Wirtschaft | Pustertal

Eine Grube und ein Graben

Die Gaiser Bürger haben über den Standort der geplanten Schottergrube abgestimmt. Es ist ein Versuch, die Gräben in der Dorfgemeinschaft wieder zuzuschütten.
Schotter unter Gleisen
Foto: Pixabay

“Ich bin nicht Bürgermeister geworden, um Privatinteressen zu vertreten oder um nur für eine gewisse Bevölkerungsschicht da zu sein, sondern um für unsere Dörfer und die gesamte Bevölkerung zu arbeiten.” Lange war Christian Gartner still gewesen. Denn der Bürgermeister von Gais in der Causa Schottergrube befangen. Lang Zeit saß Gartner im Verwaltungsrat der BWR Gmbh, jener Firma, die in der Pusterer Gemeinde nördlich von Bruneck Schotter abbauen will. Seit Monaten gehen deshalb die Wogen hoch. “Die geplante Schottergrube in Gais hat einen Graben in der Gesellschaft aufgerissen, den zuzuschütten sich mehr als schwierig erweist”, befürchtet Vizebürgermeister Alex Dariz. Er hat den Bürgermeister in allen Angelegenheiten zur Schottergrube vertreten.

Denn Gartner ist zwar bei seinem Amtsaustritt 2015 freiwillig als BWR-Verwaltungsrat zurückgetreten. Doch über sein Unternehmen Betonform GmbH ist der Gaiser Bürgermeister nach wie vor mit 22,6 Prozent an der BWR beteiligt. “Aus Befangenheit habe ich mich beim Projekt zur geplanten Schottergrube aus allen Verwaltungsabläufen und Diskussionen herausgehalten und zum Thema selbst nie geäußert. Immer still zu sein ist aber alles andere als fein und hat mich auf eine harte Probe gestellt”, gesteht Gartner. Mit einer langen Stellungnahme im Gemeindejournal bricht er Ende Oktober im Gemeindejournal sein Schweigen.

 

Als die Zeitung erscheint, sind wenige Tage vergangen seit Gabriele Morandell zum zweiten Mal in Gais zu Besuch war. Die Volksanwältin ist eingeschalten worden, um zwischen Vertretern von Gemeinde, Fraktion, der Firma BWR und der Bürgerinitiative “Rettet die Weide”, die sich gegen das Projekt ausspricht, zu vermitteln.

 

Drei Varianten zur Abstimmung

 

Bereits Ende September gibt es eine Aussprache. Dabei werden zwei Alternativvorschläge für die geplante Schottergrube vorgelegt und besprochen: Die Betreiberfirma BWR zeigt sich bereit, die geplante Grube nach Norden zu verschieben – und damit weiter weg vom bewohnten Gebiet. Das Abbauvolumen und die maximale Abbaufläche sind bei allen drei Varianten identisch.

 

Beim zweiten Runden Tisch am 21. Oktober einigt man sich schließlich darauf, den Bürgern das Wort zu übergeben. Alle Wahlberechtigten der Fraktion Gais – rund 1.500 Menschen –  sollen sich in einer Bürgerbefragung für einen der möglichen Standorte aussprechen können. Zeitgleich findet eine Meinungsumfrage statt, bei der die betroffenen Bürger Stellungnahmen abgeben können.

Samstag war es so weit. Zwischen 8 und 16 Uhr konnten am Allerseelentag Stimmen und Stellungnahmen abgeben werden. Das Ergebnis ist überdeutlich: 596 Fraktionseinwohner haben an der Befragung teilgenommen, 437, also 79,17 Prozent, sprechen sich für Variante “B” aus – jenen Standort, der am weitesten vom Wohngebiet entfernt liegt. Das ursprüngliche Projekt der BWR erhält 73 Stimmen 13,22 Prozent) Variante “C” 42 (7,61 Prozent).

 

Das Wort an die Landesregierung

 

Doch was passiert nun? Die Gemeinde Gais selbst hat keinerlei Mitspracherecht bei der Genehmigung der Schottergrube oder des möglichen Standorts. Die künftigen Betreiber beantragen die Genehmigung direkt beim zuständigen Landesamt. Dort liegt auch der Antrag der BWR auf, samt positivem UVP-Gutachten. Entscheidungsbefugt ist die Landesregierung, die aufgrund des großen Widerstands in Gais das Konzessionsvergabeverfahren unterbrochen hat.

Beide Ergebnisse – jene der Bürgerbefragung und jene der Meinungsumfrage, die am heutigen Montag ausgewertet wird – werden nun an die Landesregierung weitergeleitet, die die endgültige Entscheidung trifft.

Es seien “sehr schwierige letzte Monate” gewesen, die “viel politisches Vertrauen gekostet” hätten, gesteht Vizebürgermeister Dariz. “Es ist ein steiniger Weg.” Nichtsdestotrotz hoffe er, dass es jetzt auch gelinge, eine Lösung zu finden, “mit der alle halbwegs leben können”. Etwas zuversichtlicher gibt sich Bürgermeister Christian Garnter. “Ich bin überzeugt, dass am Ende der Diskussion um die Schottergrube eine Lösung stehen wird, die im Sinne eines lebenswerten Dorfes getroffen wird.”