Gesellschaft | Südtiroler Schützenbund

Elmar Thaler: Zum Kommando verdammt?

Was bringt die Ehre noch in heutigen Zeiten? Eine Frage, die sich bei der bisher vergeblichen Suche der Schützen nach einem neuen Landeskommandanten aufdrängt.

Schützenkommandant aus Aufopferung? Darauf könnte die bislang vergebliche Suche nach einem neuen Chef der mehr als 5000 Südtiroler Schützen und Marketenderinnen für Elmar Thaler hinauslaufen. Am 26. April wählt die Bundeversammlung eine neue Führungsspitze und bereits seit vergangenem Februar ist klar, dass der amtierende Kommandant Elmar Thaler abtreten möchte. Ob ihm das tatsächlich gelingt, ist nach der Sitzung des Bundesausschusses am Freitag Abend in Kardaun mehr als fraglich. Denn: Keiner scheint den Job zu wollen.

Bis 26. Dezember hätten die Bezirke Kandidatenvorschläge liefern müssen, doch am Sitz im Bozner Waltherhaus kam keiner an. Auch die größte Hoffnung auf die Thaler-Nachfolge, der Brixner Hauptmann Sepp Kirchler winkte bereits im Vorfeld der Sitzung ab. „Ich will es gar nicht machen, wenn ich ganz ehrlich bin“, vertraute er den Dolomiten am Freitag an. Und so scheint im Vereinshaus von Kardaun gestern Abend alles darauf hinausgelaufen zu sein, Thaler zum Bleiben zu überreden statt gemeinsam eine Alternative zu finden. Der hofft zwar nun noch auf die Galgenfrist bis 16. Jänner, innerhalb der noch Kandidatenvorschläge eingehen können. Doch: Im schlimmsten Fall werde er den Bund nicht hängen lassen, „dann kandidiere ich wieder“, sicherte Thaler nach der Bundesausschusssitzung zu.

Ein weit weniger glorreiches Bild also als vor knapp drei Jahren, als die  Wahl beim Schützenbund mit einem symbolkräftigen Generationswechsel verbunden war. Im Frühjahr 2011 hatte der damals 35-jährige Thaler die zehnjährige Ära des 50 Jahre älteren Paul Bacher beendet. Dass Thaler bereits nach drei Jahren das Handtuch werfen will und ihn niemand beerben will, kann wohl kaum mit einer Krise der Schützen zusammenhängen. Denn die stehen mit ihren mehr als 5100 Mitgliedern, einem Aufschwung bei den Jungschützen und Rückenwind bei ihren volkspolitischen Anliegen strammer denn je da. Doch die Ehre, das Kommando zu führen, scheint angesichts des politischen Balanceakts und des immer größeren zeitlichen Aufwands, den das unbezahlte Amt fordert, an Wert verloren zu haben. Nicht jeder Berufstätige kann es sich leisten, all diese Aufgaben für Gottes Lohn zu übernehmen, lautet denn auch eine der Begründungen für die erfolglose Suche nach einem neuen Kommandanten. Ein Generationswechsel also auch bei den Werten,  zumindest was die vielbeschworene Work-Life-Balance anbelangt?  Wenn die schon Überzeugungstäter wie die Schützen erwischt, ist klar, welche Zukunft dem Ehrenamt im Land bevorsteht.  

 

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Michael Bockhorni Sa., 04.01.2014 - 18:47

sollen sich alle politikerInnen auf der zunge zergehen lassen, welche budgetknappheit mit mehr ehrenamt wettmachen wollen

Sa., 04.01.2014 - 18:47 Permalink