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Millionen-Euro-Coup und tödlicher Sparkurs

Massive Ausgabenkürzungen auf der einen Seite und Pensionsmillionäre auf der anderen. Dass der 90-Millionen-Euro-Coup der Region auf Unverständnis stößt, überrascht niemand. Klar sein sollte auch, dass harte Einschnitte in das Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen dramatische Folgen haben kann - siehe Griechenland.
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Mehr Totgeburten und HIV-Neuinfektionen (weil die Verteilung von Spritzen und Kondomen an Drogenabhängige gekürzt wurde), mehr Tuberkulose-, und Depressionsfälle sowie Suizide, mehr Totgeburten und eine deutlich gestiegene Säuglingssterblichkeit gibt es in Griechenland.

Wichtigster Grund für diese verheerende Entwicklung sei der rigorose Sparkurs, den die griechische Regierung auf Druck von EU, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank seit einigen Jahren durchpeitscht. Zu diesem Ergebnis gelangten Forscher der britischen Universitäten Cambridge, Oxford und London in einer Studie, die im Medizinjournal „The Lancet“ veröffentlicht worden ist.

Den Krankenhäusern wurde das Budget um ein Viertel gekürzt, die Ausgaben für Medikamente um die Hälfte gestrichen. Ärzte und Kliniken reagierten mit Gebühren, die viele Griechen angesichts sinkender Einkommen und Rekordarbeitslosigkeit nicht zahlen können. Die Zahl der Schwangeren, die sich einen Krankenhausaufenthalt nicht leisten können, steigt, und viele Diabetiker stehen vor der Wahl, ob sie sich Insulin oder Nahrungsmittel kaufen.

Suizide um 45 Prozent gestiegen

Auch die psychischen Folgen der Krise kann das Gesundheitssystem angesichts der Kürzungen nicht mehr auffangen: die Zahl der Suizide ist zwischen 2007 und 2011 um 45 Prozent gestiegen.

Leidtragende sind auch Kinder: Die Zahl der Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht ist zwischen 2008 und 2010 um 19 Prozent gestiegen, die Zahl der Totgeburten um mehr als 20 Prozent, die Säuglingssterblichkeit um 43 Prozent. Als mögliche Gründe führen die Wissenschaftler den erschwerten Zugang zur medizinischen Versorgung an: hohe Kosten bei zu geringem Einkommen.

Es geht auch anders

Dass es auch anders gehen kann, zeigt Island, das ebenfalls in einer tiefen Wirtschaftskrise steckt: Das Land ist dem Rat des Internationalen Währungsfonds, die Ausgaben im Gesundheits- und Sozialbereich radikal zu kürzen, nicht gefolgt, mit dem Ergebnis, dass es – trotz Krise - keine erkennbaren Auswirkungen auf die Gesundheit der Isländer gibt, schreibt SPIEGEL-online.

Mag. Franz Plörer MPH

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Oskar Egger Gio, 02/27/2014 - 07:22

Es ist so dramatisch wahr, was sie schreiben. Denn genau das ist der Punkt: die Folgen des Disasters treffen hierzulande nur einen Teil der Bevölkerung und sicher nicht die Entscheidungsträger. Das ist das was so aufregt: das soziale Unrecht.

Gio, 02/27/2014 - 07:22 Collegamento permanente