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Lega Millionen

Bozner Abendessen

Die Staatsanwaltschaft Genua verfolgt weiterhin die Bozner Spur in Sachen Lega-Millionen. Jetzt soll der Ex-Leiter der Investmentabteilung Dario Bogni angehört werden.
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Die zwei Herren treffen sich am 13. September 2018 in einem Bozner Lokal zum Essen. Es ist ein Arbeitsessen und ein Plausch unter alten Freunden. Am Tisch sitzen zwei Finanzmanager, die jahrelang in Führungspositionen bei der Südtiroler Sparkasse tätig waren. 
Sergio Lovecchio war 14 Jahre lang der Leiter der Abteilung Strategie, Planung und Bilanzen in der Sparkasse. Dario Bogni hat noch länger die Investmentabteilung der Südtiroler Traditionsbank geleitet.
Beide haben die Bank inzwischen verlassen und sie sind zu diesem Zeitpunkt für denselben Arbeitgeber tätig. Lovecchio als Generaldirektor der „Pensplan Invest SGR“ und Bogni ist Manager und Direktor der Luxemburger Pensplan-Tochter „PensPlan SICAV Lux“.
Im Gespräch beim Abendessen geht es auch um die Sparkasse und man kommt auf einen aktuellen Skandal zu sprechen: Die Suche nach den verschwunden 49-Lega-Millionen.
12 Wochen zuvor hatte die Finanzwache Genua auf Anordnung der dortigen Staatsanwaltschaft in einer spektakulären Aktion in Bozen nicht nur die Zentrale der Sparkasse durchsucht und dort Dokumente beschlagnahmt, sondern die Finanzer standen am Morgen auch vor den Privatwohnungen von Sparkassen-Präsident Gerhard Brandstätter, Generaldirektor Nicola Calabrò und drei weiteren leitenden Bankmanagern. 
Der Grund für die Aktion: Im Frühjahr 2018 erhält die Banca d ́Italia einen Hinweis. Es geht dabei um Gelder, die Ende Jänner, genau 20 Tage nachdem die Staatsanwaltschaft Genua mit der Beschlagnahme von Lega-Konten beginnt, von Luxemburg nach Bozen zurückkommen. Es handelt sich um 3 Millionen Euro, die bei der Treuhandgesellschaft „Pharus Management Lux SA“ investiert waren. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich dabei um einen Teil der verschwundenen Lega-Gelder handelt.
 
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Südtiroler Sparkasse: Glaubhaftes Dementi der Bankenspitze zu Lega Geldern. (Foto: Othmar Seehauser)
 
Genau das aber dementieren Gerhard Brandstätter und Nicola Calabró energisch und glaubhaft.
Die Sparkasse habe 2016 10 Millionen Euro in Wertpapieren und Obligationen in Luxemburg investiert habe. Im Jänner 2018 hätte man dann 3 Millionen davon wieder zurücktransferiert. Alles legal und nach den geltenden Bestimmungen gegen Geldwäsche. Das Geld und das Konto gehören der Bank selbst und es gebe weder einen direkten noch eine indirekten Bezug zur Lega.
Doch das bezweifeln die Ermittler aus Genau immer noch. Einer der Gründe ist das Abendessen in Bozen. Wobei eines vorausgeschickt werden muss. Sergio Lovecchio hat mit den Lega-Geldern nicht das Geringste zu tun. Er rutscht völlig unfreiwillig in diese Geschichte hinein.
 

Bozner Ermittlung

 
Wie salto.bz exklusiv berichtet hat, ermittelt die Bozner Staatsanwaltschaft seit drei Jahren gegen die Südtiroler Sparkasse. In Gang gebracht hatte die Ermittlung noch Chefstaatsanwalt Guido Rispoli, inzwischen hat den Fall sein Nachfolger Giancarlo Bramante übernommen. Ende 2018 haben Bramante und Staatsanwalt Igor Secco fünf ehemaligen und amtierenden Sparkassenfunktionären den Abschluss der Vorermittlungen (Art. 415bis der Strafprozessordnung) übermittelt.
Es handelt sich um den langjährigen Präsidenten der Sparkasse Norbert Plattner, den ehemaligen Generaldirektor Peter Schedl, dessen Stellvertreter Richard Seebacher, Ex-Finanzchef Sergio Lovecchio und den amtierenden Leiter der Abteilung Rechtswesen in der Sparkasse, Luca Cristoforetti. 
Die Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft gegen die fünf unter Ermittlungen stehenden Personen erhebt, sind schwerwiegend: Betrug, Kursmanipulation (Aggiotaggio) und falsche Angaben bei der Erstellung einer öffentlichen Informationsbroschüre (Falso in prospetto). Dazu kommen noch weitere mutmaßliche Verstöße gegen das Bankengesetz (Testo Unico Bancario – TUB) und gegen den Einheitstext für das Finanzwesen (Testo Unico della Finanza – TUF). ‚
 
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Chefstaatsanwalt Giancarlo Bramante: Will Anklage gegen 5 Banker erheben. (Foto: Salto.bz)
 
Im Mittelpunkt der Anklage steht die Kapitalerhöhung der Südtiroler Sparkasse 2012. Inzwischen haben mehrere der Angeklagten Verteidigungsschriftsätze hinterlegt. Man geht aber davon aus, dass die Staatsanwaltschaft die Anklage formalisieren wird und es zum Hauptverfahren kommt. 
Seit drei Monaten sind die umfangreichen Ermittlungsakten damit für die Verteidiger und die Angeklagten zugänglich. In den acht Aktenordnern und mehreren USB-Sticks findet sich dabei auch ein Schlüsseldokument zum Bozner Abendessen vom September 2018.
 

Der Lauschangriff

 
Sergio Lovecchio und Dario Bogni wissen nicht, dass sie am Tisch im Bozner Restaurant nicht alleine sind. Denn die Ermittler haben einen Lauschangriff vorbereitet und sie hören jedes Wort der Unterhaltung mit. Das Abhörprotokoll ist für die Bozner Ermittlungen nur in jenen Teilen interessant, wo es um die Kapitalerhöhung 2012 geht.
Weil man bei der Staatsanwaltschaft und bei der Finanzwache Bozen aber weiß, dass die Kollegen in Genua zu diesem Zeitpunkt bereits Dario Bogni im Visier haben, übermittelt man das Abhörprotokoll vor einigen Monaten nach Genua. Dort geht man davon aus, dass die Spur heiß ist.
Ferruccio Sansa zeichnet in der heutigen Ausgabe der römischen Tageszeitung „Il fatto quotidiano“ detailliert die Genueser Ermittlungen und die Neuigkeiten aus Bozen nach. Sansa hat auch mit Dario Bogni selbst gesprochen. „Ich habe dazu nichts zu sagen“, wird der Banker vom „fatto“ zitiert.
 
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Staatsanwaltschaft Genua: Will Ex-Sparkassenmanager anhören. (Foto: upi)
 
Wer aber ist dieser Mann, der fast eineinhalb Jahrzehnte an einer Schlüsselposition der Sparkasse saß?
Der heute 59jährige Dario Bogni ist in der Schweiz geboren aber italienischer Staatsbürger. Er gilt als diskreter und sehr fähiger Investmentexperte. Verheiratet mit einer Wienerin, arbeitet er zuerst in Östereich und kommt im August 2001 dann zur Sparkasse, wo er zum Leiter des Investmentbereiches aufsteigt. Jahrelang lebt Bogni mit seiner Familie in Vals am Eingang zum Pustertal.
Bogni gilt innerhalb der Sparkasse politisch der Lega nahe und er hat als Bankmanager täglich mit Luxemburg und anderen Steuerparadiesen beruflich zu tun. Heute arbeitet der Banker in Lugano.
Die Genueser Ermittler gehen davon aus, dass der ehemalige Sparkassenmanager mehr weiß, als bisher über die Lega-Gelder bekannt ist. Gegen Dario Bogni wird aber nicht ermittelt, sondern er soll als Zeuge angehört werden.
Spätestens dann wird sich auch klären, ob und welche die Rolle der Sparkasse beim Verschwinden der 49 Lega-Millionen gespielt hat.
 

Lega & Sparkasse

Die Vorgeschichte macht verständlicher, warum die Genueser Ermittler die Sparkasse ins Visier genommen haben.
 
Die Lega bekommt wie alle Parteien Millionen Euro an Wahlkampfkosten-Rückerstattung vom Staat. Weil 2012 aber verschiedene Ermittlungen laufen, will die Lega-Spitze um Roberto Maroni die Gelder in Sicherheit bringen. Man zieht in dieser Phase 19,8 Millionen Euro von der Unicredit Vicenza und vom Mailänder Sitz der Banca Aletti ab. 
Ein Teil dieser Gelder landet wenig später bei der Sparkasse. Einer der Hauptakteure ist dabei Domenico Aiello. 
Der Rechtsanwalt mit kalabresischen Wurzeln ist zu diesem Zeitpunkt in Mailand Kanzleipartner von Stiftungspräsident Gerhard Brandstätter, mit dem er gemeinsam Landesrat Michl Laimer im SEL-Skandal und Landeshauptmann Luis Durnwalder in allen Verfahren zum Sonderfonds vor Gericht verteidigt. 
Domenico Aiello steht von 2012 bis 2015 auch als Präsident dem sogenannten „231er“-Komitees in der Sparkasse vor. Es handelt sich dabei um ein gesetzlich vorgesehenes Überwachungsorgan, das ein rechtswidriges Verhalten der Gesellschaft verhindern soll. 
Vor allem aber ist Aiello der Vertrauensanwalt von Roberto Maroni und der Lega. Er persönlich eröffnet im Jänner 2013 für die Lega in der Mailänder Sparkassen-Geschäftsstelle im Jänner 2013 ein „easy business”-Konto und im März 2013 ein Wertpapierdepot eröffnet. Konto und Wertpapierdepot laufen auf den Namen “Lega nord per l’indipendenza della Padania”. Auf dieses Konto werden dann rund 10 Millionen Euro eingezahlt. 
 
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Brandstätter-Partner Domenico Aiello: Anspielung im Telefongespräch. (Foto: upi)
 
Das Geld bleibt aber nicht lange bei der Sparkasse. Bereits am 9. Juli 2013 werden die Millionen wieder abgezogen Offiziell wurden die Lega-Konten am 13. November 2014 geschlossen. 
Wie sehr Domenico Aiello und am Rande auch Gerhard Brandstätter in diese Millionen-Operation der Lega involviert sind, geht aus bisher kaum bekannten Gerichtsakten hervor.
Denn die Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft (DIA) von Reggio Calabria hört genau zu diesem Zeitpunkt das Telefon von Domenico Aiello ab. Dabei schneiden die Ermittler auch ein Telefongespräch zwischen dem Anwalt und Brandstätter-Partner und dem damaligen Generaldirektor der Sparkasse, Peter Schedl, mit. 
In dem Gespräch geht es um die Zinsen, die die Lega bei der Sparkasse für ihre Millionen bekommen soll. „Andiamo via in una situazione che è il 3 e mezzo. Lui indicava il 4, c’ero io quando ha chiamato”, sagt Dominico Aiello im abgehörten Gespräch.
Aus dem Zusammenhang geht für die Ermittler klar hervor, dass mit „lui“ der damalige Präsident der Stiftung Sparkasse Gerhard Brandstätter gemeint sei. Doch Peter Schedl bleibt hart. „Il 4 non è possibile; facciamo così partiamo dal 3 e mezzo e poi da lì vediamo strada facendo” wiegelt der damalige Generaldirektor ab.
Wenige Woche später lesen die Ermittler dann eine E-Mail mit, die von einem Sparkassenmanager an Domenico Aiello geht. In dem Schreiben vom Februar 2013 geht es um wiederum um die Zinsen für die Millionen, die die Lega bei der Sparkasse angelegt hat. 
Il tasso attualmente applicato si intendeva legato a una determinata operatività... si era prospettata la possibilità di investire in fondi, azioni, obbligazioni societarie. Successivamente siamo venuti a conoscenza del fatto che la legge vieta ai partiti politici di investire la propria liquidità in strumenti finanziari diversi dai titoli emessi da Stati membri della Ue”. 
Am 12. März 2013 spricht derselbe Sparkassen-Funktionär am Telefon mit dem Lega-Anwalt Aiello: 
Che pasticcio! Questa cosa spicca agli occhi di qualcuno che venisse a fare dei controlli nel senso che mi dicono: ‘perché tutti gli altri clienti con patrimoni grossi hanno l’1,5 e questo ha il 3,5”. 
Demnach wurde hier die Lega deutlich bevorteilt. Weil diese Sonderstellung im Sparkassen- Management nicht haltbar war und zudem Aiello auf noch höhrere Zinsen drängte, hielt die Geschäftsbeziehung nicht lange. 
Das Geld verschwand. Die Frage ist aber wohin?
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Hannes Prousch
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Suedtirol Foto/Othmar Seehauser

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