Paola Nesler
OPI
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Entscheidung

Rücktritt nach “Fehler”

Paola Nesler ist als Präsidentin der Berufskammer der Krankenpfleger zurückgetreten. Sie hatte im Dezember die Corona-Qurantäneauflagen verletzt.
Von
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Lisa Maria Gasser13.01.2021
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“Ich weiß, ich habe einen Fehler gemacht.” Das sagte Paola Nesler, nachdem sie am 21. Dezember von den Carabinieri aufgefordert worden war, den Sitz der Berufskammer der Krankenpfleger (OPI) zu verlassen, deren Präsidentin sie ist. Bzw. war. Denn drei Wochen später ist Nesler nun zurückgetreten.

Der Fehler, dessen sich die 61-Jährige bewusst ist, war, zur Sitzung des neuen OPI-Präsidiums zu gehen, obwohl sie sich noch in behördlich verordneter Corona-Quarantäne befand. Zwar wäre die Quarantäne tags darauf, am 22. Dezember, zu Ende gewesen. Und sie habe bereits ein negatives PCR-Testergebnis erhalten, so die Kammerpräsidentin. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass Nesler am 21. Dezember abends noch hätte zu Hause sein müssen. Einer bei der Sitzung Anwesenden verständigte die Carabinieri, die daraufhin zum Sitz der Berufskammer in der Bozner Pfarrhofstraße gelangten, die Anwesenden identifizierten und Paola Nesler schließlich zum Gehen aufforderten.

Paola Nesler
Ein Leben für den Beruf: Paola Nesler als Testimonial für das Internationale Jahr der Krankenpfleger, zu dem die Weltgesundheitsoranisation 2020 erklärt hat (Foto: OPI)

 

“Ich weiß, ich habe einen Fehler gemacht. Das tut weh. Genauso wie die Tatsache, dass mir jemand auf diese Weise in den Rücken gefallen ist”, zitierte der Alto Adige die Kammerpräsidentin am Tag danach. Sie sei “aus Pflichtgefühl” zur Sitzung gegangen, um ihrem Auftrag gerecht zu werden, “der für mich mein ganzes Leben bedeutet”. Nach 42 Jahren Berufstätigkeit, 20 davon als Verantwortliche für die Ausbildung, die stationären Aufenthalte und zuletzt auch für die Qualitätskontrolle der Pflege in der Privatklinik Bonvicini, war Nesler im August 2020 in Pension gegangen. Trotzdem blieb sie in der Berufskammer tätig, die über 5.000 Krankenpfleger vertritt und als deren Präsidentin sie am 21. Dezember hätte bestätigt werden sollen.

Nach ihrem Fehlverhalten hatte es zunächst nicht so ausgesehen, als würde die Kammer Neslers Rücktritt fordern. Auch sie selbst hatte noch vor Weihnachten betont, nicht die Absicht zu haben, ihren Posten zurückzulegen. Nun ist es anders gekommen. Die Entscheidung über Neslers Zukunft sollte auf einer Sitzung der Verwaltungsratsmitglieder am 12. Jänner fallen. Am Abend dann die Nachricht: Paola Nesler ist zurückgetreten. In einer kurzen Mitteilung informiert die Kammer:

“Die Kammer der Krankenpfleger/Innen Bozen gibt nach der ordentlichen Versammlung der Verwaltungsratsmitglieder am 12. 01.2021 den Rücktritt von Frau dott.ssa Nesler Paola als Kammerpräsidentin und Verwaltungsratsmitglied und die Ernennung von Frau dott.ssa Favari Liliana zur neuen Kammerpräsidentin und Frau dott.ssa Coseri Stefania als neue Schatzmeisterin bekannt. Der Verwaltungsrat dankt Frau Nesler Paola für ihren großen und wertvollen Beitrag, den sie im Laufe der Jahre zuerst für den Berufsverband und dann für die Berufskammer geleistet hat.”

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Kommentare

Bild des Benutzers Schorsch Peter
Schorsch Peter 13.01.2021, 16:27

Rechtlich hat sie wohl dagegen verstoßen, aber wenn die Quarantäne nur noch bis zum Folgetag ging und sie schon einen negativen Test hatte (man könnte sich auch fragen, ob mit dem negativen Test nicht auch die Quarantäne enden könnte, wenn eh nur noch 1 Tag fehlt), dann finde ich das Vorgehen doch recht fragwürdig, da sie mit ihrem Verhalten niemanden gefährdet hat, und genau auf die Gefährdung sollte ja eigentlich die Strafe zielen, und nicht auf irgendwelche Prinzipien!

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Martin Mayr 13.01.2021, 22:14

Sehr geehrte Frau Nesler,
ich finde die feige Denunziation die Ihnen widerfahren ist viel schlimmer und erschreckender als das was Sie „verbrochen“ haben (dies ist m.M. nach nicht die Rede wert bei negativen Test und Ende der Quarantäne am nächsten Tag). Hut aber vor Ihrem Pflichtbewusstsein und für Ihre Konsequenz. Da könnten sich einige (z.B. in der Sanitätsführung) was abschauen. Dem Denunzianten wünsche ich ......

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