Carlo Vettori
Carlo Vettori
Advertisement
Advertisement
Autonomie

„Ich muss niemandem gehorchen“

Carlo Vettori über seine Rolle in der Sechserkommission, die lautstarke Forderung der Lega, dass er zurücktritt und die verständliche Frustration von Filippo Maturi.
Advertisement
Salto.bz: Herr Vettori, wann treten Sie endlich aus der Zwölfer- und Sechserkommission zurück?
 
Carlo Vettori: Ich trete ganz sicher nicht als Mitglied der Zwölfer- und Sechserkommission zurück. Denn hier scheinen einige Herren den modus operandi des Landtages, der Autonomie und dieser Kommissionen nicht zu verstehen. Karl Zeller hat das am besten erklärt. Ich vertrete den Landtag und die Südtiroler Landesregierung in diesen Gremien. Deshalb gibt es nur einen Anlass, der meinen Rücktritt oder mein Ausscheiden rechtfertigen würde: Sollte sich die politische Zusammensetzung der Landesregierung und die Koalition auf Landesebene ändern. So bin ich der Willenausdruck des Landtages und ich werde deshalb auch an meinem Platz bleiben.
 
Ihr ehemaliger Parteikollege Filippo Maturi sieht das anders. Er meint Sie seien nicht mehr Vertreter der Lega und der Mehrheit und verlangt deshalb lautstark Ihren Rücktritt?
 
Ich gehöre immer noch zu Mehrheit im Landtag. Ich bin die 19. Stimme der Mehrheit und ich sitze in allen Kommissionen als Mehrheitsvertreter. Deshalb kann ich nicht nachvollziehen, warum es hier anders sein soll...
 Meiner Meinung nach gibt es hier ein gravierendes Missverständnis, wie die Institutionen funktionieren.
Weil in der Südtiroler Lega Maturi, das gute und schlechte Wetter macht und normalerweise Befehle erteilt?
 
Ich muss niemandem gehorchen. Außer den Südtirolern. Meine Aufgabe ist es in der Kommission den Ausbau der Autonomie weiterzubringen. Rechenschaft muss ich nur jenen abgeben, die mich gewählt haben. Und das ist der Landtag. Wobei man festhalten muss, dass ich nicht nur von der politischen Mehrheit gewählt wurde, sondern auch von der Opposition.
 
Ist dieser Konflikt politisch oder persönlich?
 
Ehrlich gesagt, sehe ich hier keinerlei Konflikt. Ich wurde vom Landtag gewählt. Wäre ich dafür nicht geeignet, hätte der Landtag ja Francesco Palermo wählen können. Meiner Meinung nach gibt es hier ein gravierendes Missverständnis, wie die Institutionen funktionieren. Vettori ist als Mitglied der Sechser- und Zwölferkommission Ausdruck des Landtages und Südtirols und nicht der Via Bellerio (Sitz der Lega Salvini in Mailand – Anm. der Redaktion). Sollte der Landtag morgen einen anderen Beschluss fassen, werde ich mich natürlich daran halten.
Filippo Maturi war Mitglied der Regierungsmehrheit und Präsident der Sechserkommission. Und jetzt sitzt er plötzlich in der Opposition. Aber das ist sein Problem.
Die Lega hat bei der ursprünglichen Ernennung der beiden Autonomiekommissionen den M5S völlig ausgebremst. Jetzt folgt die Revanche und es ist kein Lega-Vertreter mehr drinnen. Verstehen Sie Maturis Problem?
 
Nein. Das sind politische Spielchen der Regierung. Natürlich kann ich seine Enttäuschung und Frustration verstehen. Filippo Maturi war Mitglied der Regierungsmehrheit und Präsident der Sechserkommission. Und jetzt sitzt er plötzlich in der Opposition. Aber das ist sein Problem. Ich muss und will den Willen des Landtages respektieren.
 
 

Ende vergangener Woche hat der Minister für regionale Angelegenheiten, Francesco Boccia (PD), die neuen Vertreter in der Sechser- bzw. Zwölferkommission ernannt. Die Brixner Jura-Professorin Esther Happacher, der Bozner Rechtsanwalt Luca Crisafulli und der Berater des Regionenministers, Antonio Ilacqua, sind die Neuen in der Sechserkommission. Sie rücken für Filippo Maturi, Michl Ebner und Antonio Lampis nach, die unter der 5-Sterne-Lega-Koalition nominiert worden und nach dem Sturz der Regierung aus der Kommission ausgeschieden waren.

Die Sechser-Kommission, die sich in Rom um Autonomieangelegenheiten wie etwa die ausständigen Durchführungsbestimmungen kümmert, ist nun wie folgt zusammen gesetzt: Meinhard Durnwalder, Carlo Vettori (vom Landtag nominierte Vertreter), Manfred Schullian (vom Regionalrat nominiert), Esther Happacher, Luca Crisafulli und Antonio Ilacqua (von der Regierung nominiert).

Advertisement
Advertisement

Kommentar schreiben

Kommentare

Bild des Benutzers Sepp Bacher
Sepp Bacher 15.01.2020, 19:45

Man muss nur staunen, wie viel Gift dieser "fighetto" mit Hündchen versprühen kann. Bravo Carlo Vettori!

Advertisement
Advertisement
Advertisement