Politik | Landtag

Frauen sollen nicht genannt werden

Jürgen Wirth Anderlan will die gendergerechte Sprache verbieten, das ist auch das Ziel von Ulli Mair. Wie Gleichstellungsrätin Michela Morandini das Vorhaben einschätzt.
genderneutral
Foto: Marc Stress/Unsplash
  • Mit einem Beschlussantrag im Landtag möchte die Liste JWA von Jürgen Wirth Anderlan die gendergerechte Sprache, wie etwa das Binnnen-I, Doppelpunkt oder Sternchen, aus Behörden und Politik entfernen. Diese sei sachlich falsch, ideologisch und aufgezwungen. Eine große Mehrheit der Bevölkerung würde sich einen normalen Sprachgebrauch wünschen. „Schützen wir unsere Muttersprache vor dieser Vergewaltigung“, erklärt der JWA-Abgeordnete Jürgen Wirth Anderlan.

    „Das uneinheitliche, ständig wechselnde Gendern führt dabei nicht nur zu sprachlichen Unklarheiten, es ist schlichtweg falsch.“

  • Jürgen Wirth Anderlan: „Das uneinheitliche, ständig wechselnde Gendern führt dabei nicht nur zu sprachlichen Unklarheiten, es ist schlichtweg falsch.“ Foto: Seehauserfoto

    Tatsächlich ist laut Umfragen in Deutschland das Gendern für die meisten Menschen kein drängendes Thema. Laut einer im März 2023 durchgeführten Befragung des Marktforschungsinstituts YouGov erachten rund 47 Prozent der Frauen die gendergerechte Sprache als sehr unwichtig, rund 54 Prozent der Männer sind derselben Auffassung. Als sehr wichtig halten nur jeweils 8 Prozent der Frauen und Männer diese sprachliche Praxis. 

    Der deutsche Rechtschreibrat hatte sich vor einigen Jahren nach kontroversen Debatten vorerst entschieden, das Gendersternchen (zum Beispiel „Bürger*innen“) nicht in den Duden aufzunehmen. In Bayern schaffte es das Genderverbot in Schulen und Verwaltung Mitte Dezember letzten Jahres sogar in die Regierungserklärung von CDU und Freien Wählern. 

    „Das generische Maskulinum wird seit Jahrhunderten und leider auch heute noch als Norm angesehen.“

  • Gleichstellungsrätin Michela Morandini beurteilt den JWA-Beschlussantrag zum Gendern differenziert: „Es ist wichtig darüber zu sprechen, wie eine geschlechtergerechte Sprache umgesetzt werden kann. Aber ich finde es bedenklich, dass mit dem Beschlussantrag eine Grundsatzdiskussion über die Sinnhaftigkeit von geschlechtergerechter Sprache angestoßen wird.“ In Fachkreisen sei die Debatte in dieser Frage bereits fortgeschritten. 

    Darüber hinaus verlangen sowohl die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Ziel Nr. 5), Bestimmungen auf EU-Ebene als auch das Gleichstellungs- und Frauenförderungsgesetz des Landes (vom 8. März 2010, Nr. 51) die Gleichberechtigung der Geschlechter. Im Artikel 8 des Landesgesetzes wird zudem festgehalten, dass Landesgesetze, Verordnungen und Beschlüsse des Landes geschlechtergerecht formuliert werden müssen. Die diesbezüglichen Richtlinien wurden zuletzt 2021 von der Landesregierung erlassen. 

  • Michela Morandini: „Es gibt also auf oberster politischer Ebene Bestimmungen, die eine Gleichstellung der Geschlechter gesetzlich verankern – eine geschlechtergerechte Sprache gehört ohne Zweifel dazu.“ Foto: LPA

    „Es gibt also auf oberster politischer Ebene Bestimmungen, die eine Gleichstellung der Geschlechter gesetzlich verankern – eine geschlechtergerechte Sprache gehört ohne Zweifel dazu. Schließlich repräsentiert die Sprache die Wirklichkeit, in der wir leben. Das generische Maskulinum wird seit Jahrhunderten und leider auch heute noch als Norm angesehen. Das ist nicht gerecht, da es Frauen und Menschen, die sich nicht als weiblich oder männlich identifizieren, ausschließt“, so Morandini. 

    Der Beschlussantrag von JWA ähnelt einem in der vorigen Legislaturperiode abgeschmetterten Antrag der neuen Wohnbau- und Sicherheitslandesrätin Ulli Mair (Freiheitliche). Nun hat das Vorhaben von JWA möglicherweise bessere Chancen im Landtag: Bis auf die SVP befürwortet in der Regierungskoalition keine Fraktion eine gendergerechte Sprache. Allerdings werden Beschlussanträge von Oppositionsparteien aus Prinzip äußerst selten von der Mehrheit angenommen. 

     

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Gianguido Piani Di., 23.01.2024 - 11:43

Drei Aspekte.
1. Die "Gender"-Theorie und alles, was darauf folgt, wurde in den USA geboren und kam einige Jahre später nach Europa. In der englischen Sprache ist Gendern kein großes Problem, da die Worte i.d.R. kurz sind und vor allem, weil es keine geschlechtsbezogene Endungen gibt. "All doctors" bedeutet sowohl "all male-doctors" als auch "all female-doctors". Für die Amis besteht das Problem im Grunde nicht. Diesen Sprachgebrauch ins deutsche oder italienische zu übertragen führt zu sprachlichen Missgeburten "alle Ärztinnen und Ärzte", die zu Recht vom Verein deutsche Sprache und vom Deutschen Rat für Rechtschreibung abgelehnt werden.
2. Statt für eine gendergerechte Sprache zu kämpfen sollten wir uns für eine KLARE Sprache einsetzen, vor allem von Gesetzgebern und Behörden. Die meiste Kommunikation vom Staat zum Bürger (ja, inklusive Frauen und alle anderen!!!) ist am Rande der Verständlichkeit. Mit Gendering wird die Sache noch komplizierter. Die Lösung sollte personengerechte Sprache heißen, von den Antragsformularen bis zum Begleitheft zur Steuererklärung.
3. Die Linke hat sofort den Kampf für die gendergerechte Sprache aufgenommen, weil sie nicht mehr in der Lage ist, sich für soziale Aspekte einzusetzen. Was ist wichtiger? Dass M/F/D gleiche Löhne für die gleiche Arbeit bekommen, und von diesen Löhnen auch leben können, oder dass die Löhnezettel für mickrige Gehälter genderbewusst formuliert werden? Keine Überraschung, dass die Wähler immer mehr nach rechts driften.

Di., 23.01.2024 - 11:43 Permalink
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Stereo Typ Di., 23.01.2024 - 12:06

Das Gendern ist ein Fass ohne Boden. Will man es allen recht machen, "Das generische Maskulinum wird seit Jahrhunderten und leider auch heute noch als Norm angesehen. Das ist nicht gerecht, da es Frauen und Menschen, die sich nicht als weiblich oder männlich identifizieren, ausschließt", macht man es niemandem recht.

Di., 23.01.2024 - 12:06 Permalink
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△rtim post Di., 23.01.2024 - 12:53

In der Grammatik gibt es nicht nur das generische Maskulinum, worüber sich manche aufregen, sondern auch ein generisches Femininum.
Auf der Ebene des sozialen Geschlechts hieße Gleichstellung, wenn schon, sich möglichst um eine genderneutrale Sprachanwendung zu bemühen. Nur diese ist auch gendergerecht.
Es geht oft auch ohne soziale Geschlechter zu nennen. Zum Beispiel: Gehweg statt Bürger-innensteig; Team statt Mitarbeiter-innen ... Vgl.a: https://geschicktgendern.de/

Di., 23.01.2024 - 12:53 Permalink
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Gianguido Piani Di., 23.01.2024 - 13:14

"sich möglichst um eine genderneutrale Sprachanwendung zu bemühen"
Durchaus in Ordnung, soweit es geht. Mit geeigneten Wortwahlen oder Umformulierungen kann vieles genderneutral formuliert werden. "Studierende" statt "Studentinnen und Studenten", grammatisch perfekt.
Und wenn es wirklich nicht geht? "Viaggiatori e viaggiatrici" werden zu "viaggianti". Es klingt furchtbar, und der Artikel behält sowieso zwei Formen "i/le" statt "die".
Jede künstliche Manipulation der Sprache bringt nonsense. Die Sprache muss bei ihrer natürlichen Entwicklung bleiben.

Di., 23.01.2024 - 13:14 Permalink
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△rtim post Di., 23.01.2024 - 18:08

Antwort auf von Gianguido Piani

Auch "Studierende" ist grammatikalisch nicht so ganz koscher. Das Partizip Präsens beschreibt etwas, das man in einem Moment tut - und keinen Status. Studenten sind nicht immer studierend, sie haben Freizeit. Und wer da Briefmarken sammelt, zählt zu den Briefmarkensammlern, nicht zu den Briefmarkensammelnden. Jedoch: Schon das Wort "Student" ist ein Partizip Präsens, es stammt vom Lateinischen "studens" - "ein sich Bemühender".

Di., 23.01.2024 - 18:08 Permalink
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Salto User
Milo Tschurtsch Di., 23.01.2024 - 18:51

Jede künstliche Manipulation der Sprache ist abzulehnen, denn diese schafft keine Vereinfachungen bez. Lesbarkeit und Verständnis sondern Komplikationen und Sprachunsicherheit. Denn die natürliche Sprache orientiert sich immer an der Anwendbarkeit. Es genügt wenn sich die natürlich eintretenden Änderungen nach und nach durchsetzen.
Man kann es nicht oft genug sagen, es wird aber nicht verstanden bzw. man will es nicht verstehen: Der Genus hat mit dem Sexus nichts zu tun, die Frauenrechte haben mit der Sprache, bzw. mit dem generischen Maskulinum nichts zu tun. Wobei es auch das generische Femininum gibt ( die Person, die Geisel, die Koriphäe). Aber auch dieses will man abschaffen um ein generisches Neutrum zu installieren. Dass da die Sprache wesentlich verarmt ist offenbar egal, von den daraus resultierenden Fehlern im grammatikalischen und anderen Bereichen einmal abgesehen. Aber nicht umsonst sind die Betreiber dieser aggressiv vorangetriebenen Sprachveränderung (Verhunzung) im linken Lager zu verorten. Laut deren Ideologie der absoluten Gleichmacherei soll es ja selbst das biologische Geschlecht betreffend keine Unterschiede geben, bzw. sollen die biologischen Geschlechter austauschbar am besten neutral sein. Da braucht man nur nach Deutschland zu schauen, was in diesem Bereich politisch alles angedacht wird. Vielfalt und Unterschied ist passe, der Einheitsbrei und die Gleichgeschaltetheit ist Trumpf. Also ist es die logische Folge, dass diese nicht nur beim biologischen Geschlecht sondern auch beim sprachlichen Geschlecht zu erfolgen hat. Maskulinum und Femininum pfui, Neutrum hui. Die Frauenrechte sind da nur vorgeschoben, es geht um die politisch-ideologische Vereinnahmung der Sprache, die als Basis zur Schaffung eines bestimmten gleichgeschalteten Weltbildes dient.

Di., 23.01.2024 - 18:51 Permalink
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Katja Renzler Mi., 24.01.2024 - 09:41

Antwort auf von Milo Tschurtsch

Einheitsbrei ist wohl eher, wenn ich alle über den patriarchalen Kamm schere. Meinen Sie nicht?

Die extreme "rechte" Ideologie ist eine Ideologie der Ungleichheiten, der Exklusion. Wenn Sie gerne andere ausschließen, bitte gerne. Wenn Sie gerne Ungerechtigkeiten weiterhin festzementiert sehen, gerne. Da bin ich raus, will von Ihnen und Ihrem System bitte nicht mehr mitgemeint sein. Und auch nicht mehr ausgebeutet werden. Danke!

Denn die weißen, reichen, männlichen, ablen Menschen dieser Welt freut's, wenn alles gleichbleiben muss. Und der Rest? Ajo, der wird sich sicherlich gerne weiterhin ausbeuten lassen- wofür Sprache ein hervorragendes Abbild und Indiz ist.

Mit linksgrünfeministisch versifften Grüßen

Mi., 24.01.2024 - 09:41 Permalink
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Milo Tschurtsch Mi., 24.01.2024 - 12:04

Antwort auf von Katja Renzler

Ich weiß nicht wie Sie dazu kommen, dass ich andere ausschließen will, wenn ich von Vielfalt spreche. Auch von "Ungerechtigkeiten zementieren" war nie die Rede. Und wenn Sie sich ausgebeutet fühlen, dann ist es Zeit etwas dagegen zu unternehmen, alle Möglichkeiten stehen Ihnen offen, wenn man sich engagiert.
Wenn Sie weiß und männlich abwertend gemeint haben, so sollten Sie darüber nachdenken dass das Reduzieren eines Menschen auf dessen Aussehen oder Herkunft ein Merkmal von Rassismus ist (per Definition).
Und "alles" soll überhaupt nicht gleichbleiben, sondern soll sich positiv verändern. Was aber an der geplanten Verkomplikation, Unlesbarkeit, Unverständlichkeit und somit erschwerten Erlenbarkeit der Sprache an positiver Veränderung zu erwarten ist, erschließt sich wohl niemandem. Die Frauenrechte sind es jedenfalls nicht, die werden nur in den Focus gerückt, weil es anderweitig hapert und die Aufmerksamkeit auf etwas anderes gelenkt werden soll.
Und noch einmal: Sie sind, was die Sprache betrifft, beim generischen Maskulinum nicht mitgemeint, Sie sind überhaupt als Frau nicht gemeint, genausowenig wie beim generischen Maskulinum die Männer gemeint sind. Begriffe haben einfach ein Genus das "männlich" oder "weiblich" sein kann aber kein Sexus. Denn Frauen und Männer sind BIOLOGISCHE Geschlechter und haben mit dem sog. "generischen Geschlecht" der Begriffe in der deutschen Sprache überhaupt nichts gemeinsam. Das biologische Geschlecht mit dem generischen Geschlecht gleichzusetzen ist eine Erfindung , die irgendwann zu einem bestimmten Zweck ins Leben gerufen wurde und dazu dient, den (berechtigten) Kampf um Gleichstellung auf die Sprache auszudehnen. Dass dabei sowohl das Anliegen der Gleichstellung als auch die Sprache nur verlieren kann, ist den wenigsten bewusst.
Deshalb ein guter Rat an ihre Gesinnungsgenossen : Verlegt euren Kampf auf andere Ebenen wo man für die reale Gleichstellung im realen Leben wirklich etwas bewirken und lasst die Sprache in Ruhe, sonst riskiert ihr unglaubwürdig zu werden.

Mi., 24.01.2024 - 12:04 Permalink
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Herta Abram Mi., 24.01.2024 - 13:06

Antwort auf von Milo Tschurtsch

Ich bin ganz mit Frau Renzler! Ihr Kommentar Milo T, ist für mich ein Beispiel dafür, wie weit der Weg zu Gleichstellung noch ist!
Fazit:
Eine männlich geprägte Sprache trägt nachweislich zu einem männlich geprägten Blick auf die Gesellschaft bei:

„Der veränderte Sprachgebrauch führt zu einer erweiterten Gedankenlandschaft. Das ist eigentlich keine Überraschung, denn Sprache und Gedanken entstehen im Kopf. Unbewusst ändert sich unsere innere Perspektive gegenüber Fragen und Antworten. Wer nur das generische Maskulinum benutzt, schränkt diesen inneren Blickwinkel ein.“
Der veränderte Sprachgebrauch ist KEINE Bedrohung!

https://www.genderleicht.de/generisches-maskulinum/#:~:text=Generisch%2….

Mi., 24.01.2024 - 13:06 Permalink
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Milo Tschurtsch Mi., 24.01.2024 - 19:21

Antwort auf von Herta Abram

Naja wenn Sie unbedingt die deutsche Sprache verkomplizieren, unlesbar machen, Texte grammatikalisch und inhaltlich verändern wollen, sowie das Erlernen der Sprache erschweren wollen, dann natürlich müssen Sie auf die verschiedenen Formen des Genderns, die ja jeder wie man sieht, jederzeit schrankenlos neu erfinden kann, bestehen. Der Mehrwert ist gleich null, im Gegenteil, man fügt der Sprache schweren Schaden zu was sehr wohl eine Bedrohung darstellt und verbessert die Situation der Gleichstellung überhaupt nicht. Man möge ganz einfach darauf verzichten, die falsche Behauptung aufzustellen, dass das generische Geschlecht dem biologischen gleichzusetzen ist und Frauen wären bloß "mitgemeint" . Da würde man dem Anliegen der Sprache, am meisten dienen und einen Beitrag leisten, dass sie vermehrt mündlich und schriftlich und vor allem als Lesekompetenz genutzt wird. Da sollte man auch Verantwortung zeigen, vor allem in Zeiten wo Kompetenzen in diesem Bereich merklich nachlassen.
Denn wie gesagt, wenn man Gleichstellung anregen möchte dann möge man das bei realen Dingen tun und nicht die Sprache hernehmen die gar keine Ungleichheit vorsieht und nur erfundene Argumente ( generisches Maskulinum, das NICHT das biologische Geschlecht bezeichnet) ins Feld führt. Auch wenn man es hundertmal anders behauptet wird es nicht wahrer.
Und noch eins: Menschen, die die Sprache als Anliegen betrachten und die wie man bereits sehen kann, schwer beschädigt wird, wenn man sie sich nicht natürlich verändern lässt, sondern mit ständig neuen Wortschöpfungen eingreift und diese allen aufzwingen möchte, diese Menschen sozusagen als Gegner der Gleichstellung und schlimmeres zu verleumden , ist eine Unterstellung. Denn die Sprache gehört allen und viele Menschen möchten sie schützen und sie kann nicht von einer Gruppe die glaubt damit ein Anliegen voranzutreiben dazu benutzt werden um sie willkürlich zu verändern. Man möge auf andere realistischere und effizientere Felder die das wahre Leben betreffen, ausweichen. Denn das Anliegen der Gleichstellung lebt auch von der Akzeptanz und wenn man sie mit der Brechstange durchsetzen will, erreicht man das Gegenteil.

Mi., 24.01.2024 - 19:21 Permalink
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nobody Di., 23.01.2024 - 19:58

Ich fände es wichtiger, dass man sich bei uns dafür einsetzt, dass in den Schulen die Schülerinnen und Schüler die Unterrichtssprache beim Eintritt in die Schule so weit beherrschen, dass sie dem Unterricht folgen können.

Di., 23.01.2024 - 19:58 Permalink
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Katja Renzler Mi., 24.01.2024 - 07:13

Ich will nicht "mitgemeint" sein.

Ich habe es satt, dass wir 2024 schreiben und Frauen für viele Menschen leider unsichtbar
- immer noch Altersarmut riskieren,
- immer noch weniger für gleichwertige Arbeit verdienen, weil es selbstverständlich ist, dass wir uns um alle anderen mehr kümmern als um uns selbst,
- immer noch das Risiko eingehen, von unseren Partnern oder Ex- oder Möchtegern-Partnern ermordet zu werden,
- immer noch für unsere Väter, Brüder, Söhne... die Zielscheiben verschiedenster Formen der Gewalt sind, die sich nur durch die Kluft zwischen unseren Beinen erklären lässt,
- immer noch nicht die Entscheidungshoheit über unsere Körper zugestanden wird, und, das oberste an ZYNISMUS:
- dass wir Frauen (als Betroffene dieser Ungerechtigkeiten) gezwungen werden, selbst Maßnahmen zu treffen, wenn wir uns vor den Ungerechtigkeiten schützen wollen (gefälligst "anständige" Kleidung, gefälligst kinder- und pflegefallfreie Karriere, gefälligst Mehrfachbelastungen hinnehmen, gefälligst selbst für die Verhütung zuständig sein, gefälligst gerne betatscht zu werden, gefälligst gerne im Hintergrund bleiben und "Tradwife" und/oder "Trophy Wife" spielen, gefälligst gerne "mitgemeint" sein...).

Dass den Frauen gesagt wird, "bleib mal schön auf dem Boden, das sind doch Peanuts". Sprache reflektiert gesellschaftliche Verhältnisse- das ist hinlänglich beforscht. Wenn wir diese Ungerechtigkeiten ernsthaft verändern wollen, sollten wir uns an dem kleinen Sternchen nicht stören. Dass der Mensch anpassungsfähig ist, ist evolutionär unbestritten.

Beleidigen wir nicht unsere Intelligenz: Gendern ist allen zumutbar. Auch den Bärtigen.

Ich finde es übergriffig, dass mir Männer ihre Sicht auf die Welt dieser vielfältigen handfesten Ungerechtigkeiten erklären- auch hier im Forum. Geben Sie uns Macht und Geld und all das, was Sie seit tausenden von Jahren qua biologischer Qualifikation (eh schon wissen: Penis und so) brüderlichst unter sich aufteilen. Auch in Südtirol. Gerechte Machtkonzentration? Old boys' clubs, so weit das Auge reicht.

Nota bene: Die Debatte zum Thema Gendern wird seit Jahren massiv von der (extremen) populistischen Rechten vorangetrieben, um von eigentlichen Ungerechtigkeiten abzulenken- neuestens auch von Vertretern (ich bleibe beim Maskulinum) ursprünglicher Mitte-Parteien- die Nehammers und Söders dieser Welt.

Siehe dazu auch den hervorragenden Satire-Beitrag der Tagespresse:
https://dietagespresse.com/wegen-gender-verbot-waehler-verzeihen-oevp-r…

Mi., 24.01.2024 - 07:13 Permalink
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Manfred Klotz Mi., 24.01.2024 - 07:32

Oscar Wilde sagte sinngemäß, wenn man über etwas nicht spricht, ist es so, als sei es nie passiert. Daher ist es auch gut, wenn man das "Mit-meinen" nicht als Lösung akzeptiert. Über die grafische Wahl lässt sich sicher streiten, aber es gibt immer noch die sprachlich saubere Form, beide Geschlechter zu nennen. Man wird den Eindruck nicht los, dass es JWA weniger um die Sprache geht (wie denn auch), als um das klassisch rechts besetzte Thema, wer Herr im Haus ist.

Mi., 24.01.2024 - 07:32 Permalink
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Milo Tschurtsch Do., 25.01.2024 - 17:59

Antwort auf von Manfred Klotz

Herr Klotz, danke für das Kompliment weiter oben (Das ist - kurz und bündig gesagt - ziemlich oberflächlicher Käse.) Statements dieser Art sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass man nicht ganz danebenliegt, im Gegenteil.
Ich gebe Ihnen Recht dass die Doppelnennungen die sprachlich sauberste Form sind, beide Geschlechter zu nennen. Aber wenn wir die Sache zu Ende denken, dann ist es zuweilen unmöglich einen gesamten Text durchgehend mit Doppelnennungen zu versehen, inklusive aller Pronomen (personal- demonstrativ-possessiv). Ein derart "durchgegenderter" Text würde die Lesbarkeit und die Sinnerfassung wesentlich erschweren. Und ein oder zwei Beispiele sind dann bloße Augenwischerei. Zudem ist zu sagen, wenn man die Büchse der Pandora erstmal aufmacht, dann gibt es kein Halten mehr. Ständig gibt es neue Wortkreationen bisweilen der skurrilsten Art und jeder fühlt sich berechtigt, immer wieder Neues zu erfinden. Das kann man ja bereits sehen.
Deshalb bleibe ich dabei: Wörter und Begriffe haben kein biologisches Geschlecht , deshalb sind Frauen nicht mitgemeint, wie man Ihnen einredet, weil sie als biologische Frauen überhaupt nicht gemeint sind, genauso wie auch Männer nicht gemeint sind . Ein Wort ist ein Wort mit einem Genus.
Das Anliegen der Frauen um Gleichstellung ist selbstverständlich und berechtigt. Nur mögen sie sich dazu nicht die Sprache aussuchen, da diese keine wirkliche sondern nur eine von irgendjemandem erfundene Ungleichheit zeigt. Jeder wird das Anliegen von Gleichstellung mittragen, aber wenn es über die Sprache geht, die ja Allgemeingut ist, dann schwindet die Akzeptanz auch für das berechtigte Anliegen, der erzielte Effekt ist also ein negativer. Man erweist dem Anliegen der Gleichstellung also einen Bärendienst. Stattdessen möge man sich die Sprache natürlich entwickeln und verändern lassen, und das Anliegen der Gleichstellung auf Lebensrealitäten fokussieren. Da werden die Frauen sicherlich uneingeschränkt unterstützt. Denn das Gendern wird von einer Mehrheit nicht akzeptiert weil es tatsächlich die Sprache schwer beeinträchtigt, vor allem weil es bereits jetzt zu einem Fass ohne Boden geworden ist und weitere Auswüchse zu erwarten sind. Ein aggressives Aufzwingen wirkt sowieso immer kontraproduktiv, deshalb werden in Deutschland bereits Volksbefragungen zum Thema angedacht:

https://stoppt-gendern.de/

Do., 25.01.2024 - 17:59 Permalink
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Profil für Benutzer Maria Forer
Maria Forer Do., 25.01.2024 - 16:33

Frau hat den Eindruck, dass JWA und ähnlich Gesinnte nicht willens oder nicht fähig sind, etwas Neues zuzulassen oder zu lernen. Es ist eine Frage von Flexibilität und Empathie. Die Tatsache, dass es Wichtigeres gibt, sollte uns nicht davon abhalten, auch das scheinbar Unwichtigere mitzunehmen. Ich jedenfalls mag es nicht, wenn ich in meiner Bank als "der Kunde" gelte. Eher tragen schon die vielen Anglizismen zur Verfälschung unserer Sprache bei als ein paar Gendersternchen.
Schon seltsam, dass gerade jene sich zu Hütern der Sprache aufspielen, die in ihren Äußerungen selbst gerne in die unterste Schublade des Vulgären greifen - da wäre Sprachpflege durchaus angebracht.

Do., 25.01.2024 - 16:33 Permalink