Politica | Interview

„Mehr als schwarz und weiß“

Südtirols Straßenzeitung hat eine neue Redaktionsleiterin. „Ich wünsche mir, dass die Menschen zebra. lesen und sie dann mit einem guten Gefühl weglegen“, sagt Lisa Frei.

Seit etwas mehr als einem Monat ist Lisa Frei nun für Kommunikation und die Redaktion bei der oew (Organisation für eine solidarische Welt) und somit auch für die Südtiroler Straßenzeitschrift „zebra.“ zuständig. Sie hat damit das Amt von Maria Lobis übernommen.
salto.bz hat mit dem neuen Gesicht hinter zebra. über die Zeitschrift, das Konzept mit den StraßenverkäuferInnen und über ihre Arbeit geplaudert:

salto.bz: Frau Frei, warum wurde die Zeitschrift ausgerechnet nach einem schwarz-weiß gestreiften Steppentier benannt?
Lisa Frei:
Die Zeitung wurde nicht unbedingt nur nach dem Tier benannt. Unser Motto ist „mehr als schwarz/weiß“. Unter dem Begriff „Zebra“ fällt auch der Zebrastreifen, also die Straße.

Welche zentrale Botschaft, welche Themen stecken hinter „zebra.“?
Wir setzen auf mutmachende Geschichten, auf kleine Taten mit großer Wirkung, auf besondere, beispielhafte, anderslebende Menschen. Andere Schwerpunktthemen sind aber auch die Themen der oew. Es geht um ein friedliches Miteinander, wir wollen eine möglichst große Vielfalt an Menschen in zebra. bringen und uns auf die positiven Dinge konzentrieren. Allerdings will zebra. auch nichts beschönigen.

Wie sieht es mit der Auflage auf, gibt es Veränderungen?
zebra. konnte die Auflage trotz monatlichem Erscheinen halten. Derzeit werden jeden Monat ca. 14.000 Stück auf die Straße gebracht. Abonnenten gibt es nicht so viele, weil zebra. auch immer wieder darauf hinweist, dass eine Straßenzeitung auf der Straße gekauft werden soll. Die Anzahl der Abonnements beläuft sich auf unter 50.

Die Zeitung entstand im Jahr 2014. Veränderte sich die Themen der Zeitschrift durch die aktuelle Flüchtlingskrise?
Ja sicherlich. Die Thematik gab es aber auch vorher schon, zurzeit ist sie allerdings omnipräsent. Letztens veröffentlichte zebra. eine Reportage über eine Familie aus dem Veneto, die mehrere junge Männer aus Afrika aufgenommen hat. Auch gab es am Anfang des Jahres ein Portrait eines jungen Flüchtlings der sich hier ein neues Leben aufgebaut hat.

Wie geht zebra. als weltoffene und multikulturelle Zeitschrift mit dem aktuellen Rechtsruck in Europa um?
Viele Menschen in Europa sind zur Zeit verunsichert und haben Angst. Bestimmte Bewegungen erleben da einen Aufwind. Unsere StraßenverkäuferInnen werden immer wieder mit bestimmten Aussagen konfrontiert. Allerdings wird dieser Rechtsruck von den Medien vielleicht stärker vermittelt, als er tatsächlich in den Köpfen der Menschen stattfindet. zebra. glaubt an das Gute im Menschen, an ihre Mündigkeit als aufgeklärte BürgerInnen.

Was steckt hinter dem Konzept der StraßenverkäuferInnen?
Die zebra.-VerkäuferInnen verlangen für ein Exemplar zwei Euro. Einen Euro dürfen die VerkäuferInnen selbst behalten, der andere Euro fließt in die Produktion der Zeitung. Insgesamt gibt es um die 50 VerkäuferInnen aus den verschiedensten Nationen. Für sie ist es ein wichtiges Einkommen, da sie kaum oder nur einen schweren Zugang zum Arbeitsmarkt haben. Ohne Zebra müssten viele betteln. Die VerkäuferInnen holen sich die zebra.'s in den Verkaufsstellen (Brixen, Bozen, Bruneck, Meran), wo sie bis zu 100 Stück auf einmal kaufen können. An welchen Orten sie verkaufen und wie viel sie verkaufen können, teilen sich die VerkäuferInnen selbst ein.

Gibt es dabei irgendwelche rechtlichen Vorgaben oder kann jeder zum zebra.-Verkäufer werden?
Es gibt Hunderte von Anfragen, viele Menschen würden gerne zebra. verkaufen. Die oew versucht bei der Auswahl der Verkäufer dringende Fälle vorzuziehen und auch auf eine möglichst große Vielfalt der Nationalitäten zu achten. Eine rechtliche Vorgabe ist, dass die VerkäuferInnen über eine gültige Aufenthaltsgenehmigung verfügen müssen. Sie müssen sich auch an bestimmte Regeln halten. Ihr Ausweis wird jährlich verlängert.

In der gedruckten Ausgabe findet man auch die Zeilen „Nur echt mit Ausweis“. Warum?
Dies ist bei Straßenzeitungen so üblich. Es soll aber eine Absicherung für die oew, für VerkäuferInnen und natürlich für die KäuferInnen sein. Jemand der den Ausweis nicht hat, darf die Zeitung nicht verkaufen. Wir versuchen die Menschen diesbezüglich zu sensibilisieren.

Was ist Ihre persönliche Motivation? Warum zebra.?
Ich wollte immer schon im Non-Profit Bereich arbeiten. In der oew kann ich meine Leidenschaft für Journalismus und das Schreiben mit einem sozialen Projekt verbinden, von dem ich zu 100 Prozent überzeugt bin. Ich wünsche mir, dass die Menschen zebra. lesen und sie danach mit einem guten Gefühl weglegen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich hoffe, dass es so weitergeht. Denn Themen gibt es wie Sand am Meer, sie liegen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße.

 

Lisa Frei, aus Sterzing, studierte Kommunikationswissenschaften und Non-Profit Management in Brixen. Machte später ihren Master in Publizistik mit Schwerpunkt Medienpolitik in Wien. Seit Ende Mai für Kommunikation und Redaktion bei der oew und damit auch für zebra. zuständig.

 

Wer oder was ist „zebra.“?
Das Konzept der Straßenzeitung ist kein neues. In vielen anderen Städten kennt man Straßenzeitungen wie zebra. bereits unter einem anderen Namen, wie zum Beispiel der „20er“ in Innsbruck oder der „Augustin“ in Wien. Die Südtiroler Straßenzeitschrift zebra. wurde Anfang 2014 von der oew („Organisation für eine solidarische Welt“) mit Sitz in Milland, ins Leben gerufen. Damals erschien die Zeitschrift nur alle zwei Monate. Im Jahr 2016 wurde sie umstrukturiert - Rubriken wurden erweitert, die grafische Gestaltung änderte sich. Seit Anfang des Jahres erscheint die Straßenzeitung nun monatlich. zebra. besteht aus 30 Seiten und wird für zwei Euro pro Exemplar von StraßenverkäuferInnen an den Mann und die Frau gebracht. Für die Inhalte der Straßenzeitschrift, sind neben Lisa Frei und allen MitarbeiterInnen der oew, auch zahlreiche freiwillige SchreiberInnen verantwortlich. Insgesamt unterstützen um die 30 Menschen die zebra. mit Beiträgen, Bildern, sowie Grafiken. Zu den RedakteurInnen zählen sowohl Einheimische, als auch Menschen mit anderem kulturellen Background.