Politik | Landwirtschaft

Bauernbund im Vorzimmer

Landwirtschaftslandesrat Luis Walcher macht den bisherigen Vizedirektor des Bauernbundes, Ulrich Höllrigl, zu seinem Ressortdirektor. Es ist ein politisches Statement.
Walcher, Landtag
Foto: Seehauserfoto
  • SALTO hatte es bereits am vergangenen Mittwoch angekündigt. Luis Walcher will den Vizedirektor des Bauernbundes, Ulrich Höllrigl zu seinem Ressortdirektor berufen. Die Reaktionen auf den Artikel „Der Schulterschlusswaren ein allgemeines Schweigen im landwirtschaftlichen Grün.
    Sechs Tage später ist es jetzt so weit. Auf der Tagesordnung der Sitzung der Landesregierung am heutigen Dienstag steht als Punkt 9 die „Ernennung zum Direktor des Ressorts Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Tourismus“.
    Der vorgeschlagene Name: Ulrich Höllrigl.

  • Der Neue

    Der 52jährige Haslacher hat in Wien und Innsbruck Politikwissenschaften studiert und war von 1997 bis 2000 in der Abteilung für deutsche und ladinische Berufsbildung in der Landesverwaltung tätig und betreute dort den Bereich „EU-Projekte“. 2001 geht Ulrich Höllrigl dann zum Südtiroler Bauernbund, wo er die Leitung der Abteilung Weiterbildung übernimmt. Im Mai 2009 wird Höllrigl zum Vizedirektor des Bauernbundes befördert und mit der Leitung der Stabsstellen für Verbandsmanagement, Kommunikation und EU-Projekte betraut.

  • Neuer Ressortdirektor Ulrich Höllrigl (links): Eine politische Schubumkehr. Foto: Bundesministerium für Wirtschaft
  • Höllrigl ist nebenbei auch Geschäftsführer der „Plattform Land“. Einer 2014 gegründeten Interessengemeinschaft „für lebendige ländliche Räume und intelligente Flächennutzung“ zu der neben Bauernbund und Land auch die Handelskammer, HGV, LVH, hds und der Gemeindeverband gehören. Damit ist er auch für alle wichtigen Stakeholder in diesem Land ein Bezugsperson.

  • Die neue Politik

    Dabei ist diese Wahl weit mehr als eine Personalentscheidung. Sie ist auch ein klares politisches Statement. Für eine politische Schubumkehr in der Südtiroler Landwirtschaftspolitik.
    Der frühere Landesrat für Landwirtschaft und Tourismus Arnold Schuler hat in den vergangenen zehn Jahren ganz bewusst den Südtiroler Bauernbund auf Distanz gehalten. Schuler wollte den Einfluss der mächtigsten Lobbyorganisation in Südtirol bewusst etwas eindämmen. Das lag auch daran, dass Siegfried Rinner & Co. von Anfang an offenen gegen einen Landesrat Schuler waren. 

  • Ex-Landesrat Arnold Schuler: Bauernbund bewusst zehn Jahre lang auf Distanz gehalten. Foto: LPA/Fabio Brucculeri
  • Die Folge war ein nicht enden wollender Grabenkampf. Siegfried Rinner traf sich fast wöchentlich zum Arbeitsessen mit den „bäuerlichen Abgeordneten“, Manfred Vallazza, Sepp Noggler und Franz Locher und gab dabei die politische Agenda vor. Meistens bewusst gegen den amtierenden Landesrat. Man braucht sich nur die SVP interne Schlammschlacht, um Wolf und Bär anzuschauen.

     

    "Diese Wahl ist weit mehr als eine Personalentscheidung. Sie ist auch ein klares politisches Statement. Für eine politische Schubumkehr in der Südtiroler Landwirtschaftspolitik."

     

    Luis Walcher wählt hier den völlig konträren Weg. Mit Ulrich Höllrigl sitzt der Bauernbund jetzt im Vorzimmer des Landesrates und damit in der Führungskanzel des Assessorates. Es ist ein bewusster, politischer Schulterschluss. Und eine Abkehr von der Gangart seines Vorgängers.
    Diese neue Politik zeichnete sich bereits unmittelbar nach den Landtagswahlen ab. Als der eben zum Landtagsabgeordneten aufgestiegene Luis Walcher im SVP- Landwirtschaftsausschuss völlig überraschend in die verbale Abrechnung mit der Landwirtschaftspolitik von Arnold Schulers und der alten Landesregierung wortgewaltig eingestimmt hat.
    Es war dann auch der Bauernbund, der maßgeblich die Widerbestätigung Schulers innerhalb der SVP verhindert und die Berufung Walchers zum neuen Landesrat ermöglich hat.
    Mit der Berufung von Ulrich Höllrigl schließt sich jetzt der Kreis.

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Arne Saknussemm Di., 12.03.2024 - 10:06

So ist‘s recht. Alle Macht den Tschöggln! Alle Südtiroler, die keine Bauern oder Touristiker (die meisten sind ja beides) sind, könnten eigentlich auswandern.

Di., 12.03.2024 - 10:06 Permalink
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Salto User
nobody Di., 12.03.2024 - 20:06

Weine dem LR (!) Schuler keine Träne nach. Walcher und Co. müssen erst beweisen, dass sie es besser können. Im Übrigen sind nicht alle Bauern überzeugt vom BB und dessen Partei.

Di., 12.03.2024 - 20:06 Permalink
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Profil für Benutzer Südtiroler Bauernbund
Südtiroler Bau… Mi., 13.03.2024 - 11:16

Zitat: "Die Folge war ein nicht enden wollender Grabenkampf. Siegfried Rinner traf sich fast wöchentlich zum Arbeitsessen mit den „bäuerlichen Abgeordneten“, Manfred Vallazza, Sepp Noggler und Franz Locher und gab dabei die politische Agenda vor."
Ich kann mich nicht erinnern, mich in den letzten 5 Jahren jemals mit den obgenannten Herren zum Mittagessen getroffen zu haben. Sehr wohl gab es monatliche Treffen mit allen 4 bäuerlichen Abgeordneten, wo sowohl der Landeshauptmann als auch der Landesrat immer eingeladen waren und die entsprechende Tagesordnung erhalten haben. Der Landesrat war bis auf einzelne Ausnahmen immer dabei.

Mi., 13.03.2024 - 11:16 Permalink