Ladurner, Jasmin
Oliver Oppitz
Advertisement
Advertisement
Fritto MIsto

Aug‘ um Aug‘

Nach Jasmin Ladurners Rücktritt hat die SVP bei der Aufarbeitung des SAD-Skandals nur eine Option: hart durchgreifen.
Colonna di
Ritratto di Alexandra Kienzl
Alexandra Kienzl10.01.2022
Advertisement
Im März 2020 unternahm der damalige Chefberater von Boris Johnson einen netten Ausflug mit seiner Familie zu einer Touristenattraktion. Dabei ließ sich Dominic Cummings weder davon beeindrucken, dass sich das Land im tiefsten Lockdown befand, noch hielten ihn Corona-Symptome davon ab. Er habe, so Cummings in einer Pressekonferenz, mit der Autofahrt lediglich testen wollen, ob seine Sehkraft durch die Erkrankung beeinträchtigt sei. Es hält einen ja fast nichts mehr auf dem Sessel bei solcherart Rechtfertigungen, man möchte applaudieren und „Zugabe“ rufen, und doch hat Jasmin Ladurner bei ihrem finalen faux pas leider davon abgesehen, ähnlich abenteuerliche Erklärungen zu liefern. Es handle sich um „Flüchtigkeitsfehler“ bei ihrer Spesenabrechnung, erklärte sie wenig inspiriert  und – Schock! – trat zurück.
Umso enttäuschender, dass Ladurner sich nicht das Verhalten einiger Kolleg*innen zum Vorbild genommen hat: Sie hätte die Falschangaben ihrer Katze unterschieben können.
Nein, nein, so geht das nicht, blonde Kollegin! möchte man haareraufend rufen. Ein wenig mehr Fantasie bitte, und vor allem: eine Reihenfolge einhalten. Denn einfach so zurücktreten, ohne dass einem das Messer auf die Brust gesetzt worden wäre, das macht man nicht mehr. Das ist überholt, altmodisch und auch ein bisschen uncool. Heutzutage sitzt man Skandale aus, liefert halbgare Erklärungen, eventuell zerknirschte Entschuldigungen (auch uncool) und hofft, dass der Aufschrei bald jemand anderem gilt. Was ja meistens auch passiert, Beispiele dafür gibt es genug.
Umso enttäuschender, dass Ladurner sich nicht das Verhalten einiger Kolleg*innen zum Vorbild genommen hat: Sie hätte die Falschangaben ihrer Katze unterschieben (“Ich habe sie am PC erwischt, sie hasst mich seit sie nur noch Trockenfutter bekommt“) oder die Chose mit einer großzügigen Spende an verarmte Alt-Mandatare wiedergutmachen können. Aber auch hier zeigte die Abgeordnete den innerparteilich beklagten Eigensinn, trat übereilt zurück und bescherte der Partei somit ein 2 G-Ereignis, um Corona-Diktion zu bedienen: Den einen machte sie damit ein Geschenk, weil es moralisch richtig war, den anderen legte sie damit ein Goggele. Denn wie um alles in der Welt sind  gröbere Vergehen zu ahnden, wenn Kollegin Ladurner bereits bei ein paar hundert unrechtmäßig kassierten Euro Servus, Pfiat Gott und Aufwiederseh‘n sagt?
 
Kompatscher

 
Nachdem der LH in ungewohnter Härte das „Arnogeddon“  heraufbeschwor und eine Wiederkandidatur von der Aufarbeitung besagter Affäre abhängig macht, ist der Teppich, unter den man alles kehren könnte, zu einem Bettvorleger geschrumpft.
Dieses Dilemma dürfte derzeit jene in der SVP beschäftigen, die als Akteure oder Aufräumer in der SAD-Affäre in Erscheinung treten. Nachdem der LH in ungewohnter Härte das „Arnogeddon“ heraufbeschwor und eine Wiederkandidatur von der Aufarbeitung besagter Affäre abhängig macht, ist der Teppich, unter den man alles kehren könnte, zu einem Bettvorleger geschrumpft. Aussitzen ist nicht mehr, dank Arnos Ultimatum, und mit zu verschmerzenden Rücktritten von ein paar Pöstchen dürfte es nach Ladurners klarem Schnitt auch nicht mehr getan sein. Dass die Abhörprotokolle belegen, wie der LH von aktiven und nicht mehr aktiven Partei-Exponenten in Abwesenheit mit wüsten Beschimpfungen bedacht wurde, man ihn einen „(Piep)“ oder „(Piep)“ oder gar den „(piep)sten (Piep)mann aller (Piep)en“ nannte, ist dabei noch am einfachsten zu regeln. Fällt das doch bei aller Ungustiösität wohl unter die Meinungsfreiheit in einem privaten Setting, und Satisfaktion könnte ganz unkompliziert mittels eines Duells zwischen Beleidiger und Beleidigtem hergestellt werden. Als Instrumente zur Ausführung empfehlen sich Sahnetorten oder überdimensionierte Schaumgummi-Hämmer, als Austragungsort käme der Rasen vor der Parteizentrale in Frage, sodass man anschließend unverzüglich wieder an die Arbeit gehen könnte und im Interesse des Steuerzahlers nicht weiter Zeit verplempern müsste.
 
SVP Sitz

 
Als Instrumente zur Ausführung empfehlen sich Sahnetorten oder überdimensionierte Schaumgummi-Hämmer, als Austragungsort käme der Rasen vor der Parteizentrale in Frage.
 
Etwas anders verhält es sich mit den Vorwürfen, dass ehemalige und aktive Parteifunktionäre in der SAD-Affäre Privatinteressen auf Kosten der Allgemeinheit verfolgt und aktiv Schritte unternommen hätten, um den LH in der Öffentlichkeit schlecht aussehen zu lassen (das Türkise Playbook lässt grüßen). Da wird der Gummihammer nicht ausreichen, denn das ist dann doch ein Nümmerchen größer als das, was Frau Ladurner sich geleistet hat - wenn das Volk auch nur zu Letzterer sozialmedial Gift und Galle spuckte, während zum Gebaren von Durni, Widmann und Co. merkwürdige Stille herrschte. Sie wüssten ja gar nicht mehr, was sie damals so gesagt hätten, sollen Betroffene beteuert haben. Sie können beruhigt sein: Der Gedächtnisleistung werden die Protokolle gewiss auf die Sprünge helfen. Den parteiinternen Entscheidungsträgern beim Festlegen der Konsequenzen auf die Sprünge helfen sollte indes die Tatsache, dass es nicht der LH oder die Wähler*innen sind, die den größten Schaden aus der Affäre erleiden, sondern die Partei und der eigene Berufsstand. Vorurteile gegen Politiker*innen werden aufs Schlimmste bestätigt, eine Institution, die in Online-Foren ohnehin schon als „Kindergarten“ oder „Intrigenstadel“ verunglimpft wird, noch weiter abgewertet. Der traurige Tiefpunkt war am 4. Jänner 2022 erreicht, als Peter Thalmann, anders als die Unterfertigte ein seriöser Journalist, den Landtag in der „Tagesschau“ gänzlich unironisch als „Schlangengrube“ bezeichnete.
 
Da wird der Gummihammer nicht ausreichen, denn das ist dann doch ein Nümmerchen größer als das, was Frau Ladurner sich geleistet hat.
 
Ob man die Telenovela „Schlammschlacht im Palais Widmann“ noch unnötig verlängern will oder sich dazu durchringt, schon nur aus Gründen der Selbstachtung reinen Tisch zu machen und sich auf die eigentliche Aufgabe von Politiker*innen zu besinnen, das wird sich bald darin zeigen, wie die SVP mit den Verantwortlichen umgeht.
Advertisement
Advertisement
△rtim ୍℘୍stロ 10 Gennaio, 2022 - 19:29

Der SVP ist zu wünschen, dass sie aus diesem Quark kommt und sich zur Abwechslung um Inhalte und die Bürger-innen kümmert. Dafür wurde sie schließlich gewählt.

Ritratto di Hartmuth Staffler
Hartmuth Staffler 10 Gennaio, 2022 - 21:10

Es ist wohl nicht Quark, sondern eher Gülle, aus der die SVP verzweifelt herauszukommen versucht. Dabei man man den Eindruck, dass sie gar nicht den rettenden Ausweg aus der Scheiße suchen, der nur in einem drastischen Schnitt bestehen könnte, sondern dass jeder der Beteiligten nur versucht, seinen Kopf so weit herauszuhalten, dass ihm die Gülle nicht in den Mund rinnt.

Ritratto di Sergio Fratucello
Sergio Fratucello 11 Gennaio, 2022 - 09:14

La causa di tutto questo, lo sappiamo, è che non c'è alternativa politica in Südtirol e dove non c'è controllo politico succede di tutto.

Ritratto di ceteris paribus
ceteris paribus 11 Gennaio, 2022 - 09:24

Pensa che su livello statale siano delle alternative politiche?
Allora li non dovrebbero succedere cose del genere, vero?

Ritratto di kurt duschek
kurt duschek 11 Gennaio, 2022 - 10:16

....in der Diskussion am runden Tisch vom 10.1.22 hat der letzte Satz vom Politikwissenschaftler Hermann Atz perfekt die "Lösung" beschrieben: "...den Altlandeshauptmann aus der SVP, der Partei entfernen!"

Ritratto di Lollo Rosso
Lollo Rosso 11 Gennaio, 2022 - 11:21

Es wäre die logische Konsequenz, aber bevor das passiert, gibt sich die Partei lieber der Lächerlichkeit preis. Durnwalder ist eine heilige Kuh.

Ritratto di Lollo Rosso
Lollo Rosso 11 Gennaio, 2022 - 11:31

Kompatscher sollte eine eigene Partei gründen. Da konservativen SVP stirbt eh die Wählerschaft weg.

Ritratto di Karl Trojer
Karl Trojer 12 Gennaio, 2022 - 10:02

Frau Jasmin Ladurner mag eher dumme Fehler gemacht haben. Als "wesentlich" können diese aber nicht gewertet werden. Frau Ladurner in den verschiedenen Medien derart zu verfolgen wie es seit geraumer Zeit geschieht, das kommt einer entwürdigenden Hexenjagd gleich.

Ritratto di Manfred Klotz
Manfred Klotz 12 Gennaio, 2022 - 12:14

Warum das so ist, wird klar, wenn man weiß, wer diese Informationen an die Presse weitergeleitet hat und weshalb.

Ritratto di Karl Egger
Karl Egger 12 Gennaio, 2022 - 14:09

Whataboutism in Reinkultur

Advertisement
Advertisement
Advertisement