Markus Lanz, Nicola Beer
Screenshot/ZDF
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Gastbeitrag

Italiener, Südtiroler oder Deutscher?

Streit mit FDP-Generalin: Wie Markus Lanz um ein Haar Opfer seiner eigenen Provokation wurde.
Von
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Ulf Lüdeke23.02.2019
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Markus Lanz ist für seine besonders hartnäckigen und deswegen manchmal auch etwas nervenden Nachfragen bekannt. Eine Kostprobe davon lieferte der (aus Bruneck stammende) Moderator in der Sendung, die seinen Namen trägt, am Mittwochabend im ZDF ab - im Duell mit FDP-Generalsekretärin Nicola Beer. Doch diesmal wäre der 49-Jährige um Haaresbreite auf peinliche Weise fast Opfer seines eigenen Provokationsrausches geworden.

 

Mehrfach warf Lanz im Verlauf des fast halbstündigen Duells mit der FDP-Generalin den Namen des ungarischen Staatspräsidenten Victor Orbán ein. Beer, die als Spitzenkandidatin für die FDP bei der Europawahl am 26. Mai antritt, wird selbst in den eigenen Reihen eine merkwürdige Nähe zu dem umstrittenen Autokraten vorgeworfen. Immer wieder versuchte der Moderator, der Liberalen selbst über beruflichen Beziehungen ihres Mannes Jürgen Illing, der Orbán persönlich kennt, ein enges Verhältnis zum Staatspräsidenten nachzuweisen. Beer, die das immer wieder bestritt, stichelte ihrerseits gegen Lanz, wenn die Rede auf populistische Regierungen zu sprechen kam.

 

Auf die Frage, was sie denn von der spalterischen Politik Orbáns halte, der den Grundkonsens der EU immer wieder in Frage stelle, antwortete die ebenfalls 49-Jährige: "Nichts". Schwierigkeiten der EU mit populistischen Regierungen beschränkten sich jedoch keinesfalls nur auf Ungarn, ergänzte die FDP-Politikerin, sondern seien zum Beispiel auch in Italien zu beobachten. Auf ihren Kommentar "Da sitzen Sie dann ja auch ein bisschen näher dran an dieser Stelle", warf Lanz seine Stirn in tiefe Falten und sagte: "Ich habe mit denen nichts zu tun." Lanz ist in Südtirol geboren und aufgewachsen - und damit Italiener.

 

Als Beer ein paar Minuten später erneut betonte, für wie wichtig sie es halte, mit populistisch regierten EU-Mitgliedern im Gespräch zu bleiben, schluckte Lanz bei seiner Reaktion in letzter Sekunde ein Wort hinunter, das vermutlich für viel Gesprächsstoff gesorgt hätte. Denn als Beer fragte "Wie gehen Sie mit der italienischen Regierung um - Linkspopulisten, Rechtspopulisten...", haspelte Lanz hinterher: "Ich bin, ich bin kein...", das Substantiv den Zuschauern jedoch schuldig bleibend.

 

Was Lanz auf der Zunge lag, war wohl das Wort "Italiener". Von Beer mit Populisten in einen Topf geworfen zu werden, nur weil er aus Italien stammt, behagte ihm sichtbar nicht.

 

Seine Herkunft aus diesem Grund zu verleugnen, war dem Moderator, der seit Jahrzehnten in Hamburg lebt und astreines Hochdeutsch spricht, im letzten Augenblick dann aber offenbar doch zu riskant. Zum einen, weil er definitiv Italiener ist. Zum anderen, weil die Frage des ethnischen Zugehörigkeitsgefühls selbst 100 Jahre, nachdem Südtirol von Österreich an Italien abgetreten worden war, noch immer wie eine offene Wunde schwärt. Und Sätze wie "Ich bin kein Italiener" oder "Ich bin Südtiroler", wenn man doch beides ist, gerade in Zeiten eines wiederaufkeimenden Nationalismus schnell für noch mehr hässliche wie überflüssige Polemik sorgen.

 

Zum Autor

Ulf Lüdeke hat als Journalist 14 Jahre in Italien gelebt und gearbeitet und ist heute Senior Editor in der Nachrichtenredaktion bei Focus Online.

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Kommentare

Hmmm... Manche Leute sind schon lustig. Einerseits ist man gegen Nationalismus, wenn sich aber jemand nicht in eine nationale Kategorie einordnen lassen will, ist das absurd, nationalistisch und spalterisch?

>>Seine Herkunft aus diesem Grund zu verleugnen, war dem Moderator, der seit Jahrzehnten in Hamburg lebt und astreines Hochdeutsch spricht, im letzten Augenblick dann aber offenbar doch zu riskant. Zum einen, weil er definitiv Italiener ist.[...] Und Sätze wie "Ich bin kein Italiener" oder "Ich bin Südtiroler", wenn man doch beides ist, gerade in Zeiten eines wiederaufkeimenden Nationalismus schnell für noch mehr hässliche wie überflüssige Polemik sorgen.<<

Auf der anderen Seite ist es aber nicht absurd, wenn Leute ihr biologisches Geschlecht leugnen, das genau so eindeutig nachweisbar ist wie die Staatsbürgerschaft von Markus Lanz. Wir leben schon in absurden Zeiten...

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Peter Gasser 23.02.2019, 10:08

... tja, glücklich in unserer Welt, bei dem das „biologische Geschlecht“ eindeutig ist.
Bei den (zugegeben) wenigen, bei denen dies nicht so ist, greift Diskriminierung...?

Peter, das ist nicht mein Punkt. Mein Punkt ist folgender:
Ich finde es seltsam, dass man Menschen beim Geschlecht zugesteht, sich nicht an die vorgegebenen Kategorien zu halten, aber bei der Nation sollen diese Kategorien unumstößlich und in Stein gemeiselt sein? Das ist meiner Meinung nach inkonsequent.
Warum gesteht man bei den Nationen nicht dieselbe Flexibilität zu? Warum kann man Kein Italo-Österreicher sein, wenn man sich so fühlt, aber man kann sich inzwischen zum Teil als drittes Geschlecht eintragen lassen.
Meiner Meinung nach ist das unlogisch, da zwei völlig unterschiedliche, sich widersprechende Prinzipien angewandt werden.

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Michi Hitthaler 23.02.2019, 11:03

Ach...erklär mir mal das mit dem "biologisches Geschlecht (...) das (...) eindeutig nachweisbar (ist)" und der daraus folgenden "vorgegebenen Kategorie". Denn es gibt hunderte Spielarten in dieser Kategorie (rein biologisch gesehen), die Natur ist eben ein Schelm, welcher die Rechten gern auf die Palme bringt. Außerdem sind biologisches und psychisches Geschlecht nicht zwangsläufig immer eine kongruente Einheit.
Politisch hätte Lanz duchaus sagen können "Ich bin kein Italiener" warum nicht? Er ist deutschsprachiger Südtiroler mit italienischer StaatsbürgerInnenschaft sowie europäischer Bürger mit (derzeitigem) Lebensmittelpunkt in Deutschland.
Die Welt ist nun eben mal nicht schwarz-weiß, sondern bunt!

Michi, denkst du ernsthaft du kannst mich als Arzt in dieser Fragestellung belehren?
Ein Chromosomensatz mit 22 Autosomenpaaren und XY-Konfiguration bei den Geschlechtschromosomen führt zu einer männlichen Geschlechtsausprägung während ein XX-Konfiguration zu einer weiblichen Geschlechtsausprägung führt.
Dabei gibt es Ausnahmen, wie z.B. diverse Syndrome wie das Klinefelter-Syndrom (47,XXY) oder das Ulrich-Turner-Syndrom (45,X). oder das Swyer-Syndrom, welches zwar einen normalen Chromosomensatz aufweist, aber vermutlich durch eine Mutation in einem Gen (SRY, falls es dich interessiert) hervorgerufen wird.

Dann gibt es noch seltene Fälle, in denen keine Veränderung der Geschlechtschromosomen, sondern eine Fehlfunktion der Geschlechtshormonrezeptoren oder in deren Produktion vorliegt. Auch Störungen der Nebennierenrinde können zu einer nicht regelrechten Geschlechtsentwicklung führen.

Doch das sind medizinische Themen, die nicht nicht dazu herangezogen werden können, um zu rechtfertigen, wieso sich ein genotypisch und phänotypisch ausgeprägter Mann als etwas Anderes deklarieren kann.

Versteh mich nicht falsch. Du weißt ich bin liberal eingestellt, weshalb für mich gilt: Jeder soll nach seiner Facon selig werden.
Doch genau hier ist für mich der unlogische Punkt: Wer es befürwortet, dass Leute frei ihre Geschlechtsidentität wählen können, dann aber einen "italienischen Staatsbürger" kritisiert, wenn er sagt er identifizere sich nicht als Italiener, handelt unlogisch. Das zeugt von Heuchelei und Doppelmoral. Entweder man gesteht den Leuten zu, selbst zu bestimmen, als was sie sich fühlen und wie sie sich identifizieren oder nicht. Da kann man nicht sagen: Beim Geschlecht ist es ok, aber bei der Nationalität nicht, ohne sich unglaubwürdig zu machen.

Michi, für dich zusammengefasst: Ich kritisiere nicht, wenn Leute ihr Geschlecht frei wählen. Ich kritisiere, wenn genau jene Leute, die das befürworten die Nase rümpfen, wenn jemand dasselbe beim Thema Nationalität macht. Wenn die Welt beim Geschlecht nicht schwarz-weiß, sondern vielfältig ist, warum dann nicht bei den Nationalitäten?
Warum kann ich kein Austro-Italiener sein? Ich bin eben nicht schwarz oder weiß, sondern bunt.
Und auch noch ein kleiner Tipp: Deinen Schmarrn über die "Rechten" kannst du dir sparen. Kannst du nicht einmal eine inhaltliche Debatte führen, ohne Parteipolitik zu machen?
Rechte und Konservative sind doch nicht das abgrundtief Böse, sondern völlig normale Leute, die selbst antifaschistisch eingestellt sind. Warum also Feinde schaffen, wo keine sind?

Dein Beitrag ist ein Beispiel dafür, was in dieser Community schiefläuft.
Mein Beitrag thematisiert genau solche Beispiele wie jene aus dem von dir verlinkten Artikel. Welche Berechtigung hat also dein destruktiver Kommentar, der nur dazu dient, einen anderen User zu diskreditieren?

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Peter Gasser 23.02.2019, 18:56

"Auf der anderen Seite ist es aber nicht absurd, wenn Leute ihr biologisches Geschlecht leugnen, das GENAUSO EINDEUTIG NACHWEISBAR IST wie die Staatsbürgerschaft von Markus Lanz"
(Großbuchstaben durch mich gesetzt).

Und? Ist das etwa ein Widerspruch? Der Großteil jener, die sich selbst als Zwischenidentität fühlen, sind phänotypisch und genotypisch eindeutig einem Geschlecht zuordenbar. Medizinische Spezialfälle werden so oder so speziell behandelt. Außerdem ist selbst bei einer Vielzahl von Hermaphroditen genetisch klar bestimmbar, welches genotypische Geschlecht vorliegt.

Bezogen auf mein Argument ist es de facto identisch: Die Südtiroler sind ein Speziallfall der Geschichte, so wie Hermaphroditen ein Spezialfall der Genetik sind. Wieso also unterschiedliche Standards ansetzen?

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Michi Hitthaler 24.02.2019, 00:12

Was regst du dich denn so auf? Gerade weil du sowas wie ein Arzt bist solltest du eben keine solchen dummen Sachen schreiben.

Was ist denn bitte dumm an meiner Aussage? Sie ist völlig zutreffend. Du versuchst eine falsche Assoziation zu wecken, indem du so tust als sei Transidentität mit genotypischen Spielarten vergesellschaftet. Du tust das, weil es dir in die Argumentation passt, dabei sind das völlig voneinander unabhängige Entitäten.
Leute, die das Gefühl haben im falschen Körper geboren zu sein, leiden an Transidentität. Das ist ein von Hermaphroditismus unabhängiges Phänomen. Ich hatte schon mit einigen Patienten mit Transidentität zu tun, die sich von Frau zu Mann umoperieren lassen - Graz ist ein Schwerpunktzentrum dafür. Keiner bzw. keine davon litt unter Hermaphroditismus. Letzteres ist übrigens sehr selten. Ich habe erst ein Kind gesehen, das darunter leidet und das war selbst an der Universitätsklinik wo ich tätig bin für erfahrene Kollegen keineswegs ein Routinefall - das ist bemerkenswert, da es sich immerhin um eine der größten Geburtenabteilungen Österreichs handelt.

Und spar dir doch diese kindischen Provokationen, wie deinen Versuch meine Qualifikation zu relativieren, indem du mich als "so etwas wie einen Arzt" bezeichnest.
Das ist eine völlig unnötige Provokation. Warum machst du so etwas?
Es ist völlig legitim dass ich dir nicht sympathisch bin und du dir deshalb wohl nicht mich als Behandler aussuchst, wenn du die Wahl hast. Dass du mich aber mit einer solchen Aussage beruflich abzuqualifizieren versuchst, obwohl du beruflich nie mit mir zu tun hattest, ist ein Angriff auf einer Ebene, die hier nichts zu suchen hat.

Ich finde eine Entschuldigung ist angebracht.

Im Übrigen kann ich deine Frage zurückgeben: Was regst du dich so auf? Schließlich stimme ich in meinen Beiträgen dem Konzept zu, dass Leute ihre Geschlechtsidentität frei wählen dürfen. Eigentlich müsste dich das doch freuen, oder?

Bild des Benutzers gorgias
gorgias 24.02.2019, 07:53

Trumpismus von Links:

1. Abwertung der Person:
Was regst du dich denn so auf?
2 Abwertung der Qualifikation
Gerade weil du sowas wie ein Arzt bist
3. Pauschale Abwertung des Inhalts:
solltest du eben keine solchen dummen Sachen schreiben.

Bild des Benutzers Franz Firlefanz
Franz Firlefanz 24.02.2019, 14:04

@ Michael Hitthaler

selbstverwirklichung durch selbstverstuemmelung

- amputation von gliedmassen
https://www.theguardian.com/science/2012/nov/14/please-amputate-this-leg

- zerstoerung des augenlichts
http://www.barcroft.tv/body-Integrity-identity-disorder-woman-makes-hers...

- amputation der fortpflanzungsorgane

warum werden von einigen nur die ersten beiden als pathologisch angesehen?

Bild des Benutzers Ernst Reiter
Ernst Reiter 24.02.2019, 09:15

Warum gesteht man bei den Nationen nicht dieselbe Flexibilität zu? Warum kann man Kein Italo-Österreicher sein, wenn man sich so fühlt, aber man kann sich inzwischen zum Teil als drittes Geschlecht eintragen lassen.

Wer verbietet Ihnen denn sich als das zu fühlen was Sie gerne sein wollen. Ich fühle mich als italienischer Europäer und stehe zu dem egal was andere sagen. Zum Problem wird sein selbstbild erst wenn man das als einzige Wahrheit sieht oder darstellt.

Bild des Benutzers Markus Weger
Markus Weger 23.02.2019, 09:36

Mit der Identität der Südtiroler ist es etwas komplizierter als Sie meinen, Herr Lüdeke. Ein italienischer Pass macht jemanden noch nicht zum waschechten Italiener. Wie auch eine Giraffe, die im Pariser Zoo geboren wurde, nicht umbedingt Teil der französichen Fauna ist.
Manche Südtiroler betrachten sich als Europäer, als Österreicher, Italiener, Tiroler oder eben als Südtiroler. Diese Mischung der Identitäten kann sehr bunt sein und hängt bei manchen von der Tageslaune ab.

Mühselig zu mutmaßen, was er sagen wollte, zumal er den Satz nicht mal nicht vollendet hat. Warum sollte er sagen: "Ich bin kein Italiener."?
Er hat doch öfters bei anderen Gelegenheiten gesagt, dass er die italienische Staatsbürgerschaft besitze und sogar seinen Wehrdienst beim italienischen Heer in Neapel abgedient habe, aber auch, wie sehr er sich nach vor wie mit Südtirol und dem Pustertal verbunden fühle.
Vielleicht wollte er in diesem Zusammenhang nur sagen: "Ich bin kein Populist."
Ich denke Hella von Sinnens Aussage über dessen Messdiener-Kulturation ist nach wie treffender als jede nationale.

M.L. ist ein oftmals taktloser & egozentrischer Moderator mit blitzblanker, selbstverliebter Turbo-Rhetorik. Genau deshalb erhält er die Quoten, die er will und braucht, um im Geschäft zu bleiben.
Die Einschaltquoten belegen, dass M.L. mit seiner Gangart (fällt ins Wort/provoziert gern u. ungut/rutscht mit einer gewissen Beständigkeit auf den eigenen Bananenschalen aus...) genau richtig liegt und der Nachfrage (Stichwort Popularität) blindlings Folge leistet. Hauptsache Schlagzeilen...

Bild des Benutzers Peter Gasser
Peter Gasser 23.02.2019, 11:55

... ich könnte es nicht besser beschreiben...

Bild des Benutzers Alfonse Zanardi
Alfonse Zanardi 23.02.2019, 13:34

Diese Beschreibung ist sehr zutreffend und gelungen.
Ergänzend könnte man sagen: wenn er nicht so penetrant schlank wäre, hätte seine immense Leere viel mehr Platz in ihm.

Bild des Benutzers ceteris paribus
ceteris paribus 25.02.2019, 10:18

was sind das für drei niederträchtige kommentare

es geht um einen moderator einer belanglosen talkshow und hier wird so getan als gäbe es keine fernbedienung...

Bild des Benutzers pérvasion
pérvasion 23.02.2019, 23:20

»Zum einen, weil er definitiv Italiener ist.«

Ganz im Ernst?

Das Eine ist eben die Staatsbürgerschaft, das Andere die Identität, die meiner Meinung nach durch Kultur entstehen kann, mit der man sich identifiziert. Kultur untersteht Einflüssen, und es wäre töricht, sie einengen zu wollen, beispielsweise durch das Korsett einer Staatsbürgerschaft. Eine x-beliebige wäre mir diesbezüglich viel zu eng. Passt nicht alles in eine Schublade.

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