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Preissteigerung

Eurozone: Inflation steigt auf 4,9%

Im November ist die Inflation in der Eurozone weiter angestiegen und erreichte 4,9%, in Italien waren es 4%, Hauptursache sind die stark gestiegenen Energiepreise.
Community-Beitrag von Monika Psenner01.12.2021
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Nach Jahren geringer Verbraucherpreise ist die Inflation im Jahr 2021 in der Eurozone wieder stark gestiegen. Massiv gestiegene Energiepreise, verteuerte Lebensmittelpreise, gestiegene Mieten und höhere Kosten in vielen anderen Bereichen haben die Inflation seit Anfang des Jahres stark in die Höhe getrieben.

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Noch im Jänner 2021 war die Inflation in den meisten Ländern der Eurozone unter 1%, dann kletterten die Preise kontinuierlich nach oben und die Inflation erreichte im November 4,9%. Seit der Einführung des Euro* hat die durchschnittliche Inflation in den Euroländern noch nie so ein hohes Niveau erreicht. In den vergangenen zwei Jahrzehnten lag die Inflationsrate oft unter 2%, im Zuge der Finanzkrise 2008-2009, während der Schuldenkrise im vergangenen Jahrzehnt und im Jahr 2020 während der Wirtschaftskrise als Folge der Corona-Pandemie sank die Inflation in den negativen Bereich und es kam zur Deflation.  4,9% Inflation bedeutet mehr als eine Verdoppelung des EZB-Ziels** von 2%. Bei gleichzeitigen Null-Zinsen oder sogar Minuszinsen, wie zum Beispiel in Deutschland, trifft es alle diejenigen, die ihr Geld nicht in Aktien oder Immobilien anlegen konnten oder wollten, besonders hart, da ihre Ersparnisse an Wert verlieren.  Eine hohe Inflation schwächt die Kaufkraft der Verbraucher, insbesondere dann, wenn die Löhne nicht mit der Inflation Schritt halten. Die Teuerung belastet vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen, die einen großen Teil ihres Einkommens für das Nötigste, wie Nahrung und Energie ausgeben.

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Stark gestiegene Energiepreise sind die Hauptursache der hohen Inflation

Die Inflation wird von mehreren Faktoren angeheizt, Hauptverursacher der Teuerung sind die massiv gestiegenen Energiepreise, welche die Kosten für Benzin, Diesel, Heizöl, Gas und Strom in die Höhe treiben.

Lieferschwierigkeiten im globalen Handel und der daraus resultierende Mangel an Rohstoffen und anderen Vorprodukten haben auch zu höheren Preisen geführt. In der Autoindustrie und Unterhaltungselektronik mangelt es vor allem an Halbleitern, in der Bauindustrie fehlen Rohstoffe wie Holz und andere Baumaterialien. Manche Autohersteller, wie zum Beispiel OPEL, musste die komplette Produktion wegen des weltweiten Chipmangels bis Anfang kommenden Jahres im Werk im thüringischen Eisenach zu stoppen.

Nach dem Lockdown der Corona-Krise hat die Wirtschaft wieder angezogen und es ist in vielen Bereichen nicht nur zu einem Nachholbedarf, sondern zu einem regelrechten Wettlauf um produktionsnotwendige Rohstoffe gekommen. Die boomende Nachfrage führte in vielen Bereichen zu Engpässen und trug auch zur Teuerung bei und heizte die Inflation an. Ein Mangel an Containerschiffen und Staus in vielen wichtigen Häfen haben die Frachtkosten auf ein Rekordniveau getrieben und zu einer weiteren Verteuerung vieler Importprodukte geführt. Um die Lieferengpässe vor allem für Produkte aus Asien zu kompensieren, produzieren viele Unternehmen wieder verstärkt in Europa, dadurch fallen wegen der höheren Löhne auch höhere Kosten an.

Auch viele Nahrungsmittel sind teurer geworden, einerseits wegen der gestiegenen Transportkosten und andererseits haben sich die gestiegenen Energiekosten auch auf die Produktion von Nahrungsmittelen ausgewirkt. Ernteausfälle in manchen Ländern tragen zusätzlich zur Preissteigerung bei Lebensmitteln bei.

Besonders stark gestiegen ist die Inflation in Deutschland, im November überstieg die Inflation mit 5,2% zum ersten Mal seit 1992 die 5%-Marke. Hohe Energiepreise und ein Mangel an Materialien, Rohstoffen, Chips und Transportkapazitäten haben besonders die Auto- und Autozulieferindustrie, die in der deutschen Wirtschaft eine wichtige Rolle spielt, getroffen und zu einer starken Teuerung geführt. Laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag ist noch kein Ende der Lieferkettenprobleme im weltweiten Handel abzusehen.

Zusätzlich trug die seit Jänner in Deutschland erhobene CO2-Steuer*** zur Erhöhung der Energiepreise, sowie die Rücknahme der temporären Mehrwertsteuersenkung während des Lockdowns im Jahr 2020 zum Anstieg der Inflation bei.

Auch in Italien ist die Inflationsrate seit Anfang des Jahres stark angestiegen und betrug im November 2021 geschätzte 4%, ein solcher Wert wurde zum letzten Mal im Sommer 2008 erreicht. Allerdings liegt die Teuerungsrate in Italien noch unter dem Durchschnitt der Euro-Zone von 4,9%.

Die Länder mit der höchsten Inflationsrate in der Eurozone sind Belgien (7,1%), Lettland (7,4%), Estland (8,4%) und Litauen (9,3%).

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Mit einem Anstieg von über 27% im November gegenüber dem Vorjahr sind die Energiepreise mit Abstand die Haupttreiber der Inflation, während die meisten anderen Komponenten vom Verbraucherpreisindex einen Anstieg von über 2% verzeichneten.

In den USA betrug die Inflationsrate im Oktober über 7%, ein Rekordwert, der seit Langem nicht mehr erreicht wurde. Allerdings lag die Inflation in den USA während der vergangenen 2 Jahrzehnte meist über der der Euroländer.

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Wie reagieren die Notenbanken auf die steigende Inflation?

Während der Chef der US-amerikanischen Nationalbank (FED) Jerome Powell im November für 2022 eine mögliche Zinserhöhung signalisierte, betonte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) Christine Lagarde auf dem Europäischer Bankenkongress in Frankfurt Ende November, dass die EZB für 2022 keine Zinserhöhung vorsieht. „Man gehe davon aus, dass sich die Energiepreise, welche die Hauptverursacher der gestiegenen Inflation sind, im Laufe des Jahres 2022 stabilisieren würden. Der Leitzins der EZB steht seit März 2016 auf dem Rekordtief von Null-Prozent. Eine Anhebung des Zinssatzes würde zur Dämpfung der Inflation beitragen.

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Die weitere Entwicklung der Inflation?

Laut Prognose der Weltbank werden die Energiepreise auch im kommenden Jahr hoch bleiben und damit weltweit für Inflationsdruck sorgen.  Die Probleme mit den Lieferketten und der Mangel an Rohstoffen und Vorprodukten werde sich bis ins nächste Jahr hinziehen, befürchten viele Analysten, somit würde die Inflation länger auf einem höheren Niveau bleiben. Nach Meinung der Europäischer Nationalbank (EZB) „hat die Inflation im November ihren Höhepunkt erreicht und die Preissteigerungen dürften sich im nächsten Jahr allmählich verlangsamen“, sagte Isabel Schnabel, Vorstandsmitglied der Europäischen Zentralbank am vergangenen Montag. Auch das „US Department of Energy“ geht in seiner letzten Prognose davon aus, dass die Energiepreise im kommenden Jahr sinken werden.

Wegen der unvorhersehbaren Entwicklung der Covid-Pandemie, gibt es auch, bezogen auf die zukünftige Entwicklung der Inflation, viel Unsicherheit und unterschiedliche Prognosen. Wenn es in vielen Ländern vermehrt zu Lockdowns und anderen Maßnahmen kommt, die sich negativ auf die Wirtschaft auswirken, wird das auch die Inflation beeinflussen. So sind die Ölpreise nach Bekanntwerden der neuen Covid-Variante Omikron an einem Tag um 10 US$ pro Barrel gefallen. Sollte dieser Trend anhalten, würde der Druck auf die Energiepreise nachlassen und die Inflation bremsen.

Bleibt zu hoffen, dass die Inflation nicht noch mehr steigt, denn das würde die Kaufkraft der Verbraucher weiter schwächen und deren Ersparnisse würden weiter an Wert verlieren, vor allem wenn die Löhne nicht entsprechend der Inflation steigen.

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*Voraussetzung für die Einführung des Euros war die Gründung der europäischen Zentralbank zum 1. Juni 1998. Am 1. Jänner 1999 wurde der Euro als Buchgeld zur Verrechnung von Bankgeschäften eingeführt. Als gemeinsame offizielle Währung wurde der Euro am 1. Januar 2002 in den Euro-Ländern eingeführt. Damals gehörten 12 europäische Staaten zur Eurozone, heute sind 19 Staaten Mitglieder der Eurozone: Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Republik Zypern.

**Eines der vorrangigen Ziele der Europäischen Zentralbank (EZB) ist die Preisstabilität in der Eurozone zu gewährleisten. Hierzu hat sich die EZB ein Inflationsziel von etwa 2 Prozent gesetzt.

***In vielen EU-Ländern, wie in Dänemark, Schweden, Irland, Finnland, Frankreich, Spanien und Slowenien gibt es schon seit Jahren eine einen CO2-Steuer, andere Länder, wie Österreich, planen für 2022 die Einführung einer CO2-Steuer. Die Höher der CO2-Steuer ist je nach Land sehr unterschiedlich und bewegt sich zwischen 2 Euro pro Tonne CO2 in Estland und 116,33 Euro pro Tonne CO2 in Schweden (Stand 1. April 2021).

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Kommentare

Bild des Benutzers Sepp Bacher
Sepp Bacher 05.12.2021, 14:29

"Ein Mangel an Containerschiffen und Staus in vielen wichtigen Häfen haben die Frachtkosten auf ein Rekordniveau getrieben und zu einer weiteren Verteuerung vieler Importprodukte geführt." Der Anstieg der Frachtkosten kommt den ökologischen Zielen entgegen, weil dadurch Produkte aus fernen Ländern weniger attraktiv werden, weil teurer. Der Transport mittels Schiffen und Lastern ist sehr Umwelt- und Klima-schädlich.
N.B. In der heutigen Sonntagszeitung Zett kann man ein Interview mit Franz Josef Radermacher mit dem Titel "Was man gegen die Klimakrise tun kann?" lesen. Darin behauptet der Club of Rome-Vertreter, dass man dieses Problem durch die Verwendung synthetischer Kraftstoffe, die nicht aus Rohöl gewonnen werden, lösen könne. Das bezweifle ich sehr, obwohl mein Chemie-Wissen gering ist. Anscheinend werden diese neuen Kraftstoffe u. a. vor allem auch Erdgas, Kohle und Biomasse gewonnen. Also sind synthetische Kraftstoffe keine Alternative, weil ebenso CO2 ausstoßend. Nach meiner Einschätzung ist die Position, welche Franz Josef Radermacher vertritt eine solcher Färbung, dass nur chemische und technische Entwicklungen die Klimaerwärmung stoppen können. Es sei nicht notwendig sich einzuschränken und sich weniger zu bewegen.

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Georg Lechner 05.12.2021, 19:55

Die Inflation ist das geringere Problem; die Maßnahmen, die die Regierungen bei einer Hochzinspolitik treffen müssen, belasten die Normalos ungleich schwerer. Ich erinnere mich mit Schrecken an die Wende von den 80ern zu den 90ern. Freilich ist es fällig, dass den Beziehern niedriger Einkommen unter die Arme gegriffen wird. Denn gerade diese haben unter der Entwicklung der letzten Jahrzehnte (Arbeitseinkommen - und hier besonders die niedrigen und mittleren - weniger gestiegen als BIP, Gewinne mehr) gelitten und haben auch die lohngekoppelten Einnahmen der Staaten beeinträchtigt (besonders in Ö., wo diese etwa ein Drittel ausmachen, also deutlich über EU-Schnitt).

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