und politischen Entscheidungsträgern bis hin zu Wissenschaftlern, Aktivisten und Journalisten"
Ist ja auch hier in den Kommentaren immer wieder zu finden wenn z.B. die sog. Grünen verunglimpft werden.
Interessant auch wenn man sich mal selbst zu Thema spiegelt und sein Umweltverhalten prüft in Bezug auf Mobilität und Konsum. Es ist ja oftmals so das man sich bei den gleichen und ähnlichen Ausflüchten ertappt wie in diesem Artikel beschrieben.

Di., 12.12.2023 - 15:33 Permalink