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Naturschutz

Für unsere Auwälder

Am Samstag versammelten sich Menschen für den Erhalt des Auwaldes in Brixen. In der Ilstener Au droht der Verlust des letzten intakten Auwaldstückes.
Un contributo della community di Biodiversität und Naturschutz17.12.2019
Ritratto di Biodiversität und Naturschutz
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Über 100 Menschen haben am Samstag für den Erhalt des Auwaldes in Brixen ein Zeichen gesetzt. Unter ihnen war auch die Umweltaktivistin Magdalena Gschnitzer, welche in ihrer Rede darauf hinwies, dass der Auwald noch steht und wir die Chance haben, dass er auch weiterhin steht. 

Auch Petra Steiner richtete Worte an die Versammelten, und wies darauf hin, dass Auwälder nur mehr 0,6% der Waldfläche Südtirols ausmachen und der Auwald in Brixen ein wichtiger Brutplatz für viele Vogelarten ist, darunter auch gefährdete Arten der Roten Liste. Der Schutz von Auwäldern ist nicht verhandelbar und Ausgleichsmaßnahmen können diesen Wald niemals ersetzten.

Grußworte an die Teilnehmer richteten auch Luigi Mariotti vom WWF und Fabio Volpotti von Legambiente. Die Umweltverbände waren mit ihren Logos und Transparenten gut sichtbar auf der Kundgebung vertreten.

Der kulturelle Höhepunkt der Veranstaltung war der Auftritt der Tanzschule „Shabba Crew“ unter der Leitung von Barbara Medei. In Kostümen tanzten Jugendliche zum Lied „Gebet an den Planet“ von Thomas D. Die Tanzperformance und das Lied beeindruckten die Teilnehmer sehr und es war eine vollkommen gelungene Veranstaltung für den Schutz unserer Natur und des letzten großen Auwaldes im Eisacktal. (Lied von Thomas D. online auf https://www.youtube.com/watch?v=Yc7ysAp0_Fg)

Abschließend wurde dann noch eine Menschenkette vor dem Auwald gebildet, um ihn symbolisch vor der Rodung zu schützen.

Auch Politiker waren unter den Teilnahmern, wie Franz Ploner vom Team Köllensperger. Bischof Ivo Muser wurde eingeladen und bedankte sich für die Einladung, konnte aber nicht kommen, da er terminlich verhindert war. Wie in der Enzyklika „LAUDATO SI“ von Papst Franziskus steht. „Dass Menschen die biologische Vielfalt in der göttlichen Schöpfung zerstören; dass Menschen die Unversehrtheit der Erde zerstören, indem sie Klimawandel verursachen, indem sie die Erde von ihren natürlichen Wäldern entblößen oder ihre Feuchtgebiete zerstören … all das sind Sünden.“ Den klaren Worten der Enzyklika steht der Mensch gegenüber, der mit seinem Handeln die Erde von Wäldern entblößt. 

Der Auwald in Brixen ist nicht der einzige Auwald Südtirols, der in Gefahr ist für immer zu verschwinen. Die Landesregierung hat darüber abgestimmt, dass das letzte verbliebene Auwaldstück in der Ilstener Au in landwirtschaftliche Fläche umgewandelt wird. Nur 0,5 ha sind dort noch erhalten, vom ehemligen großen Auwald der Ilstener Au, 8 ha wurden weggebaggert.

In der Ilstener Au bei Kiens wurde praktisch der gesamte Auwald als Revitalisierung gerodet. Der Auwald in der Ilstener Au war für seinen Eschenreichtum bekannt (entspricht Hartholzau, bei Waldtypisierung in den Auwäldern der Tallagen inkludiert) und nur ein kleines Stück Wald hat die Umbauarbeiten der Revitalisierung heil überstanden. Neben dieser typsichen Hartholzau mit Eschen gab es Teile mit vorwiegend Weiden und Grauerlen. Bei Revitalisierungen und Renaturierungen wird in Südtirol nicht auf die Waldtypisierung zurückgegriffen. 

Der Naturtreff Eisvogel schreibt in einer Presseaussendung im Zusammenhang mit der Umwidmung des letzten Stückes Auwald: “Durch die Verbreiterung des Flussbettes als Rückhaltebereich zum Zwecke des Hochwasserschutzes, sind entlang der Rienz bereits große wichtige Waldflächen geopfert worden. Umso wichtiger ist es nun, die verbleibende Laubwaldfläche zu erhalten, die einen unverzichtbaren Beitrag zum Klima- und Artenschutz leistet. Wir bitten die Südtiroler Landesregierung die ablehnende Entscheidung der Grün-Grün-Kommission zu dieser geplanten Umwidmung zu respektieren.”

Die Gesellschaft für Biodiversität ist gegen jede Rodung von Wald, insbesondere Auwäldern. Der Laubwald, wie ihn der Naturtreff Eisvogel nennt, ist nämlich nicht irgendein Wald, sondern gehört ebenfalls zu den Auwäldern, die nur 0,6% der Waldfläche Südtirols einnehmen (Zahlen und Zuordnung entsprechend Waldtypisierung Südtirols). 

Die Landesregierung hat entschieden, der Wald kommt weg. Bilder des Auwaldes findet man auf http://biodiversitaet.bz.it/tag/ilstener-au/ 

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Ritratto di Lukas Neuwirth
Lukas Neuwirth 18 Dicembre, 2019 - 14:04

Es ist bewundernswert mit welchem Engagement sich die Gesellschaft für Biodiversität und die Initiativgruppe SOS Auwald für den Schutz und Erhalt der Auen in Südtirol einsetzt. Ich kann diese Überzeugung nur unterstützen! Die Art und Weise wie das Amt für Wildbachverbauung im Falle der Ilstner Au vorgegangen ist war weder richtig noch zielführend - es wäre längst an der Zeit, dass gerade dieses Amt, welches sowohl über die finanziellen Mittel, als auch über eigene Arbeitskräfte, einen Maschinenpark und vielleicht am wichtigsten, in einem gewissen Ausmaß sogar über die Gründe entlang der Bäche verfügt, mit den Umweltverbänden und einschlägigen Experten VON AUSSEN in Kontakt tritt bevor derartige Aktionen passieren! Auch Herr Peter Hecher könnte durchaus den einen oder anderen Rat von Fachkollegen annehmen! Ich widerspreche Ihnen aber hinsichtlich der Unersetzbarkeit des Auwaldrestes in Brixen - es ist aufgrund der stark veränderten Rahmenbedingungen nicht möglich den Auwald langfristig ohne regelmäßigen menschlichen Pflegeaufwand zu erhalten - obschon er Pflanzensoziologisch als Auwald klassifiziert werden muss, ist das Ökosystem "Auwald" funktional leider stark gestört und in Degradation begriffen! Die Erweiterung der Millander Au ist im Biotopvernetzungskonzept (StadtLandFluss) zwar vorgesehen - aufgrund der Bindung der öffentlichen Hand an die eigenen Schätzpreise aber nicht Umsetzbar (es handelt sich lediglich um einen theoretischen Maximalvorschlag des Büros Arge Natura!). Die Ersetzbarkeit des Auwaldrestes ist letztlich einzig und allein eine Preis- und Zeitfrage und unter kompetenter fachlicher Anleitung absolut machbar! Der Nettogewinn für die Biodiversität ist durch eine ökologisch weitgehend funktionale Au -wie sie gemäß Ausgleich entstehen soll- weit höher als der abzusehende Schaden!

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