Transit
Othmar Seehauser
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Gastbeitrag

Nichts aus der Krise gelernt

Der Vorsitzende des Dachverbandes Klauspeter Dissinger und Geschäftsführer Andreas Riedl zur weiter steigenden Verkehrsbelastung entlang des Brenner-Korridors. 
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Auf der Brennerautobahn sind in den Sommermonaten neue Höchstwerte sowohl beim Lkw- als auch beim Pkw-Verkehr erreicht worden. Die Überschreitung der gesundheitsgefährdenden Stickoxid-Grenzwerte für dieses Jahr scheint damit unausweichlich. Und trotz allem verweigern sich Politik sowie Wirtschafts- und Transportlobbys jeglicher konkreten Maßnahmen, um die Verkehrsflut einigermaßen einzudämmen. Lieber kritisiert man Nordtirol, das bis dato als einziges seine Verantwortung zum Schutz der leidgeplagten Bevölkerung entlang des Brennerkorridors wahrnimmt.
 Der Verkehr auf der Brennerautobahn nimmt zu. Zumindest bis zu den Lockdowns eine scheinbar in Stein gemeißelte Konstante. Mit den Lockdowns ging auch der Verkehr über den Brenner schlagartig zurück, wobei der Personenverkehr stärker abnahm als der Schwerverkehr. Damit in direkt zusammenhängend verbesserten sich die Luftwerte entlang des Brennerkorridors.
Wenn die Südtiroler Politik nicht endlich aus ihrem Dornröschenschlaf in Sachen Verkehr, Transit und Emissionen erwacht, werden wir weiterhin einen ungebremsten Verkehrszuwachs auf der Brennerautobahn erleben – zum Schaden aller!
Die kürzlich präsentierten Daten werfen diese positive Entwicklung aber wieder über den Haufen. In den drei Sommermonaten Juni, August und September nahmen sowohl der Lkw- als auch der Pkw-Verkehr erneut zu und lagen über den bisherigen Höchstständen aus dem Vor-Pandemie-Jahr 2019.
 

Mehr Verkehr, mehr Stickoxide

 
Damit einhergehend ist es absehbar, dass im heurigen Jahr die gesundheitlichen Grenzwerte für Stickoxide entlang des Brennerkorridors erneut überschritten werden. Die Politik hat es verschlafen, das Momentum des Pandemie-induzierten Verkehrsrückgangs für die Umsetzung von griffigen Maßnahmen zur grundsätzlichen Verlagerung und Reduzierung des Verkehrs zu nutzen. Denn Verkehr ist kein Zufall oder eine Naturkonstante. Er wird gemacht – von uns allen. Und er wird begünstigt, angelockt und subventioniert – von der Politik durch billigen Diesel in Nordtirol und günstige Mauttarife auf der Südseite des Brenners. Sofortmaßnahmen an diesen beiden neuralgischen Stellschrauben würden die Verkehrsbelastung und damit die Belastung für Mensch und Natur über den Brenner sofort, spürbar und nachhaltig vermindern.
 
Stau Autobahn
Brennerautobahn: Alltägliches Bild (Foto: Othmar Seehauser)
 
Die Anpassung der Mautpreise im gesamten Alpenraum an Schweizer Verhältnisse ist ein Muss, ebenso wie die Harmonisierung der Dieselpreise. Unumgänglich ist auch eine realistische CO2-Bepreisung. Angenehmer Nebeneffekt: Durch die Internalisierung dieser Kosten erhalten Produkte reale Preise und kleine Kreisläufe automatisch mehr Wert.
 

Endlich gemeinsame Maßnahmen setzen!

 
Die Nordtiroler Politik hat reagiert und setzt konkrete Maßnahmen zur Verkehrsregulierung. In Südtirol schaut man hingegen nur untätig zu. Dabei sitzen wir mit Nordtirol in einem Boot. Daher sollte man sich endlich konstruktiv an einen Tisch setzen und gemeinsam Lösungen zu einer Verkehrsminderung finden, anstatt den Nordtirolern immer nur Protektionismus vorzuwerfen. Die Euregio wäre eine gute Plattform dafür. Wenn die Südtiroler Politik nicht endlich aus ihrem Dornröschenschlaf in Sachen Verkehr, Transit und Emissionen erwacht, werden wir weiterhin einen ungebremsten Verkehrszuwachs auf der Brennerautobahn erleben – zum Schaden aller!
 
Klauspeter Dissinger - Vorsitzender
Andreas Riedl - Geschäftsführer
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Kommentare

Bild des Benutzers gorgias
gorgias 08.10.2021, 17:30

Ich bin nie der Illusion verfallen, dass durch die Coronakrise sich was an unserem Wirtschaftssystem nachhaltig ändern würde. Und zwar genauso wie ein Alkoholiker der vorübergehend seinen Alkoholkonsum einstellen muss, weil er durch einen Unfall ans Krankenbett gebunden ist. Denn in beiden Fällen ist die Verhaltensänderung durch einen äußeren Zwang gegeben, die nur solange anhält, solange dieser Zwang aufrecht bleibt. Dass man die Pandemie irgendwann einmal in den Griff bekommen wird, bzw. weiss wie mit ihr Umzugehen, war voraussehbar. Genauso wie es voraussehbar war, dass es dann gleich weiter gehen wird wie bisher. - Oder es sich eben auch noch steigert.

>Die Anpassung der Mautpreise im gesamten Alpenraum an Schweizer Verhältnisse ist ein Muss, ebenso wie die Harmonisierung der Dieselpreise. Unumgänglich ist auch eine realistische CO2-Bepreisung. Angenehmer Nebeneffekt: Durch die Internalisierung dieser Kosten erhalten Produkte reale Preise und kleine Kreisläufe automatisch mehr Wert.<

Denn stimme ich vollkommen zu. Man kann es sich von mir aus auch einrahmen lassen und über das Bett aufhängen. Was es aber dazu auch nocht braucht sind soziale Abfederungen durch Pauschalbeträge, die unabhängig vom umweltbeslastenden Verbrauch ausgezahlt werden. Damit so mittlere und kleinere Einkommen nicht wieder jene sind, die für die Gemeinscahft draufzahlen müssen. Dass das politisch zu Gegenreaktionen führen kann, konnten wir alle sehr deutlich in Frankreich sehen wie die Gelbwesten auf die Steuerreform von Macron reagierten, die neben der Bepreisung des Energieverbrauches dazu auch noch Steuervergünstigungen für Reiche vorsah.

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