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Ökostrom

Strom aus Erneuerbarer Energie

Im Stromsektor hat Erneuerbare Energie einen weit größeren Anteil als in anderen Sektoren. 2019 machte Ökostrom 27% der weltweiten Stromproduktion aus.
Un contributo della community di Monika Psenner17.08.2020
Ritratto di Monika Psenner
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Im Elektrizitätssektor ist der Anteil erneuerbarer Energie wesentlich höher als in den anderen Sektoren. */  2019 wurde weltweit 27% Strom aus erneuerbarer Energie (Ökostrom) produziert,  Wasserkraft lag mit 15,7% an erster Stelle, gefolgt von Windstrom mit 5,8 % und Photovoltaik mit 2,7 %. Strom aus Biomasse hatte einen Anteil von 2,2%, der restliche Strom aus erneuerbarer Energie lag unter einem Prozent.

Fossile Energien machten 2019 über 62% der weltweiten Stromgewinnung aus. Kohle, die „schmutzigste“ fossile Energie, ist mit einem Anteil von 36% immer noch die Nummer eins, gefolgt von Gas mit etwas über 23%. Erdöl spielt bei der Stromerzeugung mit 3% nur mehr eine geringe Rolle.  Vor allem in Nordamerika und in Europa kam es in den vergangenen Jahren zu einem starken Rückgang von Strom aus Kohlekraftwerken.

Betrachtet man die Stromgewinnung nach Energiequelle in den einzelnen Regionen der Welt, so zeigt sich ein differenziertes Bild.

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Mit 68% steht Zentral- und Südamerika an erster Stelle bei der Stromgewinnung aus erneuerbarer Energie, wobei Wasserkraft 54% ausmacht. In Brasilien gibt es viele Mega-Wasserkraftwerke und über 70% des Stroms stammt aus Wasserkraft, aber auch andere Länder, wie Venezuela und Kolumbien haben hohe Anteile an Strom aus Wasserkraft.

An zweiter Stelle beim Ökostrom folgt Europa mit 37%, davon 16 % aus Wasserkraft und 21% aus anderer erneuerbarer Energie. Nordamerika und Asien/Pazifik generieren je 23% der Elektrizität aus erneuerbaren Energien. In Asien ist Kohlestrom mit einem Anteil von nahezu 60% extrem hoch. Die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt China und Indien, die auch über große Kohlevorkommen verfügen, beziehen einen großen Teil des Stroms aus Kohlekraftwerken. Um der extremen Umweltverschmutzung in Großstädten und industriellen Ballungszentren entgegenzuwirken, investiert China zwar viel in Ökostrom, doch gleichzeitig baut es weiter Kohlekraftwerke. In Afrika macht Ökostrom bereits 20% aus, davon entfällt 15% auf Wasserkraft und 5% auf andere erneuerbare Energien. Die GUS-Staaten produzieren 17% ihres Stroms aus Wasserkraft, die anderen erneuerbaren Energien machen nicht einmal einen Prozent aus. Die sehr großen Vorkommen von fossiler Energie und die hohen Subventionen für die Energiepreise in Russland, Aserbeidschan, Kasachstan, Turkmenistan etc. haben es bis jetzt verhindert, dass erneuerbare Energieprojekte im Stromsektor einen nennenswerten Anteil haben.

An letzter Stelle rangiert der Mittlere Osten mit nur 4% Anteil an Ökostrom, während der Anteil von Strom aus fossilen Energien 94% ausmacht. Grund dafür sind vor allem die sehr niedrigen, subventionierten Preise für fossile Energie in den Erdöl- und Gas-reichen Ländern des Mittleren Ostens.

Stromgewinnung aus erneuerbarer Energie in der EU **

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2019 betrug der Anteil der Stromgewinnung aus erneuerbarer Energie in der EU 34%, das ist wesentlich höher als weltweit, während fossile Energien 38% ausmachten und Atomstrom einen Anteil von 25,6% verzeichnete. In Italien betrug der Anteil von Ökostrom im Jahre 2019 fast 40 %, das ist deutlich höher als der EU-Durchschnitt. Die Stromgewinnung aus fossiler Energie ist mit 66% sehr viel höher als der EU-Durchschnitt. Grund dafür ist, dass Italien seit über 3 Jahrzehnten keinen Atomstrom mehr produziert. In Deutschland wird 40% der Stromproduktion aus Erneuerbarer Energie gewonnen, davon 3,3% aus Wasserkraft und der Rest aus anderer Erneuerbarer Energie, Windstrom hat den höchsten Anteil.

Die in den vergangenen Jahren in der EU errichteten neuen Kraftwerke sind größtenteils Ökostrom-Anlagen. Vor allem die Windkraft boomt, aber auch Solarstrom konnte hohe Zuwächse verbuchen. Wenn die Pläne des ambitionierten „Green Deals“*** der EU realisiert werden, so wird der Anteil von Ökostrom in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiter stark wachsen. 

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Im Zeitraum 2000 bis 2019 ist der Anteil von Ökostrom (ohne Wasserkraft) an der Gesamtstromgewinnung in der EU von 2% auf 24% gewachsen, während sich der Anteil von Strom aus Wasserkraft im gleichen Zeitraum zwischen 9% und 12% bewegte. In den vergangenen 45 Jahren ist der Anteil von Kohlestrom von 43% auf 15% gesunken, vor allem in den vergangenen 6 Jahren hat der Kohleausstieg mancher Länder im Hinblick auf die Erreichung der Klimaziele zu starken Rückgängen geführt.

Gründe für das Wachstum beim Ökostrom

Ökostromerzeugung leistet einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der CO2 Emissionen und verursacht, verglichen mit Strom aus fossiler Energie, je nach Anlage, keine oder geringere gesundheitsschädliche Emissionen.

Die gesetzten Klimaziele zur Verringerung der CO2 Emissionen, sowie ein stärkeres Umweltbewusstsein der Bevölkerung tragen zu vermehrter Ökostromnutzung bei.

Gezielte staatliche Förderungen, mehr Wettbewerb und Verbesserungen der Technologien tragen zum Wachstum von Ökostrom bei.

In manchen Ländern sieht sich die Politik gezwungen Maßnahmen gegen die starke Luftverschmutzung zu ergreifen und fördert deshalb vermehrt Ökostrom.

Viele Länder streben eine stärkere Diversifizierung der Stromversorgung an, um die Abhängigkeit von Importen fossiler Energien zu verringern und mehr Energiesicherheit zu haben.

Ein wichtiger Grund für die Zunahme des Ökostroms ist die kontinuierliche Kostensenkung. Ökostrom ist in vielen Fällen wettbewerbsfähig mit Strom aus konventioneller Energie (fossile Energie, Atomenergie) und wird in manchen Anlagen günstiger produziert als konventioneller Strom.

Kosten von Ökostrom 

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Strom aus Photovoltaikanlagen kostete im Jahr 2010 noch über 0,35 US$/KWh, 2019 lagen die Kosten nur mehr bei etwa 0.06 US$/KWh. Auch Windstrom-Anlagen liefern inzwischen viel günstigeren Strom, sowohl Anlagen an Land (Onshore) als auch Anlagen auf dem Meer (Offshore).

Laut Internationaler Energiebehörde (IEA), wurden in den vergangenen 15 Jahren weltweit Milliardensummen in den Ausbau von Ökostromanlagen investiert. Der Anteil der Investitionen in Ökostromanlagen betrug mehr als das Doppelte, als der für fossile Kraftwerke. Ein großer Teil der weltweit neu erbauten Kraftwerke sind Ökostromanlagen, während fossile und nukleare Kraftwerke auf dem Rückzug sind.

2020 ist die weltweite Stromproduktion wegen der Corona-Krise abhängig von den jeweiligen Lockdown-Maßnahmen im gewerblichen und industriellen Bereich erheblich gefallen. Im Strommix ist der Anteil erneuerbare Energie höher als vor der Krise, so berichtet die IEA.

Umweltbelastungen durch Ökostrom-Anlagen

Die Erzeugung von Ökostrom ist auf jeden Fall anderen Optionen (Strom aus fossilen Brennstoffen und Atomenergie) vorzuziehen. Doch Stromgewinnung zum ökologischen Nulltarif gibt es auch beim Ökostrom nicht.

Wasserkraftwerke bedeuten einen Eingriff in die Natur und können das Ökogleichgewicht empfindlich stören, das gilt vor allem für sehr große Anlagen. Durch den Bau von riesigen Staudämmen geht Lebensraum von Tier- und Pflanzenarten verloren. Durch eine sorgfältige Umweltverträglichkeitsprüfung können etwaige negative Folgen minimiert werden.

Naturschützer kritisieren, dass sich Windstromanlagen negativ auf die Biodiversität auswirken können.

Bei den Photovoltaikanlagen stellt die Entsorgung, bzw. das Recycling der Solar-Module eine Herausforderung dar. Laut Deutschem Umweltbundesamt (UBA) wurden beim Recycling der PV-Module bereits gute Fortschritte gemacht.

Wie sieht die Zukunft aus?

Die Stromgewinnung wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiter ansteigen, vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern.  Weltweit gibt es ein enormes Potential für Ökostrom. Abgesehen von der Notwendigkeit Strom aus fossilen Energien zur Verringerung der Treibhausgasemissionen und der Umweltverschmutzung zu ersetzen, ist der Einsatz erneuerbarer Energiequellen auch deshalb erforderlich, da fossile Energien nicht unendlich zur Verfügung stehen.

Laut Prognose des Bloomberg New Energy Outlook 2019 wird bis 2050 Ökostrom weltweit 62% der Stromgewinnung ausmachen, davon werden circa 2 Drittel auf Strom aus Wind und Sonne entfallen. Stromerzeugung aus fossiler Energie wird von derzeit 62% auf nur mehr 31% sinken, Kohlestrom wird stark abnehmen während Strom aus Gas weitgehend gleichbleiben wird. Atomkraft wird von derzeit 10% auf 7% sinken.

Die E-Mobilität wird in den kommenden Jahren stark zunehmen. Wie umweltfreundlich E-Autos sind, hängt vor allem auch davon ab, ob sie mit Ökostrom betrieben werden. Deshalb muss der Ausbau von erneuerbarem Strom weiter gefördert werden.

Um die Klimaziele zu erreichen, muss die Politik für den weiteren Ausbau des Ökostroms die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen bzw. verbessern, um die Technologie-Entwicklung, die Verbesserung der Infrastruktur (Ausbau des Stromnetzes, Speichermöglichkeiten) voranzutreiben und Ökostrom flächendeckend günstig anzubieten. Neben dem Umstieg auf Ökostrom ist auch eine sparsame und effiziente Nutzung von Strom notwendig.  

*/ Laut REN21- Renewables Global Status Report 2020 betrug der Anteil von Erneuerbaren Energien weltweit im Transportsektor 2019 nur 3,3%, im Heiz-Sektor etwas über 10%, während bereits 27% der Stromproduktion aus erneuerbarer Energie gewonnen wurden. Ein Hauptgrund für den höheren Anteil von erneuerbarer im Elektrizitäts-Sektor sind massive Förderungen im Stromsektor.

** Die Zahlen für die EU und die Region Europa divergieren vor allem bei den Anteilen für Strom aus Wasserkraft, Grund dafür ist, dass die Nicht-EU Länder, wie die Türkei und Norwegen einen sehr hohen Anteil an Wasserkraft haben,  

*** Der Green Deal ist ein im Dezember 2019 vorgestelltes Plan der EU mit dem Ziel bis 2050 die EU möglichst von fossilen Energien unabhängig zu machen. Bis 2050 sollen die EU-Länder nicht mehr Treibhausgas produzieren, als sie an Ausgleichsmaßnahmen wie Aufforstung und CO2-Speicherung kompensieren können.

Anmerkung:

Daten für die Stromproduktion beziehen sich auf die Bruttostromerzeugung, das ist die gesamte erzeugte Strommenge, einschließlich des Eigenbedarfs der Kraftwerke.

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Ritratto di Georg Lechner
Georg Lechner 18 Agosto, 2020 - 15:17

Der Anteil der nuklearen Stromerzeugung wird vor allem deswegen zurückgehen, weil bisher die Verschrottung von Atomsprengköpfen genug aufbereitetes spaltbares Material geliefert hat, die nukleare Abrüstung aber ins Stocken geraten ist. Die Lagerstätten radioaktiver Erze werden laufend weniger ergiebig und dürften bis 2100 an das Ende jeglicher Abbauwürdigkeit gelangen.
Das primär nutzbare Isotop Uran 235 ist nur zu einem geringen Bruchteil in den Uranerzen vorhanden, die parallele Erzeugung von Plutonium 239 aus dem haptsächlich vorkommenden Uran 238 (in "Schnellen Brütern") ist wegen der langen Halbwertszeit des Plutonium im Falle einer nuklearen Katastrophe hoch problematisch. Der Brüter in Kalkar am Niederrhein ging nie in Betrieb, weil sich die Betreiber in den späten 70ern weigerten, mehr Kohle zu verstromen ("keine Absatzgarantie für den Strom") und damit ein Beschäftigungsprogramm für den krisenden Bergbau im Ruhrpott zu ermöglichen. Daraufhin verweigerte der Wirtschaftsminister in Düsseldorf die Genehmigung des nächsten Bauabschnitts.

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