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Polli der Woche

Beleidigte Leberwürste

Auch wenn einiges an der Kritik der Medizinstudenten nicht stimmen sollte. Nicht sie haben sich im Ton vergriffen, sondern die dünnhäutigen Politiker in ihren Reaktionen.
Colonna di
Ritratto di Christoph Franceschini
Christoph Franceschini21.01.2017
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Vielleicht tue ich einigen unrecht, die auf diesem Foto der Landesregierung zu sehen sind. Weil sie sich zurückgehalten haben oder ihre Widerrede im vorauseilenden Gehorsam lieber für sich behalten haben.
Anderseits müsste man hier zu Arno Kompatscher und Martha Stocker noch ein halbes Dutzend Personen dazustellen. Etwa den SVP-Fraktionssprecher im Landtag Dieter Steger oder den Kurtatscher SVP-Abgeordneten Oswald Schiefer. Aber auch den von mir überaus geschätzten Chef der Südtiroler Primare Hubert Messner.
Sie alle haben sich diese Woche über den offenen Brief der 158 jungen Medizinstudenten und Medizinerinnen echauffiert. „Der falsche Ton“, sei hier gewählt worden. Die jungen Menschen seien „anmaßend“. Und Landeshauptmann Arno Kompatscher ärgerte sich demonstrativ auf seiner wöchentlichen Pressekonferenz über die Wortwahl im offenen Brief. „Da dürften sehr viele Emotionen mit im Spiel gewesen sein”, verteilte Kompatscher eine väterliche Rüge.
In dem Brief der Medizinstudenten mag einiges inhaltlich auch falsch sein. Darauf soll man sachlich und ruhig eingehen.
Es ist ein Satz, der perfekt zu dem Verhalten passt, das die Südtiroler Politiker die vergangene Woche an den Tag gelegt haben. Der offene Brief einiger junger Menschen scheint die Schafherde wie ein streunender Wolf getroffen zu haben. Tagelang rennt man aufgeregt umher. Gesundheitslandesrätin Martha Stocker versteht die Welt nicht mehr und verweist in RAI Südtirol auf ihren regen Kontakt zu den „Südsternen“. Fast so, als sei das Netzwerk aus ambitionierten Muttersöhnchen und verwöhnten Töchtern aus besserem Hause das reale Abbild der Südtiroler Jungakademiker-Welt und nicht eine Bussi-Bussi-Seilschaft mit dem Gesellschaftszweck, Karriere zu machen.
In dem Brief der Medizinstudenten mag einiges inhaltlich auch falsch sein. Darauf soll man sachlich und ruhig eingehen. Was tut man aber? Man kanzelt die Wortwahl ab, die Anmaßung junger Menschen, sich ein Urteil zu bilden. Vor allem aber reißt man einzelne Aussagen aus dem Kontext, um die Kritiker zu diskreditieren. Allein die Bezeichnung, die sich inzwischen offiziell durchgesetzt hat, ist ein Affront: Der Wutbrief.
Es ist eine bewusste Anlehnung an die Wutbürger. Sozusagen dem Mob auf der Straße.
Wenn das ein Wutbrief ist, dann sind 90 Prozent der Wortmeldungen im Südtiroler Landtag Hasspredigten.
Ich bezweifle, dass all jene, die sich jetzt das Maul zerreißen, das Schreiben der 158 Medizinstudenten überhaupt gelesen haben. Denn, wenn das ein Wutbrief ist, dann sind 90 Prozent der Wortmeldungen im Südtiroler Landtag Hasspredigten.
Elisa Reiterer und ihre KommilitonInnen argumentieren in dem zweieinhalb Seiten langen Schreiben durchaus engagiert und hart. Sie verlassen aber in keiner Zeile den guten Umgangston. Das kann nur jemand behaupten, der Kritik mit dem zeitweiligen Stottern der Jungen Generation in der SVP verwechselt.
Einer der Hauptvorwürfe gegen die Kritiker: Sie würden den Südtiroler Primaren unterstellen, nicht auf der Höhe zu sein. O-Ton Arno Kompatscher: „Im Übrigen finde ich es etwas anmaßend, dass sich Studierende ein Urteil über das Ausbildungsniveau unserer Primare erlauben. Hier wurde wohl über das Ziel hinausgeschossen.
Im offenen Brief kommt das Wort Primare nicht einmal vor. Sondern es heißt:
„Die Südtiroler Krankenhäuser erreichen nicht das nötige Niveau, um eine teilweise Ausbildung zu jedwedem Facharzt zu ermöglichen.“
Besteht ein Krankenhaus nur aus Primaren oder Ärzten? Und darf man die Südtiroler Sanität nicht kritisieren?
 
Ein Rute, mit der man in den vergangenen Tagen auf die jungen Leute eindrosch, war genau das: Die Streichung der Facharztausbildung sind nicht Folge des zu niedrigen Niveaus der Südtiroler Krankenhäuser, sondern ein Auswuchs der ach so bösen römischen Bürokratie.
Wenn auch diese Erklärung stimmen mag, ändert das wohl kaum etwas an der Tatsache, dass junge Mediziner seit 2013 keine Facharztausbildung in Südtirol mehr machen können. Fast vier Jahre lang hat sich nichts getan. Deshalb sollten sich die Landespolitik und die Sanitätsführung hier wohl besser auf die eigene Brust klopfen, als die Fehler im Brief der jungen Kritiker zu suchen. (Jetzt scheint plötzlich diplomatische Bewegung in die Sache gekommen zu sein).
Dieses Vorgehen macht all die schönen Sonntagsreden zunichte, mit denen man immer wieder mehr politisches Engagement der jungen Menschen einfordert.
Was die Verantwortlichen in Wirklichkeit aber am meisten ärgert, ist die Tatsache, dass
Elisa Reiterer & Co den Brief an die Medien geschickt haben. Die jungen Mediziner taten damit genau das, was die Politiker eigentlich für ihr Privileg halten. Sie spielten mit viel Geschick auf der Medienklaviatur. Davor hat die Landespolitik am meisten Angst.
Die überzogene Reaktion auf die Kritik von immerhin 158 angehenden ÄrztInnen macht aber auch deutlich, wie dünnhäutig die Südtiroler Regierungspartei inzwischen geworden ist. Was aber wirklich schlimm ist: Dieses Vorgehen macht all die schönen Sonntagsreden zunichte, mit denen man immer wieder mehr politisches Engagement der jungen Menschen einfordert.
Kaum macht jemand dann den Mund auf, bekommt er schon eine aufs Maul.
Konstruktive Kritik sei natürlich immer willkommen. Aber die Wortwahl muss stimmen.
Dass Jungsein gerade darin besteht, dem Sturm und Drang nachzugeben und auch über das Ziel hinauszuschießen, daran erinnern wir alte Esel uns anscheinend nicht mehr.
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Ritratto di G. M.
G. M. 21 Gennaio, 2017 - 15:24

Die Reaktion vom LH, Stocker und Co. auf das Schreiben der Studenten ist erklärt einiges, unglaublich. Ich bin sprachlos...

Ritratto di Pasqualino Imbemba
Pasqualino Imbemba 21 Gennaio, 2017 - 15:40

Es sollte wohl "Mob" statt "Mop" heißen. Davon abgesehen scheint mir, es fehlt die Möglichkeit eines runden Tisches, in der die Anliegen der jungen Akademikergeneration kritisch und konstruktiv diskutiert werden können.

Ritratto di F. T.
F. T. 21 Gennaio, 2017 - 17:12

Bravo Franceschini. Ja,ja, der runde Tisch. Bei der Mentalität dieser Betonköpfe wird es wohl eher ein rechteckiger sein, mit
den Herrschenden am Kopf und den Untertanen am anderen, langen, Ende. Das "ancien regime" hat eben viele geprägt.

Ritratto di Klaus Egger
Klaus Egger 21 Gennaio, 2017 - 18:37

So langsam wird es aber ein bisschen arg gedehnt das Thema. Oder besser gesagt, der Brief und die Reaktionen darauf. Jede Aussage ob direkt, indirekt oder erfunden, bzw. angedichtet von Verfechtern oder Kommentatoren wird bis zum letzten Buchstaben hin interpretiert und gedeutet. Da hat der eine das gesagt, gemeint, verstanden oder eben das Gegenteil davon. Kommt mir fast vor als ob wir im Sommerloch stecken. Nehmen wir es doch als das was es ist. Eine, bzw 158 Meinungen die Recht haben gesagt zu werden, genauso wie andere das Recht haben darauf zu reagieren. Keiner ist bedroht worden, kein Rufmord geschehen, kein Mensch dabei gestorben. Und jeder macht daraus was er, bzw. sie eben daraus macht. Hoffentlich mehr als die reine Interpretation von Aussagen.

Ritratto di Markus Gufler
Markus Gufler 23 Gennaio, 2017 - 11:22

Klaus, ich seh mich voll getroffen von Deinem Vorwurf, in dem Fall alle nur erdenklichen Aussagen bis zum letzten Buchstaben zu interpretieren. Und ich muss sagen ich mach es bewusst so, vor allem um aufzuzeigen dass Aktion (vorwurfsvoller Brief) nicht unbedingt das ist, wo eine verständnisvolle Reaktion als natürliche Reaktion erwartet werden kann.
Es mag durchweg kritisierbare Themen in unserer Gesellschaft geben - natürlich auch in der Sanität - aber dieser Brief enthält zu wesentlichen Teilen Aussagen die unqualifiziert oder unpassend sind. Die konstruktive Anteile sind wenn überhaupt, dann in homöopathischer Dosis vorhanden.
Wenn diese Form der Kritik (dem Franceschini geht dabei natürlich einer ab) Schule macht, bekommt der meteorologische Klimawandel ein recht garstiges Brüderchen. Spätestens dann, wenn sich herausstellt, dass die, die ordentlich Kritik ausgeteilt haben, so gar nicht mit kritischen Reaktionen umgehen können. Politiker werden kritisiert weil sie nichts unternommen haben was in ihrem Verantwortung(!)sbereich liegt, und dann gleich wieder wenn sie dann das sagen was sie in eben dieser verantwortungsvollen Position denken und beschlossen haben. Das geht spätestens dann katastrophal schief wenn mehrere Interessensgruppen anfangen für sich zu fordern. Der Aufmerksamkeit halber gerne auch mit Übertreibungen oder falschen Tatsachen.
Zudem: Wenige Tage nach diesem unsäglichen Brief gab es eine Meldung (stol darf man hier nicht verlinken) dass es nach langen (!) und zähen Verhandlungen in Rom einen Durchbruch bei der AT-IT Facharztausbildung gibt. Das Fräulein Reiterer kommentiert das auf Facebook mit "Und aufeinmal geht's! Manchmal hilft es anscheinend doch, wenn man den Mund auftut."
Ich weiß nicht wie's Dir dabei geht: Ich finde hier wäre es sehr angebracht gewesen mal etwas weniger Selbstbewusstsein heraushängen, und auch mal etwas Anerkennung durchblicken zu lassen. Respekt und Dankbarkeit und Kooperation sollten die Zutaten sein, mit denen wir Probleme lösen. Nicht? Ich wäre gerne dabei, werde aber auch weiterhin jedem auf Punkt und Beistrich den Spiegel zunächst auf dem Niveau vorhalten auf dem er sich geäußert hat.

Ritratto di Marcus A.
Marcus A. 22 Gennaio, 2017 - 15:30

Die Beschreibung zum Südstern-Netzwerk muss ich reinrahmen :-)

Hatte beruflich in letzter Zeit zwecks Vostellungsgesprächen mit einigen "ambitionierten Muttersöhnchen und verwöhnten Töchtern aus besserem Hause" zu tun und tatsächlich scheinen zwischen Anspruch und Realitätssinn Welten zu liegen.

Nach über 20 Jahren in führenden Südtiroler Unternehmen in der Privatwirtschaft kann man so einige selbst erklärte Netzwerker nicht mehr richtig ernst nehmen.


Vielleicht sollte man sich langsam ernsthaft fragen ob das Thema Sanität in den richtigen Händen liegt. Auch nach einigen Jahren ist keine klare Linie und Strategie erkennbar und Streit ohne Ende.

Ein Kapitän muss Entscheidungen treffen, auch wenn diese weh tun. Am Ende aber zählen die Resultate. Und bei der Sanität kann man beim besten Willen keine Resultate erkennen.

Ritratto di Martin B.
Martin B. 22 Gennaio, 2017 - 23:26

"verweist in RAI Südtirol auf ihren regen Kontakt zu den „Südsternen“. Fast so, als sei das Netzwerk aus ambitionierten Muttersöhnchen und verwöhnten Töchtern aus besserem Hause das reale Abbild der Südtiroler Jungakademiker-Welt und nicht eine Bussi-Bussi-Seilschaft mit dem Gesellschaftszweck, Karriere zu machen." "und tatsächlich scheinen zwischen Anspruch und Realitätssinn Welten zu liegen."
Nun hier möchte ich doch mal noch Genaueres von Christoph Franceschini und Marcus A. hören. Networking ist grundsätzlich nichts schlimmes und es gibt auch genügend Journalisten die dieser Methode frönen. Klingt leider ein wenig zu viel nach "Über den Dingen stehen" oder es zumindest zu meinen. Der Kommentar von Klaus Egger ist diesbezüglich passend; meint jemand in der Ära Durnwalder hätte es eine weniger "starke" Reaktion der Politik gegeben. Auch die modernen Politiker "verlassen aber in keiner Zeile den guten Umgangston", also zurück zu den Fakten und Diskutieren, fertig. Gegenwind soll nicht ablenken.

Ritratto di Franze Monaco
Franze Monaco 22 Gennaio, 2017 - 23:10

Herr Franceschini ist ein streitbarer Journalist, keine Frage. Warum er sich aber so im Ton gegen das Südstern Netzwerk vergreift,erschließt sich mir nicht. Sachliche Kritik sieht anders aus. Ein guter Journalist sollte den Unterschied zwischen Scharfzüngigkeit und platter Respektlosigkeit kennen; und letzteres dem Boulevard überlassen.

Ritratto di Mair Johann
Mair Johann 23 Gennaio, 2017 - 09:40

Ich bin weder ein Arzt, noch einer, der irgendwie mit der Sanität zu tun hat, außer als Patient und kann daher keine Aussage zu Sanitätsfragen machen. Aber als Berater und Experte von Qualitätsmanagementsystemen und Business Excellence Modellen in der gewerblichen Wirtschaft möchte ich sehr wohl Stellung nehmen. In einem Qualitätsmanagementsystem - und die Sanitätseinheit verfügt sicher über ein ISO 9001 Zertifikat, wenn nicht über ein EFQM Modell - ist die Kundenzufriedenheitsumfrage eine zentrale Anforderung und ein Kriterium zur Bestimmung des Qualitätsniveaus. Die Patienten sind die Kunden der Ärzte und die Ärzte sind die Kunden der Sanitätsführung. Die zentrale Figur ist der Arzt, da er die Leistung erbringt. Und die Kritik eines Kunden, also letzthin dieser 158 Ärzte, darf in einem Qualitätssystem nicht in Frage gestellt werden, sondern ist wohlwollend ("der Kunde ist König") zur Kenntnis zu nehmen. Und das ist essentiell, denn der Kunde bezahlt die Leistung. Und wenn der Kunde die Leistung nicht honoriert und bezahlt, kann ein Betrieb zusperren. Die Infragestellung oder Ablehnung von Kritik ist unzulässig. Zulässig ist nur eine Hinterfragung der Kritik zum Zweck der Verständigung, Ursachenermittlung und Problemlösung. Ich stelle die Effizienz des Qualitätssystems im Krankenhaus aus 2 Gründen in Frage. Ersterer ist der aggressive Aufschrei der Sanitätsführung zu den Kritikpunkten der Ärzte. Und der Zweite sind die z.T. völlig fehlenden Sprachkenntnisse in bestimmten Abteilungen. Es ist unterstes Qualitätsniveau wenn ein Arzt den Patienten und der Patient den Arzt nicht versteht. Das ist ein absolutes "No Go". - also nicht zertifizierbar (!) Ich möchte aber sagen, es funktioniert natürlich vieles sehr sehr gut am Krankenhaus Bozen.
Ich erlaube mir noch ein Kommentar. Krass formuliert wäre unter diesem 2. Aspekt nicht das Krankenhaus Sterzing, sondern das Krankenhaus Bozen zuzusperren. Ich vermisse am Krankenhaus Bozen die Patientenzufriedenheistumfrage - ich habe jedenfalls noch nie eine gesehen.

Ritratto di Markus Gufler
Markus Gufler 23 Gennaio, 2017 - 10:57

weitgehende Zustimmung zu ihren Ausführungen, mit einer - dafür aber essentiellen - Ausnahme: Der Arzt bezahlt nicht, und ist somit auch nicht der spezielle Kunde den es als König zu behandeln gilt. Bezahlen tun alle Südtiroler Steuerzahler und das nicht zu wenig: 1,35 Mrd stehen pro Jahr im Haushalt. Das sind aufgeteilt auf alle Südtiroler (unabhängig davon ob sie arbeiten oder nicht) gut 2500 Euro pro Jahr. Was jenen gut 50% der Steuerzahler davon praktisch Monat für Monat abgezogen wird, ist was jemanden zum Kunden macht. Dort liegt also das Recht zu kritisieren und zu fordern: Von der Landesregierung, der Verwaltung und auch den Ärzten, sowie jenen Jungärzten die mit zusätzlichem Steuergeld (Stipendien) eine Ausbildung erhalten,
Wenig nützlich im Sinne der "Kunden" ist es, wenn Briefe mit teilweise erheblichen faktischen Mängeln zu Schuldzuweisungen innerhalb dieser 4 Gruppen führen. Ich sehe den Fehler weniger darin dass oder wie darauf reagiert worden ist, sondern mit welchen "Argumenten" überhaupt geschossen worden ist. Wo kein Angriff, da keine Abwehrhaltung. Auch das sollte ein wichtiger Teil von effektivem Qualitätsmanagement sein.

Ritratto di Mair Johann
Mair Johann 24 Gennaio, 2017 - 10:00

ja...kann man so sehen, aber die Patienten sind Kunden der Führung und da müsste man die Ärzte dazuzählen, da sie auch Führungsaufgaben haben. Ich würde sie auch als Leistungslieferanten des obersten Managements sehen. In einem Total Quality Management geht es um die Zufriedenheit aller Interessenspartner, also vor allem der Ärzte und Patienten. Und wenn Ärzte unzufrieden sind, dann verlassen vor allem die guten Ärzte den Betrieb - oder sie treten erst gar nicht ein, wie im konkreten Fall (!) - was dann voll auf Kosten der Zufriedenheit der Patienten geht.

Ritratto di Markus Gufler
Markus Gufler 23 Gennaio, 2017 - 11:42

Herr Fransceschini, ich hab da eine konkrete Frage zu ihrem Versuch "einen der Hauptvorwürfe gegen die Kritiker: Sie würden den Südtiroler Primaren unterstellen, nicht auf der Höhe zu sein" zu entkräften.
Sie schreiben dazu "Im offenen Brief kommt das Wort Primare nicht einmal vor" und weiter "Besteht ein Krankenhaus nur aus Primaren oder Ärzten? Und darf man die Südtiroler Sanität nicht kritisieren?"
Ich frage sie nun: wer außer den Primaren und Ärzten sollte die Jungärzte in unseren Krankenhäusern fachlich ausbilden?
Kritisieren darf man. Bevorzugt konstruktiv sollte es aber sein, wenn man schon der Gute sein will. Einstecken können sollte man dann aber auch! Oder zumindest all jenes als Fehler eingestehen, was man im Eifer des Gefechts unnötig abgeschossen hatte.

Ritratto di Christoph Franceschini
Christoph Franceschini 23 Gennaio, 2017 - 14:29

Herr Gufler,
1. "dem Franceschini geht dabei natürlich einer ab" - Ich darf Sie informieren, dass ich zum Glück andere Vorlieben habe.
2. "Ich frage sie nun: wer außer den Primaren und Ärzten sollte die Jungärzte in unseren Krankenhäusern fachlich ausbilden?" Also nochmals: Im offenen Brief heißt es: „Die Südtiroler Krankenhäuser erreichen nicht das nötige Niveau, um eine teilweise Ausbildung zu jedwedem Facharzt zu ermöglichen.“
Könnte es nicht sein, dass es strukturelle, organisatorische oder bürokratische Hindernisse gibt? Oder kann es nicht sein, dass ein Facharztausbildung Techniken, Disziplinen oder gewisse Prozeduren vorschreibt, die es in Südtirol nicht gibt oder geben kann?
Ich weiß es nicht. Aber aus diesem Satz den direkten Vorwurf zu konstruieren, die Primare und Ärzte haben nicht das nötige Niveau, scheint mir doch etwas weit gegriffen.
In der Hoffnung und um bei ihrer gewählten Wortwahl zu bleiben, dass jetzt nicht "Ihnen einer abgeht".

Ritratto di Markus Gufler
Markus Gufler 23 Gennaio, 2017 - 15:47

Nun ich gehe fest davon aus, dass es kaum ein einzelnes Krankenhaus gibt, worin man sämtliche Ausbildungen absolvieren kann. Weder in den paar wenigen die wir hier haben, noch in allen anderen die in Frage kommen. Warum auch?
Das in dieser Form zu formulieren, war den Studenten wohl eine Spur zu wenig gepfeffert. Es wurde eine zweifelhafte bzw. sehr missverständliche Form gewählt, die in meinen Ohren pauschal (ab)wertet, als wären es rückständige Baracken, die dem Anspruch der Jungspunde nicht gerecht wird.
Und (sorry Klaus) wenn man dann etwas genauer liest, was da so formuliert worden ist, findet man jenen klitzekleinen Teil den man mit viel gutem Willen als konstruktiv bewerten könnte: "wie wäre es damit unsere Krankenhäuser wieder auf das Niveau zu bringen, das eine Ausbildung ermöglicht" Wieder? Und wie konkret stellen die sich das - abgesehen von der Römischen und Wienerischen Blockade - denn vor? Konkret wäre hier mal endlich konstruktiv gewesen.
Das Thema Niveau ist übrigens gut im Brief verteilt. Bei mehrmaligen Lesen fällt dann aber auch jener Absatz auf: "Wir ziehen in die Welt und sammeln Wissen, Expertise und würden uns ... wünschen unsere Talente weiterhin zu fördern." Man beachte hier die plötzlich völlig andere Wort-Färbung sobald die Jungstars von sich schreiben. Der Absatz geht weiter mit "all dies brächte eine schon lange nötige Steigerung des Niveaus" .... Öha?! daher also der Mangel in Südtirol: Wenn 158 Superhirne im Ausland studieren, muss hier ja zwangsweise ein Niveaumangel vorhanden sein. Ist doch logisch oder?
Aus dem Grund wundert es mich doch sehr, dass sie Herr Franceschini so undifferenziert für diesen Brief Partei ergreifen. Da stehen ja noch ganz andere Kaliber, wie der direkte und unmissverständliche Vorwurf "Ein Land, in dem grenzüberschreitende Zusammenarbeit gestrichen wird, damit sie sich profilieren können" Aber Hallo?! wer glaubt denn hier im Ernst, dass Stocker, Kompatscher, Schael oder sonst wer im Land diese Facharzt-Ausbildung blockiert, abgeschafft oder verschuldet hat? Dem nicht genug wird gleich danach noch eins drauf gesetzt mit der wohl von den Studenten missverstandenen "Zwangs-Anstellung mittels Notstandsverordnung". Die war - soweit ich mich erinnern kann - wohl eher als Übergangslösung gedacht, weil die Vertragsverhandlungen zwischen Ärztegewerkschaft und Land abgebrochen worden sind. Also einer der vielen Fehler, die in diesem Brief enthalten sind, und als scheinbare Fakten anderen vorgeworfen werden.
Natürlich ist es gut, wenn sich Junge zu Wort melden. Aber doch nicht so bitte! Hand hoch bitte wer sich wünschen würde so angegriffen zu werden!

Ritratto di Markus Gufler
Markus Gufler 23 Gennaio, 2017 - 17:14

Ah und noch was ist mir eingefallen (hatte ich schon in Frau Reiterers Facebook-Account deponiert)
Wie geht das überhaupt zusammen: Trentino und noch mehr Südtirol haben im italienweiten Vergleich die mit Abstand höchsten Pro-Kopf-Spesen. Diese werden damit erklärt, dass es hier - immer im italienischen Vergleich - die höchsten Einkommen, der besten Ausstattungen und die umfangreichsten Leistungen gibt. Auf der einen Seite gibt es Fakelzüge wenn Politiker versuchen diese Kosten in den Griff zu bekommen, auf der anderen Seite reichen unseren Studiosi eben genau diese italienweit teuersten Krankenhäuser dann nicht für eine Facharzt-Ausbildung aus?

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