Advertisement
Obstgenossenschaften

Die Selbstempfehlung

Bei der Wahl zur Delegiertenversammlung des Pink-Lady-Clubs bekommt die VOG-Spitze unerwartete Konkurrenz. Die Hintergründe eines Konflikts unterm Apfelbaum.
Advertisement
Fairness ist kein Qualitätsmerkmal des Südtiroler Apfels.
Das wird im Südtiroler Genossenschaftswesen wieder einmal deutlich. Denn im Schatten der Landtagswahlen geht derzeit eine andere Wahl über die Bühne.
Noch bis zum 19. Oktober werden per Briefwahl die Delegierten der Organisation „Pink Lady Europe“ (Association Pink Lady Europe A.P.L.E.) gewählt. Es ist das wichtigste Gremium der Erzeuger- und Vermarkterorganisation, aus dem nicht nur der Vorstand gewählt wird, sondern das auch entscheidend die Marktpolitik des lukrativen Großunternehmens "Pink Lady" mitbestimmt. Südtirol kann dabei einen Delegierten und einen Stellvertreter entsenden.
Anfang Oktober verschickte der Verband Südtiroler Obstgenossenschaften (VOG) an rund 1.400 Südtiroler Bauern und Pink-Lady-Produzenten die Wahlscheine. In einem langen Begleitbrief wird dabei eine klare Wahlempfehlung ausgegeben. So heißt es im Schreiben:
 
„Der Verwaltungsrat des Verbandes der Südtiroler Obstgenossenschaften hat Herrn Georg Kössler als Delegierten und Herrn Harald Weis als Stellvertreter nominiert“.
 
Unterzeichnet ist das Schreiben von VOG-Obmann Georg Kössler, der damit unverblümt sich selbst und seinem Stellvertreter Harald Weis eine Wahlempfehlung ausstellt
 
c6b7d6b7-4d3e-4178-a011-12dcfebb79a5_1.jpg

Rundschreiben der VOG: Von fünf Kandidaten werden nur zwei erwähnt.

Noch skurriler wird das Ganze, wenn man sich den beigelegten Wahlschein anschaut.  Dort stehen fünf Südtiroler Bauern zu Wahl. Dass die anderen drei Kandidaten - ebenfalls alle Mitglieder von VOG-Genossenschaften – im Kössler-Schreiben erst gar nicht erwähnt werden, ist weit mehr als nur schlechter Stil.
 

Die rosarote Dame

 
Der Apfel "Pink Lady" ist der Goldesel unter den Äpfeln in Südtirol. Der Produzent dieser Clubsorte erhält von den Genossenschaften als Auszahlungspreis pro Kilo im Durchschnitt rund das Doppelte der traditionellen Sorten.
Der Pink Lady wurde 1973 in Australien aus den Sorten Golden Delicious und Lady Williams gekreuzt. 1989 übernahm das französische Baumschulkonsortium „Star Fruits“ in Europa die Rechte auf die Apfelsorte. Weltweit liegen die Rechte für Anbau und Vermarktung bei der "International Pink Lady Alliance".
 
wiese.jpg

Südtiroler Wiese mit Pink Lady: Durchschnittsverdienst doppelt so hoch.

Pink Lady ist der Star unter den sogenannten Clubsorten. Bei einer Clubsorte dürfen nur Mitglieder den Apfel anbauen, die Bäume dazu kommen direkt vom Unternehmen selbst. Ab-Hof-Verkäufe oder andere Wege der Direktvermarktung sind den Bauern dabei nicht erlaubt, sondern sie müssen den Apfel an ein Vermarktungsunternehmen verkaufen, das ebenfalls Mitglied im Pink-Lady-Club ist.
In Südtirol ist das die VOG. Sie zählt seit 1999 zu den lizenzierten Vermarktern von Pink Lady, die sich zusammen mit den Produzenten und den Baumschulen zur  "Association Pink Lady Europe" (APLE) zusammengeschlossen haben. Welchen Stand Südtirol dabei hat, wird aus den Zahlen deutlich: Es gibt in den drei europäischen Ländern Spanien, Frankreich und Italien rund 2.800 Pink-Lady-Produzenten - und rund die Hälfte davon sind Südtiroler.
 

Die Wahlen

 
Zur Philosophie des Pink-Lady-Clubs gehört aber auch eine klare Mitbestimmung von unten. Die Produzenten, Vermarkter und Baumschulbesitzer sollen direkt mitbestimmen können. Deshalb wählen die Mitglieder alle drei Jahre ihre Delegierten, die in der Vollversammlung dann den Verwaltungsrat des Unternehmens ernennen.
Seit zwei Jahrzehnten ist diese Wahl ein Heimspiel für die VOG-Spitze. VOG-Obmann Georg Kössler sitzt seit Jahren als Südtiroler Delegierter im sogenannten APLE-Board in französischen Le Pontet. Es ist eine Art Vorstand des Clubs. VOG-Vizeobmann Harald Weis ist sein Stellvertreter.
 
Georg Kössler

VOG-Obmann Georg Kössler: Seit Jahren im französischen Pink-Lady-Board.

Das Duo soll jetzt bei den Neuwahlen eigentlich wiederbestätigt werden. Doch in der französischen Konzernzentrale hat man sich bereits das letzte Mal darüber mokiert, dass eine Wahl mit zwei Kandidaten für zwei Plätze keine Wahl sei. Deshalb musste man auch in Südtirol diesmal wohl oder übel mehrere Kandidaten zulassen.
 

Die Gegenkandidaten

 
So stehen jetzt auf dem Wahlzettel insgesamt fünf Namen.
Der Wirtschaftsberater Gregor Oberrauch und der Terlaner Gutsverwalter Klaus Kapauer treten als Kandidaten für das Delegiertenamt an. Der Aurer Landwirt Georg Gallmetzer bewirbt sich um das Amt des stellvertretenden Delegierten.
Doch diese Gegenkandidaturen haben die VOG-Spitze anscheinend nervös gemacht. So rührt man für das Duo Kössler/Weis jetzt ordentlich die Werbetrommel. Dazu gehört nicht nur die die Selbstempfehlung der VOG. In den vergangenen Tagen schickten mehrere Südtiroler Obstgenossenschaften SMS an ihre Mitglieder. Unter anderem die Kalterer Genossenschaft „Roen“, die vor zwei Jahren aus dem Zusammenschluss der Obstgenossenschaft Kaltern, der Egma Unterland und der Traminer Genossenschaft Egofrut entstanden ist.
Im SMS an die Mitglieder heißt es:
 
Werte Mitglieder, für die laufende Neuwahl des Delegierten bzw. Delegierten Stellvertreter bei der Organisation A.P.L.E. (Association Pink Lady Europe) ersuchen wir Sie, an der Wahl teilzunehmen und die vom VOG-Verwaltungsrat empfohlenen Kandidaten Georg Kössler (VOG-Obmann) und Harald Weis (VOG-Vizeobmann) zu unterstützen. Unser geschlossenes Auftreten wird unsere Position im Pink-Lady-Club weiter stärken.“
 
Obmann der Genossenschaft „Roen“ ist kein Geringerer als der Kandidat Harald Weis.
 

Umstrittene Lotterie

 
Hinter dem Aufruf zur Geschlossenheit steht auch ein Streit, der seit langem rund um die VOG und die Südtiroler Pink-Lady-Produzenten schwelt. Vor zwei Jahren hat Pink Lady neue Baumquoten vergeben. Die Vorgabe dabei: Jeder Produzent konnte seinen Baumbestand um maximal 40 Prozent erweitern.
In Südtirol setzte man aber ein anderes Konzept um. Viele Südtiroler Bauern wollen vor allem aus finanziellen Gründen unbedingt in den Pink-Lady-Club aufgenommen werden. Der Druck auf die Genossenschaften und auf die VOG ist seit Jahren groß.
Georg Kössler und sein Stellvertreter Harald Weis haben deshalb als APLE-Delegierte einen eigenen Südtiroler Schlüssel umgesetzt. Die Südtiroler Mitglieder durften ihren Bestand nur um maximal 25 Prozent erweitern. Die restlichen 15 Prozent der Anpflanzungsrechte und damit die Neumitgliedschaft im Pink-Lady-Club wurden unter Nichtmitgliedern verlost.
 
seoh12036-2.jpg

Südtiroler Apfelproduktion: Umstrittene Verlosung der Pink-Lady-Quoten.

Diese Verlosung dauerte fast zwei Jahre. Am Ende setzte man ein Konstrukt durch, das rechtlich auf äußerst wackeligen Beinen steht. Weil man immer noch Rekurse und Klagen befürchtet, ist die Verteilung noch nicht abgeschlossen.
Diese Art der Verteilung ist doch absolut in Ordnung“, verteidigt ein Mitglied des VOG-Verwaltungsrates gegenüber salto.bz diesen Modus, „damit zeigt man sich doch sozial“. Anders sehen es aber die Kritiker. „Hier wird nicht transparent gearbeitet“, sagt ein Bauer, „denn durch diese Art der Vergabe bekommen auch Grundbesitzer Bäume, die nur spekulieren und nur den Wert ihres Grundes damit vermehren wollen“.
Als Beispiel, dass die Verlosung nicht funktioniert, wird immer wieder ein altgedienter hoher SVP-Politiker angeführt. Der Anwalt, der auch „Bauer“ ist, soll bei der VOG-Verlosung zufällig 800 Pink-Lady-Bäume bekommen haben.
 

Die Multifunktionäre

 
Seit längerem gibt es aber auch eine zweite Front, die sich im Südtiroler Apfelkosmos gegen das Duo Georg Kössler und Harald Weis aufgetan hat. „Diese Herren sammeln Ämter und Entschädigungen wie andere Briefmarken“, sagt einer der Kritiker.
Diese Ämterhäufung ist kaum von der Hand zu weisen. Georg Kössler ist Verwaltungsratspräsident nicht nur bei der VOG, sondern auch in der Obstgenossenschaft Fruchthof (Frangart), in der Genossenschaft FROM (Terlan), in der Novamela (Terlan), im Südtiroler Apfelkonsortium und im Sortenerneuerungskonsortium. Zudem ist er Vizepräsident der Assomela Trient und des Apfel-Vermarktungsbetriebes Futura. Außerdem Verwaltungsratsmitglied von VOG Products in Leifers und des Südtiroler Raiffeisenverbandes. Kössler sitzt aber auch im "Consiglio nazionale" der Ortofrutta ACI und der Fedagri in Rom und eben im APLE-Board in Frankreich. Bis vor wenigen Monaten war er auch Mitglied des Kammerrates der Bozner Handelskammer. Kössler bekleidet damit gleichzeitig 13, zum Großteil bezahlte Ämter.
 
csm_roenweis_8f9ed76bf6.gif

VOG-Vizeobmann Harald Weis (links): Multifunktionär im Genossenschaftswesen.

Harald Weis tickt ähnlich. Der Traminer Diplomlandwirt ist nicht nur Vizeobmann der VOG, sondern auch Obmann der AGRIOS, Obmann der Genossenschaft Roen (Kaltern) und Obmann des Südtiroler Sortenkonsortiums (SK). Zudem sitzt Weis im Verwaltungsrat der Raiffeisenkasse Überetsch.
Beruflich arbeitet Weis als Berater und Überetscher Bezirksleiter des Südtiroler Beratungsringes. Offiziell als Angestellter zu 50 Prozent. Im heurigen Frühsommer hat der Beratungsring sein Überetscher Büro in Kaltern aufgelassen und in den VOG-Sitz nach Terlan verlegt. Dort, im Haus des Apfels, hatte der Beratungsring bereits das Büro für das Etschtal. Böse Zungen behaupten, nur durch die räumliche Verlegung kann Harald Weis alle seine Tätigkeiten für die VOG unter einem Hut bringen.
Auch vor diesem Hintergrund fragen sich nicht nur einige Bauern, warum das Duo unbedingt auch noch im Vorstand der Pink-Lady-Organisation sitzen muss.
Advertisement

Bitte melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Kommentare

Bild des Benutzers Mensch Ärgerdichnicht

Mich wundert es jetzt nicht mehr, dass hier und da jemand ein Paar Reihen dieser lukrativen Bäume absägt...

Advertisement