Kultur | Architektur

Abriss oder Erhaltung?

Die von Alois Negrelli 1859 errichtete Lagerhalle am Bozner Bahnhof soll abgerissen werden. Dagegen kämpft eine wachsende Zahl von Vereinen und Einzelpersonen.
Projekt Markthalle
Foto: Kuratorium

Es ist ein Bau, den kaum ein Bozner kennt.  Eine von aussen unansehliche, verwahrloste Lagerhalle, versteckt hinter der langen Mauer, die das Bahnhofsareal von der vielbefahrenen Rittnerbahnstrasse trennt.  Der Bau soll nun dem provisorischen Busbahnhof weichen, der auf diesem Gelände errichtet werden soll. Dagegen wehrt sich vehement das Kuratorium für technische Kulturgüter, das die fast 200 Meter lange Lagerhalle um jeden Preis erhalten will. Das Anliegen wird erst verständlich, wenn man einen Blick in das Innere des Gebäudes wirft, das die Eisenbahnverwaltung im Lauf der Jahre mit Gerümpel gefüllt hat. Denn das historische Gebäude ist der längste Bau mit offenem Holztragwerk dieser Art im Alpenraum.

Errichtet wurde er 1859 nach den Plänen von Alois von Negrelli, dem Erbauer des Suezkanals. Ein stützenfreier, suggestiver und gut erhaltener Raum von 1200 Quadratmetern, ein geradezu idealer Standort für einen Markt und mehrere Lokale. Selbst der Wiener Architekt Boris Podrecca, zuständig für die Überbauung des Bahnhofsgeländes, findet die Halle "durchaus charmant" und zeigt wenig Verständnis für die Abrisspläne. Nach der Entfernung der langen Mauer soll ein begrünter Fussweg vom Bahnhof zur Talstation der Rittner Seilbahn führen. In dieser Fussgängerzone könnte die umfunktionierte Lagerhalle zu einem attraktiven Anziehungspunkt werden. Andere Städte würden sich glücklich preisen, über eine derartige Halle zu verfügen.

Im Rahmen der Lehrveranstaltung "Bauen im Bestand" haben Architekturstudenten der Universität Innsbruck dazu suggestive Projekte erarbeitet. Der Schweizer Verkehrsexperte Willi Hüsler zeigte einen Weg auf, wie der provisorische Busbahnhof auch ohne Beseitigung der Halle perfekt funktionieren könnte. Das Land jedoch besteht auf dem vorgesehenen  Abriss. Landeshauptmann Arno Kompatscher liess ein Schreiben des Kuratoriums unbeantwortet. Bei einer Diskussion in der Lagerhalle plädierte Bozens Vizebürgermeister Christoph Baur für deren Erhaltung. 

René Benko und sein Bozner Statthalter Heinz Hager, zuständig für die Errichtung des provisorischen Busbahnhofs, haben gegen die Erhaltung grundsätzlich nichts einzuwenden, wollen aber keine Verzögerungen des für September anberaumten Baubeginns. Das Land und (eher unverständlich) auch das Denkmalamt haben den Abbruch offenbar abgesegnet.

Kritiker werfen dem Kuratorium vor, die Aktion zur Rettung der historischen Lagerhalle komme zu spät.  Doch die Kuratoriums-Vorsitzende Wittfrida Mitterer will nicht einsehen, warum ein historisch so attraktiver Bau  einem provisorischen Busbahnhof weichen soll, der in einigen Jahren ohnedies unter das Bahnhofsgelände verlegt werden soll.  Und damit ist sie nicht allein. Die Zahl ihrer Mitstreiter wächst täglich, von der Obfrau des Heimatpflegeverbandes Claudia Plaikner über den Weinproduzenten Luis Lageder bis zum Präsidenten des Burgeninstituts Carl Philipp Hohenbühl und zur Südtiroler FAI-Präsidentin Simona Kettmair.