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Alkoholismus

Allohol macht Freude!

Dieses Land ist nur im Suff zu ertragen. Da verwundert es nicht, dass wir 3-5% Alkoholkranke haben und dazu noch eine Menge andere Süchtige.
Community-Beitrag von Goggel Totsch27.11.2019
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Es hat diesmal etwas länger gedauert, bis ich wieder einen lichten Moment hatte. Sie müssen wissen, ich bin Quartalssäuferin. Laut der Klassifikation von Elvin Morton Jellinek bin ich Epsilon-Typ*in, was auf jeden Fall netter klingt, als womit ich sonst am Pudl tituliert werde: Schnapsdrossel! Dabei mag ich überhaupt keinen schwarzgebrannten Sottobanco. Auch Begriffe wie Prosecco-Schlampe oder Campari-Hausfrau greifen bei mir zu kurz. Das ist der übliche Sexismus meiner Zechkumpanen. Ein anständiges Südtiroler Madl trinkt – wenn es anständig bechert – anständigen Südtiroler Wein. Okay, der ist heutzutage schwer zu finden. Premiumqualität hat der Südtiroler Fusel nur beim Preis. Wer Magdalener und Kalterersee Keil hinter schüttet, ist schon am Zehnten des Monats auf dem Trockenen. Deshalb habe ich mich jetzt auf die Kellerei „In vino veritas“ verlegt. Deren Tetrapack lassen sich zusammengefaltet auch leichter unterm Diwan verstauen, als plortschete Doppelliterflaschen. Mittlerweile trinke ich ja am liebsten Daheim. Letztes Jahr haben mich nämlich die Karpf entpatentiert – oder waren es die Zepf oder gar die Brunecker Stadtputz? So genau kann ich das gar nicht mehr sagen, sternhagelvoll wie ich war: Oberkante Unterlippe sage ich nur. Laut ASTAT wurden 2018 wegen Trunkenheit am Steuer 548 Lappen eingezogen – darunter meiner – und zu Fuß kann man einen Rausch nur schlecht mit Anstand nach Hause tragen.
Früher sagte ich ja immer: „Gott sei Dank bin ich mit dem Auto da, denn zu Fuß käme ich jetzt nicht mehr Heim“. Damals musstet du nur die Wagentür öffnen und dem Antonio vor die Füße kotzen. Da hat er sich ganz schnell in die Campagnola gesetzt und dich mit Blaulicht bis vor die Garage eskortiert; damit dir und anderen nichts passiert. Was völlig unnötig war, weil in Luchta eh jeder wusste, dass die Goggel Totsch zwischen sechs und sieben Uhr ihre Hüttentour abschließt, um ihren Surbler taleinwärts zu chauffieren.
Jetzt steht mein sequestrierter Opel Ascona seit über einem Jahr in der Garage und wartet auf die mittlerweile dritte Versteigerung. Wenn der Ausrufungspreis unter 100 Euro gefallen ist, schlage ich zu! Ich habe sie nämlich lieb, die komplett zerbeulte Rostlaube. Jede Macke, jeder Kratzer, ja sogar der fehlende vordere Kotflügel sind Narben von geschlagenen Schlachten in den Gasthäusern vom „Tohle“. Der Schmiss, wenn ich mit Schmiss einen „Feigling“ vernichtet habe oder einen „Fliaga“.
Ich verzweifle ja regelmäßig, wenn einer der verkopften Antialkoholiker wieder eine Doppelpass-Sau durchs Dorf treibt. Wir brauchen nicht zwei Pässe, sondern einen Doppelführerschein! Wenn ich dann vom Oktoberfest aus Panik vor Sekundenschlaf mit 180 km/h durch den Inntaler Lufthunderter ruache, zeige ich den Tirolern das walsche Patent und der Stradale im Pustertal den Fetzen vom Voterlond.
Moooment! Ich habe einen zweiten Pass! Die Krücke aller Entpatentierten: der Südtirol-Pass. Als sie noch diese grünen Kästen in den Bussen hatten, konnte man auf einen Blick sehen, wie viel man noch Kredit hatte - auch wenn's brutal klein geschrieben war. Heute brauchst du auch eine Brille, aber dazu noch einen Computer. „Sigsche olls in da Äpp“, sagen meine Laggl, die bei uns zu Hause für alles Technische zuständig sind. Darauf brauche ich immer einen Doppelten. Der Ziggl-Franz, der Heilige Trinker, hat mir erklärt warum alles so kompliziert wurde: Der, dessen Name ich niemals nenne, hat alle Senioren und Schüler mit Gratis-Abos beglückt, auf dass seine Wiederwahl gesichert sei. Leider hatten seine Beamten damit keine Fahrgastzahlen der Gratisfahrer mehr und auf dem Papier machte der Bus eine Leerfahrt, obwohl er brechend voll (das meine ich jetzt nicht im alkoholischen Sinn) mit Schülern war. Um den Fauxpas des Turbo-Assessors auszubügeln, hat man flugs 3,5 Millionen Euro ausgegeben und 2012 das total innovative Contactless-System eingeführt (das es in London bereits seit 2003 unter dem Namen Oyster-Card gibt). Die Info-Kampagne zur Einführung des Südtirol-Pass legte größten Wert darauf, den Rotzlöffel*innen – Abo 65+ inklusive - zu erklären, dass sie einen Check-in machen und ihr Kartl an das Trappele halten müssen (das Warum mit den Fahrgastzahlen hat man unterschlagen). Getscheckt?
Einen qualifizierteren Politkasper um die Sanität endgültig an die Wand zu fahren, hätten sie nicht finden können. Und jetzt hat er auch noch die Alkoholpräventionskampagne „Keine Kompromisse 2020“ vorgestellt. Als wenn ich beim Pippln Kompromisse machen würde. Unter Binge-Drinking mit 3 Promille fange ich erst gar nicht an!

Fernsehsüchtig

Von Schneechaos und Stromausfällen hatte ich gar nichts mitbekommen, da ich immer im Dämmerlicht vor mich hindämmere, aber dann hat die Lahn die Holzhütte mit meinem Biervorrat zu Tal befördert und zusätzlich die Nachschublinie unterbrochen. Gegen Sonntag Abend war ich ausgenüchtert. Ziemlich schaurig was ich dann im „Boazner“ zu sehen bekam. Ich meine das Gruselkabinett, wenn sich dieser Mensch mitten im Vinschgau an eine Straßensperre stellt, als wäre es ein Marktplatz in Basra, auf dem vor fünf Minuten eine Autobombe 43 Menschen in den Tod gerissen hat.
Sie wissen schon, der mit dem walschen Nachnamen, wo hinten ein „Lolli“ durchklingt. Der, der so wichtig ist, dass er sogar einen Eintrag auf Wikipedia hat. Wichtig in der Selbstbeschau, sollte man hinzufügen. Der ganze Artikel wurde fast ausnahmslos von einem User namens „Luzilius“ verfasst – ich wette einen Karton von „In vino veritas“, dass er sich das selbst geschrieben hat?

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Screenshot: Rai Tagesschau

Der gravitätische Duktus in seinen Berichten erinnert an die Wochenschau der deutschen Wehrmacht von der Ostfront – weshalb ich immer ganz schnell die Mute-Taste auf der Fernbedienung drücke, wenn er angekündigt wird. Der Stummfilm den die Hochzeitsfilmer runtergenudelt haben, reicht auch.
„Stand-up“ nennt man das, wenn sie so in der Gegend rumstehen, erklärten mir meine Laggl, die bei uns zu Hause für's Englische zuständig sind - wie in Stand-Up Comedian. Komödiant? Nein, der „Lolli“ ist nicht lustig; eher ein Hochkönig des Fremdschämens. Die Offensichtlichkeit, dass sich jemand vor die Kamera stellt, weil er sich selbst so gerne reden hört, nennt man also einen „Stand-Up“. Man lernt nie aus! Meine zwei Laggl, die bei uns zu Hause für dieses Internetz zuständig sind, haben kurz „gegogglt“ und mein Missverständnis aufgeklärt. Im Lexikon der Filmbegriffe der Uni Kiel stand unter „Aufsager“ folgender Eintrag: „Früher war der Aufsager Auslandskorrespondenten vorbehalten, um die Situation einzuschätzen, die Fakten einzuordnen; damit der Sender zugleich demonstrieren konnte, dass er einen Informanten vor Ort hatte, war der Korrespondent an signifikanter Stelle, vor einem Regierungsgebäude oder ähnlichem platziert.“ Klar, für die gschärten Bozner „Na-weisch“ ist alles westlich von Moritzing Ausland.
Am Mazziniplatz der Weltlandeshauptstadt müssen sie ein ganzes Rudel von diesen Aufsagern haben (Merda, die Autokorrektur macht aus „Aufsager“ immer einen „Versager“).

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Screenshot: Rai Tagesschau

Am Tag darauf stand der Korrespondent für das Ausland östlich von Rentsch in der Landschaft rum. Diesmal war es der, den sie im Oktober in den „geruhsamen“ Vorruhestand geschickt hatten. Der, der in gefühlt zwanzig Jahren Tagesschaumoderation nicht eine einzige Ausgabe ohne Versprecher durchgestanden hat – der Verhaspelbaumer. Die Bildschirm-Abstinenz hat nicht lange vorgehalten. Die Triebfeder bei diesen Süchtigen ist entweder übersteigerter Narzissmus oder eine aus dem Ruder gelaufenen Überkompensation von Minderwertigkeitskomplexen. Bei den obgenannten Ego-Trippern vermutlich beides. Der Personalchef, der die Fernsehfuzzies seinerzeit angestellt hat, war wohl im Delirium tremens und wer sie weiterhin auf die Mattscheibe lässt, ist es immer noch.
Ich fordere die sofortige Einweisung nach Bad Bachgart! Leider ist der Zingerle im Ruhestand. Schade. Wenn man in seinem Büro saß, konnte man sich wunderbar im vom Sohnemann gemalten Schwarz-Weiß-Bild verlieren, während der Herr Doktor auf einen einredete, wie auf eine kranke Kuh. Natürlich aktivieren die vorher als Prävention auf sämtlichen Fernsehern die Kindersperre: Null, null, null. Die beiden Herrn kommen nie drauf, dass der Sperr-Code eine Zustandsbeschreibung ihrer selbst ist. Ich schweife ab.

Adrenalin-Junkies

Eigentlich dürfte ich ja nichts sagen, weil sich die beiden FF-Buabn mit einer Kiste Weißbier im Schlepptau zu mir durchgeschaufelt haben, nachdem ich der 112 meine prekäre Notlage geschildert habe… Aber dann titelte das Skandalblatt: „HELDEN“. Helden? Helden sind, wenn, die Leitungsflicker der Edyna, die bei diesem Scheißwetter ihre Kohle verdienen müssen. Helden sind die Krankenpfleger in der Ersten Hilfe, wenn sie mich wieder mal zusammenklauben. Helden sind vor allem meine zwei Laggl, die bei uns zu Hause für das Aufwischen meiner Kotze zuständig sind, wenn die Mamma mal wieder keinen guten Tag hat.
„SÜCHTIGE“ hätten sie schreiben müssen. Süchtig nach dem Kick, wenn sie mit ihren hydraulischen Scheren einen Grottn zerschneiden dürfen - ist schließlich nicht ihr SUV. Der stierende Blick ins Feuer, während ein Stadel bis auf die Grundmauern abbrennt. Wie damals vor 50.000 Jahren: Am Morgen mit Geheul ausgerückt, um das Mammut zu erlegen und nun brutzelt das Vieh über den knackenden Holzscheiten. Wenn sie zum Brandhaus der Feuerwehrschule in Vilpian fahren. Ein Gottesdienst des Testosteron. Und schließlich die Bilder von Mitte November: Die Motorsäge im Anschlag stehen sie an der verschneiten Straße und schauen zu, wie vor ihnen die Bäume Mikado spielen. Schnee staubt. Holz splittert. Das Adrenalin pumpt unter den Haarspitzen – den schütter werdenden. Männer!
Gut, es geht auch etwas weniger pathetisch: Feuerwehr sein, ist ein Hobby wie Modelleisenbahnen bauen, mit dem Unterschied, dass die Hardware etwas kostspieliger ist und von unsern Steuergeldern bezahlt wird.
Da stehst du vor der Feuerwehrhalle in Sand und denkst die reicht für's ganze „Tohle“, aber nein, in Mühlen haben sie auch sechs Einsatzfahrzeuge und vier in Luchta und … Wozu im Himmel braucht Fochina (Ahornach, für alle Ausländer südlich von Jergina) eine Feuerwehr? Können das nicht die Sondna übernehmen? Mals hat zehn Feuerwehren! Plawenn, Schlinig, Alsack, … Okay, viele Fraktionen; weit auseinander. Aber die Herrgottskinder haben auch acht: Freiwillige Feuerwehr Kaltern Mitterdorf und Freiwillige Feuerwehr St. Anton Pfuss sind laut Google Maps 650 Meter entfernt – 8 Minuten zu Fuß. „Der Ortkenntnis wegen“, ist dann immer das Totschlagargument. Ortskenntnis lass ich so gelten, denn so sicher wie das Amen in der Kirche, stehen sie zu Silvester vor meiner Haustür. Wenn sie ihren „Glendr“ loswerden wollen oder etwas für den Glückstopf brauchen, wissen sie wo du wohnst. Gehe ich von Haus zu Haus und bettele um eine Spende für meinen Neujahrspunsch? Finanziert euer Hobby doch selber und kommt ja nicht her meinen Brand zu löschen; Löschwasserschäden sind meist die größeren… davon rostet nur die Leber. Prosit!

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Kommentare

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Georg Lechner 27.11.2019, 10:38

Damit nicht alles so bierernst ist wie meine Postings, braucht es zur Auflockerung auch solche Rundumschläge quer durch den Gemüsegarten.

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Hans Hanser 29.11.2019, 08:22

Genial - wie immer!

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elisabeth garber 01.12.2019, 10:23

Na ja - zu viel Barock wird auch irgendwann too much.

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Servus Leute 01.12.2019, 10:28

treffsicher, aber überladen, ja, eben "barock"

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