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Rüstungsindustrie

Die weltweite Rüstungsindustrie boomt

Die globalen Rüstungsausgaben sind im vergangenen Jahr um 3,6% gestiegen und haben mit 1.917 Milliarden US Dollar einen neuen Rekordwert erreicht.
Community-Beitrag von Monika Psenner22.06.2020
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Wie die Daten des Stockholmer Friedensinstitutes (SIPRI) zeigen, sind die Rüstungsausgaben* im vergangenen Jahr, wie schon in den vorangegangenen Jahren weiter gestiegen. 1.917 Milliarden US Dollar wurden 2019 weltweit in die Rüstung investiert. Das ist ein neuer Höchststand seit Beginn der SIPRI Aufzeichnungen. Verglichen mit dem Vorjahr ist es ein Anstieg von 3,6%, gemessen am weltweiten Bruttoinlandsprodukt (BIP) entspricht es einem Anteil von 2,2%.

 Welche Länder geben am meisten für Rüstung aus?

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Zum ersten Mal inkludiert SIPRI auch Statistiken für China, bislang war mangels transparenter Daten keine verlässliche Schätzung möglich. Die USA konnten ihre Spitzenposition weiter ausbauen. 2019 gab Amerika 732 Milliarden US$ für Rüstung aus, das entspricht 38% der weltweiten Rüstungsausgaben. Ein Grund für die hohen Investitionen ist die Entscheidung der Regierung Trump zur Beschaffung neuer Waffensysteme im Rahmen eines umfassenden Modernisierungsprogrammes des Militärs. China ist mit 261 Milliarden US$ die Nummer 2, vor Indien (71 Milliarden US$), Russland (65 Milliarden US$) und Saudi-Arabien (62 Milliarden US$). Die Militärausgaben der Top 5 Länder belaufen sich auf 62% der weltweiten Ausgaben, während die Top 15 Länder über 80% der weltweiten Militärausgaben ausmachen.

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Betrachtet man die Rüstungsausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP), so steht der Oman mit 8,8% an erster Stelle, gefolgt von Saudi-Arabien (8%), Algerien (6%), Kuwait (5,6%) und Israel (5,3%). 8 Länder unter den Top 15 befinden sich in der Krisenregion Naher Osten. Die US-Militärausgaben betrugen 3,4% des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Die meisten anderen Nato-Länder erreichen nicht das vorgegeben Ziel von 2% ihres BIPs, außer die Türkei (2,7%), Griechenland (2,6%), Estland (2,1%), Polen, Litauen und Lettland mit je 2%. Russland gab 3,9% des BIPs für die Rüstung aus, China geschätzte 1,9%.

Die größten Rüstungs-/Waffenkonzerne der Welt

Die neuesten Zahlen von SIPRI veröffentlichten Daten bezüglich der größten Rüstungs-Konzerne** beziehen sich auf das Jahr 2018. Von den weltweit 100 größten Rüstungs-Konzernen wurden 2018 Rüstungsgüter und militärische Dienstleistungen im Wert vom 420 Milliarden verkauft, das entspricht einem Zuwachs von über 4,6% verglichen mit 2017.

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Die meisten der großen Rüstungskonzerne weisen Zuwachsraten im zweistelligen Bereich auf, vor allem die amerikanischen Firmen haben ihren Umsatz teilweise massiv gesteigert. Fünf US-Konzerne nehmen die Spitzenpositionen ein und verkauften zusammen Rüstungsgüter im Wert von 148 Milliarden Dollar. Auf Platz 6 folgt das britische Unternehmen BAE Systems vor der europäischen Airbus Group. Auf Platz 7 folgt wieder ein US-Konzern vor dem italienischen Unternehmen Leonardo und dem Russischen Waffenhersteller Almaz-Antey. Die 6 US-Konzerne unter den Top 10 kommen auf einen Anteil von 36,4.% an den 100 größten Rüstungs-Konzernen, während alle Top 10 Waffenhersteller zusammen über 50% ausmachen. Die immer stärker werdende Dominanz der US-Rüstungskonzerne hat nicht zuletzt mit dem  aufgestockten Rüstungsetat der Regierung Trump zu tun.

Welche Länder exportieren/importieren die meisten Rüstungsgüter? ***

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Im Zeitraum 2015-2019 wurden weltweit  5,5% mehr Waffen exportiert als im Zeitraum 2010-2014 und 20% mehr als in den Jahren 2005 bis 2009. Mit einem Anteil von 36,4% an den weltweiten Waffenexporten im Zeitraum 2015-2019 führen die USA, vor Russland (20,6 %), Frankreich (7,9%), Deutschland (5,8%) und China (5,5%). Dann folgen Großbritannien, Spanien, Israel, Italien und Südkorea. Die 10 größten Rüstungsexport-Länder machen über 90% der weltweiten Rüstungsexporte aus. 22,8% unter den Top 10 Rüstungs-Exporteuren entfallen auf die großen europäischen Länder Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien und Italien.

Bei den Importen rangiert Saudi-Arabien mit einem Anteil von 12,1% an erster Stelle, gefolgt von Indien (9,2%), Ägypten (5,8%), Australien (4,9%) und China (4,3%). Dann folgen Algerien, Südkorea, die Vereinigten Arabischen Emirate, Irak und Katar. Waffenverkäufe in die Krisenregion Naher Osten sind zwischen dem Zeitraum 2010-2014 und 2015-2019 um 87% gestiegen und machten in den Jahren 2015-2019 rund 35% der weltweiten Waffenimporte aus.

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Die USA haben im Zeitraum 2015-2019 um 23% mehr Waffen exportiert als im Vergleichszeitraum 2010-2014. Frankreich steigerte den Export im selben Zeitraum um 72%, Israel um 77% und Südkorea sogar um 143%. Die USA haben ihre Waffenexporte dank Großaufträge von Ländern im Nahen Osten (Saudi Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Irak, Ägypten) und einer hohen Nachfrage nach modernen US-Militärflugzeugen in anderen Weltregionen im Vergleich zur vorherigen Fünfjahresperiode stark steigern können.

Fazit

Die weltweiten Rüstungsausgaben haben 2019 einen neuen Höchststand erreicht. Die USA haben ihre Spitzenposition noch weiter ausgebaut, aber auch China, Russland und die großen europäischen Länder investieren hohe Summen in die Rüstung und erhöhten ihre Rüstungsexporte. In der Krisenregion des Nahen Ostens steigen die Militärausgaben rasant an. Keine guten Aussichten für den Frieden in der Welt.

Es ist geradezu absurd immer wieder zu beobachten, wie bei diversen Friedensverhandlungen die wirtschaftlich und militärisch mächtigen Länder an vorderster Stelle mit dabei sind, um in Krisenregionen Frieden zu stiften und in vielen Fällen zugleich die Waffen für die Kriege in diesen Regionen liefern.

*SIPRI definiert Rüstungsverkäufe als Verkäufe militärischer Güter (schwere Waffen, Waffensysteme und militärische Dienstleistungen) an militärische Abnehmer im In- wie im Ausland. Die meisten als Rüstungsunternehmen bezeichneten Konzerne verkaufen neben Waffen und Rüstungsgütern auch andere Produkte für den zivilen Markt.  Die von SIPRI publizierten Daten beziehen sich auf konventionelle Waffen.

** Chinesische Unternehmen sind für das Jahr 2018 noch nicht inkludiert, da es noch keine vergleichbaren Daten gibt. Laut SIPRI wird der Großteil der Waffen, welcher von den chinesischen Rüstungsunternehmen produziert wird, an das chinesische Militär verkauft.

*** SIPRI basiert seine Schätzungen auf dem Volumen der Waffenexporte und Waffenimporte. Da die Waffenexporte starken jährlichen Schwankungen unterliegen, werden die Daten für eine 5-Jahres Periode ausgewiesen, um einen stabileren Trend aufzuzeigen.

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Kommentare

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Georg Lechner 23.06.2020, 20:42

Wie schon im Artikel erwähnt, werden nach wie vor Rüstungsgüter in Kriegs- und Spannungsgebiete (besonders Nahost) verkauft. Dabei wird auch in Kauf genommen, dass sie an verbrecherische Organisationen weitergegeben werden. So gab der damalige US-Vizepräsident Biden in einer Rede vor Studenten zu, dass Saudi-Arabien, die Türkei und die Emirate Waffen an den IS weitergegeben haben. Nach SIPRI- Unterlagen bezogen diese drei Staaten 87 % ihrer importierten Waffen aus USA oder EU-Staaten. Der IS verfügte auch über Waffen, die in den 90ern an Kroatien geliefert wurden (gegen geltende Bestimmungen auch aus Österreich).

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Andergassen Thomas 23.06.2020, 22:48

Die 5 ständigen Mitglieder im UNO-Sicherheitsrat plus Deutschland sind also die größten Waffenexporteure. Warum heißt das dann Sicherheitsrat? Wenn ich die NATO Militärausgaben zusammenzähle kommen an die 900 Milliarden Dollar zusammen. China 261, Russland 65. Wer ist hier dann der Agressor?

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Georg Lechner 24.06.2020, 07:56

Ja, die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Nicht zufällig hatten die USA auch schon vor Corona ein zweistelliges Budgetdefizit (etwa das Siebenfache des italienischen). Die USA sollen ruhig ihre Truppenpräsenz in Europa abbauen, die dient ohnehin nicht der Sicherheit Europas, sondern den Machtinteressen der USA, wie die deutsche Botschafterin in den USA zugegeben hat: https://www.nytimes.com/reuters/2020/06/15/us/politics/15reuters-usa-ger...
Die Satelliten in Europa haben brav gebuckelt, als Trump die Erhöhung der europ. Militärausgaben gefordert hat (siehe Beschlüsse der Münchner "Sicherheits"konferenz). Aber wir brauchen keine Rüstungsausgaben, sondern Ausgaben für Bildung, Gesundheit und Soziales.
Rüstungsausgaben dienen nur dazu, die Reichen noch reicher zu machen. Daher werden sie von ihren politischen und medialen Handlangern propagiert als Mittel zu Konjunkturankurbelung, was sie aber in Wirklichkeit nicht sind, sondern ein Werkzeug, gleich die nächsten Sparmaßnahmen (auf Kosten der Allgemeinheit) als alternativlos darzustellen.

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Karl Trojer 24.06.2020, 09:44

Es ist, im Sinne der Glaubwürdigkeit Europas, unbedingt erforderlich, dass die EU-Staaten jeden Waffenexport einstellen und mit den entsprechenden Finanzmitteln den Aufbau von Infrastrukturen, lokaler Wirtschaft und Bildungseinrichtungen in Afrika stärken. Die EU wird nicht überleben, wenn sie sich vorrangig als Wirtschaftsgemeinschaft versteht, eine starke EU kann nur als Wertegemeinschaft nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung unserer Welt nehmen; und dafür muss sie beispielhaft sein.

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