Der Locher kommt in Sicht
Foto: Oswald Stimpfl
Gita | Ausflug der Woche

Winterwanderung zum Locher

Kein Schnee in Sicht und schönster Sonnenschein, deshalb unternehmen wir einen Winterausflug auf den Tschögglberg, genauer zum Gasthaus Locher bei Jenesien.

Es liegt auf der sonnigen Westkante des Höhenrückens, der sich von den Meraner Bergen zum Bozner Talkessel hinzieht. Dabei gehen wir durch hellen Föhrenwald und auf sonnigen weiten, in dieser Jahreszeit baungrünen Wiesen, der Blick geht über den Bozner Talkessel zu den Dolomiten, übers Etschtal im Süden, zur Mendel und den fernen Meraner, Vinschger und Ultner Bergen. Das Gasthaus liegt, entgegen dem Namen, nicht in einem Loch, sondern auf einem flachen Sattel. Hinter dem Haus steigen sanft die weiten, lärchenbestandenen Wiesen des Saltens auf.

Etwas zur Hofgeschichte vom Locher

Der Locher ist ein uralter Bauernhof, bereits um 1518 wird ein „Sigmund Locher gesessen auf Noblis im gericht sant Geneysan“ erwähnt, seit über 200 Jahren ist er im Besitz derselben Familie und schmückt sich somit mit dem Prädikat Erbhof. Er zählt gemeinsam mit anderen verstreut liegenden Höfen zum Weiler Nobels, in 500 m Luftlinie liegt das alte Kirchlein St. Valentin.

Die Schule beim Locher

Zwischen dem Bauernhof und der Scheune, in einem unscheinbaren Nebengebäude, war bis in den 70er Jahren, als noch keine Autostraße die Höfe mit Jenesien verband, eine Schule untergebracht. Ebenerdig war der Schweinestall des Bauern, im ersten Stock in zwei Räumen die Schule und im Dachgeschoss war die Vorratskammer des Bauern, der Kornkasten. Der Lehrer, ein Pusterer, wohnte im Haus, am Vormittag unterrichtete er die älteren Schüler, am Nachmittag die jüngeren, in den 60er Jahren gingen dort 54 Schüler zur Schule! In den 80er Jahren wurde ganz in der Nähe ein neues Schulhaus errichtet, mittlerweile verband auch eine Autostraße Nobels mit Jenesien und Bozen. Wenig später, als die Schülerzahlen rapide zurückgingen, wurde diese neue Schule geschlossen und ein Schülertransport nach Jenesien eingerichtet, die Schule wurde zu einem Jungscharhaus umfunktioniert.

Der Locher ist ein idyllisches Plätzchen, mit zwei kleinen Teichen, einer als Wasserspeicher für die alte, leider verfallenen Lochermühle, der andere wurde als Löschteich angelegt. Im Sommer lieben die Gäste die Tische auf der Wiese mit den schattigen Bäumen vor dem Haus. Kinder vergnügen sich an der Kegelbahn. Schon vor über hundert Jahren war beim Locher ein Ausschank, wo sich am Sonntag die Bauern zu Plausch und Wein trafen. Nach kurzer Unterbrechung wurde in den 50er Jahren ein Gasthaus eröffnet, das sich bald zu einem beliebten Ausflugziel für Einheimische und „Stadtler“ so werden die Bozner immer noch genannt, entwickelte. Nach Umbau, Erweiterung, einem Brand und neuerlichen Renovierungen präsentiert sich der Locher als Bauernhof, Gasthaus und schmuckes kleines Landhotel. Benedikt Weifner, der Wirt, allgemein Wendel genannt, ist eigentlich gelernter Zimmermann. Als er um die Hand von Martha, der Gastwirtstochter anhielt, hat er mit 33 Jahren umgesattelt, den Kochberuf erlernt, in Hotels praktiziert und sich hinter den Küchenherd am Locher gestellt. Mittlerweile helfen auch die Kinder mit. Daniela kümmert sich um den Gastbetrieb, Sohn Jürgen ist der Landwirt, aber an Sonn- und Feiertagen, wenn viel zu tun ist, packt auch er im Gasthaus mit an. Die Gerichte sind ganz nach dem Geschmack der Ausflügler: Jausen, Suppen, Salate, allerlei Knödel (herrlich jene aus Buchweizen, die „Schwarzplentenen“), Kalbskopf, gekochtes Rindfleisch, Gulasch, Wienerschnitzel mit verschiedenen Beilagen (10 € !), Spiegeleier mit Röstkartoffeln, Omeletten, Kuchen und Torten. An Sonn- und Feiertagen ist die Auswahl noch größer, da gesellen sich Lamm- und Wildbraten dazu. Wendl ist passionierter Jäger und sorgt für Reh-, Gams- und Wildschweinbraten. Tagesgäste essen in der neuen oder der schönen alten Stube, bei Schönwetter auf der windgeschützten Terrasse, im Sommer im großen Garten. Den Hotelgästen steht ein eigener Speisesaal zur Verfügung.

Die Locher Leck

Der Weg von Jenesien zum Locher quert den Altenbach, der bei Scharfeck, beim so genannten gescheibten Turm, in die Talfer fließt. Er entspringt unter einer Felswand, der Locher Leck. Man erzählt, dass in diesen unzugänglichen Felswänden und Höhlen unheimliche Wesen wohnen, darunter die Leckweibelen. Als diese beim Locher, wo wie bei jedem Bauernhof am Samstag Krapfen gebacken wurden, um ein paar Krapfen bettelten und vom geizigen Bauern abgewiesen wurden, verfluchten sie den Bauern mit dem Spruch: „nie ein reicher Locherbauer“. Eine andere Sage weiß von einer goldenen Kegelbahn zu berichten die von der Höhle in der Felswand unterirdisch bis zur Langfenn, immerhin eine Strecke von über 2 km, reichen sollte.

Mineralien- bzw. Fossiliensammler entdecken in den Sandsteinschichten der Locher Leck andere Schätze: es finden sich Reste versteinerter, ca. 260 Millionen Jahre alter Pflanzen, es handelt sich um verkohlte Pflanzenfossilien aus der jüngsten Permzeit. Dazu findet sich im Bachgeröll auch so mancher Brocken von grün-grauem Tonschiefer mit Muscheleinschlüssen.

Zum Wegverlauf

Ausgangspunkt ist der Parkplatz an der Straßengabelung Jenesien-Nobels am Nordwestrand des Dorfes Jenesien. Hier auch Bushaltestelle, Panoramatafel, Wegmarkierungen. Es geht kurz über eine steile Betonstiege, bald wird der Steig ebener, wir kommen zum Franzosenbildstöckl. Es erinnert an zwei Gefechte mit den französischen Eindringlingen, wobei sieben Schützen und der Kommandant, Peter Thalguter aus Algund, ihr Leben ließen. Nun schlängelt sich der Steig den Hang entlang, geht (Markierung 33A) über den Altenbach, kurz bergauf, zuletzt über eine Wiese bis zum Gasthaus Locher. Nach der Einkehr folgen wir der kaum befahrenen Asphaltstraße, nach der alten Schule, jetzt Jungscharhaus, biegen wir rechts ab und gehen leicht bergauf (Nr. 5), bis zum Saltnerhof (1.467 m), hier biegen wir an der Wegkreuzung rechts (Nr. 7) ab und folgen den Schildern zum Gasthaus Edelweiß. Bald nach diesem Gasthaus führen uns die Markierung 33 und die Schilder Simml auf breitem Weg durch schütteren Föhrenwald zum neuen Hofschank und Pferdehof Wieterer und anschließend zum Ausgangspunkt zurück.

Länge 8 km, 300 Höhenmeter, Gehzeit 2 h 40 min.

Anfahrt

Das Dorf Jenesien umfahren, am Nordwestrand des Dorfes, an der Kreuzung der Jenesier Straße (SP 99, Bushaltestelle) mit der Straße nach Nobels (Montoppio) links abbiegen und für 4,6 km folgen.

Info

Gasthof Locher

Familie Weifner. Öffnungszeiten: Ganzjährig; Juli – Allerheiligen kein Ruhetag, Nebensaison Donnerstag Ruhetag, Anfang Jänner – Mitte Mai nur Samstag-Sonntag. Am Abend geschlossen, für Gruppen auf Vorbestellung. Nobls 13, Jenesien, Tel.: 0471 354160, www.gasthof-locher.com

Edelweiss

Saltenweg, 6, Jenesien, Tel.: 0471 354106, www.saltner-edelweiss.it. Montag Ruhetag

Wietererhof

Simml 9, Jenesien, Tel.: 0471 354066, www.wietererhof.com, Donnerstag–Sonntag am Mittag geöffnet

Autor:

Oswald Stimpfl

www.folioverlag.it

www.stimpfl.info