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Medical School ab 2018?

Das grenzüberschreitende Projekt einer privaten Medizinuniversität wird konkret. Ab Herbst 2018 hofft Martha Stocker auf 30 zusätzliche Ausbildungsplätze für Südtiroler.
Medizinerausbildung
Foto: Biomedizinisches Kompetenzzentrum

Seit Jahren wird sie in unterschiedlichen Varianten diskutiert. Nun scheint das Projekt einer grenzüberschreitenden privaten Medical School mit Südtiroler Beteiligung in Hall in Tirol konkret zu werden. Bereit im Herbst 2018 könnten die Lehrveranstaltung starten, stellt Gesundheitlandesrätin Martha Stocker in Aussicht. Die Machbarkeitsstudie zum gemeinsamen Projekt der Bundesländer Tirol und Vorarlberg sowie der Provinz Südtirol, an der auch der Bozner Primar Christian Wiedermann beteiligt ist, soll in Kürze von der Tiroler Landesregierung begutachtet werden. Die private Ausbildungsstätte soll zwischen 100 und 150 Studierende Plätze bieten. Südtirol will sich dabei laut Stocker rund 30 Plätze reservieren. Ganz in trockenen Tüchern ist das Projekt gegen den chronischen Ärztemangel aber noch nicht, räumt auch die Gesundheitslandesrätin ein. Denn nach wie vor seien einige rechtliche und finanzielle Aspekte zu klären. 

An diesen sind bisher alle Anläufe zu einer Medical School gescheitert. Erstmals war das Projekt, den knappen Ausbildungsplätzen in Österreich mit einer privaten Alternative beizukommen, 2010 von Landeshauptmann Luis Durnwalder und dem Tiroler Wissenschaftslandesrat Bernhard Tilg als Euregio-Projekt, ins Leben gerufen worden - also mit der Beteiligung der drei Länder Tirol, Südtirol und Trentino. Das Projekt scheiterte aber nicht zuletzt am Widerstand von Rom. Nach zwischenzeitlichen Plänen einer eigenen Südtiroler Medical School wird nun in einem zweiten Anlauf mit Tirol und Vorarlberg versucht, in Kooperation mit der Privatuniversität UMIT sowie der Medizinischen Universität Innsbruck eine Tiroler „Medical School“ zu errichten. Für europrechtliche Zweifel sorgt dabei aber nicht zuletzt der Plan, die Studierenden aus den drei Provinzen über ein ähnliches Stipendiensystem wie jenes bei der Südtiroler Facharztausbildung, dazu zu verpflichten, nach Abschluss des Studiums in ihrem Herkunftsland zu arbeiten.

Kritische SH

Wie sinnvoll eine Tiroler Medial School mit Südtiroler Beteiligung tatsächlich ist, wurde nicht nur von der salto-Community in Frage gestellt. Die Österreichische HochschülerInnenschaft sprach sich im Vorjahr klar gegen das Vorhaben aus. Auch anhand einer Umfrage argumentierte sie, dass die Hauptursache des Medizinermangels sei, dass mehr als die Hälfte aller Studierenden nach Abschluss des Studiums ins Ausland gehen will.  Eine Erhöhung der Zahl von Ausbildungsplätzen werde diese Problematik nicht lösen, solange nicht die Arbeitsbedingungen für Jungärzte attraktiver gemacht würden.

Der Illusion, dass eine Medical School das Problem Ärztemangel lösen kann, gibt man sich auch in Süditrol nicht hin. Doch wie Arno Kompatscher in der Montags-Ausgabe der Tageszeitung Dolomiten unterstreicht, müsse man an allen Fronten arbeiten. Fest steht auch für den Landeshauptmann, dass die Rahmenbedingungen für die Ärzte in Südtirol attraktiver werden müssen.“