Insektenhotel
Ein typisches ungeeignetes Insektenhotel (Foto: Pixabay)
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Biodiversität

„Luxushotels“ bleiben leer

Insektenhotels sind im Trend. Sie verschönern den Garten und leisten einen Beitrag gegen das Insektensterben. Das Ganze hat aber einen Haken: Die Hotels bleiben leer.
Un contributo della community di Prader Stefan12.05.2021
Ritratto di Prader Stefan
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Teuer und ungeeigntet

Die schicken Hotels sind in den Augen der Insekten wenig einladend und die im Häuschen liebevoll eingearbeiteten Baumzapfen, Betonziegel und fransigen Stängel ungeeignet. Im allerbesten Fall macht es sich eine anspruchslose Spinne darin gemütlich. Nisten sich mit etwas Glück aber einige Wildbienen ein, so besteht für diese Verletzungsgefahr. Sie können sich an den meist fransigen Lochbohrungen und Bambusstengeln leicht die Flügel zerreißen.

Großvaters „Ohrwurmtopf“

Bevor es in der Landwirtschaft industrielle Spritzmittel gab, waren Bauern gezwungen, stärker mit Insekten–Nützlingen zusammenzuarbeiten. Zur Unterstützung in der Bekämpfung gegen Blattlausschädlinge lockten sie sie an, indem sie einen einfachen Tontopf mit Stroh füllten und ihn umgekehrt an verschiedenen Orten im Garten aufhängten. Nach einiger Zeit siedelten sich nützliche Ohrwurmkäfer, Marienkäfer oder Florfliegen in den Töpfen an.

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Das Old School Insektenhotel: "Großvaters Ohrwurmtopf"  (Bildquelle: Pixabay)

„Natürliche Insektenhotels“ für mehr Vielfalt

Menschen haben ein ordnungsorientiertes Gefühl für Ästhetik: Zum englischen Rasen passt ein schickes Insektenhotel aus dem Baumarkt, aber kein Äste- und Laubhaufen. Genau darin fühlen sich aber Insekten wohl. Sie mögen es chaotisch und wild. Wertvoll für ihren Unterschlupf sind regengeschützte Totholzhaufen aus altem Holz und Ästen sowie Trockenmauern, Steinhaufen und wilde Staudenecken. In einem Umfeld mit hoher Pflanzenvielfalt halten sich mehr unterschiedliche Insektenarten auf, wodurch sich eher ein ökologisches Gleichgewicht einpendelt. Zur Überwinterung brauchen Insekten unaufgeräumte Stellen mit Blätterhaufen. An Orten, an denen regelmäßig Gift gespritzt wird, ist es nicht sinnvoll, die Ansiedelung von Insekten zu fördern.

Aeste
Ameisenstraße auf Ästehaufen (Foto: Pixabay)

„Wildbienenhäuschen“

Im Gegensatz zur Honigbiene sind die meisten Wildbienen Einzelgänger (Solitärbienen). Da sie kein Volk, keine Königin und keinen großen Honigvorrat verteidigen müssen, sind sie sanftmütig und harmlos. Besitzer von Wildbienenhäuschen können beobachten, wie die Wildbienen in den Nistlöchern fleißig ein- und ausfliegen, um Proviant in die Nistlöcher zu bringen. Sobald die Nistlöcher voll sind, verputzen sie den Eingang mit Mörtel. Die Häuschen darf man nicht schütteln, da darin Bienenlarven schlafen, die erst im nächsten Jahr schlüpfen. Das beeindruckende Naturschauspiel ihres Flugs findet bei Mauerbienen nur im Frühling statt.

Wildbienenhaus (Stefan Prader)
Wildbienenhaus mit verputzten Nistlöchern. Je nach Lochgröße nisten sich unterschiedliche Wildbienenrassen ein. (Foto: Stefan Prader)

Bauanleitung für Wildbienenhäuschen

  • Hartholz wählen (Buche, Eiche oder Esche)
  • Bohrungen ins Längsholz versehen (um Risse zu vermeiden)
  • Glatte und splitterfreie Löcher bohren
  • Durchmesser der gebohrten Löcher sollte 2-9 mm betragen
  • Löcher nicht zu nahe setzen.
  • Je tiefer die Bohrlöcher sind, desto besser.
  • Regenschutz anbringen (Dach)
  • Eventuell Drahtgeflächtgitter mit nötigem Abstand vor den Löchern als Schutz vor Fressfeinden anbringen
  • Einen wettergeschützten Standort wählen

Viel Spaß beim Insekten beobachten wünscht euch der Südtiroler Tierfreundeverein

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