Ambiente | Verkehr

Verkehr wird abnehmen! Wirklich?

In Neumarkt soll ein Lkw-Parkplatz samt Unterkünften für über 100 Lkw entstehen. Begründet wird das „Mega-Projekt“ mit Sicherheitsaspekten und einer Verkehrsentlastung.
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Foto: Google Street Maps

Vor Kurzem fand in Tramin eine Bürgerversammlung statt, bei welcher die Betreiber der Autobahngesellschaft die interessierten Bürger über das Projekt Parkplatz Neumarkt/Tramin informierten. Dieser soll, neben einer Reihe von weiteren Projekten, nach Erhalt der Konzession umgesetzt werden. Vorgesehen ist der Bau von 139 Lkw-Parkplätzen direkt an der Autobahnausfahrt von Neumarkt samt Unterkünften für die Fahrer. Weiters ist eine Erweiterung des Pkw-Parkplatzes von 36 auf 78 Stellplätzen vorgesehen.

 

 

Die Grüne Fraktion hatte kürzlich im Landtag eine Anfrage dazu eingereicht, die Antwort von Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer lautete, dass die Landesregierung nichts von diesem Goßprojekt wüsste. Aufschlussreicher ist dagegen die Beantwortung einer Landtagsanfrage der Freiheitlichen von Anfang Mai. Darin erklärt Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider, dass die Entscheidung vonseiten der Brennerautobahn AG bei der Ausfahrt Neumarkt die Anzahl der Lkw-Parkplätze zu erhöhen, mit sicherheitsrelevanten Aspekten zusammenhängt. An Wochenenden und Feiertagen mit Fahrverboten sei es unerlässlich, den Lkw-Fahrern die Möglichkeit zu bieten, abseits der Nothaltebuchten zu parken, vor allem um deren eigene Sicherheit und jene der anderen Verkehrsteilnehmer zu schützen, heißt es im Schreiben. Nach dem Nutzen für die Bevölkerung gefragt, erklärt Alfreider, dass damit einerseits die Verkehrssicherheit auf der Autobahn erhöht werden soll und andererseits verhindert wird, dass die Lkw-Fahrer auf der Suche nach Parkmöglichkeiten von der Autobahn abfahren und auf das niederschwellige Verkehrsnetz ausweichen, um entlang der Straßen die Schwerfahrzeuge abstellen. Nachdem die Parkplatzsuche der Lkw-Fahrer damit obsolet wird, geht man auch davon aus, dass der Verkehr im Unterland auf dem ordentlichen Straßennetz dadurch abnehmen wird. Nicht davon überzeugt ist allerdings die Grüne Fraktion, laut derer mehr Infrastrukturen mehr Autos, mehr Verkehr und mehr Lkw bedeuten.

 

 

 

In Unkenntnis

 

Das ÖPP-Projekt zur A22 wurde nicht nur in Brixen und im Rahmen einer Bürgerversammlung in Tramin vorgestellt, sondern vormals auch im Regionalrat besprochen. „Die gesamte Opposition hat dazu eine Blockade-Haltung eingenommen, weil wir darauf bestanden haben, über dieses Projekt informiert zu werden“, erklärt Brigitte Foppa auf Nachfrage von Salto.bz. Die Fraktionssprecherin der Grünen erzählt, dass man damals von der Regionalregierung abgefertigt worden sei und man über dieses Riesenprojekt wenig bis nichts wisse. Auch bei der Vorstellung in Tramin sei nicht recht klar geworden, welche Pläne die Autobahnbetreiber ins Auge fassen. Klar zu sein scheint, dass ein Parkplatz für über 100 Lkw in Neumarkt/Tramin entstehen soll. Mit einer Landtagsanfrage fordert die Grüne Fraktion deshalb die Landesregierung erneut dazu auf, Stellung zu diesem Projekt zu nehmen bzw. fordert Antworten darüber, weshalb ein solches Mega-Projektes ohne die Einbeziehung der Bevölkerung geplant wurde und wie der Stand der Dinge ist. 
 
 
 

Nur auf Gewinn ausgerichtet?

 
„Wir gehen davon aus, dass ein Projekt wie die A22 auf Gewinn ausgerichtet ist – und mehr Gewinn bedeutet auch mehr Verkehr“, so Foppa, die betont, dass es deshalb sehr wichtig sei, offen und transparent über dieses Projekt informiert zu werden. Die Autobahn sei im Unterland ein extrem wichtiger Faktor – vor allem in negativer Hinsicht. Das Unterland erstickt nämlich wie auch andere Landesteile förmlich im Verkehr. „Die Stickoxidmessungen in Neumarkt sind die höchsten des Landes“, sagt Foppa.
Wie die Betreiber der Autobahngesellschaft Ende Mai in Brixen erklärten, seien Parkplätze entlang der A22 unter anderem notwendig, um die Situation an der Brennergrenze bzw. in der Sadobre in Sterzing zu entschärfen. Auf diese Strategie der Autobahnbetreiber angesprochen, erklärt die Fraktionssprecherin der Grünen, dass es natürlich eine Entlastung bedeute, wenn das Verkehrsaufkommen besser verteilt wird. Man müsse sich aber auch darüber im Klaren sein, was dies bedeute: nämlich eine Umverteilung – nicht mehr, und nicht weniger. „Deshalb braucht es hier eine weitreichendere Strategie“, ist Foppa überzeugt.
 
Da stimmt etwas nicht.
 
Mehr Verkehr bedinge mehr Infrastrukuren wie Parkplätze und zusätzliche Fahrspuren. „Wenn man in dieser Verkehrswachstumsspirale verharrt, braucht es immer weitere Strukturen, damit es überhaupt aushaltbar bleibt“. Auf mögliche Lösungen angesprochen, um diese Spirale zu durchbrechen, erklärt Foppa, dass es einiger kleiner und einiger großer Lösungsansätze bedürfe. Bei Letzeren müsse unter anderem das derzeit bestehende Wirtschaftsmodell, wonach beispielsweise in Süditalien produziertes Joghurt nach Deutschland transportiert wird, um es dort zu verpacken und anschließend wieder nach Italien zu re-importieren, hinterfragt werden. „Da stimmt etwas nicht“, kommentiert die Sprecherin der Grünen derartige Beispiele. Was auf lokaler Ebene aber dringend umzusetzen wäre, ist die bereits unzählige Male im Dreier-Landtag vorgebrachte Forderung der Alpentransitbörse sprich eine Kontingentierung des Schwerverkehrs auf der Brennerautobahn. In eine ähnliche Richtung scheint das „Buchungssystem“ zu gehen, das Landeshauptmann Arno Kompatscher und die A22-Betreiber umsetzen wollen, sobald sie die Konzession in der Tasche haben. 
Foppa ist jedenfalls davon überzeugt, dass die Transitbörse bzw. Buchung zu einer Verkehrsreduzierung beim Schwerverkehr führen wird. Auch setze man sich für eine Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene ein. Es sei bekannt, dass etwa die RoLa bisher nicht funktioniert habe – die Zahlen zur Auslastung seien im Sinken begriffen. Wenn man den Umstieg also schaffen will, seien deshalb funktionierende Verladebahnhöfe die Voraussetzung. Zudem soll der BBT, wenn er nun schon einmal gebaut wird, die verheißene Entlastung bringen – wenn auch später als geplant.
 
 

Verkehrsprognosen

 
Ob das tatsächlich der Fall sein wird, ist fraglich, denn die Prognosen der A22-Betreiber sprechen eine andere Sprache: Man geht weiterhin sowohl von einer Zunahme des Pkw- wie auch Lkw-Verkehrs aus. Für das Jahr 2023 werden rund 44.500 Fahrzeuge auf der Strecke Brenner – Affi vorhergesagt, für das Jahr 2040 sollen es bereits über 48.000 sein.