Politica | Landtagswahlen

„Das ist eine historische Chance“

Katja Renzler zieht für die Grünen in den Wahlkampf. Die Newcomerin spricht sich vehement gegen umstrittene Infrastrukturprojekte im Pustertal aus.
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Foto: grüne
Die Grünen haben ihre Kandidat*innen für das Pustertal vorgestellt: Die Autorin und Lehrerin Katja Renzler aus Rasen-Antholz und der Brunecker Gemeinderat Hanspeter Niederkofler. „In Südtirols Osten boomen die Wachstumsprojekte. Olympia, Kreisverkehre, Schischaukel, Infrastruktureingriffe. Sie rufen allerdings zunehmend Widerstand hervor. Im Pustertal will man Grenzen setzen und auf die Grenzen der Belastbarkeit hinweisen. Die Grünen haben für die Landtagswahlen die Symbolfigur des aktuellen Widerstands gewinnen können“, teilt die Partei über die Kandidatur Renzlers mit.
Sie wurde heute, am 22. Mai, in Bruneck als Landtagskandidatin vorgestellt. Der Brunecker Gemeinderat Hanspeter Niederkofler werde als anerkannter Mobilitätsexperte und langjähriger Mitstreiter der Grünen ebenfalls für den Landtag kandidieren.
Renzler wurde der Öffentlichkeit insbesondere durch den Widerstand gegen den doppelstöckigen Kreisverkehr bei der Einfahrt ins Antholzer Tal bekannt. Sie begründet ihre Kandidatur folgendermaßen: „Ich kandidiere für die Grünen bei den Landtagswahlen, weil ich gemerkt habe, dass es ein Trugschluss ist, zu sagen: ‚Das ist eh schon alles entschieden!‘- denn es lohnt sich unbedingt, nachzufragen und mitzudenken.“
Die Kandidatin aus dem Pustertal will vor allem im Tourismus, auf dem Arbeitsmarkt und im Bereich Mobilität eigene Schwerpunkte setzen: „Der Tourismus hat uns viel Wohlstand gebracht. Quantitativ haben wir allerdings mittlerweile die Grenze zum Erträglichen für Mensch und Natur erreicht“, sagt Renzler. Daher gelte es, in Zukunft gerade auch im Pustertal mit seiner einzigartigen Natur schonend umzugehen. „Dies so, dass der bestehende Wohlstand für die Allgemeinheit und die natürlichen Lebensgrundlagen für alle auch weiterhin aufrechterhalten werden können. Mit einer stetigen Zunahme an touristischer Belastung ist dies nicht vereinbar. Setzen wir deswegen auf unsere Stärken und fördern aktiv eine andere Qualität von Tourismus, zugunsten längerer Aufenthalte verbunden mit umweltverträglicher Mobilität. Legen wir den strategischen Fokus gezielt auf naturverträgliche und ressourcensparende Freizeitaktivitäten. Koordinieren wir gezielt eine nachhaltige Einbindung des regionalen Tourismus in die heimischen Wirtschaftskreisläufe, um krisenresilienter und im Sinn von Kostenwahrheit nachhaltig wirtschaften zu können. Verkaufen wir uns nicht unter unserem Wert!“
Investieren wir in die Menschen, nicht in Beton!
Bezüglich Arbeitsmarkt erklärt die Grünen-Kandidatin: „Besonders im ländlichen Raum ist Nachholbedarf gegeben, was die Vereinbarkeit von unbezahlter Sorgearbeit mit bezahlter Erwerbstätigkeit anlangt; dadurch entstehen große soziale Ungleichheiten. Durch Schaffung neuer Betreuungs- und Arbeitszeitmodelle sowie die Verlagerung mancher Tätigkeiten ins Home-Office kann die Vereinbarkeit von Sorgearbeit und Erwerbstätigkeit in naher Zukunft greifbarer werden als bisher, verlangt aber nach einer aktiven strategischen Förderung vonseiten der Politik.“ Damit das Pustertal attraktiver werde, müsse eine Lohnpolitik unterstützt werden, „welche den arbeitenden Menschen in erster Linie ein autonomes Leben ohne Abwanderung ins Ausland und ohne Bittstellerei garantiert, und welche Menschen unabhängig von Geschlecht, Alter und Klasse daher zugleich auch zeitlich eine aktive Partizipation an gesellschaftlich wichtigen Prozessen (Sorgearbeit, politisches und soziales Engagement etc.) ermöglicht.“ Auf Landesebene sei es wichtig, vor allem soziale Berufe spürbar aufzuwerten, um die Segregation des Arbeitsmarktes und die damit verbundene Einkommensschere zu verringern. „Von gerechter, also ehrlicher Lohnpolitik profitiert die gesamte Gesellschaft, haben Wirtschaftsnobelpreisträger*innen herausgefunden. Und, mit Blick auf den hohen Investitionsanteil im Landeshaushalt: Investieren wir in die Menschen, nicht in Beton!“
 
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Vorstellung der Kandidat*innen für das Pustertal: v.l. Brigitte Foppa, Katja Renzler, Hanspeter Niederkofler und Elide Mussner; (Foto: Grüne)
 
In Sachen Mobilität will Renzler verstärkt auf den öffentlichen Nahverkehr setzen: „Durch einen schrittweisen Ausbau der Pusterer Bahnstrecke in Richtung Zweispurigkeit wäre der Bahnverkehr imstande, noch mehr vom Individualverkehr abzufedern. Eine Lohnaufwertung der Berufe im ÖPNV würde das Berufsbild attraktiver machen, das Ausfallen von Angeboten der Öffis reduzieren und einen weiteren Ausbau der Fahrpläne ermöglichen.“ Auch der Ausbau und die konsequente Wartung des Radwegenetzes sowie eine Implementierung von geeigneten Radabstellplätzen müsse ein prioritäres Ziel sein. „Bei allen Großprojekten, also auch Ortsumfahrungen und Kreuzungsausbauten, sollte der Planungsprozess bereits frühzeitig die verbindliche Information und auch eine effektiv mögliche Partizipation der betroffenen Bevölkerung vorsehen. Das Pustertal hat es nicht verdient, noch mehr vom Verkehr überrollt zu werden (anstehende Sanierung Lueg-Brücke und Europabrücke), daher sind Vorhaben großer Straßenbauten sehr kritisch zu überprüfen- Stichwort ‚induzierter Verkehr‘. Dies alles nicht zuletzt wegen der klimatischen Herausforderungen, der demographischen und arbeitsmarkttechnischen Veränderungen, die in naher Zukunft anstehen.“
Renzlers Appell an die Wählenden: „Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass die Entscheidungen, die wir heute treffen, alle uns nachfolgenden Generationen noch viel mehr als uns selbst betreffen werden – das ist eine historische Chance. Ergreifen wir sie!“