Matthias Gauly
Foto: unibz
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Interview

"Weder tiergerecht noch zeitgemäß"

In ganz Europa leiden Schweine unter der Produktion von Südtiroler Speck. Matthias Gauly spricht über Tierhaltung, Chancen und Schwierigkeiten in der Speckproduktion.
Von
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Valentina Gianera19.07.2021
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Kommentare

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Elisabeth Garber 20.07.2021, 08:29

Kompliment - überzeugender Rap! @Kurt Duschek

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Karl Trojer 19.07.2021, 10:30

Die Nutztierhaltung bedarf dringend tiergerechter Vorschriften seitens der EU. Und wenn das Fleisch teurer wird, gewinnt davon allemal die Gesundheit der Menschen udn das Klima !

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Nadine Laqua 19.07.2021, 10:51

Auch artgerecht und biologisch gehaltene Schweine werden, so sie denn zu "Südtiroler Speck" werden sollen, durch halb Europa gekarrt. Genauso deren Futter, die Zutaten für deren Verarbeitung etc.. Wenn wir konsequent handeln wollen, dann rollt in Zukunft auch kein Dennree-LKW mehr nach oder durch Südtirol. Und keine südtiroler Produkte werden per Bio-Express nach Süden geschickt.
So verständlich das Anliegen von Herrn Gauly ist, es zeigt wirklich nur die Spitze vom Eisberg.

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Klaus Burger 19.07.2021, 20:35

Die Sache mit den Schweinen und deren „Verwertung“ ist wohl eines der abscheulichsten Dinge überhaupt.
Es wäre schön wenn Herr Gauly Recht behält mit dem Wandel in der Gesellschaft, aber ich denke solange Produkte im Regal angeboten werden mit Verkaufspreisen welche die Produktionskosten nur über die Masse irgendwie decken, ist und bleibt das „System-Schwein“ so wie wir es geschaffen haben. Mit Gesetzen und Vorschriften dem System Einhalt zu gebieten, ist vielleicht theoretisch denkbar aber praktisch nicht möglich. Die großen Schweineproduzenten haben weder baulich noch finanziell die Basis einer Umstellung - die Vorstellung von tiergerechter Schweinefleischproduktion in größeren Mengen ist Utopie solange Billigfleisch in den Regalen angeboten wird. Warum sonst läuft das System seit Jahrzehnten so wie es läuft und weiterhin laufen wird?
Die CO2 Gondel ist leider nur eines von vielen brutalen Dingen, aber möchte nichts weiter ausführen, sonst kommt dem einen oder anderen der Speck wieder hoch!

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Nadine Laqua 20.07.2021, 00:04

Das System läuft wie es läuft, weil die börsennotierten Bigplayer der Agrarindustrie ihre Gewinne maximieren möchten. Dazu gehören, neben Lebensmittelkonzernen in erster Linie Futtermittelhändler, Hersteller von Land- und Stalltechnik, ferner Lieferanten von Sperma mit entsprechender Genetik, Gross-Schlachthöfe, Tierkörperverwerter, Landbesitzer.... Bei allen anderen Nutztierarten das selbe Muster: am Ende der Kette findet man den "Bauern", der spätestens alle 25 Jahre einen neuen Stall auf Pump (Abschreibung!) bauen muss. Von den Zinsen leben die Banken weit besser als er und seine Familie von ihrer ehrlichen Arbeit. Das hat überhaupt nichts damit zu tun, wo auf der Welt sich ein Landwirtschaftsbetrieb befindet und wie "nachhaltig" er produziert.

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Klaus Burger 20.07.2021, 06:13

Exakt!
Es ist nur wichtig das System als Gesamtes zu verstehen. Zu glauben man würde bei einem Bauernspeck beim Nachbarn um die Ecke etwas viel besseres in den Händen halten, ist aber nur die halbe Wahrheit...vielleicht war die Mastzeit besser - aber woher kommen wohl die Ferkel?

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Peter Gasser 20.07.2021, 07:05

... und wo und wer macht die entsprechenden Gesetze und wählt die Politiker dazu?
Nein, nein, so ganz ohne den Bürger und Konsumenten, der das ganze Jahr und alles und billig *haben will*, geht es nicht.
Lebensmittel dürfen eben nix kosten, damit viel Geld für die Event- & Spass-Gesellschaft übrig bleibt.
Auch das ist ein Teil der Wahrheit und ein Teil des Systems.

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Stefan S 20.07.2021, 10:22

"Lebensmittel dürfen eben nix kosten, damit viel Geld für die Event- & Spass-Gesellschaft übrig bleibt."
Können Sie das auch plausibel erklären?
Letztendlich bezahlt doch diese Event und Spaßgesellschaft einen viel zu hohen Preis für scheinbar hochwertige Lebensmittel welche oftmals tot deklariert sind und nicht das beinhalten was einem auf der Verpackung und in der Werbung suggeriert wird.
Bei unter 10 € für 1 KG Südtiroler Speck bei Aldi, Lidl und Co. wird die Überproduktion am Ende noch für 5 € verramscht und es ist immer noch Gewinnmarge enthalten. Der Nettowert des Verpackungsinhalts liegt irgendwo zwischen 1-2 €

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Silke Raffeiner 20.07.2021, 08:22

Herr Gauly findet wie immer klare Worte.
Wenn über eine Ausweitung der regionalen Tiermast nachgedacht wird, dann muss aber auch der Anbau der Futtermittel mitgedacht werden. Eine lokale Tierhaltung, die nahezu vollständig von importierten Futtermitteln abhängig ist, schließt keine Kreisläufe. (Ähnliches gilt natürlich auch für den Kraftfuttereinsatz in der Milchwirtschaft.)

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Nadine Laqua 20.07.2021, 11:13

Ja, sehr richtig! Neben den Futtermitteln sollten noch weitere Bausteine der Schweinefleischproduktion bedacht werden.
1. Das KnowHow der Landwirte, in Südtirol nicht (mehr) vorhanden. Die Beratung verschwand mit Auflösung der Bergbauernberatung.
2. Geruchsemissionen, Schweine stinken nun mal und das Dorf, das Schweinegülle in der sauberen Bergluft akzeptiert, möchte ich sehen.
3. Zuchttiere, müssen von weit her importiert werden. Wie diese dort "produziert" werden, wollen wir lieber gar nicht wissen.
4. Wirtschaftlichkeit: selbst wenn der Speck für mindestens 30€ auf dem Bauernmarkt verkauft wird, hat der Bauer einen marginalen Gewinn (nicht Einnahmen!). Hier darf die Uni Bozen ansetzen und eine ehrliche Kostenrechnung für die Produktion und Direktvermarktung von Bauernspeck erstellen. Bitte mit genauesten Arbeitszeiten (Vakuumieren nicht vergessen!), Kapitalverzinsung und Lohnansatz des Bauern und seine Familienarbeitskräfte. Ich wette viel darauf, das er sich seinen eigenen Speck, im Laden nicht regelmäßig leisten könnte.
Herr Gauly wird das alles wissen, deshalb trifft sein Satz "das einzige Argument, das für Fleischkonsum spricht, ist unsere persönliche Vorliebe dafür... " den Kern des Problems.

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