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Werte der Medizin

Wertegemeinschaft im Kampfmodus

Gemeinsame kulturelle Glaubensmodelle schweißen zusammen; aber auch ähnliche Herausforderungen wie Ideologien, Probleme, Ziele und gemeinsame Feinde. Damals wie heute.
Community-Beitrag von Martin Kirchler (gesperrt)25.08.2020
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Wertesysteme

Website wertesystme.de

In der bunten und weiten Welt des deutschen Internets gibt es eine sehr bezeichnende Webseite. Sie trägt den Namen wertesysteme.de. Im Layout definiert sie sich als eine "Enzyklopädie der Wertvorstellungen" und bewirbt sich mit dem Untertitel: "Alles über Werte, Wertewandel und Organisationskultur". 

Typisch für eine "Enzyklopädie", ein zentrales Lehrmittel in der  jungen Geschichte der sog. "Aufklärung", ist die sog. Definition. In der Seite mit dem Titel "Alle Werte-Definitionen" findet man eine Suchfunktion von A-Z, eine Legende und je eine Seite zu den "modernen Werten" (cool, geil) und "besonderen Werten" (wahrhaftig, ethnisch).

So gesehen ist für jede Altersgruppe was dabei. Für jede Couleur des Denkens und für jede Sprachkultur. Eine tolle Spielwiese, die zu einer Entdeckungsreise einläd. Zum Selbst Infomieren und Reflektieren. Just, um nicht blind und unbewusst Worte und Wertungen allein aus dem Tagesgeschäft der modernen Medien aufzuschnappen.  

 

Wertegemeinschaft

Physische Gemeinschaft

Straßen verbinden Adressen, Wohnungen und Menschen. Sie verbinden auf eine direkte physische Weise alle Menschen eines gemeinsamen Territoriums. Die Menschen im Ländlichen, im Dorf, in der Stadt, in der Provinz. Wer weit genug geht, fährt oder fliegt (Flugstraßen), erfährt eine territoriale Weite über Nationen und Kontinente hinweg.

In diese Richtung eröffnet die besagte Website ihre "Beschreibung" zur "Wertegemeinschaft":  "Wertegemeinschaften bilden sich meistens territorial (Stadt, Land, Nation, Kontinent)". In Deutschland hört man viel von der sog. "westlichen Wertegemeinschaft", die in den Jahren 1776 und 1789 ihren Durchbruch erlangte.

Damals, zu Beginn der Amerikanischen und Französischen Revolution setzte sich das enzyklopädische Bildungssystem der sog. Aufklärung durch. Die französische Idee der unveräußerlichen Menschenrechte wanderte über den Atlantik. 1789 war die Unabhängigkeit der USA besiegelt, und so wurde noch im selben Jahr die Französische Revolution gestartet. Heute spricht man von der Atlantikbrücke.

Gemeinsam im Glauben

"Alle Wege führen nach Rom". Dort sitzt der "oberste Brückenbauer" der "Alten Welt". Der  Papa, dessen Name und Autorität noch wage an die Autorität eines altrömischen Familienvaters erinnert. An ihn wenden sich die Katholiken gemäß der Dreigestaltigkeit der Maria. Hoffnung (spes; Jungfrau M.), Vertrauen (fides; Mutter Maria) und Fürsorge (caritas; Maria Magdalena).

Als Erbe des altrömischen Magistrats eines obersten Brückenbauer (pontifex maximus) gibt der Papa den Gläubigen Hoffnung (spes). Im Vertrauen (fides) darauf, als irdischer Stellvertreter des Gottvater im Himmel möge er für alle Kinder Gottes gleich sorgen (caritas), betätigen sich Gläubige als Gläubiger. Sie beteiligen sich finanziell an der Kollekte. In der Not möge Ihnen zurückgegeben werden. 

In der Gründungszeit der "ecclesia" (>chiesa), eine attische Volksversammlung, war die Kollekte einem "Älteren" (Presbyter) anvertraut worden, den man gemeinsam als unbescholten angesehen hatte. Mit dem gesammelten Geld sollten Witwen und Waise vor Verschuldung und Versklavung bewahrt werden. Denn die attische Demokratie kannte nun mal nur wenige Freie und sehr viele Schuldsklaven.

Gemein im Denken

Rom war lange Zeit Hauptstadt des Kirchenstaates. Dieser wurde 1870 vom  italienischem König aus dem Piemont besetzt, der nun Rom als seinen Sitz wählte. Der Faschismus klärte die "Römische Frage". Der Papst  zog sich in seinen physisch stark reduzierten Vatikanstaat zurück. Ihm blieb die Herrschaft über die Seelen (anime). Der Faschismus aber bündelte (fasciare) das physische Territorium und die physischen Personen.

So wurde Rom zum physischen Zentrum Italiens, von wo aus ein gemeinsames nationales und soziales Denkens gebündelt werden sollte. Das Zeitalter (seculum) der Säkularisierung (Definition: "Loslösung aus den Bindungen an die Kirche") war realisiert. Zur Zeit wird die sekuläre Macht vertreten durch die Gestalt des Conte, während Senat und Abgeordnetenkammer weit in den Hintergrund treten.

Fazit: Die territoriale Einheit Italiens war einst durch jenem anderen C. geschaffen (Cäsar). Die Kirche verband die Menschen in dem, was die besagte Webseite als "kulturelle, gemeinsame Glaubensmodelle" beschreibt. Aufklärung und Faschismus aber einten aufgrund "ähnlicher Herausforderungen (Ideen, Ideologien, Ziele, Probleme, gemeinsame Feinde, etc.), welche auf Dauer stark verbindend wirken."

 

Kampf um Gemeinschaft

Physische Voraussetzungen. Gemeinde

Schon die alten Römer wußten, worauf es ankam. Um die eigene Stadtgemeinde (die eigentliche Bedeutung von Altgriechisch "Demos") vor potentiellen Angreifern aus dem Appeninen oder der Poebene schützen zu können, war der Straßenbau die beste Strategie. Langfristig bewährte sich das Konzept des Municipiums. Sprich die Verpflichtung anderer zum gemeinsamen Straßenbau.

Der Begriff municipium stammt vom Altlateinischen moenus, was so viel wie 'Pflicht, Bürde' heißt. Und zwar in der Bedeutung eines *moinos (Proto-Italisch), eine als Rache auferlegte Verpflichtung des Siegers an den Verlierer eines Kampfes oder Krieges. Die ursprüngliche Bedeutung finden wir auch im Deutschen "gemein" (<Alt Irish/Keltisch moin; Gothisch ga-main)

Nun. Man könnte sagen, dass der Sieger gemein ist, wenn er am Besiegten Rache nimmt und ihn eine Verpflichtung auferlegt. Zugleich ist es aber Gemeinschaft bildend, gemeinsames zu schaffen. Z.B. eine Straße, die dann auch noch mit Rom verbindet. Es ist also aufgrund dieser milden Gemeinheit der alten Römer, dass letztlich immer mehr Straßen nach Rom führten und Gemeinden (Municipien) miteinander verbanden.

Gemeinsame Kultur der Seele

Die Vernetzung der Straßen diente vordergründig natürlich der Strategie, dass römisches Militär zu Fuß und hoch gerüstet Schritt für Schritt den gesamten Mittelmeerraum vereinnahmen konnte. Wo sich Straßen sternenförmig kreuzten wie im bereits entscheidenden Schlachtfeld des Spanischen Krieges (154-133 v.Chr.), Campo Stella (Compostela), erkannte auch der Erneuerer des Weströmischen Reiches, Karl der Große, die große Chance.

Bis südlich von Compostela drängte er die Muslime endgültig zurück. Seine Krönung zum Kaiser durch die Hände des Römischen Papstes im Christtag 800 n.Chr. war in dieser Weise zwar nicht geplant. Denn der Papst stand durch diese Geste über ihn und machte ihn zum Schutzbefohlenen des Kirchenstaates. Dennoch. Es war die Chance, die altrömische Wertegemeinschaft auch auf kultureller und Glaubensebene wieder herzustellen.

Auch zur gemeinsamen Kultur zählte die Wiederbelebung des Latein als Schrift- und Hofsprache. Weiters die Anpassung der Liturgie (leitende Arbeiten/Funktionen) an das römische Vorbild. Karl wagte natürlich auch Neues (Minuskeln in der Schrift). Und er suchte in der Bindung der Sachsen an sein Reich ein Stück weit Unabhängigkeit von Rom. Der Kampf um Rom bzw. gegen Rom setzte sich  bis 1789 kontinuierlich fort.

Gemeinsame Ideologie

Die 133 v.Chr. an Rom verlorene Militärmacht der Kelten war nun zwar zurück in die Hände der Franken gelegt, die letzten "freien" Keltogermanen aus der Römerzeit. Dennoch beanspruchte Rom für sich weiterhin das "geistige Schwert", das gemäß den Päpsten des Mittelalters ein wichtigeres war als das "weltliche". Letzteres wechselte an die Sachsen, dann an die deutschen Franken und zuletzt an die Habsburger.

1789 war es dann soweit. Die endgültige Loslösung von der Kirche in Rom (Säkularisierung) nahm in Gestalt des Glaubens an die "Ratio" Fahrt auf. Knapp 1000 Jahre nach Karl dem Großen setzte sich Napoleon einfach selbst eine Kaiserkrone auf. Wie der Glauben an die "Ratio" als oberste Gottheit war auch diese Krone einfach neu geschaffen worden.

Die gemeinsame Ideologie, die nun in ganz Europa Schule machte, war die des Nationalismus. Gemeinsame Sprache schuf gemeinsame Grenzen. Gemeinsames Verständnis der Sprache wurde durch Definitionen (Begrenzungen) vorangetrieben, wobei die Enzyklopädien zur Grundlage verpflichtender Volksbildung wurden. An ihnen hatten die selbsternannten Aufklärer seit den 1750er geschrieben (Selbstbezeichnung in romanischen Ländern "illuminati"; Aufklärung= Illuminismus). 

 

Kampf um neue Werteordnungen

Nationalismus und neue Sprachregelungen

Der Nationalismus schuf neue Schrift- und Hofsprachen. Das Französische wurde im Versailler Hof der absoluten Herrscher und ihrer Kammmer-Politiker (Proto-Republikaner) geboren. Nun wurde es den Bewohnern der Provence (provincia= für den Sieg abgetretenes Territorium), die schon im Frankenreich an Paris gebunden worden waren, aufgezwungen. Wie übrigens allen im neuen Frankreich.

Das Provenzalische gehört zur sog. "Okzitanischen Sprache"; eine galloromanische Sprache, die seit der Ansiedlung der Gothen und Alanen (>Katalonen) die Territorien zwischen SW-Deutschland, NW-Italien und O-Spanien verband. Mit der Französischen Revolution war nun ein weiterer Turm zu Babel zusammengebrochen. Dies schaffte "falsche Freunde". 

In Italien spricht man heute von "falsi amici in spagnolo". In Spanien von "falsos amigos". Denn zusammen mit der Trennung in Nationen und Nationalsprachen brachten die Aufklärer  auch den Eigenwillen von Grammatik und  Definition. Eine Definition sagt dem Besucher einer Pflichtschule, was er unter einem determinierten (bestimmten) Wort zu verstehen hat. Und damit wird auch willkürlich abgegrenzt von dem, was er nicht zu verstehen hat. Im doppelten Sinne des Wortes. Also nichts mit Aufklärung!

Achtung. Falsche Freunde

Es gibt da die "falsi amici di primo grado". Der Wortlaut ist absolut identisch, also selbst ohne grammatikalische Abweichung. Und doch sei die Bedeutung nicht dieselbe. Largo sei in Italien als lungo zu verstehen und lupa als Lupe und nicht als Wölfin. Die "falsi amici di secondo grado" sind zumindest grammtikalisch unterscheidbar: salir (uscire) und salire.

Wenn "falsche Freunde" schon in Worten verborgen sind, die frei von jeder Wertung sind, wie sieht es dann bei Worten aus, die eine Wertung ausdrücken? Wer bestimmt die Wertung, die einem Wort gegeben werden soll. Was hat man darunter zu verstehen und was nicht? Wo liegt die Grenze zum Missverständnis? Und wer nimmt sich die Autorität, hier für Verständnis bzw. Missverständnis zu sorgen?

Es waren die Aufklärer von damals. Und es sind die Aufklärer von heute. Damals waren es die Leute, die Mittel und Fähigkeiten hatten, ihre Ideen zu verbreiten. Eine Druckerpresse, ausreichend Blatt Papier. Eine Infrastruktur der Verteilung durch Schreier ("Extrablatt") und flasche Propheten (Nachrichten-"Sprecher"). Es waren Leute, die fake news erfanden und falsche Freunde propagierten. Heute läuft der Hase nicht viel anders.

"Fake news "journalism that is deliberately misleading" is attested from 1894; popularized in the 2016 U.S. presidential campaign" (etymonline.com)

 

Scheitern einer Wertegemeinschaft und Werteordnung

Es sind heute diesselben Methoden wie sie auch bereits eingesetzt wurden, um die vielen und immer grausamer geführten Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts zu propagieren. Doch es gab eine Entwicklung: Der Nationalismus war im 1. Weltkrieg gescheitert. Selbst die Siegerländer Frankreich und Großbritannien waren hoffnungslos an die Banken der Wallstreet verschuldet.

Nationale Alleingänge konnte es allein aufgrund internationaler Verstrickungen in der Finanzpolitik nicht mehr geben. Dann scheiterte die Bündelung (Faschismus) von Nationalismus und Sozialsmus. Diese hatte sich v.a. dort versucht, wo die Staaten der "Alten Welt" zwischen den Fronten lagen. Zwischen den nationalistischen Kapitalisten auf der einen (franco-anglo-amerikanische Atlantikbrücke) und den sozialistischen Kommunisten (Russen) auf der anderen Seite.

Der Faschismus ging zwischen diesen beiden unter. Schließlich scheiterte zuerst der sowjetisch-kommunistische Ost-Block. Und nun ist der kapitalistische Block des Westens am Scheitern. Als Modell der Zukunft, das der Schwerfälligkeit westlicher demokratischer Wertegemeinschaft bei weitem überlegen scheint, wird seit Jahren das Modell China diskutiert.

Nur eben nicht ganz offen. Meist in Spätabendtalkshows, wo sich kaum bekannte Experten in kaum gesehenen Kanälen wie Phönix und Arte treffen. Merkel's Europa und Conte's Italia haben nun ein mögliches neues Vorbild in Aussicht. Die Atlantikbrücke ist schon fast Geschichte. Man hofft allerdings noch auf einen Sieg von Biden, dem "Licht-Dunkelheit" Rhetoriker.

 

Wertegemeinschaft im Kampfmodus

Kampf in Politik und Massmedia ("Qualitätsmedien" U.v.d. Leyen)

Es vergeht kein Tag in der Politik und keine Nachrichtensendung, wo nicht irgendwem oder irgendetwas der Kampf angesagt wird. Ob es der Kampf gegen Armut oder der Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit ist. Die Rede vom Kampf macht sich nicht nur im Wahlkampf gut. Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Kampf gegen Bürokratie. Wenn es sein muss auch gegen Korruption.

Wir sind es gewohnt zu kämpfen. Selbst in Sachen Gesundheit ist es seit den Anfängen der aufklärerischen Wertegemeinschaft keine Frage des "für" mehr. Nein, die französische Revolution enteignete die Kirchen und Klöster und machten aus ihren Gästehäusern (Hospize) das, was heute umgangssprachlich zu Recht Krankenhaus heißt. Um gegen Krankheit zu kämpfen.

Das Thema Krankheit beherrscht nicht nur die Medizin. Angesichts von COVID-19 ist es  politbestimmendes Thema seit nunmehr einem Dreivierteljahr. Auch in der Sanität, die sich namentlich auf Gesundheit beruft, ist der aufgeklärte Bürger bereits seit Generationen auf die gemeinsame Werteordnung des Kämpfens eingeschworen. Eine Krankheit wird bekämpft. Punkt. Aus.

Es ist der Kampf gegen das, was die aufgeklärten Mediziner definieren. Mit determinierenden (bestimmenden) Begriffe wie aus der Pathologie; -ose hin und -ose her. Mal eine -itis da, mal eine -itis dort. Bezeichnend ist, dass mittlerweile fast alle Krankheiten in den Topf der Autoimmunerkrankungen zusammengenommen werden. Der Körper bekämpfe sich selbst. Warum auch immer.

Kampf gegen die Krankheit

Das Fachgebiet der Pathologie wurde von den "Revolutionäre der Ratio" im Namen der neuen aufgeklärten Medizin eröffnetet.  Wie ein gesund Verstorbener (ein zu Tode verurteilter Verbrecher) innerlich aussah, hatte man bereits über Jahrhunderte ausreichend studiert. Denn die Körper von "Verbrechern" wurden von der Kirche auch immer wieder mal für die anatomischen Theater der Studenten freigegeben.

Nun musste eine unter den Aufklärern besonders beliebte Doktrin (Lehrmeinung) befriedigt werden. Sie besagt, dass die Ursache, an der ein Mensch schwer erkrankt und vielleicht sogar verstirbt, an der Erkrankung eines Organs liegen müsste. Also eine rein physische Grundlage haben muss. Also keine seelische oder geistige. Denn die Fachleute dieser Gebiete, die Geistlichen, galt es aus ihren eigenen Hospitälern und damit aus der Medizin zu drängen.

Schwer Kranke und Sterbenskranke wurden in die enteigneten Hospitäler eingelagert. Sobald sie verstorben waren, wurden sie in Hinterzimmer gebracht, wo junge Studenten aus den aufgeklärten Ländern (z.B. USA) mit dem Seziermesser warteten. Ein Organ, das leidet (pathein), müsste äußerlich von einem gesunden unterscheidbar sein. Danach wurde die Erkrankung definiert (eingegrenzt auf das Organ).

Lösungen und neue Modelle

Für die medizinische Praxis war dieses Studium noch ebenso wenig nutzbar wie die bisher bereits ausgereifte Anatomie. Nur für Chirurgen, also wörtlich "Handwerker", die mit dem Messer (usw.) als Werkzeuge hantierten, war ein praktischer Nutzen erkennbar. Man schneide das pathologische Organ heraus (Ektomie) und nähe wieder zu. Vielleicht überlebt der Patient dann.

Diese Taktik hat sich bis heute im Großen und Ganzen nicht verändert. Natürlich gab es Fortschritte. In der Betäubung, in der Sauberkeit und darin, das Herausgeschnittene durch etwas anderes zu ersetzen (Prothese, Spendenorgan). Gerade die Herausforderung an die Sauberkeit brachte die Doktrin von den Mikroben voran, die in der Anatomie bereits als animalcula bekannt waren.

Schädliche Mikroorganismen wie die Bakterien galt es zu identifizieren und zu bekämpfen. So taten sich Pasteur, Koch und Virchow hervor. Letzterer in der Histopathologie. Die Chance mittels chemisch-synthetischer Medizin direkt manipulativ in den Zellhaushalt eingreifen zu können, war entdeckt. Die Lösungen des modernen Mediziners (Chirurgie und chemisch-synthetische Medikamente) wurden zusammengeführt. Der moderne Arzt ist ein medizinischer Chirurg.

 

Wertegemeinschaft Medizin

Histopathologie, Chemie und Virus

Die Histopathologie kehrte auf ihre Weise zu Humoralpathologie zurück. Nachdem das Bakterium als Krankheitserreger bestimmt und definiert worden war, baute man Bakterienfilter. (Körper-) Säfte (Griechisch chymoi; Latein humores) wurden damit filtriert. Und so glaubte man, dass die krankheitserregende Wirkung (vir-us) zusammen mit dem Bakterium herausgelöst wäre.

Das traf leider nicht immer zu. Physikalische Wirkungen, die im Zentrum der klassischen Humoralpatholgie standen, wie die Temperatur in Paarung zu Feuchtigkeit und Druckverhältnissen, wurden im Labor auf bestimmte Werte festgelegt. Also ihrer natürlichen Dynamik beraubt. Der Fokus wurde dann auf die Säfte selbst gelegt, sprich auf die Chemie. So kam es, dass man toxische Bestandteile (Gifte) als Träger der krankmachenden Wirkung annahm. Daher Virus= Gift.

Mittlerweile ist man im Studium der Chemie so weit fortgeschritten, dass man die Vielzahl an chemischen Formen (Formeln) weiter ins Detail erforscht. Bis hin zum Virus heutiger Definition. Die gute alte Physik hat sich ins Studium der kleinsten Bestandteile eines Moleküls (Atome) und der atomaren Bestandteile verloren. Sie baut nur noch die vielen Geräte und Apparate, die in der Medizin heute Hand, Ohr, Auge, Tastsinn, Geschmacks- und Geruchtssinn des Mediziners ersetzen.

Werte in der Medizin

Die Physik, einst zentrales Werkzeug der frühen physiologischen Mediziner (physician) ist aus dem Wertedenken der modernen Mediziner verschwunden. Wechselnde physikalische Werte wie sie in Atmung, Essen und Trinken, Agieren und Ruhen, Wachen und Schlafen einwirken (7 Paramter der antiken Medizin) werden in der medizinischen Wissenschaft entkoppelt. Das Heilige (holy) vom Heilen dissoziiert wie das anatomische Teil vom Ganzen (hole).

In der Laborforschung gibt es keinen lebendigen ganzen Menschen, eingebunden in die wechselnden physikalischen Werte seiner Umwelt. Dort gibt es nur konstant gehaltene kontrollierte Atmosphäre. Und Chemie. Die alleinige Macht der Säfte und ihrer molekulären Bestandteile. Ihre Werte werden bestimmt. In Blutproben, Urinproben usw.

Medizinische Praxis orientiert sich an pauschal festgelegte Minimal-und MaximalWerte. Diese Werte werden reguliert. Mittels biochemischer Manipulation an und in den Zellen. Mit Hilfe von chemisch-synthetischen Medikamenten. Ihnen allein soll das Privileg einer anerkannten Medizin gelten. Denn hierin steckt Kapital mit dem gleichzeitigen Potential des Kommunismus. Alle Menschen werden gleich behandelt. Nach Pathologie, nicht nach ihrem individuellen Menschsein oder Eingebundensein ins globale Ganze (Globus samt Klimazonen usw.).

Werte im Wissenschaftsjournalismus

Der beschriebene Weg ist der einzige offizielle; der einzig, der in der westlichen Wertgemeinschaft  anzuerkennen ist. Dafür setzt sich in Italien ein Pakt (patto) ein, der im Jänner 2018 begründet worden war und seit Anfang an den Schulterschluss mit der Politik sucht. Daher nennt sich dieser Pakt, der die Wissenschaft allein für sich pachtet, auch patto per la scienza. Oder auch patto trasversale per la scienza (pts)

Im Bund des Schwures ("giuramento") in 5 Punkten, der auch bei research4life.it erklärt wird, sind als Gründungsmitglieder v.a. Immunologen, Immuno-Virologen und Virologen vertreten. Als zweit stärkste Gruppe sind Journalisten vertreten. Wissenschaftsjournalismus dient heute v.a.  dazu, die Werte dieser  Wertegemeinschaft nach außen zu transportieren. Sie zu promoten bzw. Kritik abzuwenden.

Mit vom Team der 20 Gründungsmitglieder ist Burioni, der Chefberater des Conte in der bisherigen "C-Zeit". Er und der Begründer von research4life.it sind jeweils engst bekannt mit Renzi und Grillo. Ihr Bemühen, das Bündnis noch vor der beginnenden Akutphase von Corona abermals zu bekräftigen, hatte bereits vor Mitte Jänner Erfolg. Geschlossen betreiben sowohl sie als auch die öffentlichen Medien den Kampf gegen alternative Sichtweisen (S. Zielsetzungen in obigen Link). Ziel der Angriffe sind u.a. praktizierende Ärzte.

 

Aussicht 

Der mediale Kampf im Namen einer physischen, gläubigen und ideologischen Wertegemeinschaft wird vor dem Hintergrund einer neuen defamierenden, trivialisierenden und polemisierenden Sprachkultur ausgetragen. V.a. in den öffentlichen Medien des deutschen Sprachraums, die sich innerhalb der westlichen Wertegemeinschaft besonders stark hervortun. Hierzu werde ich einen weiteren Artikel folgen lassen.²

Ich finde es nämlich höchst bedenklich, wenn eine kleine Gruppe von mehrheitlichen Virologen die Wissenschaft und den Pakt mit der Politik für sich allein beansprucht. Umso mehr, als sie sich gleichzeitig als Verband zum Kampf gegen das verstehen, was sie selbst als Pseudoscienza und Pseudomedizin abwerten. Sie könnten sich ja darauf beschränken, ihr Fachgebiet ausreichend glaubwürdig zu vermitteln (über die Journalisten in ihrer eigenen Runde).

Was ich aber noch bedenklicher halte ist der Umstand, dass ein gezielter Kampf gegen all das vorangetrieben wird, was das Leben des menschlichen Individuums ausmacht. Ein Burioni hat sich nicht nur gegen den Aufruf eines Tarro gewendet, die Meeresluft (Sonne und Strand) als Waffe für den immungestärkten Umgang mit dem Virus zu nutzen. Auch von einer "Stärkung des Immunsystems mit gesundem Wasser und Essen" wollte er nichts wissen.

 

Fazit

Dabei sind gerade Atemluft, Essen und Trinken in einer wirklich reinen und gesundheitsförderlichen Qualität die drei wichtigsten Parameter und Werte, die uns aus der antiken Medizin tradiert wurden. Aus der griechisch-römischen Wertegemeinschaft, deren wichtigste Exponenten in der Medizin  Hippokrates (Athen) und Galen (Rom) waren. Ebenso wie die Werte, die in den Mittelteil des Hippokratischen Eides eingeflossen sind und  wie folgt lauten:

"Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil; ich werde sie bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht." (Hippokratischer Eid, Mittelteil)

Wer also gegen praktizierende Ärzte wettert und ankämpft, mit dem alleinigen Argument, sie seien keine Virologen, sollte sich fragen lassen, was seine Werte sind. Ob die Laborwerte eines PCR-Tests wirklich der "Goldstandard der Dianostik" (Angler) sein sollten. Oder ob es gerechtfertigt sei, dass allein die statistischen AusWertungen einer Reihe von abstrakten ZahlenWerte sämtliche Politik bestimmen.

ZahlenWerte, die in Ihrer wahren Aussage unzulänglich geklärt sind (positiv geWertete PCR-Tests) werden wie ein gefürchteter Gott emporgehoben. Täglich wie ein Gebet verlesen und mit einer nicht zu widersprechenden Ideologie des "unsichtabren Feindes" und der "falschen Freunde" (Ärzte) verbunden. Der Wert eines praktisch erfahrenen Arztes in  seiner engen Beziehung zur unmittelbaren Gemeinschaft der ihm Anvertrauten wird hingegen im  falsch verstandenen Namen der Wissenschaft schmälich degradiert. ²

Eine besonders sensible Grenze wird allerdings überschritten, wenn durch den Staat  "willkürliches Unrecht" in Form von Kindesentzug und TSO (trattamento sanitario obligatorio; in der Praxis oft die geschlossene Psychiatrie)  angedroht  werden. Bzw. Ärzte gesetzlich dazu gezwungen werden, ihr "bestes Vermögen und Urteil" zugunsten einer allgemein angeordneten Vorgehensweise aufzuopfern (Stichwort: Zu erwartende Pflichimpfung). 

Impressum. S. mein Profil

¹ Dazu und zum Thema der letzten Überschrift habe ich im Artikel "Wissenschaftsjournalismus mit Kompetenz?" ausführliche Informationen vorgelegt.

² Dazu wird ein weiterer Artikel folgen.

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Kommentare

Bild des Benutzers Manfred Gasser
Manfred Gasser 25.08.2020, 19:24

Wau, von wertesysteme.de, über die Römer und Napoleon, zum hyppokratischen Eid, bis zur Pflichtimpfung. Und das alles, um uns was zu sagen? Dass sich die Gesellschaft wertesystematisch und medizinisch seit Jahrzehnten, ja vielleicht seit Jahrhunderten in die falsche Richtung bewegt? Bitte erklären Sie sich, danke.

Bild des Benutzers Martin Kirchler (gesperrt)
Martin Kirchler (gesperrt) 25.08.2020, 20:47

Sie haben es erfasst. Allerdings meine ich das grundsätzlich so.

In Sachen Notfallmedizin gebührt der modernen Medizin durchaus die Königskrone.Ohne Zweifel!

Doch in Sachen biochemischer Manipulation dort, wo der klassischen Medizin die Kaiserkrone genommen wurde, gehen wir auf eine echte Katastrophe zu.

Denn jede unerwünschte Nebenwirkung willkürlicher Eingriffe in die Physiologie , v.a. dort, wo klassische Medizin durch Hilfe zur Selbstregulation bestens helfen könnte, führt zu weiteren biochemischen Manipulationen und respektiven Nebenwirkungen (Begleit- und Folgeerkrankungen; klassisches Beispiel Metabolisches Syndrome mit einer vom Bauchraum zu Kopfraum zuspitzenden Reihenfolge zunehmend akuter und letaler Erkrankungen).

Das wird v.a. in der aktuellen Coronakrise deutlich. Zumindest für jene, die in die Auswertungen des ISS schauen.

>Mindestens 50% C.Tote (in Italien, Deutschland usw.) stammen aus Altersheimen. Innerhalb kurzer Zeit vorkommende Steigerung in Medikamente-Gabe ist in diesen bekannt. In Deutschland verstirbt der durchschnittliche Altersheimbewohner noch vor Ablauf des ersten Jahres. Für diese Aussage wurde der Grüne Palmer in D zu Unrecht bekämpft.
> 95,1% der C.Toten waren in Italien ü70jährig (Zahlen vom 22.6. ISS auf epicentro).
Ca99% der C.Toten Italiens (Zahlen vom 14.5. ISS) hatten mindestens 1 chronische Grunderkrankung, 59% mindestens 3 chronische Vor-Grunderkrankungen.

In all diesen Fällen stand die Behandlung nach Berufsbild des medizinischen Chirurgen (also Medikamentierung mit chemisch-synthetischen Pharmaka und Chirurgie) im Vordergrund medizinischer Versorgung. Nicht zu sagen in der Konfrontation von COVid als Begleiterkrankung.

Wo u.a. v.a. auch Vit.C zum Einsatz gekommen ist (offiziell ein Fake News), wie ich durch Bekannte aus dem Meraner Krankenhaus erfahren habe, gab es gute Überlebenschancen für C.Kranke in der Intensivstation.

Bild des Benutzers Manfred Gasser
Manfred Gasser 25.08.2020, 22:49

Der Begriff "Klassische Medizin" bereitet mir leichte Bauchschmerzen. Was verstehen Sie darunter? Von welcher Epoche sprechen Sie? Die TCM war sicher auch mal klassische Medizin, ebenso die Behandlung mit Heilkräutern - und Pflanzen. Ist der Fortschritt per se schlecht, oder nutzen wir den Fortschritt nur falsch?
Was mich an der Sanität sehr stört, ist die heutige Rolle des Basisarztes. Den klassischen Hausarzt, der vor Jahren noch Körper und Seele zu heilen versuchte, sich Zeit nahm, zuzuhören, regelmäßig Hausbesuche machte, und für viele eine wichtige Vertrauensperson war, scheint es nicht mehr, oder besser, nur mehr sehr selten zu geben.

Bild des Benutzers Martin Kirchler (gesperrt)
Martin Kirchler (gesperrt) 26.08.2020, 08:15

Was den Basisarzt/ Hausarzt [Allgemeinmediziner] betrifft, bin ich ganz bei Ihnen.
Der 'klassische Hausarzt" ist ja auch die zentrale Figur der "Klassischen Medizin" (bei Hippokrates). Tatsächlich habe ich mit "praktizierende Ärzte" in der Hauptsache auf diese angespielt.

Auch die "Klassische Chinesische Medizin" (TCM ist nur eine Exportmarke Chinas aus den 50/60er; ab 70er v.a. in Form der Akupunktur exportiert) setzte den "Hausarzt" voran. Und die Hierarchie konfuzianischer Ärzte (Oberarzt, Fachärzte, Assistenzärzte, Assistenten) wieder hintan.

Daher spreche ich von "Klassischer Medizin." Akupunktur und Heilkräuterkunde folgen heute schon zu sehr den abstrahierenden Lehren von elektromagnetischer Energie und phytochemischen Wirkstoffen. Die von Hippokrates, der klassisch chinesischen Medizin und dem Ayurveda gebotene Physiologie als Hilfmittel der logisch begründeten Vorgehensweise in Prävention und Therapie wird meist ausgeklammert.

Bild des Benutzers Georg Lechner
Georg Lechner 27.08.2020, 19:32

Dass die Bedeutung der Ernährung und sonstigen Lebensführung (etwa ausreichende Bewegung) für eine gute Funktion des Darms und damit für einen guten Immunstatus lange Zeit zu wenig berücksichtigt wurde, findet auch meine Zustimmung. Aber sonst habe ich ziemlich viel Bauchweh mit dem Text des Artikels, immer wird nur etwas angerissen (um Assoziationen zu wecken?), im medizinischen (letzten Teil) kommt massenweise der Vorwurf, die Ergebnisse der PCR-Tests würden verabsolutiert und die Zahlen bestimmten ausschließlich die politischen Maßnahmen zu Covid-19. Zumindest in Ö. ist das nicht so.

Bild des Benutzers Martin Kirchler (gesperrt)
Martin Kirchler (gesperrt) 27.08.2020, 23:27

@Lechner, danke für Ihren Kommentar. Möchte gerne verstehen, wie Sie auf „massenweise““Vorwurf“ zum PCR Test im medizinischen Teil kommen. Zum PCR Test habe ich nur zwei Sätze geschrieben, und zwar im abschließenden Fazit. Der 1.Satz ist sogar als Frage (nicht Vorwurf) formuliert:“ Ob die Laborwerte eines PCR-Tests wirklich der ‚Goldstandard der Dianostik‘ (Angler) sein sollten.„
Vielleicht meinten Sie „massiv“ (statt massenweise) und stören sich am 2.Satz?: „ ZahlenWerte, die in Ihrer wahren Aussage unzulänglich geklärt sind (positiv geWertete PCR-Tests) werden wie ein gefürchteter Gott emporgehoben.“

Einiges ist nur angerissen. Ja. Wenn Sie Vertiefendes lesen möchten (z.B. Dr.Drosten und PCR Test), können Sie sich unter Fußnote 1 mit dem Artikel „Wissenschaftsjournalismus mit Kompetenz?“ verbinden.

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